Nicht jede Geburt verläuft so, dass die Mutter danach uneingeschränkt glücklich ist. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich, wie jede Geburt es ist. Medizinische Eingriffe, fehlende oder mangelhafte Begleitung durch Fachpersonal, Komplikationen oder das Überraschtwerden von der Heftigkeit der Geburt können eine Rolle spielen. Auch eine vorangegangene Gewalterfahrung oder ein Trauma können eine persönliche Krise hervorrufen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Mutter allein darüber entscheidet, ob die Geburt für sie belastend war oder nicht. Niemand darf ihr diese Einschätzung zu ihrer Geburtserfahrung streitig machen. Auch wenn in den letzten Jahren immer mehr Frauen über eine schwierige Geburt sprechen, ist das Thema nach wie vor ein Tabu. Dabei sind so viele Frauen und ihre Familien betroffen – die Folgen teilweise gravierend!
Studien haben ergeben, dass bis zu 30 Prozent der Frauen die Geburt ihres Kindes als belastend, schwierig oder sogar traumatisch empfinden. Psychoanalytiker und Psychologen weisen schon länger auf den Zusammenhang zwischen einer schwierigen Geburtserfahrung und Folgen für die Mutter, das Kind bzw. die Kinder und die Familie insgesamt hin.

Ist die Geburt Stress für das Baby?
Die Schwangerschaft ist eine Zeit großer Veränderungen, die werdende Mütter vor neue Herausforderungen stellt. Wenn zusätzlich beruflicher Druck, familiäre Spannungen oder gesundheitliche Beschwerden hinzukommen, kann dies zu übermäßigem Stress führen. Doch was bedeutet Stress eigentlich und wie wirkt er sich auf Schwangere und das ungeborene Kind aus?
Was ist Stress?
Stress ist ein natürliches Reaktionsmuster des Körpers auf Situationen, die als herausfordernd oder bedrohlich empfunden werden. Der Körper schaltet vorübergehend auf Alarmbereitschaft, um den Anforderungen der Situation gerecht zu werden. Dies äußert sich in körperlichen Reaktionen wie erhöhter Muskelanspannung und beschleunigtem Herzschlag.
Wird diese Alarmbereitschaft zum Dauerzustand und folgt auf die Anspannung keine Entspannung, kann die Gesundheit Schaden nehmen. Was persönlich als stressig empfunden wird und was die individuellen Stressauslöser sind, kann sehr unterschiedlich sein. Das subjektive Stressempfinden hängt stark von der Person und ihrer aktuellen Lebenssituation ab.
Stressfaktoren in der Schwangerschaft
Das Ausmaß an Stress, dem eine Schwangere ausgesetzt ist, lässt sich nicht objektiv messen. Entscheidend ist das subjektive Stressempfinden der werdenden Mutter. Dies variiert von Frau zu Frau, und was die eine gut bewältigt, kann für die andere eine große Belastung darstellen. Auslöser können spezifische Situationen, Personen, Lebensumstände oder auch eigene Einstellungen und Überzeugungen sein.
Schwangere sind besonders anfällig für zu viel Stress, da sie während dieser Zeit ohnehin zahlreichen Belastungen ausgesetzt sind. Typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme und Schlafstörungen sowie Sorgen um das Wohl des Babys und die zukünftige Mutterrolle können die werdende Mutter seelisch und körperlich unter Druck setzen.
Der Stress kann sich erheblich verstärken, wenn zusätzlich äußere Umstände hinzukommen. Dazu gehören Probleme im Beruf oder in der Partnerschaft, eine Trennung, der Tod eines nahestehenden Menschen oder andere große Veränderungen im Leben während der Schwangerschaft. Auch eine Flut (und im schlimmsten Fall unzuverlässige) Informationen aus dem Internet kann verunsichern. Ein Arzt-Patientinnen-Verhältnis, in dem nicht alle Fragen beantwortet und Unsicherheiten genommen werden, und in dem sich die Schwangere mit Geboten, Untersuchungsmöglichkeiten und Diagnosen überfordert fühlt, kann ebenfalls Stress auslösen.
Wie wirkt sich Stress auf die Schwangere aus?
Ein guter Schwangerschaftsverlauf hängt maßgeblich von psychosozialen Faktoren ab. Ist die Schwangere dauerhaft hohen psychischen Belastungen und damit einhergehendem Stress ausgesetzt, kann dies das Risiko für Komplikationen erhöhen. Beispiele hierfür sind ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, eine Frühgeburt oder vorzeitige Wehen.
Übermäßiger Stress kann auch den natürlichen Ablauf der Geburt behindern. Eine Geburt ist eine körperliche und psychische Herausforderung, die oft mit Ängsten und Sorgen verbunden ist. Bei Frauen mit stark ausgeprägter Geburtsangst ist erwiesenermaßen die Geburt langwieriger. Frauen, die verhältnismäßig entspannt in den Kreißsaal gehen, haben es tendenziell leichter.
Auswirkungen von übermäßigem Stress auf das Baby
Da Mutter und Baby einen gemeinsamen Blutkreislauf haben, nimmt auch das ungeborene Kind Stresszustände der Mutter wahr. Dies kann sich unter anderem in einer Beschleunigung des kindlichen Herzschlags äußern.
Ein gewisses Maß an Stress in der Schwangerschaft ist normal und schadet dem Ungeborenen nicht. Es gehört sogar zur pränatalen Entwicklung dazu, dass das Kind im Mutterleib verschiedene Stimmungen miterlebt.
Problematisch wird es jedoch bei dauerhaftem Stress. Stresshormone wie Cortisol können bei einem chronisch erhöhten Hormonspiegel der Schwangeren die Plazenta-Schranke passieren. In Verbindung mit anderen Faktoren können sie möglicherweise die Entwicklung des kindlichen Gehirns negativ beeinflussen.
Studien haben gezeigt, dass Kinder von übermäßig gestressten Müttern ein schwierigeres Temperament entwickeln können. Diese Säuglinge reagieren auf neue Reize mit mehr Unbehagen und lassen sich schwerer beruhigen. Chronischer Stress während der Schwangerschaft kann zudem Auswirkungen auf die Entwicklung kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten beim Baby haben und das Risiko für psychische Erkrankungen des Kindes, wie Angststörungen oder Depressionen, erhöhen.
Wenn das normale Alltagsmaß an Stress nicht überschritten wird, ist das Ungeborene durch die Plazenta-Schranke gut geschützt. Bestimmte Enzyme begrenzen den Zustrom der Stresshormone in der Regel auf ein gesundes Maß.
Stressbewältigung und Entspannung in der Schwangerschaft
Um Stress effektiv zu bewältigen, ist es für werdende Mütter hilfreich, sich ihrer individuellen Stressfaktoren bewusst zu werden. Manchmal merken wir gar nicht, wie stark uns etwas belastet. Sobald die Auslöser bekannt sind, können aktiv Schritte unternommen werden, um Stressoren auszuschalten, zu reduzieren oder einen besseren Umgang mit ihnen zu erlernen.
Stress entsteht oft durch Anforderungen von außen oder durch selbst auferlegte Erwartungen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist daher, zu lernen, auch einmal Nein zu sagen. Es ist nicht notwendig, jede zusätzliche Aufgabe zu übernehmen. Stattdessen sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Dies gilt insbesondere im Beruf. Schwangere sollten offen mit Vorgesetzten über ihre Kapazitäten und Belastungen am Arbeitsplatz sprechen. Arbeitgeber sind verpflichtet, Mutterschutzrichtlinien zum Schutz der werdenden Mutter und des Kindes einzuhalten.
Nehmen Sie den Druck von sich: Sie müssen nicht alles perfekt machen. Entschleunigen Sie Ihren Tagesablauf und bitten Sie ohne schlechtes Gewissen Freunde und Familie um Unterstützung. Oft helfen auch Gespräche mit einer guten Freundin, der eigenen (Schwieger-)Mutter oder anderen Frauen, die bereits eine Schwangerschaft erlebt haben, wenn Sie sich gestresst fühlen.
Bei gesundheitlichen Sorgen sind offene Gespräche und umfassende medizinische Aufklärung durch die Gynäkologin, den Gynäkologen und ergänzend durch die Hebamme sehr hilfreich. Es ist ratsam, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, sich ausschließlich bei seriösen Quellen zu informieren, Dinge zu hinterfragen und die Schwangerschaft selbstbewusst mitzugestalten.
Direkt gegen bestehenden Stress wirken Entspannungsverfahren. Dazu gehören autogenes Training, sanfte, meditative Bewegungsübungen wie Yoga oder Qi Gong. Diese Methoden können helfen, Ruhe, Ausgeglichenheit und Entspannung wiederherzustellen. Eine besonders einfach zu erlernende Entspannungstechnik ist die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Auch kurze Meditationseinheiten können zur Entspannung beitragen.
Wann ist der Körper erholt von der Geburt?
Der Zeitraum nach der Entbindung wird als Wochenbett (auch Kindbett oder lateinisch Puerperium) bezeichnet und dauert in der Regel 6 bis 8 Wochen. Diese Zeit benötigt der mütterliche Organismus, um sich von den gravierenden Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt zu regenerieren.
Im Wochenbett lernen Mütter die wichtigsten Handgriffe im Umgang mit dem Säugling. Parallel dazu findet die physiologische Rückbildung der körperlichen Veränderungen statt, die durch Schwangerschaft und Geburt entstanden sind.
Psychische Probleme im Zusammenhang mit der Geburt
Manche Wöchnerinnen erleben im Wochenbett auch psychische Veränderungen oder sogar ernsthafte psychische Störungen. Für viele Frauen ist eine Niederkunft nicht nur ein freudiges Ereignis, sondern kann auch den Beginn psychischer Probleme darstellen.
Etwa 10–15 % der Wöchnerinnen sind von einer sogenannten Wochenbettdepression oder postnatalen Depression betroffen. Bei etwa 1 bis 2 von 1000 Geburten kann es zu einer sogenannten Wochenbettpsychose kommen. Weniger schwerwiegend, aber dennoch belastend, ist der sogenannte Baby-Blues. Dies ist ein Stimmungstief, das meist wenige Tage nach der Niederkunft auftritt und nach kurzer Zeit wieder verschwindet.
Körperliche Rückbildung nach der Geburt
In den Tagen nach der Geburt treten häufig noch Nachwehen auf. Das sind Kontraktionen der Gebärmutter, die der Rückbildung des Uterus dienen. Sie werden besonders durch das Stillen und den damit verbundenen Ausstoß des Hormons Oxytocin gefördert. Die Schmerzhaftigkeit dieser Kontraktionen wird unterschiedlich empfunden; besonders Mehrgebärende erleben diese Wochenbettwehen oft als sehr schmerzhaft.
Der sogenannte Wochenfluss ist die Ausscheidung von abgestorbenem Material und Wundgewebe aus der Gebärmutter. Er hält etwa 6 Wochen an. Zu Beginn ist der Ausfluss blutig (3 bis 5 Tage), wird dann einige Tage bräunlich, danach schmutzig-gelblich und nach ungefähr 3 Wochen grau-weißlich. Der Geruch ist fade und sollte nicht übelriechend sein. Regelmäßiges Händewaschen ist aus hygienischen Gründen sehr wichtig.
Die Muskeln des Unterleibes sind nach der Schwangerschaft oft schlaff und benötigen einige Monate, um wieder ihre alte Form zu erreichen. Die sogenannte Rückbildungsgymnastik fördert die Rückbildung der inneren Organe und hilft, die überdehnten Muskeln, insbesondere die Bauch- und Beckenbodenmuskulatur, wieder zu stärken. Beginnen Sie langsam mit leichten Übungen und überfordern Sie sich nicht.
Nach einem Kaiserschnitt sollten Sie mit körperlicher Anstrengung, besonders der Beanspruchung der Bauchmuskulatur, 4 bis 6 Wochen warten. Auch nach einem Dammschnitt sollten Sie warten, bis die Naht verheilt ist. Nach einer normalen Geburt kann bereits wenige Tage nach der Geburt mit dem Training der Beckenbodenmuskulatur begonnen werden. Dies hilft, die Scheidenmuskulatur zu straffen und regt die Verdauung an.
Probleme mit dem Beckenboden treten nach der Geburt häufig auf. Manche Frauen können beispielsweise das Wasser nicht mehr vollständig halten (Inkontinenz), besonders beim Lachen, Husten oder Niesen gehen kleine Mengen Urin ungewollt ab (Stressinkontinenz). Andere haben Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Diese Probleme verschwinden meist mit der Zeit und können durch gezielte Übungen beschleunigt werden.
Es ist normal, wenn Frauen auch nach der Geburt noch aussehen, als wären sie im sechsten Monat schwanger. Dazu tragen in den ersten Tagen und Wochen neben der erschlafften Bauchmuskulatur auch die vergrößerte Gebärmutter bei. Die Rückbildung der Gebärmutter ist ein Prozess, der ärztlich oder durch die Hebamme kontrolliert werden kann. Der Stand des Gebärmutterfundus verändert sich wie folgt:
| Zeitpunkt | Stand des Gebärmutterfundus |
|---|---|
| Direkt nach Geburt | 1-2 Querfinger unterhalb des Nabels |
| 1. Tag nach Geburt | 1 Querfinger oberhalb des Nabels |
| 5. Tag nach Geburt | Zwischen Nabel und Symphyse |
| 10. Tag nach Geburt | Knapp oberhalb der Symphyse |
Nachsorge durch die Hebamme
Nach der Entbindung haben Wöchnerinnen Anspruch auf eine sogenannte Nachsorge-Hebamme. Zusätzlich zu den 2 Besuchen in der gynäkologischen Praxis (innerhalb der ersten 7 Tage und nach 6–8 Wochen) übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für:
- Bis zum zehnten Tag nach der Geburt mindestens einen täglichen Hausbesuch der Hebamme.
- In den ersten zwölf Lebenswochen des Säuglings 16 Kontaktaufnahmen zur Hebamme.
Treten Komplikationen wie Stillprobleme auf, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung auf ärztliche Verordnung hin auch weitere Hebammen-Hausbesuche.

Die Nachsorge-Hebamme berät die frischgebackene Mutter umfassend. Sie beantwortet Fragen zum Stillen, zur Säuglingspflege und zur Linderung von Wochenbett-Beschwerden. Sie ist Ansprechpartnerin für Fragen zu den Nachwirkungen der Geburt, wie hormonelle Stimmungsschwankungen und mögliche Partnerschaftsprobleme. Bei Bedarf kann sie auf ergänzende Hilfsangebote hinweisen und die Mutter an zuständige Stellen weitervermitteln.
Des Weiteren begutachtet die Hebamme auch den Gesundheits- und Entwicklungszustand des Neugeborenen.
Häufig gestellte Fragen
Wir greifen Fragen auf, die häufig im Zusammenhang mit Geburt, Stress und Erholung auftreten.
Wie viele Frauen empfinden die Geburt als belastend?
Studien zeigen, dass bis zu 30 Prozent der Frauen die Geburt ihres Kindes als belastend, schwierig oder sogar traumatisch empfinden.
Ist Stress in der Schwangerschaft immer schädlich für das Baby?
Ein normales Alltagsmaß an Stress ist nicht schädlich und gehört zur pränatalen Entwicklung. Das Ungeborene ist durch die Plazenta-Schranke und Enzyme geschützt. Dauerhafter oder übermäßiger Stress kann jedoch negative Auswirkungen haben.
Welche Folgen kann chronischer Stress in der Schwangerschaft für das Kind haben?
Chronischer Stress kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinflussen, zu einem schwierigeren Temperament führen und das Risiko für spätere kognitive, emotionale und soziale Schwierigkeiten sowie psychische Erkrankungen erhöhen.
Wie lange dauert das Wochenbett?
Das Wochenbett dauert in der Regel 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung.
Was ist eine Wochenbettdepression?
Eine Wochenbettdepression (postnatale Depression) ist eine ernste psychische Störung, die etwa 10–15 % der Wöchnerinnen betrifft und sich in einem anhaltenden Stimmungstief äußert.
Was ist der Baby-Blues?
Der Baby-Blues ist ein vorübergehendes Stimmungstief, das meist wenige Tage nach der Geburt auftritt und nach kurzer Zeit wieder von selbst verschwindet. Er ist weniger schwerwiegend als eine Wochenbettdepression.
Warum sind Nachwehen wichtig?
Nachwehen sind Kontraktionen der Gebärmutter, die deren Rückbildung in ihre ursprüngliche Größe und Form fördern.
Wie lange dauert der Wochenfluss?
Der Wochenfluss dauert etwa 6 Wochen an und verändert im Laufe der Zeit Farbe und Beschaffenheit.
Wann kann ich nach der Geburt wieder mit Sport beginnen?
Mit dem Beckenbodentraining kann nach einer normalen Geburt oft schon wenige Tage danach begonnen werden. Bei Kaiserschnitt oder Dammschnitt sollte man 4 bis 6 Wochen warten, bevor mit intensiverer Rückbildungsgymnastik begonnen wird, insbesondere bei Übungen für die Bauchmuskulatur.
Wer unterstützt mich im Wochenbett?
Neben der Familie und dem Partner haben Wöchnerinnen Anspruch auf die Unterstützung einer Nachsorge-Hebamme, deren Besuche und Beratungen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.
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