In welcher Stadt lag Casa Susanna?

Casa Susanna: Ein verstecktes Kapitel der Geschichte

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Mitten in den ländlichen Catskill Mountains im US-Bundesstaat New York existierte in den 1950er und 60er Jahren ein Ort, der für viele Menschen einen unverzichtbaren sicheren Hafen darstellte. Bekannt als Casa Susanna, bot dieses Anwesen eine seltene Gelegenheit, sich frei auszudrücken in einer Zeit, in der öffentliches Cross-Dressing in weiten Teilen Amerikas eine Straftat war. Die Geschichte dieses einzigartigen Rückzugsortes wäre vielleicht für immer verborgen geblieben, wären nicht zufällig gefundene Fotografien gewesen, die Jahrzehnte später ans Licht kamen und ein vergessenes Kapitel der LGBTQ+-Geschichte und persönlicher Freiheitsbestrebungen offenbarten.

Welche historische Bedeutung hat Casa Susanna?
Das als Casa Susanna bekannte Haus bot ihnen einen sicheren Ort, um ihr wahres Ich auszudrücken und für ein paar Tage so zu leben, wie sie es sich immer erträumt hatten – sich als Frauen zu kleiden und zu leben, ohne Angst haben zu müssen, wegen ihrer Selbstdarstellung inhaftiert oder in eine Anstalt gesteckt zu werden.

Was war Casa Susanna?

Casa Susanna war ein Anwesen in den Catskills, das als Zufluchtsort und Treffpunkt für Männer diente, die sich als Frauen kleideten, sowie für Transgender-Frauen. Es wurde von Susanna Valenti und ihrer Frau Marie Tonell betrieben. Ursprünglich in Hunter, New York, gelegen und als Chevalier D'Eon Resort bekannt, erwarb Maria das 150 Hektar große Anwesen Mitte der 1950er Jahre. Später verkauften Susanna und Marie dieses Haus und kauften ein kleineres viktorianisches Anwesen im nahe gelegenen Jewett, das dann als Casa Susanna bekannt wurde. Dieser Ort bot dringend benötigte Privatsphäre in einer feindseligen gesellschaftlichen Umgebung. Gäste zahlten einen Betrag für einen Wochenendaufenthalt, der Unterkunft, Verpflegung und sogar Lektionen in Make-up umfasste. Es war ein Ort, an dem die Gäste ihre „innere Frau“ ohne Angst vor Verfolgung feiern konnten.

Das Leben und die Gemeinschaft in Casa Susanna

Die Atmosphäre in Casa Susanna war geprägt von Akzeptanz und Gemeinschaft. Die Gäste, oft verheiratete Männer aus verschiedenen Berufen wie Piloten, Anwälte, Filmregisseure und Geschäftsleute, fanden hier einen Raum, um ihre Geschlechtsidentität oder das innere Verlangen nach Cross-Dressing auszuleben. Aktivitäten wie Gartenarbeit, Brettspiele oder einfach nur geselliges Beisammensein waren Teil des Wochenendes. Im Chevalier D'Eon veranstalteten Susanna und Marie sogar Shows mit weiblichen Imitatoren, die auch von Einheimischen besucht wurden und dazu beitrugen, eine gewisse Toleranz in der Kleinstadt Hunter zu schaffen. Für viele Gäste war der Besuch von Casa Susanna eine Notwendigkeit, ein Ort, um sich selbst besser kennenzulernen und vielleicht zum ersten Mal im Leben die Freiheit zu erfahren, ganz man selbst zu sein. Die Frauen der Gäste waren ebenfalls willkommen und nahmen manchmal an den Wochenenden teil.

Was ist mit Casa Susanna passiert?
Der Rest der Geschichte von Susanna und Marie blieb jahrelang verschollen. Die Dokumentation erzählt nun das tragische Ende: Casa Susanna wurde verkauft, nachdem Marie einen Unfall hatte .

Die Gemeinschaft war wichtig. Viele Gäste kannten sich aus dem Magazin „Transvestia“, der ersten weit verbreiteten Zeitschrift für die Cross-Dressing-Gemeinschaft, in der Susanna Artikel veröffentlichte. Es war ein Ort, an dem man offen über die Herausforderungen sprechen konnte, die mit dem Cross-Dressing einhergingen, wie zum Beispiel, wie man es der Ehefrau erzählt oder wie man damit umgeht, dass es keine professionelle Beratung gab. Veteranen wie Katherine Cummings und Diana Merry-Shapiro, die später als Frauen lebten, erinnerten sich an die tiefgreifende Bedeutung dieser Treffen.

Der gesellschaftliche und rechtliche Kontext der Zeit

Es ist entscheidend zu verstehen, unter welchen Bedingungen Casa Susanna existierte. In den 1950er und 60er Jahren war Cross-Dressing oft illegal. Gesetze wie „Maskeraden-Gesetze“ wurden genutzt, um Menschen, deren Geschlechtsausdruck nicht den gesellschaftlichen Normen entsprach, zu verfolgen. Öffentliches Auftreten in Kleidung des anderen Geschlechts konnte zu Verhaftung, Jobverlust, sozialer Ausgrenzung oder sogar Einweisung in psychiatrische Anstalten führen. Die Gäste von Casa Susanna riskierten viel, indem sie sich dort trafen.

Aus Sicherheitsgründen identifizierten sich die meisten Gäste und auch die Betreiber von Casa Susanna öffentlich als heterosexuelle Cross-Dresser und grenzten sich von schwulen Männern ab, die ebenfalls starker Verfolgung ausgesetzt waren. Dies war eine Überlebensstrategie in einer Zeit des McCarthyismus und einer starken „moralischen Mehrheit“, die Geschlechtsnormen und Sexualität streng kontrollierte. Das Risiko, entdeckt zu werden, war immens, und die möglichen Folgen waren verheerend. Casa Susanna bot somit einen der wenigen Orte, an dem diese Menschen frei atmen und ihre Identität erkunden konnten.

In welcher Stadt lag Casa Susanna?
Casa Susanna war in den frühen 1960er Jahren ein beliebtes Wochenendziel in Jewett, New York, USA, für Cross-Dressing-Männer und Transgender-Frauen. Das Bungalow-Camp wurde von Susanna Valenti und ihrer Frau Maria betrieben, die in der Stadt auch ein Perückengeschäft betrieben.

Die Rolle der Fotografien und die Wiederentdeckung

Ein besonderer Aspekt von Casa Susanna war die Fotografie. Eine der Gäste, Andrea Susan, fungierte als offizielle Fotografin. Dies war eine bewusste Entscheidung des Betreiberpaares, um zu vermeiden, Negative an professionelle Labore senden zu müssen, deren Mitarbeiter möglicherweise die Polizei informieren könnten. Andrea machte zahlreiche Fotos von ihren Mitgästen und entwickelte sie selbst. Sie nutzte Filmkameras, deren Negative sie ihrem Fotografie-Mentor Dick anvertraute. Nach Dicks Heirat wurden diese Negative jedoch weggeworfen und landeten schließlich Mitte der 2000er Jahre auf einem Flohmarkt in Manhattan.

Dort wurden sie von Robert Swope, einem Möbelhändler, entdeckt, der von den intimen und lebensfrohen Aufnahmen fasziniert war. Swope kaufte alle Fotografien, die er finden konnte, und veröffentlichte sie zusammen mit seinem Partner Michel Hurst in einem Buch mit dem Titel „Casa Susanna“. Die Veröffentlichung dieses Buches, etwa fünfzig Jahre nach Aufnahme vieler Fotos, führte dazu, dass ehemalige Besucher von Casa Susanna sich meldeten und ihre Geschichten teilten. Dies ermöglichte die Dokumentation und das Bekanntwerden dieser lange verborgenen Geschichte. Die Fotos, die ursprünglich als private Erinnerungen und Ausdruck der Selbstakzeptanz dienten, wurden zum Schlüssel, der ein wichtiges Stück Sozial- und Kulturgeschichte erschloss. Die Geschichte von Casa Susanna wurde seitdem in Ausstellungen, einem Theaterstück („Casa Valentina“) und dem PBS-Dokumentarfilm „Casa Susanna“ aufgearbeitet.

Was geschah mit Casa Susanna und seinen Betreibern?

Das Anwesen Casa Susanna in Jewett wurde schließlich verkauft, nachdem Marie einen Unfall hatte, der zu erheblichen Krankenhausrechnungen und finanziellen Schwierigkeiten für die Familie führte. Dies bedeutete das Ende des Resorts als Treffpunkt der Gemeinschaft. Susanna und Marie verbrachten ihre letzten Jahre getrennt in Wohnungen in Manhattan. Susanna kämpfte gegen Hirnkrebs, während Marie an Alzheimer erkrankte. Trotz der räumlichen Trennung blieben sie in regelmäßigem telefonischem Kontakt, ihre Gespräche zeugten von tiefer Zuneigung und Liebe. Susanna starb kurz nach Marie. Die Asche von Susanna, Marie und Maries Tochter Yolanda wird von Gregory Bagarozy, Maries Enkel und Susannas Stiefenkel, aufbewahrt, der hofft, sie eines Tages in Casa Susanna verstreuen zu können, da er glaubt, dass dies der richtige Ort für sie ist.

Wem gehört Casa Susanna?
Casa Susanna wurde von Tito Valenti gegründet, einem Gerichtsdolmetscher, der als Frau verkleidet als Susanna auftrat, und seiner Frau Maria, die ein Perückengeschäft in Manhattan besaß.

Die Gemeinschaft, die sich einst in Casa Susanna versammelte, zerstreute sich, aber das Vermächtnis des Ortes als sicherer Hafen und als Zeugnis für den Mut und die Widerstandsfähigkeit der Menschen, die sich in einer schwierigen Zeit selbst sein wollten, lebt durch die wiederentdeckten Fotografien und die Geschichten der Überlebenden weiter.

Häufig gestellte Fragen zu Casa Susanna

  • Wo genau lag Casa Susanna?
    Casa Susanna lag in Jewett, New York, in den Catskill Mountains. Zuvor befand sich das Resort, damals Chevalier D'Eon genannt, in Hunter, New York, ebenfalls in den Catskills.
  • Wer betrieb Casa Susanna?
    Casa Susanna wurde von Susanna Valenti (geboren als Tito Valenti) und ihrer Frau Marie Tonell betrieben.
  • Was war der Zweck von Casa Susanna?
    Es war ein privater Rückzugsort, der Männern, die sich als Frauen kleideten (Cross-Dressern), und Transgender-Frauen einen sicheren Raum bot, um ihre Geschlechtsidentität und ihr Verlangen nach Cross-Dressing ohne Angst vor gesellschaftlicher Verfolgung oder rechtlichen Konsequenzen auszuleben.
  • Was ist mit dem Anwesen Casa Susanna passiert?
    Das Anwesen wurde nach einem Unfall von Marie und den daraus resultierenden finanziellen Belastungen verkauft.
  • Was ist mit Susanna und Marie passiert?
    Sie lebten ihre letzten Jahre getrennt in Manhattan, blieben aber in Kontakt. Susanna starb kurz nach Marie an Hirnkrebs.
  • Warum ist Casa Susanna historisch bedeutsam?
    Es war einer der wenigen bekannten sicheren Häfen für Cross-Dresser und Transgender-Frauen in einer Zeit, in der ihr Geschlechtsausdruck illegal und gesellschaftlich geächtet war. Die Geschichte, die durch die Entdeckung der Fotografien ans Licht kam, bietet einen wichtigen Einblick in die verborgene Geschichte der LGBTQ+-Gemeinschaft und die Kämpfe um Selbstakzeptanz und Freiheit.
  • Waren alle Gäste Transgender-Frauen?
    Nein, viele Gäste identifizierten sich als heterosexuelle Männer, die Cross-Dressing genossen. Einige identifizierten sich jedoch später als Transgender und lebten als Frauen, darunter Susanna Valenti und Virginia Prince.
  • Wie wurde die Geschichte von Casa Susanna wiederentdeckt?
    Die Geschichte wurde durch die Entdeckung einer Kiste mit Negativen und Fotografien von Andrea Susan auf einem Flohmarkt in Manhattan im Jahr 2004 wiederbelebt. Diese Fotos führten zur Veröffentlichung eines Buches und schließlich zur Kontaktaufnahme mit Überlebenden, die ihre Erinnerungen teilten.

Ein Vermächtnis der Widerstandsfähigkeit

Die Geschichte von Casa Susanna ist mehr als nur die eines versteckten Resorts; sie ist ein kraftvolles Zeugnis für die Bedeutung von Gemeinschaft, Akzeptanz und dem unerschütterlichen Wunsch, man selbst zu sein. In einer Zeit, in der die Welt feindselig war, schufen Susanna und Marie einen Raum, der Freiheit und Freude ermöglichte. Die Entdeckung der Fotografien hat nicht nur eine vergessene Geschichte ans Licht gebracht, sondern auch den Überlebenden ermöglicht, ihre Erfahrungen zu teilen und sicherzustellen, dass die Bedeutung von Casa Susanna als Ort der Hoffnung und des Mutes nicht vergessen wird. Es erinnert uns daran, wie wichtig sichere Räume für marginalisierte Gemeinschaften sind und wie lange Menschen für das Recht kämpfen mussten und immer noch kämpfen, ihre wahre Identität auszudrücken.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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