Die Geschichte der Zeiss Ikon Kamera ist eine faszinierende Reise durch die deutsche Fotogeschichte, geprägt von Innovation, Teilung und Wiedergeburt. Um die Frage zu beantworten, wie alt die Zeiss Ikon Kamera ist, muss man an den Anfang blicken: Das Unternehmen Zeiss Ikon wurde im Jahr 1926 durch den Zusammenschluss von vier bedeutenden Kameraherstellern gegründet: Contessa-Nettel, Ernemann, Goerz und Ica. Diese Fusion, unterstützt durch Kapital der renommierten Carl Zeiss Stiftung, schuf sofort einen Giganten auf dem Fotomarkt, dessen Wurzeln damit fast ein Jahrhundert zurückreichen.

Die Gründung von Zeiss Ikon im Jahr 1926 war ein strategischer Schachzug, um die Kräfte im hart umkämpften Kameramarkt zu bündeln. Die beteiligten Unternehmen brachten jeweils ihre Stärken und ihr Know-how ein. Contessa-Nettel aus Stuttgart war bekannt für Klappkameras, Ernemann aus Dresden für Filmkameras und Projektoren, Goerz aus Berlin für Optiken und Kameras, und Ica, ebenfalls aus Dresden, für eine breite Palette von Kameras. Die neue Gesellschaft profitierte enorm von der Verbindung zur Carl Zeiss Stiftung, was den Zugang zu den weltberühmten Carl Zeiss Objektiven sicherstellte. Tatsächlich mussten die ehemals unabhängigen Unternehmen, wie Goerz, ihre eigene Objektivproduktion einstellen und stattdessen auf Zeiss Linsen setzen. Dies garantierte eine hohe optische Qualität für die neuen Kameras von Zeiss Ikon.
Neben der Nutzung der Zeiss Objektive gab es weitere Vereinbarungen, die die Produktion beeinflussten. Zeiss Ikon war vertraglich verpflichtet, für 80% ihrer Kameras Verschlüsse des Herstellers Compur zu verwenden. Nur die einfachsten Modelle konnten mit günstigeren Verschlüssen wie dem Klio ausgestattet werden. Im Laufe der Zeit schlossen sich weitere Unternehmen dem Zeiss Ikon Syndikat an, darunter AG Hahn für Optik und Mechanik aus Kassel und Goerz Photochemisches Werk GmbH aus Berlin. Interessanterweise waren sowohl Zeiss Ikon als auch Hahn in der Produktion von Schlüsseln, Riegeln und Schließzylindern tätig. Dieses Geschäft wurde zunehmend in den ehemaligen optischen Fabriken von Goerz in Berlin konzentriert und entwickelte sich zu einem bedeutenden, wenn auch weniger bekannten, Geschäftsbereich.
Die Gruppe etablierte sich als eines der großen Unternehmen in Dresden, der damaligen Hauptstadt der Fototechnologie, mit weiteren Werken in Stuttgart und Berlin. Anfangs führte Zeiss Ikon einige der Produkte der Gründungsunternehmen weiter, entwickelte aber schnell eigene, innovative Modelle. Dazu gehörten die hochwertige Klappkamera Ikonta und die Mittelformat-Messsucherkamera Super Ikonta. Diese Kameras setzten neue Maßstäbe in Bezug auf Qualität und Design und trugen wesentlich zum Ruf von Zeiss Ikon bei. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Zeiss Ikon der weltweit führende Hersteller von 8mm Filmkameras. Neben Kameras und Objektiven produzierte Zeiss Ikon auch ausgewählte Optiken für medizinische Anwendungen, was die breite technologische Basis des Unternehmens unterstreicht.
Die Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg brachte tiefgreifende Veränderungen und eine Zäsur für Zeiss Ikon. Nach Kriegsende wurde das Unternehmen, wie Deutschland selbst, in einen westdeutschen und einen ostdeutschen Teil gespalten. Dies führte zu einer komplexen Situation, die über Jahrzehnte andauern sollte.
Zeiss Ikon in Westdeutschland: Stuttgart
In Westdeutschland wurde Zeiss Ikon neu formiert. Der Sitz des Unternehmens wurde nach Stuttgart verlegt. Es folgten langwierige Markenrechtsstreitigkeiten mit dem Teil, der in Ostdeutschland verblieben war. Mitte der 1960er Jahre fusionierte Zeiss Ikon in Westdeutschland mit Voigtländer, einem weiteren wichtigen deutschen Hersteller, der bereits seit 1956 von der Zeiss Stiftung kontrolliert wurde. Die Produktlinien von Zeiss Ikon Stuttgart unterschieden sich von denen des ostdeutschen Unternehmens. Bekannte Produkte aus dieser Zeit sind beispielsweise die Ikophot Belichtungsmesser, die in Stuttgart hergestellt wurden. Die westdeutsche Zeiss Ikon AG stellte jedoch im Jahr 1972 die Produktion von Kameras ein. Dies war ein großer Schock für die gesamte deutsche Kameraindustrie. Teile der Produktlinie gingen an Rollei über, und ein Teil des Know-hows wurde genutzt, um den Namen Contax in Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Yashica wiederzubeleben. Vor der deutschen Wiedervereinigung wurde das Geschäft mit Schlüsseln, Riegeln und Schließzylindern in eine separate Gesellschaft ausgegliedert.
Zeiss Ikon in Ostdeutschland: Dresden
Im Osten Deutschlands wurde die Produktion nach dem Krieg frühzeitig im Mai 1945 wieder aufgenommen, aber bald unterbrochen. Mehrere Fabriken wurden geschlossen und ihre Produktionsmaschinen als Reparationsleistung an sowjetische Kamerahersteller geliefert, die im Krieg zerstört worden waren. Die Produktion der hochentwickelten Contax Messsucherkameras, die in Dresden vorbereitet worden war, wurde mit neuen Maschinen in Jena wieder aufgenommen, bevor auch diese Maschinen an den sowjetischen Kamerahersteller Kiev transferiert wurden. 1948 wurde der ostdeutsche Teil von Zeiss Ikon verstaatlicht und firmierte fortan als VEB Zeiss Ikon Dresden. Die Produktion und Entwicklung von Ernemann Projektoren und Filmkameras wurden ab 1949 fortgesetzt. Die Kameraproduktion wurde 1947 mit den Modellen Tenax und Ikonta wieder aufgenommen. Bald gingen dem Unternehmen die Lagerbestände an Zentralverschlüssen aus. 1950 konnte der VEB Zeiss Ikon jedoch eigene Verschlüsse produzieren, da er die Verschlussfertigung von Balda und die Verschlussfabrik von Mimosa übernahm. 1952 war der Tempor der erste eigene Zentralverschluss von Zeiss Ikon, gefolgt vom Prestor im Jahr 1954, der zu dieser Zeit als schnellster Zentralverschluss galt.
Im Jahr 1948 konnte das Unternehmen sein fortschrittliches SLR-Modell, die Contax S, vorstellen. Aufgrund von Klagen bezüglich der Markennamen mit der westdeutschen Zeiss Ikon AG wurde der VEB Zeiss Ikon 1958 in VEB Kinowerke Dresden umbenannt. Später wurde er zum Hauptbestandteil des ostdeutschen Kombinats Pentacon.
Das Ende der klassischen Ära und die Wiederbelebung
Das Jahr 1972 markiert das Ende der klassischen Kameraproduktion unter dem Namen Zeiss Ikon in Westdeutschland. Dies war ein Wendepunkt, der das Ende einer Ära für einen der größten Namen der deutschen Kameraindustrie bedeutete. Obwohl die westdeutsche Zeiss Ikon AG die Kameratherstellung einstellte, lebte das Erbe und das Know-how in anderen Unternehmen und Projekten weiter.
Nach der deutschen Wiedervereinigung entschied sich Carl Zeiss, den Namen Zeiss Ikon wiederzubeleben. Die neue Zeiss Ikon Kamera, die auf der Photokina 2004 vorgestellt wurde, ist eine Messsucherkamera mit Leica M-Bajonett. Sie wurde in Deutschland entwickelt, aber von Cosina in Japan gebaut. Ähnlich wie bei den Contax G1 und G2 gibt es Objektive, die sowohl in Japan (von Cosina) als auch in Deutschland hergestellt werden. Diese moderne Inkarnation des Namens Zeiss Ikon verbindet deutsche Ingenieurskunst mit japanischer Fertigung und führt die Tradition der hochwertigen Messsucherkameras fort, wenn auch in einem neuen globalen Kontext.
Vielfalt der Modelle und Kameratypen
Die Produktpalette von Zeiss Ikon im Laufe seiner Geschichte war immens vielfältig. Sie reichte von einfachen Boxkameras bis hin zu hochkomplexen Messsucher- und Spiegelreflexkameras. Hier ein Überblick über einige der von Zeiss Ikon hergestellten Kameratypen:
- Kleinbildkameras (35mm)
- Mittelformatkameras (120 Film)
- Klappkameras
- Messsucherkameras (z.B. Super Ikonta, die moderne Zeiss Ikon/Cosina)
- Spiegelreflexkameras (SLR, z.B. Contax S)
- Boxkameras
- TLR Kameras (Zweiäugige Spiegelreflexkameras, oft in Kooperation wie mit Voigtländer)
- Kameras für 127er Film und andere Filmformate
- Plattenkameras
- Reisekameras (Field cameras, z.B. Perfekt)
Als Beispiel für die Klappkameras können wir die Zeiss Ikonta 521/16 betrachten, zu der spezifische Informationen vorliegen. Dies war eine Klapp-/Spreizenkamera für den Rollfilm 120 mit einem Aufnahmeformat von 6 x 6 cm. Sie wurde von 1948 bis 1952 hergestellt. Die Ausführung, über die Informationen vorliegen, war mit einem Objektiv Tessar 1:3,5/75 mm von Carl Zeiss Jena ausgestattet (Seriennummer 2250760) und verfügte über einen Verschluss Compur-Rapid mit Belichtungszeiten von B und 1 bis 1/500 Sekunde. Sie besaß einen aufklappbaren Fernrohrsucher und eine Doppelbelichtungssperre, aber noch keinen Kontakt zur Blitzsynchronisation. Dieses Modell ist ein gutes Beispiel für die solide Bauweise und die hochwertigen Komponenten, die typisch für Zeiss Ikon waren.

Mehr als nur Kameras: Messgeräte, Projektoren und mehr
Zeiss Ikon war nicht nur ein Kamerahersteller. Das Unternehmen stellte eine Reihe weiterer optischer und feinmechanischer Produkte her.
- Belichtungsmesser: Dazu gehören optische Belichtungsmesser wie der Diaphot und elektronische Modelle wie die Ikophot-Serie (Ikophot 51, 53, CD, M, Rapid, S, T) und Helios. Diese waren oft innovative und zuverlässige Werkzeuge für Fotografen.
- Blitzgeräte: Modelle wie der Ikoblitz 4, 5, 6 und LD ergänzten das Kamerasystem.
- Film- und Diaprojektoren: Zeiss Ikon war auch in diesem Bereich sehr aktiv, insbesondere durch das Erbe von Ernemann. Bekannte Modelle sind die Movikon Filmkameras und eine Vielzahl von 16mm Filmprojektoren (z.B. Kinox B, Kinox N375, Movilux 8mm Projektor) sowie Diaprojektoren (z.B. Perkeo automatic S 150, Royal AF Selectiv IR).
- Medizinische Optiken: Wie bereits erwähnt, stellte Zeiss Ikon auch Optiken für medizinische Anwendungen her, ein Beispiel ist das Blutzucker-Kolorimeter D.
Modellnummern und Filmformate verstehen
In der Zeit vor der Standardisierung auf 35mm Film war das Aufnahmeformat oft in der letzten Ziffer der Modellnummer verschlüsselt. Dies kann verwirrend sein, aber die vorliegenden Informationen geben Aufschluss über einige dieser Codes:
| Code | Format |
|---|---|
| 1 | 4.5x10.7cm Platte (Stereo) oder 8x10.5cm Rollfilm |
| 2 | 6x9cm auf 120er Rollfilm (8 Aufnahmen) |
| 3 | 6.5x9cm Blatt/Platte |
| 4 | 6x13cm |
| 7 | 9x12cm Blatt/Platte |
| 12 | 4x6.5cm auf 127er Film (8 Aufnahmen) |
| 16 | 6x6cm auf 120er Rollfilm (12 Aufnahmen) |
| 18 | 3x4cm auf 127er Film (16 Aufnahmen) |
| 24 | 2.4x3.6cm auf 135er Film (Standard 35mm) |
| 27 | 2.4x2.4cm auf 135er Film |
Diese Tabelle zeigt, wie vielfältig die Formate waren und wie die Modellnummern dem Fotografen halfen, das passende Modell für das gewünschte Aufnahmeformat zu finden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann wurde Zeiss Ikon gegründet?
Zeiss Ikon wurde im Jahr 1926 durch den Zusammenschluss mehrerer deutscher Kamerahersteller gegründet.
Wann hat Zeiss Ikon aufgehört, Kameras zu produzieren?
Die westdeutsche Zeiss Ikon AG Stuttgart hat die Produktion von Kameras im Jahr 1972 eingestellt. Die ostdeutsche VEB Zeiss Ikon (später Teil von Pentacon) existierte in anderer Form länger.
Gibt es heute noch Zeiss Ikon Kameras?
Ja, der Name Zeiss Ikon wurde von Carl Zeiss wiederbelebt. Seit 2004 gibt es eine moderne Zeiss Ikon Messsucherkamera, die in Zusammenarbeit mit Cosina in Japan hergestellt wird.
Was war der Unterschied zwischen Zeiss Ikon West und Ost?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen geteilt. Zeiss Ikon West (Stuttgart) war eine private Gesellschaft, die später mit Voigtländer fusionierte und 1972 die Kameraproduktion einstellte. Der ostdeutsche Teil (Dresden) wurde verstaatlicht (VEB Zeiss Ikon), produzierte teilweise andere Modelle und wurde später Teil des Pentacon Kombinats.
Welche bekannten Kameras hat Zeiss Ikon hergestellt?
Zu den bekanntesten Modellen gehören die Ikonta und Super Ikonta Klappkameras, die Contax S Spiegelreflexkamera (Ost), die Movikon Filmkameras und die moderne Zeiss Ikon Messsucherkamera.
Welchen Film verwendet die Ikonta 521/16?
Die Zeiss Ikonta 521/16 verwendet 120er Rollfilm für ein Aufnahmeformat von 6 x 6 cm.
Vergleich: Zeiss Ikon West vs. Ost (Nachkriegszeit)
| Merkmal | Zeiss Ikon West (Stuttgart) | VEB Zeiss Ikon (Dresden) |
|---|---|---|
| Gründung/Status nach WK2 | Neu formiert, private AG | Verstaatlicht (VEB ab 1948) |
| Sitz | Stuttgart | Dresden |
| Kamera-Produktionsende | 1972 | Existenz als Teil von Pentacon länger |
| Bekannte Produkte | Ikophot Belichtungsmesser, Weiterentwicklung von Ikonta/Super Ikonta Linien, Zusammenarbeit mit Voigtländer | Contax S, Tenax, Ikonta Modelle, Ernemann Projektoren, eigene Verschlussentwicklung (Tempor, Prestor) |
| Spätere Entwicklung | Teile gehen an Rollei, Know-how für Contax/Yashica Zusammenarbeit | Umbenennung (VEB Kinowerke Dresden 1958), Teil des Pentacon Kombinats |
Die Geschichte von Zeiss Ikon ist ein Spiegelbild der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, von der Blütezeit der Industrie über die Zerstörung und Teilung bis hin zur Wiedervereinigung und globalen Neuausrichtung. Obwohl die klassische Kameraproduktion vor Jahrzehnten endete, lebt der Name in hochwertigen optischen Produkten und der modernen Messsucherkamera weiter, was die bleibende Bedeutung dieser Marke in der Welt der Fotografie unterstreicht.
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