Warum kam es zur Apartheid?

Apartheid in Südafrika: Eine Dunkle Ära

Rating: 4.88 (879 votes)

Das Wort "Apartheid" stammt ursprünglich aus dem Afrikaans und bedeutet harmlos "Gesondertheit" oder "Trennung". Doch dieser Begriff hat seine Unschuld verloren und steht unwiderruflich für eine jahrzehntelange, strikte Rassentrennung in Südafrika. Es war ein System der systematischen Unterdrückung einer nicht weißen Bevölkerungsmehrheit durch eine weiße Minderheit.

Wie kamen die Weißen nach Südafrika?
Die Einwanderer waren holländische Calvinisten, norddeutsche Siedler und 1689 eine Gruppe von 180 hugenottischen Refugées aus Frankreich. Die neu entstandene Bevölkerungsgruppe der weißen Siedler bezeichnete sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts selbst als Afrikaaner.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde eine wachsende Zahl diskriminierender Gesetze erlassen, die einer weißen Minderheit von etwa vier Millionen Menschen ermöglichten, eine schwarze Mehrheit von rund 41 Millionen skrupellos zu unterdrücken und auszubeuten. Erst nach langen Jahren des Protestes und Widerstandes zeichnete sich in den 1980er-Jahren eine Wende ab. Gespräche zwischen Weißen und Schwarzen nahmen zu, um ein neues Südafrika aufzubauen. Der Weg vom Krieg zum Frieden war schmal, aber es geschah das südafrikanische Wunder: Ein friedlicher Wandel fand statt, angeführt von dem charismatischen schwarzen Führer Nelson Mandela, der das Land 1994 als erster schwarzer Staatspräsident in eine neue Ära führte.

Die Wurzeln der Rassentrennung

Das Konzept der Rassen hat seinen Ursprung in der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, die versuchte, das in Europa vorherrschende Klischee einer überlegenen weißen Rasse wissenschaftlich zu untermauern. Der Rassismus selbst geht auf die Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas zurück. Die Versklavung von Millionen Afrikanern zur Ausbeutung von Rohstoffen verfestigte bei den europäischen Mächten das Gefühl einer moralischen und zivilisatorischen Überlegenheit. Obwohl Rassismus wissenschaftlich widerlegt ist, bleibt Diskriminierung aufgrund von Herkunft und Hautfarbe bis heute Realität für viele Menschen.

Die strikte Politik der konsequenten Rassentrennung, die später als Apartheid institutionalisiert wurde, begann bereits 1910 mit ersten Gesetzgebungsmaßnahmen in der neu gegründeten Südafrikanischen Union. Frühe Gesetze wie der "Mines and Works Act" von 1911 verpflichteten Schwarze zu niedrigeren Arbeiten, und der "Native Land Act" von 1913 wies Siedlungsgebiete nur für Schwarze aus und verbot ihnen Landkäufe außerhalb dieser Zonen.

Ankunft der Europäer und frühe Kolonialgeschichte

Die Geschichte Südafrikas reicht Millionen von Jahren zurück und gilt als Wiege der Menschheit. Vor etwa 3,5 bis 4 Millionen Jahren lebten hier unmittelbare Vorfahren der Gattung Homo. Das südliche Afrika wurde zunächst vom Volk der San besiedelt, das bis heute Reste steinzeitlichen Lebens bewahrt. Vor etwa 2000 Jahren entwickelten sich aus den Khoisan die viehzüchtenden Khoikhoi. Ab dem dritten Jahrhundert wanderten Bantu-Völker aus dem Norden ein und besiedelten den Osten Südafrikas. Diese Völkerwanderung war wahrscheinlich um das Jahr 1000 weitgehend abgeschlossen, wie archäologische Funde von Schmelzstätten, Töpferwaren und Befestigungsanlagen zeigen. Die Expansion der Bantu endete am Great Kei River; die Trockenheit verhinderte eine Besiedlung des Westteils, der das Land der Khoisan blieb. Das friedliche Verhältnis zwischen Bantu und Khoisan wird durch die Übernahme von Klicklauten in Bantu-Sprachen wie Xhosa und Zulu nahegelegt.

Die ersten Europäer, die Südafrika erreichten, waren die Portugiesen im 15. Jahrhundert auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien. Bartolomeu Diaz erreichte 1488 die Südspitze, Vasco da Gama landete 1498. Trotz der strategischen Bedeutung gründeten die Portugiesen keine ständige Niederlassung. Erst 1652 gründete die Niederländische Ostindische Kompanie (VOC) mit Kapstadt die erste dauerhafte europäische Siedlung. Zunächst eine Versorgungsstation, entwickelte sie sich rasch zur Kapkolonie.

Ab 1657 erlaubte die VOC einigen Angestellten, als "Vryburger" unabhängige Farmen zu bewirtschaften. Dies markierte den Beginn der Siedlungskolonie. Einwanderer kamen aus den Niederlanden, Norddeutschland und Frankreich (Hugenotten). Diese neue Gruppe weißer Siedler bezeichnete sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts als Afrikaaner. Die VOC führte ab 1658/59 Sklaven ein, hauptsächlich aus Indonesien, Indien, Madagaskar und Mosambik. Die Kapkolonie war das einzige afrikanische Land mit europäischer Rechtsordnung, in dem Sklaven gehalten wurden. Die Vermischung von Europäern, Khoikhoi und Sklaven führte zur Entstehung der Gruppe der Farbigen. Konflikte mit den Khoikhoi um Land und Wasser führten zu deren Verdrängung und Dezimierung, auch durch Pockenepidemien.

Der große Kinderreichtum der Buren und ihre extensive Landnutzung führten zu Expansion ins Landesinnere. Die "Treckburen" wurden zu halbnomadischen Viehzüchtern mit starkem Sinn für Unabhängigkeit, einem rassischen Überlegenheitsgefühl und einem religiösen Auserwähltheitsbewusstsein. Sie stießen mit den Xhosa zusammen, was zu den hundertjährigen Grenzkriegen führte.

Britische Herrschaft und die Burenrepubliken

Großbritannien annektierte die Kapkolonie 1806 endgültig. Britische Einwanderer kamen ab 1820. Englisch wurde Amtssprache, Pressefreiheit eingeführt. Die britische Kolonialverwaltung führte eine strengere Rassentrennung ein als die VOC und schloss Afrikaner im Osten vom Wahlrecht aus. Zwar gab es 1853 ein Zensuswahlrecht für alle britischen Untertanen (einschließlich Schwarzer und Farbiger), das von London genehmigt wurde, aber Sondergesetze wie das Passgesetz konterkarierten die Rechtsgleichheit. Die Abschaffung der Sklaverei 1834 entzog vielen Buren die Existenzgrundlage und verschärfte paradoxerweise die Rassentrennung. Unzufriedenheit mit britischer Herrschaft und der Gleichstellung freier Nichtweißer führte zum "Großen Treck" (ca. 12.000 bis über 20.000 Buren zwischen 1835 und 1845) ins Hinterland, wo sie Burenrepubliken gründeten (Natalia, Oranje-Freistaat, Transvaal). Dies führte zu Konflikten mit Bantu-Völkern, insbesondere den Zulu (Schlacht am Blood River 1838). Die Mfecane, ein Prozess gewaltsamer Herrschaftsveränderung unter schwarzen Völkern (ca. 1817-1840er), geschwächt durch Dürren, Sklavenhandel und Zulu-Expansion, erleichterte teilweise das Vordringen der Buren und Briten.

Die Briten dehnten ihr Territorium aus, führten brutale Grenzkriege gegen die Xhosa und besiegten schließlich das Zulu-Reich im Zulukrieg 1879. Nur wenige schwarze Völker wie die Basotho konnten sich behaupten, oft indem sie britisches Protektorat wurden. Die Entdeckung großer Diamantvorkommen in Kimberley (ab 1869) und Goldvorkommen am Witwatersrand (ab 1886) veränderten die Wirtschafts- und Sozialstruktur grundlegend. Tausende Arbeiter, darunter viele Schwarze, strömten in die Minen. Die Konzentration des Bergbaus führte zur Bildung mächtiger Unternehmen. Schwarze Arbeiter wurden in isolierten "Compounds" untergebracht, was ihre Sozialstruktur zerstörte. Die Goldfunde gaben den Burenstaaten eine wirtschaftliche und strategische Schlüsselrolle für das britische Empire. Spannungen zwischen Briten ("Uitlanders") und Buren, sowie Streitigkeiten um Eisenbahn und Frachttarife führten zu den Burenkriegen (1880-1881 und 1899-1902). Die Briten siegten im Zweiten Burenkrieg unter Einsatz von "verbrannter Erde" und Konzentrationslagern. Tausende Buren und Schwarze starben. Nach der Eingliederung der Burenrepubliken entstand 1910 die Südafrikanische Union als Dominion im britischen Commonwealth.

Die Südafrikanische Union und frühe Segregation

Die Südafrikanische Union wurde am 31. Mai 1910 aus den vier britischen Kolonialgebieten gebildet. Eine starke Zentralregierung wurde etabliert, Englisch und Niederländisch (später Afrikaans) gleichgestellt. Das Wahlrecht blieb provinzabhängig, was bedeutete, dass Schwarze und Coloureds nur am Kap ein eingeschränktes Wahlrecht hatten. Kapstadt wurde Parlamentssitz, Pretoria Regierungssitz, Bloemfontein Sitz des obersten Gerichts. Erster Premierminister wurde Louis Botha von der South African Party (SAP), die eine Aussöhnung zwischen Briten und Buren anstrebte.

Warum kam es zur Apartheid?
Ziel war es, die Rechte und Privilegien der weißen Minderheit zu schützen und zugleich billige schwarze Arbeitskräfte verfügbar zu haben. Die Gründung sogenannter Homelands (formell unabhängige Stammesgebiete der Schwarzen) wie Transkei, Ciskei, Venda und KwaZulu sollte die Rassentrennung perfektionieren.

Frühe diskriminierende Gesetze legten den Grundstein für die spätere Apartheid. Der Mines and Works Act von 1911 schloss Nichtweiße von qualifizierten Berufen aus. Der Natives Land Act von 1913 wies Schwarzen nur 7,13 Prozent der Gesamtfläche zu und verbot ihnen Landbesitz außerhalb dieser "Reservate". Später wurde die Quote auf 13,6 Prozent erhöht, was aber die Landknappheit kaum linderte. Der Native Urban Areas Act von 1923 beschränkte das Aufenthaltsrecht von Schwarzen in Städten auf diejenigen mit Arbeitserlaubnis; Städte waren grundsätzlich Weißen vorbehalten.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Südafrika an der Seite Großbritanniens. Nach dem Krieg erhielt die Union das Mandat über Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und verwaltete es wie eine fünfte Provinz. Politisch stand der SAP ab 1914 die Nationale Partei (NP) gegenüber, die anti-britische Ressentiments schürte und die Überlegenheit des weißen Afrikaanertums propagierte. Der Antagonismus zwischen Afrikaans- und Englischsprachigen sowie der Umgang mit Nicht-Weißen prägten die Politik. Der Afrikaaner-Nationalismus fand Ausdruck im geheimen Afrikaner Broederbond, der später maßgeblich die Apartheidpolitik beeinflusste.

Wirtschaftliche Rezession nach dem Krieg führte zu Konflikten. Goldbergwerke senkten Löhne und stellten mehr schwarze Arbeiter ein, was 1922 zu Unruhen weißer Arbeiter (Rand-Revolte) führte. Die NP nutzte die Situation, um die Rechte der "Poor Whites" gegen das britische Kapital zu verteidigen. Der Mines and Works Amendment Act von 1926 machte weiße Bergarbeiter zu den bestbezahlten Arbeitern des Landes. 1924 kam die NP an die Regierung (Koalition mit Labour Party). Unter Premierminister Barry Hertzog wurden Arbeitsplätze für weiße Arbeiter geschaffen und gesetzliche Grundlagen für Rassentrennung gelegt, z. B. der Immorality Act von 1927, der sexuelle Kontakte zwischen Weißen und Schwarzen unter Strafe stellte. Weiße Frauen erhielten das Wahlrecht 1930, während nur Coloured-Männer wählen durften. 1934 wurde das Wahlrecht landesweit vereinheitlicht, indem Schwarzen in der Kapprovinz das Wahlrecht entzogen wurde; sie durften nur noch drei weiße Vertreter wählen.

Faktische Souveränität erlangte Südafrika 1926, formale gesetzgeberische Unabhängigkeit 1931. Die Wirtschaft stabilisierte sich ab den 1930ern, begünstigt durch Gesetzgebung, die die Interessen der Weißen in den Ballungsräumen in den Mittelpunkt stellte. Gleichzeitig entstanden akademische Bildungseinrichtungen für Schwarze (z.B. University Fort Hare 1916) und schwarze politische Organisationen wie der South African Native National Congress (später ANC, gegründet 1912).

Der Zweite Weltkrieg und die Etablierung der Apartheid

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zerbrach die politische Allianz, da Premierminister Hertzog Neutralität befürwortete, während Justizminister Jan Christiaan Smuts den Kriegseintritt an der Seite Großbritanniens unterstützte. Smuts wurde Premierminister. Viele Afrikaaner sympathisierten mit dem Nationalsozialismus. Die Wirtschaft wuchs durch Rüstungsaufträge, was die Urbanisierung schwarzer Arbeiter beschleunigte. Trotzdem blieben Arbeitslosigkeit und Verarmung unter Nicht-Weißen hoch, was zu Unruhen und Streiks führte (1940-1949). Schwarze politische Organisationen und Gewerkschaften gewannen an Bedeutung und bildeten Allianzen mit indischstämmigen und Coloured-Gruppen. Die Regierung suchte nach Mitteln zur Eindämmung und entwickelte Konzepte zur Kontrolle und politischen Entrechtung der nichteuropäischen Bevölkerung, die ab 1948 als "getrennte Entwicklung" oder Apartheid systematisch umgesetzt wurden.

Der ANC unter Alfred Bitini Xuma verschärfte seine Politik, und die ANC Youth League (gegründet 1944 von Nelson Mandela u.a.) forcierte Taktiken wie Boykotte und zivilen Ungehorsam, beeinflusst von Mahatma Gandhi.

Bei der Wahl 1948 konzentrierte die Nationale Partei (NP) ihren Wahlkampf auf das Motto der Apartheid und gewann. Premierminister Daniel François Malan begann mit der Umsetzung. Die Apartheidpolitik war zunächst unsystematisch und erweiterte bestehende Gesetze, basierte aber auf Vorarbeiten intellektueller Mitglieder des Broederbonds. Englischsprachige in wichtigen Positionen wurden durch Afrikaaner ersetzt. Ehen zwischen verschiedenen "Rassen" wurden 1949 verboten (Prohibition of Mixed Marriages Act).

Die NP legte 1950 mit einer Reihe einschneidender Gesetze das Fundament für die strikte Apartheid: Der Population Registration Act legte die Zugehörigkeit jedes Südafrikaners zu einer "ethnischen oder anderen Gruppe" fest (Weiße, Farbige, Asiaten, Schwarze), oft basierend auf willkürlichen Kriterien. Der Separate Representation of Voters Act entzog Coloureds das Wahlrecht und erlaubte ihnen nur noch die Wahl von vier weißen Vertretern. Der erweiterte Immorality Act stellte sexuelle Beziehungen zwischen Weißen und allen anderen Rassen unter Strafe. Der Group Areas Act legte getrennte Wohngebiete fest, was zu Zwangsumsiedlungen führte (z.B. Sophiatown, Cato Manor). Der Suppression of Communism Act diente zur Unterdrückung von Widerstand. Der Bantu Education Act von 1953 erschwerte höhere Bildung für Schwarze und zielte darauf ab, sie auf körperliche Arbeit vorzubereiten. Im Laufe der Zeit wurden über 1000 Bestimmungen im Sinne der Rassentrennung erlassen. Die Trennung war im gesamten öffentlichen und privaten Leben sichtbar, z.B. in Bahnhöfen, Schulen oder auf Parkbänken.

Die Regierung beauftragte die Tomlinson-Kommission (ab 1950), wissenschaftliche Grundlagen und Empfehlungen für ihre Politik der Rassentrennung zu erarbeiten. Der Bericht trug den Titel "Kommission für die sozio-ökonomische Entwicklung der Bantugebiete innerhalb der Südafrikanischen Union".

Unter Premierminister Hendrik Frensch Verwoerd (1958-1966) wurde das Apartheidskonzept rigoros umgesetzt. Er wollte Schwarze aus dem südafrikanischen Staat "hinausdefinieren" und formte alte Reservate zu isolierten Homelands ("Bantustans") um (Promotion of Bantu Self-Government Act 1959). Die Homelands, formal souverän, waren vollständig von Südafrika abhängig und wirtschaftlich kaum lebensfähig. Einwohner, die in Südafrika arbeiteten, waren rechtlose Ausländer. Rund 3,5 Millionen Schwarze wurden in die Homelands zwangsumgesiedelt. Kein Staat außer Südafrika erkannte diese Marionettenregime an.

Wer hat die Apartheid in Südafrika beendet?
Sie endete nach massivem Widerstand der schwarzen Bevölkerung ab 1990 in einer Transformationsphase von umfassenden Verhandlungen mit einem demokratischen System- und Regierungswechsel, bei dem Nelson Mandela 1994 der erste schwarze Präsident der Republik Südafrika wurde.

Widerstand und internationale Isolation

Der Widerstand gegen die Apartheid wuchs. 156 Aktivisten, die an der Freiheitscharta beteiligt waren, wurden im Treason Trial (ab 1956) des Hochverrats angeklagt, aber freigesprochen. Mandela ging in den Untergrund. Der Pan Africanist Congress (PAC) spaltete sich 1959 vom ANC ab.

Das Sharpeville-Massaker am 21. März 1960, bei dem 69 demonstrierende Schwarze erschossen wurden, war eine Zäsur. Die Regierung verbot ANC und PAC. Im gleichen Jahr gaben ANC und kommunistische Partei den gewaltfreien Widerstand auf und gründeten die Untergrundorganisation Umkhonto we Sizwe ("Speer der Nation"). Nelson Mandela, Anführer von Umkhonto we Sizwe, wurde 1962 verhaftet und 1964 im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Südafrika wurde am 31. Mai 1961 zur Republik und trat aus dem Commonwealth aus. Die zunehmende internationale Kritik führte zu Isolation. Aufforderungen der UN, Südwestafrika in die Unabhängigkeit zu entlassen, wurden ignoriert, was zum Entzug des UN-Mandats 1966 führte.

Unter Premierminister Balthazar Johannes Vorster (1966-1978) verstärkte sich der Sicherheitsapparat, der ungesetzliche Methoden wie Folter anwandte. Das 90-Tage-Haft-Gesetz erlaubte Inhaftierung ohne Gerichtsbeschluss. Die Unabhängigkeit Mosambiks und Angolas 1975 konfrontierte Südafrika mit feindseligen Nachbarstaaten. Die südafrikanische Armee marschierte 1975 in Angola ein. Neue Widerstandsbewegungen entstanden, wie die Inkatha Freedom Party und die Black Consciousness-Bewegung unter Steve Biko. Als Afrikaans 1976 Pflichtunterrichtssprache an schwarzen Schulen werden sollte, kam es zum Aufstand in Soweto, der in einem Massaker endete. Biko starb 1977 in Polizeigewahrsam. Die Regierung reagierte mit noch härterer Repression, auch gegen kritische weiße Institutionen.

Südafrika entwickelte ein Atomwaffenprogramm und Aufrüstung mit chemischen und biologischen Waffen (Project Coast), auch mit dem Ziel "ethnischer Waffen". Verdeckte Operationen und ein "schmutziger Krieg" gegen den Widerstand, einschließlich politischer Morde und Folter, wurden in den 1980er Jahren verstärkt (z.B. Vlakplaas unter Eugene de Kock). Premier Pieter Willem Botha (ab 1978) sprach vom "totalen Angriff" auf das Land. Er schaffte zwar einige Apartheidgesetze ab (Immorality Act, Group Areas Act, Verbot schwarzer Gewerkschaften) und führte ein Dreikammerparlament für Weiße, Coloureds und Asiaten ein (ab 1984), bei dem Weiße die Stimmenmehrheit behielten. Schwarze blieben ausgeschlossen. Diese Reformen fanden kaum Unterstützung bei den Betroffenen. Die Verfolgung politischer Gegner verschärfte sich. Eine Welle von Streiks und Unruhen erfasste das Land ab 1984, Townships wurden militärisch besetzt. Ein landesweiter Ausnahmezustand galt von 1986 bis 1990.

Bothas kompromisslose Politik und Festhalten an der Besetzung Namibias führten zu Handelssanktionen und Boykotten. Banken forderten Kredite zurück. Die Isolation traf auch Kultur und Sport. Viele Künstler gingen ins Exil. Schriftsteller wie Nadine Gordimer und J.M. Coetzee wurden zu einflussreichen Regimekritikern. Sportboykotte trafen die weißen Südafrikaner hart.

Die Kosten für die Verwaltung der Homelands, die Unterdrückung der Unruhen und Sabotageakte führten Mitte der 1980er Jahre zu ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten. Eine militärische Niederlage in Angola 1988 trug zur Annahme der UN-Resolution 435 und zur Unabhängigkeit Namibias 1990 bei.

Das Ende der Apartheid und Übergang zur Demokratie

Nachdem Pieter Willem Botha 1989 zurücktrat, wurde Frederik Willem de Klerk Staatspräsident. Er signalisierte Reformen. In seiner Rede am 2. Februar 1990 kündigte de Klerk die Aufhebung des Verbots von ANC, PAC, SACP und anderen Gruppen sowie Verhandlungen an. Wenige Tage später wurde Nelson Mandela freigelassen.

Regierung und ANC verhandelten über einen friedlichen Übergang zur Demokratie und eine neue Verfassung. Ein Allparteien-Kongress bereitete eine Konstituierende Nationalversammlung vor. Schlüsselgesetze wie der Group Areas Act und der Population Registration Act wurden aufgehoben. Der Prozess wurde durch Machtkämpfe zwischen ANC und Inkatha überschattet, die Tausende Tote forderten. Angesichts der Gewalt erschien der Übergang ohne Bürgerkrieg als politisches Wunder, ermöglicht auch durch geheime Kontakte zwischen Regierung und ANC. Weltpolitische Umwälzungen (Ende des Kalten Krieges) trugen zur Reformbereitschaft bei. Ein Referendum 1992 (nur weiße Wähler) billigte die Annäherungspolitik. Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.

Trotz Drohungen durch rechtsextreme Weiße und Inkatha-Gewalt fanden von 26. bis 29. April 1994 die ersten freien Wahlen unter Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit statt. Das allgemeine Wahlrecht für alle Geschlechter und Ethnien wurde erreicht. Der ANC gewann mit 62,6 Prozent. Am 27. April 1994 trat eine Übergangsverfassung in Kraft. Am 10. Mai 1994 übernahm Nelson Mandela sein Amt als erster schwarzer Präsident Südafrikas. Die Nationale Partei und Inkatha wurden in die Regierung der nationalen Einheit eingebunden, was zur Beendigung der politischen Gewalt beitrug.

Wie kam es zur Rassentrennung?
Der Ursprung des Rassismus geht auf die Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas zurück. Die Versklavung von Millionen Afrikanern zur Ausbeutung der Rohstoffe der eroberten Gebiete verfestigte bei den europäischen Mächten das Gefühl einer moralischen und zivilisatorischen Überlegenheit der "weißen Rasse".

Südafrika trat 1994 wieder dem Commonwealth und der UN-Vollversammlung bei. Die Homelands wurden aufgelöst, das Land in neun Provinzen gegliedert. Im Mai 1996 wurde die endgültige Verfassung verabschiedet. Mandela wurde zur Integrationsfigur und förderte einen multikulturellen Patriotismus zur "Regenbogennation". Die Wahrheits- und Versöhnungskommission arbeitete die Verbrechen der Apartheid-Ära auf, wobei Täter Amnestie beantragen konnten. Obwohl viele weiße Verantwortliche keine Straffreiheit beantragten und nicht angeklagt wurden, gelang es weitgehend, Beamte und Sicherheitsapparat für die neue Regierung zu gewinnen. Die erwartete Kapitalflucht setzte nicht ein.

Herausforderungen im Post-Apartheid-Südafrika

Trotz Aufbruchstimmung gab es Probleme wie mangelnde Vorbereitung neuer Beamter, Ausbau des bürokratischen Apparats (Affirmative Action, Ämtervergabe), zunehmende Korruption und langsame Umsetzung des Wandels. Die Landreform, bei der Schwarze konfisziertes Land zurückforderten, stieß auf Schwierigkeiten, was 2006 zur Diskussion über Enteignungen führte. Klagen gegen Konzerne und Banken wegen Unterstützung des Apartheidregimes blieben anhängig.

Thabo Mbeki wurde 1999 Mandelas Nachfolger. Die ANC-Regierungen verfolgten eine eher liberale Wirtschaftspolitik. Mbeki trat 2008 zurück. Jacob Zuma wurde 2009 Präsident. Machtkämpfe und Spannungen führten zu Abspaltungen vom ANC. Die Demokratische Allianz wurde zur größten Oppositionspartei.

Südafrika kämpfte mit der AIDS-Epidemie (die Präsident Mbeki lange als "westliches Komplott" bezeichnete), hoher Gewaltkriminalität (Mord, Vergewaltigungen, Raubüberfälle) und Fremdenfeindlichkeit. Im Mai 2008 kam es zu erheblichen fremdenfeindlichen Übergriffen, insbesondere gegen Flüchtlinge aus Simbabwe, verursacht durch Wohlstandsgefälle, lokale Machtinteressen und historische Verständnisse von Land und Identität. Ähnliche Angriffe ereigneten sich 2015. Das Massaker von Marikana 2012, bei dem streikende Bergarbeiter erschossen wurden, führte zur Gründung der Partei Economic Freedom Fighters (EFF).

Nelson Mandela starb am 5. Dezember 2013. Sein Wirken wurde weltweit gewürdigt. Jacob Zuma wurde 2014 wiedergewählt. Im Januar 2018 trat Zuma auf Druck seiner Partei zurück, Cyril Ramaphosa wurde sein Nachfolger. Zumas Verurteilung 2021 wegen Missachtung einer Vorladung führte zu landesweiten Ausschreitungen mit Todesopfern. Südafrika verurteilte den Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 als völkerrechtswidrig, enthielt sich aber bei der UN-Resolution, da diese die Sicherheitsbedenken beider Seiten und Verhandlungsbemühungen als unzureichend berücksichtigte.

Wichtige Apartheid-Gesetze im Überblick

GesetzJahrKernbestimmung
Mines and Works Act1911 (erweitert 1922, 1926)Schloss Nichtweiße von qualifizierten Berufen aus (Farbenschranke).
Native Land Act1913 (erweitert 1936)Wies Schwarzen nur einen kleinen Teil des Landes zu und verbot Landbesitz anderswo.
Native Urban Areas Act1923Beschränkte das Aufenthaltsrecht von Schwarzen in Städten, die Weißen vorbehalten waren.
Immorality Act1927 (erweitert 1950)Stellte sexuelle Beziehungen zwischen verschiedenen "Rassen" unter Strafe.
Population Registration Act1950Schrieb die Zuordnung jedes Südafrikaners zu einer "Rassegruppe" gesetzlich vor.
Group Areas Act1950Legte getrennte Wohngebiete für jede "Rassegruppe" fest, führte zu Zwangsumsiedlungen.
Separate Representation of Voters Act1951Entzog Coloureds das Wahlrecht und erlaubte ihnen nur die Wahl weißer Vertreter.
Bantu Education Act1953Überführte die Bildung für Schwarze unter die Kontrolle des Native Affairs Department, zielte auf geringere Qualifizierung ab.
Promotion of Bantu Self-Government Act1959Schuf die Grundlage für die Umwandlung der Reservate in "Homelands" (Bantustans).

Häufig gestellte Fragen

Was war die Apartheid?
Die Apartheid war ein System der institutionalisierten Rassentrennung und Diskriminierung, das von 1948 bis 1994 in Südafrika praktiziert wurde. Es basierte auf der Überzeugung von der Überlegenheit der weißen Minderheit und führte zur systematischen Unterdrückung und Ausbeutung der nicht weißen Bevölkerungsmehrheit durch eine Vielzahl von Gesetzen und Vorschriften.

Warum wurde die Apartheid eingeführt?
Die Wurzeln liegen in der Kolonialisierung und dem daraus entstandenen Rassismus sowie im Wunsch der weißen Minderheit, politische Macht zu konsolidieren, ihre Vision von Rassenbeziehungen umzusetzen und den Bildungs- und Wirtschaftsstatus der Buren zu heben. Bereits vor 1948 gab es diskriminierende Gesetze, die nach 1948 von der Nationalen Partei systematisch erweitert und kodifiziert wurden.

Wie kamen die Weißen nach Südafrika?
Europäer erreichten Südafrika erstmals im 15. Jahrhundert (Portugiesen). Die erste dauerhafte europäische Siedlung wurde 1652 von der Niederländischen Ostindischen Kompanie (VOC) in Kapstadt gegründet. Später kamen britische Siedler hinzu. Buren (Nachfahren niederländischer, deutscher und französischer Siedler) wanderten bei den "Großen Trecks" ins Landesinnere.

Wer hat die Apartheid beendet?
Das Ende der Apartheid war das Ergebnis einer Kombination aus innerem Widerstand (angeführt von Organisationen wie dem ANC und Persönlichkeiten wie Nelson Mandela), internationalem Druck (Sanktionen, Boykotte, UN-Resolutionen) und Verhandlungen zwischen der südafrikanischen Regierung (unter Präsident F.W. de Klerk) und dem ANC. F.W. de Klerk leitete die entscheidenden Reformen ein, und Nelson Mandela führte den ANC durch den Übergangsprozess. Beide erhielten dafür den Friedensnobelpreis.

Welche Folgen hatte die Apartheid?
Die Folgen waren tiefgreifend: systematische Entrechtung und Verarmung der nicht weißen Bevölkerung, Zwangsumsiedlungen, Zerstörung sozialer Strukturen, hohe Gewalt und Kriminalität. Auch nach dem Ende der Apartheid kämpft Südafrika mit den Nachwirkungen, darunter soziale Ungleichheit, Landfragen, Korruption und Fremdenfeindlichkeit.

Hat dich der Artikel Apartheid in Südafrika: Eine Dunkle Ära interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!

Avatar photo

Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

Go up