Die 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin, die erste Ausgabe unter der neuen Leitung von Tricia Tuttle, sind feierlich zu Ende gegangen. Am Samstagabend fand im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz die mit Spannung erwartete Gala zur Verleihung der Bären statt. Dieser Abend markiert traditionell den Höhepunkt des Festivals, bei dem die besten Filme und herausragenden künstlerischen Leistungen gewürdigt werden. Der begehrteste Preis, der Goldene Bären für den besten Film, wurde in diesem Jahr an ein norwegisches Drama verliehen, das die Jury tief beeindruckte.

Das Drama mit dem Titel „Drømmer“ (Träume) von Regisseur und Drehbuchautor Dag Johan Haugerud hat die höchste Auszeichnung der 75. Berlinale erhalten. Die siebenköpfige Jury, unter dem Vorsitz des renommierten US-Regisseurs und Produzenten Todd Haynes, entschied sich einstimmig für diesen norwegischen Beitrag. „Drømmer“ schließt eine Trilogie Haugeruds über die komplexen Themen Liebe, Sex und Begehren ab und bot der Jury eine tiefgründige und bewegende Geschichte.
Im Zentrum des Films steht Johanne, eine 17-jährige Schülerin, die sich Hals über Kopf in ihre Lehrerin verliebt. Ihre intensiven Gefühle und Erlebnisse hält sie in detaillierten Tagebuchaufzeichnungen fest. Das Drama nimmt eine entscheidende Wendung, als ihre Mutter und Großmutter diese sehr persönlichen Notizen entdecken. Das anfängliche Entsetzen der älteren Generation weicht im Laufe des Films ehrlichen, offenen und einfühlsamen Gesprächen zwischen den drei Frauen über Begehren, Liebe und Intimität. Der Film besticht durch seine sensible Darstellung menschlicher Beziehungen und die mutige Auseinandersetzung mit jugendlicher Sexualität und Identität.
Bei der Preisverleihung zeigte sich Regisseur Dag Johan Haugerud sichtlich bewegt. In seiner Dankesrede richtete er einen eindringlichen Appell an das Publikum: „Lest mehr, schreibt mehr und träumt mehr!“ Dieser Satz fasst die poetische und nachdenkliche Natur des Films treffend zusammen. „Drømmer“, der auch unter den deutschen Titeln „Oslo Stories: Träume“ oder dem internationalen Titel „Dreams (Sex Love)“ bekannt ist, wird zweifellos als würdiger Gewinner des Goldenen Bären 2025 in die Geschichte des Festivals eingehen.
Die Silbernen Bären: Vielfalt der Auszeichnungen
Neben dem Hauptpreis wurden im Rahmen der Bärengala zahlreiche Silbernen Bären für herausragende Leistungen in verschiedenen Kategorien vergeben. Diese Auszeichnungen würdigen die Vielfalt und Qualität der im Wettbewerb gezeigten Filme und die Talente vor und hinter der Kamera.
Großer Preis der Jury: Ein Blick auf die Gesellschaft
Der Silberne Bär, Großer Preis der Jury, eine der wichtigsten Auszeichnungen nach dem Goldenen Bären, ging in diesem Jahr an das brasilianische Drama „O Último Azul“ (Das letzte Blau) von Gabriel Mascaro. Der Film beeindruckte die Jury durch seine thematische Relevanz und künstlerische Umsetzung, indem er eine Gesellschaft porträtiert, in der ältere Menschen scheinbar keinen Platz mehr finden.
Preis der Jury: Poetisches Road Movie aus Argentinien
Der Silberne Bär, Preis der Jury, wurde an das spanischsprachige Drama „El mensaje“ (Die Nachricht) des argentinischen Regisseurs Iván Fund verliehen. Dieser bemerkenswerte Schwarzweiß-Film ist ein Road Movie, das eine Patchworkfamilie auf ihrer Reise in einem Wohnwagen begleitet. Eine einzigartige und berührende Facette des Films ist die Fähigkeit der Tochter, mit verstorbenen Haustieren zu kommunizieren, was dem Film eine besondere, fast magische Qualität verleiht.
Beste Regie: Familiensaga aus China
Für seine exzellente Inszenierung erhielt der chinesische Regisseur Huo Meng den Silbernen Bären für die beste Regie. Sein Film „Shēng xì zhī dì“ (Living the Land) ist eine tiefgründige Familiensaga, die den enormen Wandel in China über mehrere Generationen hinweg eindrucksvoll darstellt.
Schauspielerische Glanzleistungen: Haupt- und Nebenrolle
Die Jury würdigte auch die herausragenden schauspielerischen Talente. Der Silberne Bär für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle wurde an die australische Schauspielerin Rose Byrne verliehen. Sie überzeugte in ihrer Rolle als berufstätige Mutter, die in dem US-Drama „If I had legs, I'd kick you“ von Mary Bronstein mit den Herausforderungen des Mutterseins ringt und nach einem Weg aus ihrer Situation sucht. Ihre Darstellung wurde als authentisch und kraftvoll beschrieben.
Der Silberne Bär für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle ging an den irischen Schauspieler Andrew Scott. Er glänzte in Richard Linklaters Musikerbiografie „Blue Moon“. Andrew Scott, der nicht persönlich anwesend sein konnte, drückte in einer Videobotschaft seine Freude über den Preis aus und erwähnte, wie sehr ihn das Berliner Festival schon früher begünstigt hatte – bereits 2004 erhielt er hier den Shooting-Star-Award als Nachwuchstalent.
Bestes Drehbuch: Humorvolle Betrachtung aus Rumänien
Das beste Drehbuch wurde in diesem Jahr mit einem Silbernen Bären für den rumänischen Regisseur und Drehbuchautor Radu Jude ausgezeichnet. Sein Film „Kontinental '25“ ist ein humorvolles Drama, das sich unter anderem mit Themen wie Wohnungsnot und der misslichen Lage eines mittellosen Sportlers auseinandersetzt. Radu Jude, der 2021 bereits den Goldenen Bären für „Bad Luck Banging or Loony Porn“ gewann, reagierte mit Humor auf seinen Drehbuch-Preis und meinte ironisch, dass es eine Ironie des Schicksals sei, ausgerechnet für das Schreiben ausgezeichnet zu werden, da er sich selbst als „schlechter Drehbuchautor“ betrachte.
Herausragende künstlerische Leistung: Visuelle Poesie
Ein weiterer Silbernen Bären wurde für eine herausragende künstlerische Leistung an das kreative Ensemble der französisch-deutschen Koproduktion „La Tour de Glace“ (Der Eisturm) unter der Regie von Lucile Hadžihalilović verliehen. Besonders gelobt wurden hierbei die schillernden und mysteriösen Bilder des Films. Das Drama erzählt die Geschichte einer jungen Ausreißerin, die zufällig an einem Filmset landet und dort die Dreharbeiten zur Eiskönigin aus dem Grimmschen Märchen beobachtet, gespielt von Superstar Marion Cotillard.

Bester Dokumentarfilm
Zusätzlich zu den Hauptpreisen wurde auch der Preis für den besten Dokumentarfilm vergeben. Dieser ging an „Holding Liat“ von Brandon Kramer, ein Werk, das die Jury in dieser wichtigen Sparte des Kinos überzeugte.
Deutsche Hoffnungen ohne Erfolg
Bedauerlicherweise gingen die deutschen Beiträge, die im Wettbewerb liefen, in diesem Jahr leer aus und erhielten keine der begehrten Trophäen. Darunter befand sich das stille Exil-Drama „Yunan“ des in Hamburg lebenden Regisseurs Ameer Fakher Eldin, das mit namhaften deutschen Schauspielern wie Sibel Kekilli, Hanna Schygulla und Tom Wlaschiha besetzt war. Der Film, dessen poetisch-verträumte Elemente und die wilde Natur der Hallig Langeneß gelobt wurden, handelt von einem Schriftsteller, der während eines Sturms zu sich selbst findet. Auch das Drama mit Science-Fiction-Anleihen „Mother's Baby“ der österreichischen Regisseurin Johanna Moder, das teilweise in der Hamburger Elbphilharmonie gedreht wurde, erhielt keine Auszeichnung.
Ehrenauszeichnung für ein Lebenswerk
Bereits zum Auftakt des Festivals, am 13. Februar, wurde eine bedeutende Persönlichkeit des Kinos geehrt: Die schottische Schauspielerin Tilda Swinton erhielt den Goldenen Ehrenbären für ihr herausragendes Lebenswerk. Die Ehrung wurde von dem deutschen Regisseur Edward Berger, bekannt für Filme wie „Im Westen nichts Neues“, vorgenommen.
Die Berlinale als bedeutendes Festival
Die Berlinale zählt neben den Filmfestspielen von Cannes und Venedig zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals weltweit und ist das bedeutendste Festival in Deutschland. Insgesamt konkurrierten in diesem Jahr 19 Produktionen im Hauptwettbewerb um die Auszeichnungen. Die Preisverleihungsgala wurde gekonnt von der deutschen Schauspielerin Désirée Nosbusch moderiert. Obwohl die Preise am Samstagabend verliehen wurden, bot die Berlinale am Sonntag, dem traditionellen Publikumstag, noch einmal die Gelegenheit, viele der ausgezeichneten Filme zu sehen und das Festivalerlebnis zu genießen. Besonders erfreulich war auch die positive Entwicklung der Besucherzahlen: Bis zur Halbzeit des Festivals konnten 15.000 mehr verkaufte Karten als im Vorjahr verzeichnet werden, was die Beliebtheit und Anziehungskraft des Festivals unterstreicht.
Übersicht der Hauptpreise der 75. Berlinale
| Preis | Film (Originaltitel) | Regie | Land |
|---|---|---|---|
| Goldener Bär (Bester Film) | Drømmer | Dag Johan Haugerud | Norwegen |
| Silberner Bär (Großer Preis der Jury) | O Último Azul | Gabriel Mascaro | Brasilien |
| Silberner Bär (Preis der Jury) | El mensaje | Iván Fund | Argentinien |
| Silberner Bär (Beste Regie) | Shēng xì zhī dì | Huo Meng | China |
| Silberner Bär (Bestes Drehbuch) | Radu Jude | Rumänien | |
| Silberner Bär (Herausragende künstlerische Leistung) | La Tour de Glace | Lucile Hadžihalilović | Frankreich/Deutschland |
| Silberner Bär (Bester Dokumentarfilm) | Holding Liat | Brandon Kramer |
Silberne Bären für schauspielerische Leistungen
| Preis | Schauspieler/in | Film | Land |
|---|---|---|---|
| Silberner Bär (Beste Hauptrolle) | Rose Byrne | If I had legs, I'd kick you | Australien |
| Silberner Bär (Beste Nebenrolle) | Andrew Scott | Blue Moon | Irland |
Häufig gestellte Fragen zur Berlinale 2025
Wer hat den Goldenen Bären bei der Berlinale 2025 gewonnen?
Der Goldene Bär für den besten Film ging an das norwegische Drama „Drømmer“ von Dag Johan Haugerud.
Worum geht es in dem Film „Drømmer“?
„Drømmer“ erzählt die Geschichte einer 17-jährigen Schülerin, die sich in ihre Lehrerin verliebt. Das Drama beleuchtet die Entdeckung ihrer Tagebuchaufzeichnungen durch ihre Mutter und Großmutter und die daraus entstehenden ehrlichen Gespräche über Liebe und Begehren und Intimität.
Wer erhielt die Silbernen Bären für schauspielerische Leistungen?
Rose Byrne wurde mit dem Silbernen Bären für die beste Hauptrolle in „If I had legs, I'd kick you“ ausgezeichnet. Andrew Scott erhielt den Silbernen Bären für die beste Nebenrolle in „Blue Moon“.
Welche weiteren wichtigen Silbernen Bären wurden verliehen?
Der Große Preis der Jury ging an „O Último Azul“ (Brasilien), der Preis der Jury an „El mensaje“ (Argentinien). Huo Meng (China) gewann für die beste Regie, Radu Jude (Rumänien) für das beste Drehbuch. Das Ensemble von „La Tour de Glace“ (Frankreich/Deutschland) erhielt einen Preis für herausragende künstlerische Leistung, und „Holding Liat“ (Brandon Kramer) wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.
Gab es deutsche Gewinner im Wettbewerb?
Nein, die deutschen Beiträge wie „Yunan“ von Ameer Fakher Eldin und „Mother's Baby“ von Johanna Moder erhielten in diesem Jahr keine Auszeichnungen im Wettbewerb.
Wer erhielt den Goldenen Ehrenbären 2025?
Der Goldene Ehrenbären für das Lebenswerk wurde an die schottische Schauspielerin Tilda Swinton verliehen.
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