Wenn wir an Musik denken, fallen uns meist sofort die vertrauten Klänge von Dur und Moll ein. Diese Tonarten bilden die Grundlage der meisten Musik, die wir kennen und lieben. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts wagte ein Komponist den Schritt in eine völlig neue Klangwelt, die mit diesen Traditionen brach: Arnold Schönberg. Seine Erfindung, die Zwölftontechnik, mag nicht jedermanns Geschmack treffen, da sie sich radikal von den gewohnten Hörgewohnheiten unterscheidet. Aber was motivierte Schönberg zu diesem revolutionären Schritt, und wie funktioniert diese faszinierende Methode?
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Die Abkehr von der Tonalität
Bevor wir uns der Zwölftontechnik zuwenden, ist es wichtig, Schönbergs musikalische Entwicklung zu verstehen. Anfangs komponierte Schönberg streng tonal, das heißt, seine Werke standen in einer bestimmten Tonart und bezogen sich auf einen zentralen Grundton. Doch im Laufe der Zeit wurden seine Harmonien und Melodien immer komplexer. Die traditionelle Tonalität schien die Ausdrucksmöglichkeiten, die ihm vorschwebten, zunehmend einzuschränken. Dieser Prozess der „Überschreitung“ der Tonalität lässt sich bereits im Finale seines Zweiten Streichquartetts (1907–08) beobachten. Dieses Werk war auch insofern innovativ, als es das erste Streichquartett war, das eine Gesangsstimme einschloss. Die berühmten Anfangsworte des Finales, „Ich fühle Luft von anderen Planeten“ von Stefan George, wurden oft symbolisch im Lichte von Schönbergs Aufbruch in eine neue Klangwelt interpretiert.
Um 1908 begann Schönberg eine Phase der sogenannten freien Atonalität. In dieser Periode löste er sich vollständig von den traditionellen tonalen Organisationsprinzipien. Stücke wie die Drei Klavierstücke op. 11 (das erste entstand im Februar 1909 und verzichtete komplett auf tonale Mittel) oder die Fünf Orchesterstücke op. 16 (1909) sind typisch für diese Zeit. In atonalen Werken gibt es kein tonales Zentrum mehr, und jede harmonische oder melodische Kombination von Tönen ist ohne Einschränkungen möglich. Schönberg selbst bevorzugte übrigens den Begriff „pantonal“ gegenüber „atonal“. Atonale Instrumentalstücke waren oft eher kurz, da das Fehlen eines tonalen Zentrums die Strukturierung längerer Werke erschwerte. In längeren Vokalwerken diente der Text oft als vereinheitlichendes Element, wie etwa in den Monodramen Erwartung op. 17 oder dem Melodramenzyklus Pierrot Lunaire op. 21.

Die freie Atonalität eröffnete zwar ungeahnte klangliche Freiheiten, stellte Schönberg aber auch vor immense strukturelle Probleme, insbesondere bei der Komposition größerer Formen. Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918), in dem Schönberg auch kurzzeitig Militärdienst leistete, komponierte er wenig. Er reflektierte intensiv über die Herausforderungen, die sich aus der Abkehr von der Tonalität ergaben, und suchte nach einem neuen Prinzip der Vereinheitlichung, das ihm helfen würde, die nun zur Verfügung stehenden reichen harmonischen und melodischen Ressourcen zu kontrollieren.
Die Entdeckung der Zwölftonmethode
Die Lösung für diese strukturellen Probleme fand Arnold Schönberg schließlich im Juli 1921. Er verkündete einem Schüler euphorisch: „Heute habe ich etwas entdeckt, das die Vorherrschaft der deutschen Musik für die nächsten hundert Jahre sichern wird.“ Dieses „Etwas“ war die Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen – die Zwölftontechnik. Mit seiner Klaviersuite op. 25, die er zu dieser Zeit begann, schuf er das erste Werk, das konsequent nach dieser neuen Methode komponiert wurde.
Das Grundprinzip der Zwölftonmethode ist relativ einfach, aber revolutionär: Jede Komposition basiert auf einer speziellen Reihe oder Serie von zwölf verschiedenen Tönen. Dabei handelt es sich um alle zwölf Halbtöne der chromatischen Tonleiter innerhalb einer Oktave (also die Töne von C bis H, einschließlich aller dazwischenliegenden Halbtonschritte wie Cis, Dis, Fis, Gis, Ais). Die entscheidende Regel ist, dass jeder dieser zwölf Töne der Reihe nur einmal verwendet werden darf, bevor die gesamte Reihe durchlaufen ist. Erst dann darf ein Ton wiederholt werden.
Diese Grundreihe, die der Komponist zu Beginn festlegt, dient als Ausgangsmaterial für das gesamte Stück. Doch die Methode wäre zu starr, gäbe es nicht Möglichkeiten der Variation. Die gängigsten Modi zur Ableitung weiterer Reihen aus der Grundreihe sind:
- Die Grundreihe selbst (Originalform).
- Die Umkehrung der Grundreihe (die Intervalle werden umgekehrt, z.B. eine aufsteigende kleine Terz wird zu einer absteigenden kleinen Terz). Der erste Ton bleibt meist gleich, die Abstände der Intervalle werden gespiegelt.
- Der Krebs der Grundreihe (die Reihe wird rückwärts gespielt).
- Die Umkehrung des Krebses (die rückwärts gespielte Reihe wird umgekehrt).
Jede dieser vier Formen kann zudem auf jeden der zwölf Halbtöne transponiert werden. Theoretisch stehen dem Komponisten somit 4 x 12 = 48 verschiedene Reihenformen zur Verfügung, die er als Material nutzen kann. Darüber hinaus gibt es weitere Techniken wie die Bildung von Ableitungen aus symmetrisch angeordneten Tönen oder die Aufspaltung der Reihe in kleinere, verwandte Teile. Obwohl Schönberg selbst Methoden, die weniger als zwölf Töne pro Reihe verwendeten, eher kritisch sah (im Gegensatz z.B. zu Adorno), zeigen seine eigenen Werke, dass auch hier Flexibilität möglich war.
Regeln und kreativer Freiraum
Auf den ersten Blick mag die Zwölftontechnik als extrem restriktiv erscheinen. Die strenge Bindung an die Tonreihe könnte den Eindruck erwecken, dass die Musik mechanisch oder mathematisch klingt. Schönberg selbst sah dies jedoch anders; er verstand seine Musik als Ausdrucksmusik, die durchaus Emotionen transportieren sollte, aber eben auf einer neuen Ordnung basierend.
Ein faszinierender Aspekt der Zwölftonmethode ist, dass sie nicht zwischen Melodie und Harmonie im traditionellen Sinne unterscheidet. Die gewählte Tonreihe und ihre Variationen können sowohl horizontal als Melodie in einer Stimme als auch vertikal als Akkord, also als gleichzeitiges Erklingen mehrerer Töne, verwendet werden. Alle melodischen Linien und alle harmonischen Zusammenklänge im Stück müssen aus der zugrundeliegenden Reihe abgeleitet sein.
Schönberg argumentierte, dass bei dieser Art der Komposition nicht erst darauf geachtet werden müsse, dass die polyphonen Strukturen „harmonisch“ im Sinne der traditionellen Konsonanzlehre sind. Er erkannte die „eigene Polyphonie“ des Akkords, auch wenn dieser dissonant ist. Die Dissonanzen, die in einem traditionellen Akkord als Spannungen wahrgenommen und zur Auflösung drängen, treten in der Zwölftonmusik gleichberechtigt auf und erhalten dadurch fast den Charakter einer Melodie. Die Trennung zwischen Horizontalität und Vertikalität der Partitur, die in der traditionellen Musiktheorie so fundamental ist, wird in der Zwölftontechnik aufgehoben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Rhythmik in der ursprünglichen Zwölftonmethode keinen strengen Vorschriften unterliegt. Der Komponist hat hier große Freiheit bei der Gestaltung von Dauern, Pausen und metrischen Strukturen. Diese Freiheit in der Rhythmik, Dynamik und Artikulation bietet trotz der strengen Regeln bei der Tonhöhenorganisation erheblichen kreativen Spielraum und verhindert, dass die Musik monoton wird.
Rezeption und historische Bedeutung
Die Reaktionen auf Schönbergs neue Musik waren von Anfang an geteilt. Während seine frei atonalen Werke um 1910 teils extrem heftige und emotionale Ablehnung im Publikum hervorriefen (es kam sogar zu Handgreiflichkeiten bei Konzerten), war die Reaktion auf die ersten Zwölftonwerke in den 1920er Jahren differenzierter. Ein Teil des Publikums, insbesondere Experten und Avantgarde-Interessierte, sahen darin eine zukunftsweisende Entwicklung. Schönberg gründete in Wien den „Verein für musikalische Privataufführungen“, um neue Musik in einem Umfeld zu präsentieren, das auf fachlichen Austausch und nicht auf emotionalen Beifall oder Missbilligung ausgerichtet war.
Dennoch wurde die Zwölftonmusik vom größeren Teil des Publikums nicht sofort angenommen. Seit dieser Zeit spricht man oft von einer Trennung zwischen einem Avantgarde-Publikum und den traditionellen Klassikhörern. Schönbergs Musik wurde aus verschiedenen Richtungen kritisiert: Manchen galt sie als zu fortschrittlich, anderen (wie Hans Eisler) als nicht radikal genug.

Die Durchsetzung dieser „fremd“ wirkenden Musik hatte tiefere Gründe. Musikwissenschaftler sehen Parallelen zur Abstraktion in der Malerei (z.B. Kandinsky). Sie traf einen Nerv der Zeit, der von Erfahrungen wie dem Verlust kultureller Geborgenheit, den Weltkriegen und politischem Extremismus geprägt war. Das künstlerische Ideal verschob sich von der reinen Schönheit hin zur „Wahrheit“ der Kunst. Theodor W. Adorno, ein prominenter Verfechter der Zwölftonmusik, sah in ihr einen Ausdruck, der dem Lebensgefühl und den Ereignissen des 20. Jahrhunderts am nächsten kam.
Eine entscheidende Zäsur war die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933. Schönberg wurde als Jude und Vertreter der modernen Musik diffamiert und als „entartet“ eingestuft. Er musste aus Deutschland emigrieren und ging über Paris, wo er formell zum Judentum zurückkehrte, in die USA. Diese politische Verfolgung dämpfte die Rezeption seiner Musik in Deutschland zunächst erheblich. Erst nach 1945 begann sich die Zwölftontechnik dort stärker zu verbreiten, auch durch die Arbeit von Schönbergs Schülern.
Schönbergs Vermächtnis und Weiterentwicklungen
Trotz seiner Emigration sah Schönberg die Zwölftonmusik weiterhin als eine Errungenschaft der deutschen Musik an, die ihr eine führende Rolle sichern sollte. In den USA komponierte er einige seiner bedeutendsten Werke mit der Zwölftonmethode, darunter das Violinkonzert op. 36, das Vierte Streichquartett op. 37 und die Oper Moses und Aron (obwohl unvollendet, gilt sie als eines seiner größten Werke). Gelegentlich kehrte er jedoch auch zur traditionellen Tonalität zurück, getreu seinem Motto, dass „noch viel gute Musik in C-Dur geschrieben werden“ könne.
Schönbergs Schüler, insbesondere Alban Berg und Anton Webern, entwickelten die Zwölftontechnik auf ihre Weise weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Methode radikalisiert. Im sogenannten Serialismus wurden nicht nur die Tonhöhen, sondern auch andere musikalische Parameter wie Dauer, Dynamik und Artikulation seriell organisiert. Komponisten wie Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen orientierten sich stark an Webern und trieben diese Tendenz zur Totalorganisation des Materials auf die Spitze. Obwohl der Serialismus später ebenfalls an seine Grenzen stieß, war er eine logische Fortsetzung der von Schönberg initiierten Idee der seriellen Organisation.
Zwölftonmusik in Thomas Manns „Doktor Faustus“
Die Bedeutung der Zwölftontechnik für die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts zeigt sich auch in der Literatur. Thomas Mann machte sie zum zentralen Element in seinem Roman „Doktor Faustus“ (1947). Der fiktive Komponist Adrian Leverkühn entwickelt im Roman eine Kompositionstechnik, die stark an Schönbergs Zwölftontechnik angelehnt ist. Mann beschäftigte sich intensiv mit Musiktheorie und konsultierte Experten, um die musikalischen Aspekte des Romans realistisch darzustellen. Er nutzte die Montagetechnik, indem er Zitate und Ideen aus musiktheoretischen Schriften, insbesondere von Adorno, in den Text einfügte – teils sogar durch die Figur des Teufels in Kapitel 25, der Leverkühn mit theoretischen Argumenten konfrontiert.
Der Roman thematisiert auch die Frage nach der Wahrnehmbarkeit und dem Wesen dieser Musik. Es wird diskutiert, ob solche Kompositionen überhaupt für das Ohr „greifbar“ sind oder ob es sich um „das Ohr gewissermaßen hintergehende Scherze“ handelt. Die Idee, dass Musik auch eine abstrakte Existenz hat, unabhängig von ihrer Aufführung oder unmittelbaren auditiven Erfassbarkeit, spielt dabei eine Rolle. Die Zwölftontechnik dient im Roman nicht nur als musikalisches Stilmittel, sondern auch als Metapher für die extremen intellektuellen und existenziellen Herausforderungen, mit denen sich Leverkühn auseinandersetzt.
Insgesamt zeigt die Rezeption im „Doktor Faustus“, wie tief die Zwölftontechnik das Denken über Musik und Kunst im 20. Jahrhundert beeinflusst hat.
Häufig gestellte Fragen zur Zwölftontechnik
Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen zur Zwölftontechnik:
Was genau ist eine Tonreihe in der Zwölftonmusik?
Eine Tonreihe ist die vom Komponisten festgelegte, spezifische Reihenfolge der zwölf verschiedenen Halbtöne der chromatischen Tonleiter. Diese Reihenfolge dient als Basismaterial für die gesamte Komposition. Jeder Ton darf in der Reihe nur einmal vorkommen.
Wer hat die Zwölftontechnik erfunden und wann?
Die Zwölftontechnik wurde Anfang der 1920er Jahre von Arnold Schönberg entwickelt. Er entdeckte das Prinzip etwa im Juli 1921 und begann kurz darauf mit der Komposition erster Werke nach dieser Methode.
Warum hat Schönberg die Zwölftontechnik erfunden?
Schönberg suchte nach der Abkehr von der traditionellen Tonalität nach einem neuen Organisationsprinzip, um größere musikalische Formen strukturieren zu können. Die Zwölftontechnik bot ihm eine Methode, alle zwölf Töne gleichberechtigt zu verwenden und gleichzeitig dem Werk eine kohärente Struktur zu geben.

Sind alle zwölf Töne in der Zwölftonmusik gleich wichtig?
Ja, im Gegensatz zur traditionellen Tonalität, wo ein Grundton (Tonika) im Zentrum steht, behandelt die Zwölftontechnik alle zwölf Halbtöne der chromatischen Tonleiter als gleichwertig. Keinem Ton wird eine besondere hierarchische Bedeutung zugewiesen.
Was sind die vier Hauptformen einer Zwölftonreihe?
Die vier Hauptformen sind die Grundreihe (Original), die Umkehrung (Intervalle gespiegelt), der Krebs (rückwärts gespielt) und die Umkehrung des Krebses (rückwärts gespielt und umgekehrt). Jede dieser Formen kann zudem transponiert werden.
Klingt Zwölftonmusik immer dissonant?
Zwölftonmusik verwendet Dissonanzen gleichberechtigt neben Konsonanzen und vermeidet die traditionelle Hierarchie, bei der Dissonanzen aufgelöst werden müssen. Das führt dazu, dass sie für Ohren, die an traditionelle Musik gewöhnt sind, oft dissonant klingt. Es gibt aber auch zwölftönige Werke, die durchaus wohlklingende oder weniger scharfe Harmonien enthalten.
Ist Zwölftonmusik dasselbe wie Atonalität?
Nicht ganz. Atonalität bedeutet das Fehlen eines tonalen Zentrums. Schönbergs freie atonale Musik (ca. 1908-1921) war atonal, aber noch nicht systematisch organisiert. Die Zwölftontechnik ist eine spezifische Methode zur Organisation atonaler Musik, die Regeln für die Verwendung der zwölf Töne festlegt. Man könnte sagen, die Zwölftontechnik ist eine Form der Atonalität, aber nicht alle atonale Musik ist zwölftönig.
Welche Rolle spielt die Zwölftonmusik in Thomas Manns „Doktor Faustus“?
Im Roman ist die Zwölftonmusik die Kompositionstechnik des Protagonisten Adrian Leverkühn und dient als zentrales Thema und strukturelles Element. Sie symbolisiert Leverkühns radikalen künstlerischen Weg und seine Auseinandersetzung mit den Grenzen der Kunst.
Hat Schönberg nach der Erfindung der Zwölftontechnik nur noch so komponiert?
Nein, obwohl die Zwölftontechnik seine Hauptmethode wurde, kehrte Schönberg gelegentlich auch zur Komposition in traditionellen Tonarten zurück, insbesondere bei Auftragsarbeiten oder aus persönlichen Vorlieben.
Wie hat die Zwölftontechnik die spätere Musik beeinflusst?
Die Zwölftontechnik hatte einen enormen Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts, insbesondere auf die serielle Musik, die das Prinzip der seriellen Organisation auf andere musikalische Parameter ausweitete. Sie war ein wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung der musikalischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg.
Vergleich: Tonalität vs. Zwölftontechnik
Um die Unterschiede und die Neuheit der Zwölftontechnik zu verdeutlichen, kann ein Vergleich mit der traditionellen tonalen Musik hilfreich sein:
| Merkmal | Traditionelle Tonalität | Zwölftontechnik |
|---|---|---|
| Grundlage | Dur- oder Moll-Tonart, klar definierter Grundton (Tonika) | Alle 12 Halbtöne gleichberechtigt, keine zentrale Tonika |
| Material | Diatorische Skalen, Akkorde basierend auf Tonartfunktionen | Eine festgelegte Tonreihe aus 12 verschiedenen Tönen |
| Tonwiederholung | Häufig, Töne der Tonika und Dominante oft betont | Ein Ton der Reihe wird erst wiederholt, nachdem alle anderen 11 Töne erklungen sind |
| Harmonie | Hierarchie von Konsonanz und Dissonanz; Dissonanzen streben zur Auflösung | Dissonanzen gleichberechtigt; Akkorde entstehen aus der Reihe (vertikal) |
| Organisation | Funktionale Harmonik (Kadenz), Formmodelle (Sonatensatz, etc.) | Ableitung aller melodischen und harmonischen Elemente aus der Tonreihe und ihren Variationen |
| Struktur | Oft durch tonale Spannungen und deren Auflösung gestützt | Struktur durch serielle Organisation der Tonhöhen, oft ergänzt durch rhythmische und formale Prinzipien |
| Ziel (oft) | Wohlklang, emotionale Eingängigkeit, klare musikalische Botschaft | Neue Ausdrucksformen, strukturelle Logik, Reflexion der Zeit |
Diese Tabelle zeigt deutlich den radikalen Bruch, den Schönbergs Methode darstellte. Sie war nicht nur eine neue Technik, sondern eine grundlegend andere Art, Musik zu denken und zu organisieren.
Fazit
Die Zwölftontechnik, erfunden von Arnold Schönberg in den frühen 1920er Jahren, war eine direkte Folge seiner musikalischen Entwicklung und der Suche nach einem neuen strukturellen Prinzip für atonale Musik. Sie basierte auf der Gleichberechtigung aller zwölf Halbtöne der chromatischen Skala, organisiert in einer festgelegten Tonreihe und deren Variationen. Diese Methode revolutionierte die Komposition, indem sie traditionelle Konzepte von Tonalität, Harmonie und Melodie aufbrach und neue Wege für musikalischen Ausdruck und Strukturierung eröffnete.
Obwohl die Zwölftonmusik anfangs auf Widerstand stieß und nie die Popularität der tonalen Musik erreichte, hatte sie einen tiefgreifenden und nachhaltigen Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts. Sie war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur modernen Musik und legte den Grundstein für spätere Entwicklungen wie den Serialismus. Schönbergs Erfindung war nicht nur eine technische Neuerung, sondern eine künstlerische Antwort auf die Veränderungen seiner Zeit und der Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der Komposition.
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