In der Welt der Fotografie spielt das Format eine entscheidende Rolle. Es bestimmt nicht nur die Abmessungen des endgültigen Bildes, sondern beeinflusst auch maßgeblich die Handhabung der Kamera, den Prozess der Aufnahme und letztlich die technische Qualität des Ergebnisses. Kameras werden grob in Kleinbild-, Mittelformat- und Großformatkameras eingeteilt, basierend auf der Größe des verwendeten fotografischen Films oder, in der digitalen Ära, des Bildsensors. Doch diese Einteilung ist das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung, die viele verschiedene Formate hervorgebracht hat.

Das Aufnahmeformat, auch Bildformat oder Negativformat genannt, bezieht sich auf die tatsächlichen Abmessungen des aufgezeichneten Bildes auf dem Film oder Sensor. Dies ist etwas anderes als das Filmformat (die Breite des Films) oder die Art der Konfektionierung (wie der Film verpackt ist, z. B. als Rolle oder Blatt). Jedes Aufnahmeformat hat ein charakteristisches Seitenverhältnis, das ebenfalls zur Ästhetik des Bildes beiträgt.
Welche Formate gibt es bei Kameras? Eine Übersicht
Die Vielfalt der Kameraformate ist historisch gewachsen und reicht von winzigen Negativen bis hin zu beeindruckend großen Blättern. Die wichtigsten Kategorien und einige historische Beispiele sind:
Kleinstbildfotografie
Die Anfänge der Fotografie sahen Experimente mit sehr kleinen Formaten. Bereits in den 1850er Jahren gab es Miniaturkameras, die Platten mit Seitenlängen von nur 2,5 cm verwendeten. Diese winzigen Negative mussten im Gegensatz zur damaligen Praxis vergrößert werden.
- Minox-Kleinstbildformat: Das wohl bekannteste Kleinstbildformat ist 8 mm × 11 mm. Es wurde von der berühmten Minox-Kamera verwendet.
- 16-mm-Film: Kameras der späten 1960er Jahre nutzten 16-mm-Film. Aufnahmeformate waren 10 mm × 14 mm oder das etwas größere 12 mm × 17 mm (eingeführt von Minolta).
- Advanced Photo System (APS): Eingeführt 1996, nutzte APS einen 24 mm breiten Film mit einem Negativformat von 16,7 mm × 30,2 mm. Obwohl als möglicher Nachfolger des Kleinbildfilms gehandelt, wurde die Produktion 2011 eingestellt.
- Kodak Instamatic (126er): In den 1960ern populär, nutzten diese Kameras 35-mm-Film (nicht kompatibel zum Kleinbildfilm) im quadratischen Format 28,6 mm × 28,6 mm.
- Agfa Rapid: Mitte der 1960er eingeführt, verwendete dieses System ebenfalls 35-mm-Film für ein quadratisches Format von 24 mm × 24 mm.
- Pocket-Kameras (110er): In den 1970ern weit verbreitet, nutzten sie Kassetten mit einem Format von 13 mm × 17 mm.
- Kodak Disc: Eingeführt 1982, nutzte dieses Format eine Disc mit etwa 8 mm × 10,5 mm großen Negativen für 15 Aufnahmen. Produktion bis Ende der 1990er.
Diese Formate zeichneten sich durch hohe Kompaktheit aus, waren aber technisch oft eingeschränkt und sind heute weitgehend verschwunden.
Kleinbildfotografie (135er)
Das Kleinbildformat ist bis heute eines der populärsten Formate, sowohl in der analogen als auch in der digitalen Fotografie (wo Sensoren oft „Vollformat“ genannt werden, in Anlehnung an das Kleinbildnegativ).
- Standardformat: 24 mm × 36 mm.
- Ursprung: Entwickelt von Oskar Barnack für die „Ur-Leica“ um 1913, basierend auf 35-mm-Kinofilm. Während Kinokameras den Film vertikal führten (18 mm × 24 mm), nutzte die Leica eine horizontale Führung für das doppelte Format.
- Film: 35-mm-Rollfilm, beidseitig perforiert, konfektioniert für 12, 24 oder 36 Bilder.
- Handhabung: Ermöglicht handgehaltene Aufnahmen, oft sogar einhändig. Das Sucherbild ist in der Regel seitenrichtig.
- Beispiele: Canon AE-1, Leica Kameras, die meisten modernen digitalen Spiegelreflexkameras mit „Vollformatsensor“.
- Varianten: Es gab auch Halbformatkameras (18 mm × 24 mm, entsprechend dem Kinoformat) und Panoramakameras (z. B. 24 mm × 65 mm) basierend auf 35-mm-Film.
Die Dauerhaftigkeit des Kleinbildformats über rund 80 Jahre wird unter anderem mit Berechnungen zur optimalen Bildgröße für das menschliche Auge in Verbindung gebracht.

Mittelformatfotografie (120er, 220er)
Das Mittelformat stellt einen Kompromiss zwischen Handlichkeit und Bildqualität dar.
- Film: Rollfilm (120er oder 220er). Der 120er-Film ist heute am gebräuchlichsten.
- Aufnahmeformate: Verschiedene, meist quadratisch oder rechteckig:
| Bezeichnung | Bildgröße | Seitenverhältnis | Relative Fläche (zu Kleinbild) |
|---|---|---|---|
| Kleinstes Mittelformat (645) | 56 mm × 41,5 mm | 4:3 | ca. 2,7× |
| Klassisches Mittelformat (6×6) | 56 mm × 56 mm | 1:1 | ca. 3,6× |
| Rechteckiges Mittelformat (6×7) | 56 mm × 69 mm oder 56 mm × 72 mm | 5:4 (oft als Idealformat bezeichnet) | ca. 4,5× - 4,7× |
| Rechteckiges Mittelformat (6×8) | 56 mm × 76 mm | 4:3 | ca. 4,9× |
| Rechteckiges Mittelformat (6×9) | 56 mm × 89 mm | 3:2 | ca. 5,8× |
- Vorteil: Größere Negativfläche im Vergleich zum Kleinbild ermöglicht eine höhere Detailgenauigkeit und bessere Bildqualität, insbesondere bei Vergrößerungen.
- Handhabung: Benötigt in der Regel beide Hände. Sucherbilder (besonders bei Schachtsuchern) sind oft seitenverkehrt.
- Beispiele: Hasselblad 500C, Rolleiflex, Fuji GW690.
- Heutige Relevanz: Nach wie vor beliebt bei anspruchsvollen Amateuren und Profis, oft mit digitalen Rückteilen verwendet.
Historisch waren Mittelformate wie 4,5 cm × 6 cm um 1908 sogar als „Kleinbild“ bekannt, was die Verschiebung der Formatdefinitionen über die Zeit zeigt.
Großformatfotografie
Das Großformat repräsentiert die Spitze der analogen Fotografie in Bezug auf die Negativgröße und potenziell die Bildqualität.
Was gilt als Großformatkamera?
Eine Kamera gilt als Großformatkamera, wenn sie einzelne Blätter fotografischen Films verwendet, sogenannte Planfilme. Die gebräuchlichsten Größen für diese Planfilme und damit die Standardformate für Großformatkameras sind:
- 4″ × 5″ (ca. 10,2 cm × 12,7 cm)
- 5″ × 7″ (ca. 12,7 cm × 17,8 cm)
- 8″ × 10″ (ca. 20,3 cm × 25,4 cm)
Darüber hinaus werden auch historische oder weniger verbreitete Formate wie 9 cm × 12 cm (obwohl historisch mal anders eingeordnet), 13 cm × 18 cm und 18 cm × 24 cm dem Großformat zugerechnet. Auch sehr große Formate wie 30 cm × 40 cm fallen in diese Kategorie.
Eigenschaften und Handhabung von Großformatkameras:
- Film: Verwendet einzelne Planfilme, die vor der Aufnahme in spezielle Filmkassetten (meist für zwei Aufnahmen pro Kassette) geladen werden müssen.
- Größe und Gewicht: Viele Modelle sind aufgrund ihrer Größe und Konstruktion relativ schwer und sperrig.
- Stativ erforderlich: Aufgrund von Größe, Gewicht und der Notwendigkeit präziser Ausrichtung ist fast immer ein Stativ erforderlich. Der Aufbau ist zeitaufwendig.
- Sucherbild: Das Bild wird auf einer Mattscheibe betrachtet und ist sowohl seitenverkehrt (links und rechts getauscht) als auch auf dem Kopf stehend. Dies erfordert Übung bei der Bildkomposition.
- Bildqualität: Die extrem große Negativfläche ermöglicht eine unvergleichliche Detailwiedergabe, einen sehr großen Tonwertumfang und praktisch kornfreie Vergrößerungen, da das Negativ selbst oft schon die Größe des gewünschten Abzugs oder sogar größer hat und wenig Vergrößerung nötig ist.
Ultragroßformat:
Formate, die größer als 8″ × 10″ sind, werden oft als Ultragroßformat bezeichnet. Beispiele hierfür sind 11″ × 14″, 16″ × 20″ oder sogar 20″ × 24″ und größer. Der bekannte Naturfotograf Amano Takashi nutzte beispielsweise Kameras bis zum Format 8″ × 20″.
Vergleich der wichtigsten Formate
| Format | Filmtyp | Typische Aufnahmeformate | Handhabung / Mobilität | Sucherbild (typisch) | Qualitätspotenzial (relativ) |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinstbild | Spezialfilm (Kassetten/Rollen) | 8x11mm bis ca. 28x28mm | Sehr handlich, kompakt | Variiert (oft direkter Durchblick oder einfach) | Geringer |
| Kleinbild | 35mm Rollfilm | 24x36mm (Standard) | Handlich, mobil, oft einhändig | Seitenrichtig | Gut |
| Mittelformat | Rollfilm (120/220) | 56x41.5mm bis 56x89mm | Benötigt beide Hände, weniger mobil als Kleinbild | Oft seitenverkehrt (Schachtsucher) | Sehr gut |
| Großformat | Planfilm (Einzelblätter) | 9x12cm, 4x5", 5x7", 8x10" etc. | Stationär (Stativ), zeitaufwendig | Seitenverkehrt & auf dem Kopf stehend | Hervorragend |
Häufig gestellte Fragen zu Kameraformaten
Im Zusammenhang mit den verschiedenen Kameraformaten treten oft ähnliche Fragen auf:
Warum gibt es so viele verschiedene Formate?
Die Vielfalt der Formate ist historisch bedingt durch technologische Entwicklungen, unterschiedliche Anwendungsbereiche und das Streben nach besserer Bildqualität oder einfacherer Handhabung. Jedes Format hatte zu seiner Zeit spezifische Vorteile.

Welchen Einfluss hat das Format auf die Bildqualität?
Grundsätzlich gilt: Je größer das Aufnahmeformat (die Fläche des Films oder Sensors), desto mehr Lichtinformationen können gespeichert werden. Dies führt potenziell zu feineren Details, einem größeren Dynamikumfang und weniger sichtbarem Korn (bei Film) oder Rauschen (bei Digital), insbesondere bei starken Vergrößerungen. Ein Großformatnegativ bietet hier die größte Reserve.
Wird Großformat heute noch verwendet?
Ja, obwohl Nischenprodukt, wird Großformatfotografie weiterhin von engagierten Amateuren und professionellen Fotografen (z. B. in der Landschafts-, Architektur- oder Studiofotografie) geschätzt, die die maximale Bildqualität und die gestalterischen Möglichkeiten der Kameras (wie Verstellmöglichkeiten zur Kontrolle von Schärfeebene und Perspektive, auch wenn diese nicht im Detail im Ausgangstext beschrieben wurden, sind sie ein Hauptgrund für die Nutzung) nutzen möchten.
Ist 9x12 cm wirklich Großformat?
Nach heutiger Definition ja. Obwohl das Format 9 cm × 12 cm um 1890 als „Kleinbild“ galt und 13 cm × 18 cm das damals am weitesten verbreitete Negativformat war, wird 9x12 cm heute eindeutig zum Großformat gezählt, da es Planfilm verwendet und größer als die klassischen Mittelformate ist.
Was ist der Unterschied zwischen Filmformat und Aufnahmeformat?
Das Filmformat bezieht sich auf die Breite des Films (z. B. 35 mm oder 16 mm). Das Aufnahmeformat ist die tatsächliche Größe des aufgezeichneten Bildes auf diesem Film. Beim 35-mm-Film ist das Aufnahmeformat im Kleinbild 24 mm × 36 mm, im Halbformat 18 mm × 24 mm und bei Kinofilm 18 mm × 24 mm.
Fazit
Die Welt der Kameraformate ist reich und vielfältig. Von den winzigen Negativen der Kleinstbildkameras über das vielseitige Kleinbild- und das qualitätsstarke Mittelformat bis hin zum detailreichen Großformat mit seinem Planfilm – jedes Format hat seine Geschichte, seine spezifischen Eigenschaften und seinen Platz in der Entwicklung der Fotografie gefunden. Die Wahl des Formats beeinflusst nicht nur die Kamera selbst und ihre Handhabung, sondern ist grundlegend für das Negativformat und damit für das Potenzial der endgültigen Bildqualität. Das Wissen um diese Unterschiede hilft Fotografen, die richtige Ausrüstung für ihre kreativen Ziele zu wählen und die technischen Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
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