Die Marke Voigtländer ist ein Name mit tiefer historischer Wurzel in der Welt der Optik und Fotografie. Gegründet im Jahr 1756 in Wien, Österreich, von Johann Christoph Voigtländer, blickt das Unternehmen auf eine außergewöhnlich lange Tradition zurück. Ursprünglich auf die Herstellung mathematischer und optischer Instrumente spezialisiert, entwickelte sich Voigtländer zum ältesten Namen im Kamerageschäft. Die Reise des Unternehmens ist eine Geschichte von Innovation, geografischem Wandel und Anpassung über Jahrhunderte hinweg.

Die Anfänge von Voigtländer sind eng mit seinem Gründer, Johann Christoph Voigtländer (geboren 1732 in Leipzig, gestorben 1797 in Wien), verbunden. Als Sohn eines Tischlers kam er 1755 nach Wien und arbeitete zunächst in der Werkstatt eines Herstellers mathematischer Instrumente. Seine Fähigkeiten erregten bald die Aufmerksamkeit des Staatsministers der Habsburgermonarchie. Dies führte dazu, dass Kaiserin Maria Theresia Voigtländer 1763 ein „Schutzdekret“ gewährte, das ihm die Gründung einer eigenen Werkstatt und den Verkauf seiner Produkte mit vergleichsweise geringer Konkurrenz ermöglichte. Voigtländer war ein geschickter Erfinder und Entwickler. Im Jahr 1767 erfand er bedeutende Werkzeuge, darunter lineare und zirkuläre Vorrichtungen sowie eine Schraubenschneidemaschine und eine Metalldrehbank. Sein Produktionsprogramm umfasste Kompasse, Pinzetten und Nivelliergeräte.
Für seine Leistungen erhielt Voigtländer 1797 eine „Landesfabriksbefugnis“, die ihm unter anderem das Recht gab, Zweigniederlassungen in allen wichtigen Städten des Kaiserreichs zu eröffnen. Im selben Jahr starb Johann Christoph Voigtländer, doch sein erfolgreiches Familienunternehmen wurde von seiner Witwe, ihren drei Söhnen und einer Tochter fortgeführt.
Das fotografische Zeitalter beginnt
Eine entscheidende Wende in der Geschichte des Unternehmens erfolgte unter der Führung von Johann Christophs Enkel, Peter Wilhelm Friedrich Ritter von Voigtländer (geboren 1812 in Wien, gestorben 1878 in Braunschweig). Ab 1840 etablierte er Voigtländer als ein führendes Fotografieunternehmen seiner Zeit. Dies geschah maßgeblich durch die Einführung und Produktion des berühmten Petzval-Objektivs.
Mit der Veröffentlichung der Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 erkannte Voigtländer schnell das Potenzial. Bereits 1840 produzierte das Unternehmen Objektive und bald darauf komplette Kameras. Die Voigtländer-Objektive waren revolutionär, da sie die ersten mathematisch berechneten Präzisionsobjektive in der Geschichte der Fotografie waren. Sie wurden vom österreichisch-ungarischen Mathematikprofessor Josef Maximilian Petzval entwickelt, wobei Peter Voigtländer technische Beratung leistete. Das erste Petzval-Objektiv war ein Porträtobjektiv mit einer Lichtstärke von f/3.6, was es zum schnellsten Objektiv seiner Zeit machte.
Ebenfalls im Jahr 1840 brachte Voigtländer die weltweit erste Ganzmetallkamera für Daguerreotypien heraus. Kurz darauf folgten Kameras für fotografische Platten. Ein Original der Ganzmetallkamera von 1840 mit der Seriennummer 84 ist heute im Deutschen Museum in München ausgestellt.
Der Umzug nach Braunschweig und die Konsolidierung
Im Jahr 1845 heiratete Peter Voigtländer die Tochter eines angesehenen Braunschweiger Anwalts, die er auf einer seiner Fotoverkaufsreisen in Braunschweig kennengelernt hatte. Voigtländer hatte bereits zuvor eine Zweigniederlassung in Braunschweig, Herzogtum Braunschweig, eingerichtet. Braunschweig war zu dieser Zeit ein zentraler Knotenpunkt im deutschen Eisenbahnnetz und bot gegenüber Wien einen Standortvorteil für den Vertrieb von Voigtländer-Objektiven und Daguerreotypie-Kameras aufgrund der größeren Nähe zu den deutschen Überseehäfen.
Während der zunehmenden sozialen und politischen Spannungen im österreichischen Kaiserreich, die zu den Revolutionen von 1848 führten, schloss sich Peter Voigtländer der politischen Sache der Demokraten an und wurde Adjutant des Befehlshabers der Wiener Nationalgarde. Als die Revolutionen während des Wiener Oktoberaufstands 1848 eskalierten, erstarkte die Gegenrevolution, und viele, darunter General Wenzel Messenhauser, wurden hingerichtet. Voigtländer zog sich zu dieser Zeit aus der Wiener Nationalgarde zurück und suchte mit seiner Familie Zuflucht in einem Vorort von Wien. Auf Wunsch von Peter Voigtländers Frau und da die Märzrevolutionen von 1848 die weitere Entwicklung des jungen Fotografieunternehmens behinderten, siedelte die Familie 1849 nach Braunschweig über, der Heimatstadt seiner Frau. Dort gründete Voigtländer eine Tochterproduktionsstätte, zunächst auf der Grundlage einer provisorischen Konzession. Im September 1852 erhielt Peter Voigtländer die gewünschte uneingeschränkte Konzession für die Ausübung eines Gewerbes in der Stadt Braunschweig. Im Jahr 1864 wurde Peter Voigtländer von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens geehrt und wurde fortan als Peter Wilhelm Friedrich Ritter von Voigtländer bekannt. Nach dem Tod des Wiener Betriebsführers wurde das Wiener Geschäft 1868 geschlossen.
Wachstum, Innovationen und Eigentümerwechsel
Die Voigtländer-Werke in Braunschweig änderten 1898 ihren Status in eine Aktiengesellschaft (Voigtländer & Sohn AG). Im Jahr 1923 erwarb die Fotodivision der Schering AG eine Mehrheit der Aktien (99,7 %), und ab 1925 fand eine groß angelegte Produktion statt.
In den folgenden drei Jahrzehnten entwickelte sich Voigtländer zu einem Technologieführer und war der erste Hersteller, der mehrere neue Fotoprodukte einführte, die später zum Standard wurden. Dazu gehören das erste Zoomobjektiv für die 35-mm-Kleinbildfotografie (36–82/2.8 Zoomar) im Jahr 1959 und die erste 35-mm-Kompaktkamera mit eingebautem elektronischem Blitz (Vitrona) im Jahr 1965.
Die Schering AG verkaufte ihren Anteil am Unternehmen 1956 an die Carl Zeiss Foundation. 1965 erfolgte die Integration der Zeiss-Ikon und der Voigtländer-Vertriebsgesellschaft. Aufgrund sinkender Umsätze stellte die Zeiss-Ikon/Voigtländer-Vertriebsgesellschaft am 4. August 1971 die Kameraproduktion ein und schloss das Voigtländer-Werk, das zu dieser Zeit 2.037 Mitarbeiter beschäftigte. Anschließend wurde das Unternehmen als gemeinschaftliches Unternehmen Optische Werke Voigtländer neu organisiert, an dem die Carl Zeiss AG, das Land Niedersachsen und der Braunschweiger Kamerahersteller Rollei jeweils einen gleichwertigen Anteil von einem Drittel hielten. Im Jahr 1974 übernahm Rollei alle Anteile.
Nach dem Zusammenbruch von Rollei im Jahr 1982 übernahm Plusfoto den Namen und verkaufte ihn 1997 an Ringfoto.
Der aktuelle Status: Eine Marke lebt weiter
Seit 1999 werden Produkte der Marke Voigtländer von dem japanischen Optik- und Kameraunternehmen Cosina hergestellt und vertrieben. Dies geschieht unter Lizenz der Ringfoto GmbH & Co. ALFO Marketing KG. Unter der Ägide von Cosina lebt der Name Voigtländer in einer Reihe von fotografischen Produkten weiter und ehrt so eine Tradition, die mehr als 260 Jahre zurückreicht.
Wichtige Meilensteine in der Voigtländer Geschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1756 | Gründung des Unternehmens in Wien durch Johann Christoph Voigtländer. |
| 1763 | Erhalt des Schutzdekrets durch Kaiserin Maria Theresia. |
| 1797 | Erhalt der Landesfabriksbefugnis; Tod von Johann Christoph Voigtländer. |
| 1840 | Einführung des Petzval-Objektivs und der ersten Ganzmetallkamera. |
| 1849 | Verlagerung der Produktion nach Braunschweig. |
| 1868 | Schließung des Wiener Geschäfts. |
| 1898 | Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (Voigtländer & Sohn AG). |
| 1923 | Übernahme der Mehrheit der Anteile durch Schering AG. |
| 1956 | Verkauf der Anteile von Schering an die Carl Zeiss Foundation. |
| 1959 | Einführung des ersten Zoomobjektivs für 35mm. |
| 1965 | Einführung der ersten 35mm Kompaktkamera mit Blitz; Integration mit Zeiss-Ikon. |
| 1971 | Einstellung der Kameraproduktion und Schließung des Werks in Braunschweig. |
| 1974 | Rollei übernimmt alle Anteile an Optische Werke Voigtländer. |
| 1982 | Plusfoto übernimmt den Namen nach Rollei-Zusammenbruch. |
| 1997 | Ringfoto erwirbt den Namen von Plusfoto. |
| 1999 | Cosina beginnt mit der Herstellung und dem Vertrieb von Voigtländer-Produkten unter Lizenz. |
Häufig gestellte Fragen zu Voigtländer
Wann wurde Voigtländer gegründet?
Voigtländer wurde im Jahr 1756 gegründet.
Wo wurde Voigtländer ursprünglich gegründet?
Das Unternehmen wurde ursprünglich in Wien, Österreich, gegründet.
Was war das Besondere am Petzval-Objektiv?
Das Petzval-Objektiv war das erste mathematisch berechnete Präzisionsobjektiv und mit einer Lichtstärke von f/3.6 das schnellste Objektiv seiner Zeit, revolutionierte insbesondere die Porträtfotografie.
Warum zog Voigtländer nach Braunschweig?
Die Familie zog 1849 nach Braunschweig auf Wunsch von Peter Voigtländers Frau und aufgrund der politischen Unruhen in Wien während der Revolutionen von 1848. Braunschweig bot zudem einen strategischen Vorteil für den Vertrieb.
Wann wurde die Kameraproduktion in Deutschland eingestellt?
Wer stellt heute Voigtländer-Produkte her?
Seit 1999 werden Voigtländer-Produkte von dem japanischen Unternehmen Cosina unter Lizenz hergestellt und vertrieben.
Ist Voigtländer noch eine deutsche Firma?
Nein, obwohl Voigtländer deutsche Wurzeln hat und lange in Deutschland produzierte, wird die Marke heute vom japanischen Unternehmen Cosina unter Lizenz von Ringfoto vertrieben.
Die Geschichte von Voigtländer ist ein beeindruckendes Beispiel für Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit in einer sich ständig verändernden Industrie. Von den Anfängen als Hersteller präziser Instrumente über die Pionierarbeit in der Fotografie bis hin zur heutigen Existenz als geschätzte Marke für Optiken unter japanischer Fertigung – der Name Voigtländer hat seinen Platz in der Geschichte der Fotografie fest etabliert.
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