Die Fotografie bei wenig Licht stellt viele Fotografen vor eine besondere Herausforderung. Oft ist das Licht nicht ausreichend, um scharfe und gut belichtete Bilder zu erhalten. Der erste Gedanke ist dann häufig, einfach den integrierten oder einen externen Blitz zu verwenden. Doch gerade bei stimmungsvollen Szenen oder Porträts kann der Einsatz von Blitzlicht die gesamte natürliche Atmosphäre eines Bildes zerstören. Gesichter wirken plötzlich blass und unnatürlich beleuchtet, Farben verändern sich drastisch, und der Hintergrund verschwindet oft komplett in der Dunkelheit. Es geht darum, genau das festzuhalten, was man mit den eigenen Augen sieht und fühlt – und das gelingt mit Blitzlicht selten authentisch. Glücklicherweise gibt es Kameras, die speziell dafür entwickelt wurden, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen ohne Blitz erstklassige Ergebnisse zu liefern, indem sie die vorhandene Lichtstimmung nutzen und verstärken. Ein Beispiel dafür ist das HS System von Canon, das darauf abzielt, auch bei wenig Licht hervorragende Bilder zu ermöglichen.

Warum Blitzlicht bei wenig Licht oft kontraproduktiv ist
Das Ziel der Fotografie bei wenig Licht ist es oft, die vorhandene, oft einzigartige Lichtstimmung einzufangen. Sei es das sanfte Licht einer Kerze, die gedämpfte Beleuchtung eines Restaurants oder die Dämmerung in der Natur. Wenn man in solchen Situationen einen Blitz einsetzt, wird das Motiv oft hart und direkt ausgeleuchtet. Dies führt zu den bereits erwähnten unschönen Effekten: Die Hauttöne werden unnatürlich hell und blass, die Farben im Bild wirken ausgewaschen oder verfälscht, und der Hintergrund, der die eigentliche Atmosphäre ausmacht, versinkt im Schatten, da er vom Blitzlicht nicht erreicht wird. Das Ergebnis ist ein Bild, das flach und künstlich wirkt und nichts von der ursprünglichen Stimmung des Moments wiedergibt. Die Fähigkeit einer Kamera, bei schwachem Licht gute Bilder zu liefern, ohne auf künstliche Beleuchtung zurückgreifen zu müssen, ist daher entscheidend für authentische und atmosphärische Aufnahmen.
Was eine Kamera für gute Low-Light-Fotografie auszeichnet
Die Leistung einer Kamera bei schwachem Licht hängt von mehreren Schlüsselfaktoren ab. Diese Faktoren beeinflussen, wie viel Licht der Sensor aufnehmen kann und wie gut die Kamera Rauschen bei hohen Empfindlichkeiten (ISO-Werten) verarbeiten kann. Die richtige Kombination dieser Elemente ermöglicht es, auch in dunklen Umgebungen klare, detaillierte und rauscharme Bilder zu erzielen.
Ein entscheidender Faktor ist die Sensorgröße. Generell gilt: Je größer der Sensor, desto besser ist die Leistung bei wenig Licht. Ein Vollformatsensor (Full Frame) ist hier oft die erste Wahl, da seine größeren Pixel mehr Licht pro Zeiteinheit sammeln können als die kleineren Pixel auf kleineren Sensoren. Das führt zu weniger Rauschen bei vergleichbaren Lichtverhältnissen oder ermöglicht höhere ISO-Einstellungen, ohne dass das Bild unbrauchbar wird. Aber auch Kameras mit kleineren Sensoren wie APS-C oder Micro Four Thirds können bei wenig Licht sehr gute Ergebnisse liefern, insbesondere in Kombination mit dem richtigen Objektiv. Kameras mit kleineren Sensoren bieten zudem Vorteile wie Portabilität und kleinere, leichtere Objektive. Es kommt also immer darauf an, die eigenen Bedürfnisse und Prioritäten abzuwägen. Erfreulicherweise sind moderne Digitalkamerasensoren immer effizienter bei der Lichterfassung geworden, was immer höhere ISO-Einstellungen und nutzbare Bilder mit minimalem Rauschen auch bei sehr schwachem Licht ermöglicht.
Neben dem Sensor spielt das Objektiv oft die größte Rolle für die Low-Light-Leistung. Ein Objektiv mit einer großen maximalen Blendenöffnung (eine niedrige f-Zahl, z. B. f/1.4, f/1.8, f/2.8) wird als lichtstark bezeichnet, da es mehr Licht auf den Sensor fallen lässt als ein Objektiv mit kleinerer maximaler Blendenöffnung (z. B. f/4 oder f/5.6). Mehr Licht bedeutet, dass die Kamera mit kürzeren Belichtungszeiten arbeiten kann, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Dies ist besonders wichtig, um Bewegungsunschärfe (sowohl durch Motivbewegung als auch durch Verwackeln der Kamera) zu vermeiden. Ein lichtstarkes Objektiv ist daher eine der besten Investitionen für die Fotografie bei wenig Licht, unabhängig von der Größe des Kamerasensors.
Auch die Belichtungszeit und die Blende selbst sind wichtige Werkzeuge. Um bei wenig Licht mehr Licht auf den Sensor zu bekommen, kann man die Belichtungszeit verlängern (die Kamera nimmt länger Licht auf) oder die Blende weiter öffnen. Eine längere Belichtungszeit birgt jedoch die Gefahr von Verwacklungsunschärfe, wenn die Kamera nicht absolut ruhig gehalten wird oder auf einem Stativ steht. Hier kommt die Bildstabilisierung ins Spiel. Eine integrierte Bildstabilisierung im Gehäuse (IBIS - In-Body Image Stabilization) oder eine optische Bildstabilisierung im Objektiv kann helfen, auch bei längeren Belichtungszeiten aus der Hand scharfe Bilder zu erhalten. Dies erweitert den Spielraum bei wenig Licht erheblich.

Darüber hinaus ist die Fähigkeit der Kamera, mit Rauschen umzugehen, von großer Bedeutung. Bei höheren ISO-Einstellungen, die bei wenig Licht oft notwendig sind, kann digitales Rauschen im Bild sichtbar werden. Moderne Kameras und ihre Bildprozessoren sind besser darin geworden, Rauschen zu unterdrücken, ohne dabei zu viele Details zu verlieren. Die Qualität der Rauschunterdrückung ist ein wichtiger Aspekt der Low-Light-Leistung einer Kamera. Es gibt standardisierte Testverfahren, um das Rauschverhalten von Sensoren bei wenig Licht zu bewerten.
Wie wird die Low-Light-Leistung von Kameras gemessen?
Die Bewertung der Low-Light-Leistung einer Kamera war lange Zeit schwierig, da es kaum universelle Testmethoden gab, die präzise Ergebnisse lieferten. Erst mit der Veröffentlichung des Standards ISO 19093 im Jahr 2018 hat sich dies geändert. Dieser Standard beschreibt eine Testmethode, die auf der Verwendung einer speziellen multifunktionalen Testtafel, der TE42-LL, basiert. Diese Tafel wurde von der Arbeitsgruppe TC42 in Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam von Image Engineering entwickelt und enthält alle wichtigen Strukturen zur Bewertung der Bildqualität, die für die Messung der Low-Light-Leistung relevant sind.
Der erste Schritt einer Low-Light-Bewertung nach ISO 19093 besteht darin, sicherzustellen, dass die Testtafel gleichmäßig beleuchtet ist. Da die Tests naturgemäß bei sehr geringen Lichtstärken durchgeführt werden, ist eine Lichtquelle erforderlich, die für verschiedene Lichtniveaus präzise einstellbar ist. Das iQ-Flatlight von Image Engineering wird als das einzige kommerziell erhältliche Beleuchtungssystem genannt, das ein breites Lichtspektrum bei den benötigten Intensitätsstufen liefern kann.
Nachdem die Beleuchtung eingestellt wurde, sieht der ISO 19093 Standard vor, zunächst ein Referenzbild bei hellen Lichtbedingungen mit über 1000 Lux aufzunehmen. Anschließend wird die Lichtstärke schrittweise reduziert, wobei bei jedem Lichtniveau ein Bild aufgenommen wird. Der letzte Schritt ist die Bewertung der Bilder hinsichtlich aller notwendigen Aspekte der Bildqualität. Zu diesen Aspekten gehören:
- Belichtungszeit: Um sicherzustellen, dass das Bild nicht durch menschliches Verwackeln (Handshake) unscharf wird.
- Belichtungsstufen: Bilder werden manchmal unterbelichtet, um kurze Belichtungszeiten zu ermöglichen und starkes Rauschen zu kaschieren. Die Bewertung prüft, ob die Belichtung angemessen ist.
- Textur: Feine Details mit geringem Kontrast können durch Rauschunterdrückung verloren gehen, die bei hoher Signalverstärkung (hohe ISO) angewendet wird.
- Rauschen: Tritt bei hoher Signalverstärkung auf und wird direkt bewertet.
- Farbverminderung (Chroma decrease): Kann sichtbar werden, wenn die Rauschunterdrückung selektiv nur in den Farbkanälen angewendet wird.
Die Low-Light-Leistung der Kamera wird als das niedrigste Lichtniveau angegeben, bei dem alle bewerteten Bildqualitätsfaktoren immer noch über den erforderlichen Schwellenwerten liegen. Die folgende Tabelle zeigt ein Beispiel für Messergebnisse und wie die Leistung abgelesen wird:
| Lichtniveau (Lux) | Belichtungszeit (OK?) | Belichtungsstufe (OK?) | Textur (OK?) | Rauschen (OK?) | Farbe (OK?) |
|---|---|---|---|---|---|
| 100 | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 50 | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 10 | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 5 | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 3 | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 2 | Ja | Ja | Nein (Rauschen) | Nein | Ja |
In diesem Beispiel wäre die Low-Light-Leistung der Kamera 3 Lux, da dies das letzte Niveau ist, bei dem alle Werte (in diesem Fall als 'Ja' dargestellt, was 'über dem Schwellenwert' bedeutet) im grünen Bereich (oder akzeptabel) liegen. Es ist wichtig zu verstehen, dass ISO 19093 selbst keine spezifischen Schwellenwerte definiert. Der Standard beschreibt lediglich das Verfahren. Anwender können ihre eigenen Schwellenwerte festlegen, abhängig von der beabsichtigten Anwendung der Kamera. Einige Gruppen arbeiten daran, Sets von Schwellenwerten für Kameras in spezifischen Anwendungen zu definieren, wie z. B. die VCX-Gruppe für die Analyse von Mobiltelefonkameras.
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Low-Light-Fotografie
Hier beantworten wir einige gängige Fragen, die sich beim Thema Fotografie bei wenig Licht ergeben:
Ist ein großer Sensor immer die beste Wahl für wenig Licht?
Generell ja, größere Sensoren (Vollformat) bieten Vorteile, da sie mehr Licht einfangen können. Aber auch Kameras mit kleineren Sensoren (APS-C, Micro Four Thirds) können in Kombination mit dem richtigen lichtstarken Objektiv und unter Ausnutzung moderner Sensortechnologie sehr gute Ergebnisse erzielen. Die Wahl hängt auch von anderen Faktoren wie Größe, Gewicht und Objektivauswahl ab.

Spielt das Objektiv eine wichtige Rolle bei wenig Licht?
Ja, das Objektiv hat oft den größten Einfluss auf die Low-Light-Leistung. Ein Objektiv mit einer großen maximalen Blendenöffnung (niedrige f-Zahl) lässt mehr Licht auf den Sensor, was kürzere Belichtungszeiten ermöglicht und das Risiko von Verwacklungen reduziert. Die Investition in ein lichtstarkes Objektiv kann die Leistung einer Kamera bei wenig Licht erheblich verbessern.
Warum sollte ich bei wenig Licht keinen Blitz verwenden?
Der Einsatz eines Blitzes kann die natürliche Atmosphäre des Moments zerstören. Gesichter können blass und unnatürlich wirken, Farben verändern sich, und der Hintergrund wird oft zu dunkel. Wenn das Ziel darin besteht, die vorhandene Lichtstimmung einzufangen, ist der Blitz meist kontraproduktiv.
Wie kann ich Rauschen in meinen Low-Light-Aufnahmen minimieren?
Um Rauschen zu minimieren, sollten Sie versuchen, so viel Licht wie möglich auf den Sensor zu bekommen. Das erreichen Sie durch die Verwendung eines lichtstarken Objektivs (große Blende), längere Belichtungszeiten (ggf. mit Stativ oder Bildstabilisierung) oder durch die Nutzung der nativen Empfindlichkeit des Sensors, bevor Sie sehr hohe ISO-Werte wählen. Moderne Kameras verfügen über verbesserte Sensoren und Rauschunterdrückungsalgorithmen.
Was bedeutet es, wenn die Low-Light-Leistung einer Kamera mit 3 Lux angegeben wird?
Dies bezieht sich auf die Messung nach dem Standard ISO 19093. Es bedeutet, dass die Kamera in Tests bei einem Lichtniveau von 3 Lux immer noch akzeptable Ergebnisse hinsichtlich wichtiger Bildqualitätsfaktoren wie Belichtung, Rauschen, Textur und Farbe liefert. Unterhalb dieses Niveaus beginnen einige dieser Faktoren, die definierten Schwellenwerte zu unterschreiten.
Die Wahl der richtigen Kamera für wenig Licht hängt von Ihren spezifischen Anforderungen ab. Berücksichtigen Sie die Sensorgröße, die Verfügbarkeit von lichtstarken Objektiven für das System und die integrierte Bildstabilisierung. Moderne Kameras bieten immer bessere Möglichkeiten, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen beeindruckende Bilder zu erstellen, ohne auf den störenden Blitz zurückgreifen zu müssen. Durch das Verständnis der zugrunde liegenden Technologien und Messmethoden können Sie eine fundierte Entscheidung treffen und die natürliche Schönheit von Momenten bei schwachem Licht authentisch einfangen.
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