Welche Ausrüstung brauchen Fotojournalisten?

Pressekamera: Ikone des goldenen Fotojournalismus

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In der Ära, als Zeitungsbilder noch frisch aus dem Labor kamen und Geschichten mit einem einzigen, aussagekräftigen Bild erzählt wurden, gab es ein Werkzeug, das das Rückgrat des Fotojournalismus bildete: die Pressekamera. Diese robusten und vielseitigen Kameras waren die ständigen Begleiter der Fotografen, die die Weltgeschichte dokumentierten, von den Schlachtfeldern des Krieges bis zu den glamourösen roten Teppichen. Sie waren mehr als nur Kameras; sie waren Statussymbole der Branche und unverzichtbare Instrumente für schnelle, qualitativ hochwertige Aufnahmen unter oft schwierigen Bedingungen.

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Die Blütezeit der Pressekamera erstreckte sich grob von den 1900er Jahren bis in die frühen 1960er Jahre. In dieser Zeit entwickelten sie sich zu hochspezialisierten Werkzeugen, die auf die spezifischen Anforderungen der Pressefotografie zugeschnitten waren: Robustheit, Portabilität (für ihre Größe) und die Fähigkeit, schnell ein scharfes Bild zu liefern. Das Paradebeispiel für diese Kameraklasse war zweifellos die berühmte Speed Graphic.

Was ist eine Pressekamera genau?

Eine Pressekamera ist im Wesentlichen eine Laufbodenkamera im Mittel- oder Großformat, die speziell für den Einsatz durch Pressefotografen konzipiert wurde. Im Gegensatz zu reinen Studio-Laufbodenkameras, die auf einem Stativ betrieben werden und umfangreiche Verstellmöglichkeiten (Shift, Tilt, Swing) bieten, waren Pressekameras für den Handgebrauch optimiert. Sie waren so gebaut, dass sie für den Transport in kompakte, widerstandsfähige Kästen zusammengeklappt werden konnten. Ihre Konstruktion zeichnete sich durch einen flexiblen Balg aus, der auf einer Schiene befestigt war, sowie durch die Möglichkeit, Objektive schnell zu wechseln, die auf einer stabilen Objektivplatte montiert waren.

Die Notwendigkeit, schnell auf wechselnde Situationen reagieren zu können, führte zu einer Reihe von Merkmalen, die für den Pressefotografen unerlässlich waren. Dazu gehörte eine Mattscheibe zur präzisen Fokussierung – oft für statische oder vorbereitete Aufnahmen genutzt – sowie ein optischer Sucher für spontane Schnappschüsse. Einige fortschrittlichere Modelle verfügten sogar über einen gekoppelten Entfernungsmesser, der das Scharfstellen bei Handaufnahmen erheblich erleichterte und beschleunigte.

Technische Merkmale und Vielseitigkeit

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften von Pressekameras war ihre Vielseitigkeit bei der Filmverwendung. Sie konnten über austauschbare Rückteile und Kassetten verschiedene Filmtypen aufnehmen: Planfilm (Einzelblätter, oft im Format 4x5 Zoll), Filmpackungen und sogar Rollfilm. Diese Flexibilität ermöglichte es dem Fotografen, je nach Anforderung und gewünschter Bildqualität das passende Medium zu wählen.

Ein weiteres entscheidendes Merkmal, insbesondere für die Pressearbeit, war die Blitzsynchronisation. Pressekameras waren in der Regel mit einem zentralen Irisverschluss im Objektiv ausgestattet, der die Synchronisation mit Blitzlichtern bei allen Belichtungszeiten erlaubte. Dies war für die Ausleuchtung von Innenräumen oder die Aufhellung von Schatten im Freien unerlässlich.

Einige Modelle, wie die Speed Graphic Varianten oder die Ihagee Zweiverschluss Duplex, besaßen sogar einen zweiten Verschluss: einen Schlitzverschluss direkt vor der Filmebene. Dieser Schlitzverschluss ermöglichte sehr kurze Belichtungszeiten, was besonders nützlich war, um schnelle Bewegungen einzufrieren. Er erlaubte zudem die Verwendung von Objektiven ohne eigenen Verschluss (sogenannte Barrel-Objektive). Das Vorhandensein beider Verschlusstypen bot dem Fotografen maximale Flexibilität.

Im Vergleich zu klassischen Studio- oder Reise-Laufbodenkameras verfügten Pressekameras oft über reduzierte oder gar keine Verstellmöglichkeiten (wie das Schwenken oder Neigen der Objektiv- oder Filmebene). Dies lag zum einen an der Optimierung für den Handgebrauch, zum anderen aber auch am Schlitzverschluss, der Bewegungen der Filmebene technisch erschwerte oder unmöglich machte.

Die Bedeutung der Filmformate

Das gebräuchlichste und ikonischste Filmformat für Pressekameras war das 4x5 Zoll Format. Dieses Großformat bot eine enorme Negativfläche – etwa 16-mal größer als ein 35mm Kleinbildnegativ. Die Vorteile dieser Größe waren signifikant: eine außergewöhnlich hohe Bildqualität mit feiner Körnung und reichem Detailreichtum, selbst bei starker Vergrößerung für den Zeitungsdruck. Dies war in einer Zeit, in der die Filmempfindlichkeiten niedriger und die Drucktechniken weniger verzeihend waren, von entscheidender Bedeutung.

Neben 4x5 Zoll gab es auch Modelle für kleinere Formate wie 2.25x3.25 Zoll (etwa 6x9 cm) und 3.25x4.25 Zoll. Europäische Hersteller wie Goerz oder Van Neck nutzten oft das 9x12 cm Format, das dem 4x5 Zoll Format sehr ähnlich war. Auch die Verwendung von 120er Rollfilm in verschiedenen Formaten (von 6x6 cm bis 6x12 cm) war durch spezielle Rollfilmkassetten möglich, was die Anzahl der Aufnahmen pro Film erhöhte.

Das Ende einer Ära: Die Ablösung durch kleinere Formate

Obwohl Pressekameras über Jahrzehnte das unverzichtbare Werkzeug des Fotojournalisten waren, begann ihre Dominanz in den frühen bis mittleren 1960er Jahren zu schwinden. Sie wurden zunächst weitgehend durch Mittelformatkameras wie die 6x6 cm Rolleiflex und später durch 35mm Kameras, sowohl Messsucher- als auch Spiegelreflexmodelle, abgelöst.

Dieser Wandel war das Ergebnis mehrerer Faktoren. Die Filmtechnologie machte große Fortschritte, und die Qualität der kleineren Negative verbesserte sich erheblich, sodass sie von Bildredakteuren als ausreichend für den Druck erachtet wurden. Gleichzeitig boten die kleineren Kameras erhebliche Vorteile in Bezug auf Portabilität und Handhabung. Sie waren leichter, weniger sperrig und schneller einsatzbereit.

Ein weiterer entscheidender Punkt war die Filmkapazität. Eine Planfilmkassette für eine Pressekamera enthielt typischerweise nur zwei Blatt Film (eine Aufnahme pro Seite). Das bedeutete, dass der Fotograf ständig Kassetten wechseln musste, was zeitaufwendig war und die Anzahl der Aufnahmen pro Auftrag limitierte. Im Gegensatz dazu bot ein 120er Rollfilm 12 Aufnahmen (im 6x6 Format) und ein 35mm Film sogar 36 Aufnahmen. Dies ermöglichte es den Fotografen, Ereignisse umfassender zu dokumentieren und weniger Momente zu verpassen.

Die kleineren Kameras waren zudem oft mit Objektiven mit größerer maximaler Blendenöffnung ausgestattet, was bessere Aufnahmen bei wenig Licht ermöglichte, ein häufiges Szenario in der Pressefotografie.

Pressekameras heute: Ein Erbe lebt weiter

Auch wenn Pressekameras nicht mehr das Standardwerkzeug in den Redaktionen sind, sind sie keineswegs verschwunden. Sie werden weiterhin von einer Nische von Fotografen geschätzt. Einige Fotojournalisten nutzen sie noch immer für bestimmte Aufträge, bei denen die einzigartige Ästhetik des Großformats oder die Robustheit der Kamera gefragt ist. Besonders beliebt sind sie jedoch bei Fine Art Fotografen, die sie als eine kostengünstigere und portablere Alternative zu traditionellen Studio-Laufbodenkameras sehen.

Die bewusste und entschleunigte Arbeitsweise, die eine Pressekamera erfordert – das Einlegen des Planfilms, das Fokussieren auf der Mattscheibe, das Spannen des Verschlusses – steht im Kontrast zur Schnelllebigkeit der digitalen Fotografie und wird von vielen als kreativer Prozess geschätzt. Das Ergebnis sind Großformatnegative von beeindruckender Qualität, die einen unverwechselbaren Look haben.

Häufige Fragen zur Pressekamera

Warum war das 4x5 Zoll Format so wichtig für die Presse?

Das große Negativformat von 4x5 Zoll lieferte eine hervorragende Bildqualität mit feinen Details und geringem Korn, was für den Zeitungsdruck der damaligen Zeit ideal war und auch bei starken Vergrößerungen überzeugte.

Wann wurden Pressekameras durch andere Kameras abgelöst?

Die Ablösung begann in den frühen bis mittleren 1960er Jahren, zunächst durch Mittelformatkameras (wie die Rolleiflex) und später dominant durch 35mm Kameras, die durch Fortschritte in der Filmtechnologie und ihre bessere Portabilität sowie höhere Filmkapazität überzeugten.

Wer nutzt heute noch Pressekameras?

Heute werden Pressekameras hauptsächlich von Enthusiasten, Sammlern und Fine Art Fotografen genutzt, die die einzigartige Arbeitsweise, die Robustheit und die Bildqualität des Großformats schätzen.

Hatten alle Pressekameras einen Schlitzverschluss?

Nein, nicht alle. Viele hatten nur einen Zentralverschluss im Objektiv. Modelle wie die Speed Graphic hatten oft beide Verschlussarten (Zentralverschluss und Schlitzverschluss), was zusätzliche Flexibilität bot.

Vergleich: Pressekamera vs. Nachfolger

MerkmalPressekamera (z.B. 4x5 Speed Graphic)Mittelformat (z.B. 6x6 Rolleiflex)Kleinbild (35mm SLR)Laufbodenkamera (traditionell)
FormatGroßformat (4x5, 9x12), Mittelformat (6x9, 6x12)Mittelformat (6x6, 6x7, 6x9)Kleinbild (24x36 mm)Großformat (4x5, 8x10, etc.)
PortabilitätRelativ portabel (zusammenklappbar) für Großformat, aber schwer und sperrig im VergleichSehr portabelSehr portabel und kompaktWenig portabel, meist Stativ erforderlich
HandgebrauchJa, optimiert für Handgebrauch (oft mit Entfernungsmesser)Ja, sehr gut für Handgebrauch geeignetJa, Standard für HandgebrauchSelten, primär Stativkamera
Filmkapazität pro LadungSehr gering (1-2 Aufnahmen Planfilm pro Kassette)Mittel (12 Aufnahmen auf 120er Rollfilm)Hoch (36 Aufnahmen auf 35mm Film)Sehr gering (1-2 Aufnahmen Planfilm pro Kassette)
VerstellmöglichkeitenBegrenzt oder fehlend (Shift/Tilt)Keine oder sehr begrenzt (je nach Modell)KeineUmfangreich (Shift, Tilt, Swing an Front & Back)
VerschlusstypenOft Zentralverschluss, einige Modelle zusätzlich mit SchlitzverschlussZentralverschluss oder Schlitzverschluss (je nach Modell)SchlitzverschlussZentralverschluss (im Objektiv)

Obwohl die Pressekamera nicht mehr das primäre Werkzeug des modernen Fotojournalisten ist, bleibt sie ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Fotografie. Ihre Robustheit, Vielseitigkeit und die hohe Bildqualität ihrer Großformat-Negative prägten eine Ära und beeinflussen auch heute noch Fotografen, die das bewusste und entschleunigte Arbeiten mit Rollfilm und Kleinbild-Alternativen suchen. Sie steht als Symbol für eine Zeit, in der jedes Bild zählte und der Fotograf mit seinem Werkzeug eine einzigartige Verbindung einging, um die visuellen Geschichten der Welt zu erzählen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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