Ihre Nikon Kamera ist nicht nur ein Meister der Fotografie, sondern auch ein fähiges Werkzeug für die Aufnahme von Videofilmen. Das Aufzeichnen von Bewegtbildern eröffnet Ihnen neue kreative Möglichkeiten und erlaubt es Ihnen, Momente dynamisch festzuhalten. Der Schlüssel zur Filmaufnahme mit Ihrer Nikon liegt im Live-View-Modus. Sobald Sie in diesen Modus wechseln, wird das Bild des Sensors live auf dem Kameramonitor angezeigt, bereit für die Aufnahme.

Das Filmen ist denkbar einfach: Im Live-View-Modus finden Sie eine dedizierte Taste – oft mit einem roten Punkt gekennzeichnet – die die Filmaufnahme startet und stoppt. Doch bevor Sie einfach loslegen, gibt es einige wichtige Einstellungen und Aspekte zu beachten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Dieser Artikel führt Sie durch die notwendigen Schritte und erklärt die verschiedenen Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen.

Grundlagen der Filmaufnahme im Live-View
Wie bereits erwähnt, ist der Live-View-Modus unerlässlich für die Aufnahme von Filmen. Ohne ihn kann die Kamera keine Videos aufzeichnen. Sobald der Live-View aktiviert ist, sehen Sie das Bild auf dem Monitor, und die Kamera ist bereit, die Filmaufnahme mit der speziellen Taste zu starten.
Tonaufnahme und mögliche Störgeräusche
Ihre Nikon Kamera ist in der Lage, Videos mit Ton aufzunehmen. Das integrierte Mikrofon befindet sich typischerweise vorn an der Kamera. Achten Sie darauf, dieses Mikrofon während der Aufnahme nicht zu verdecken, um die Tonqualität nicht zu beeinträchtigen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass das integrierte Mikrofon auch Geräusche aufnehmen kann, die von der Kamera selbst oder vom Objektiv stammen. Dazu gehören beispielsweise Geräusche vom Autofokus, vom Bildstabilisator (VR) oder von der Blendeneinstellung.
Für professionellere Tonaufnahmen kann der Anschluss eines externen Mikrofons über die entsprechende Buchse an der Kamera eine deutlich bessere Qualität liefern und Kamerageräusche minimieren. Wenn Sie das integrierte Mikrofon verwenden, seien Sie sich dieser potenziellen Störquellen bewusst, insbesondere bei geräuschvollen Objektiven oder schnellen AF-Bewegungen.
Wichtige Bildeinstellungen für Ihre Filme
Die Qualität und der Look Ihrer Videos werden maßgeblich von den gewählten Bildeinstellungen beeinflusst. Im Filmaufnahmemenü Ihrer Nikon finden Sie entscheidende Optionen, um das Erscheinungsbild Ihrer Aufnahmen anzupassen.
Bildgröße, Bildrate und Filmqualität
Dies sind die Kernparameter für Ihre Videoaufnahme. Unter der Option »Bildgröße/Bildrate« legen Sie die Auflösung (Pixelbreite und -höhe) und die Anzahl der Bilder pro Sekunde fest. Die Bildrate bestimmt, wie flüssig die Bewegungen im Video erscheinen. Höhere Bildraten (z.B. 50p oder 60p) führen zu flüssigeren Aufnahmen, während niedrigere Raten (z.B. 24p) einen cineastischeren Look erzeugen können.
Parallel dazu können Sie die »Filmqualität« wählen, meist zwischen »hoch« und »normal«. Diese Einstellung beeinflusst die Bitrate des Videos – je höher die Qualität, desto höher die Bitrate und desto mehr Details werden gespeichert, was aber auch zu größeren Dateigrößen führt.
Die Kombination aus Bildgröße, Bildrate und Filmqualität hat direkten Einfluss auf die Dateigröße und die maximale Aufnahmedauer pro Clip.
Zeitlupenaufnahmen erstellen
Ein besonderes Feature vieler Nikon Kameras ist die Möglichkeit, Zeitlupenfilme aufzunehmen. Dies geschieht, indem die Kamera mit einer sehr hohen Bildrate aufzeichnet und das Ergebnis dann mit einer standardmäßigen, viel niedrigeren Bildrate wiedergibt. Der Effekt ist eine starke Verlangsamung der Bewegung.
Im Filmaufnahmemenü finden Sie unter »Bildgröße/Bildrate« spezielle Optionen für Zeitlupe, wie z.B. »1920×1080; 30p ×4 (Zeitlupe)« oder »1920×1080; 24p ×5 (Zeitlupe)«. Bei der Einstellung »30p ×4« nimmt die Kamera beispielsweise mit ca. 120 Bildern pro Sekunde auf und spielt diese dann mit 30 Bildern pro Sekunde ab, was zu einer vierfachen Verlangsamung führt. Bei »24p ×5« wird ebenfalls mit ca. 120p aufgenommen und mit 24p wiedergegeben, was einer fünffachen Verlangsamung entspricht.
Es ist wichtig zu beachten, dass Zeitlupenfilme in der Regel ohne Ton aufgezeichnet werden.
Auswahl des Bildfeldes (FX/DX)
Das »Bildfeld« bestimmt, welcher Bereich des Sensors für die Filmaufnahme genutzt wird. Sie können zwischen »FX« (basierend auf dem Kleinbildformat) und »DX« (basierend auf dem APS-C-Format) wählen. Die Wahl des Bildfeldes beeinflusst den Bildausschnitt und somit den scheinbaren Brennweitenbereich Ihres Objektivs.
Das FX-basierte Filmformat nutzt eine größere Sensorfläche (ca. 35,9 × 20,2 mm), während das DX-basierte Format eine kleinere Fläche (ca. 23,5 × 13,2 mm) verwendet. Wenn Sie ein DX-Objektiv verwenden und die »DX-Format-Automatik« aktiviert ist, wird die Aufnahme automatisch im DX-Format erfolgen. Auch Zeitlupenaufnahmen mit der Größe 1920×1080 werden immer im DX-basierten Filmformat aufgezeichnet, unabhängig vom verwendeten Objektiv oder der manuellen Bildfeldwahl.
Die Aktivierung des elektronischen Bildstabilisators (Digital-VR) führt ebenfalls zu einer weiteren Verkleinerung des Bildausschnitts, was einer leichten Verlängerung der Brennweite entspricht.
Fokussierung und Bildstabilisierung beim Filmen
Eine präzise Schärfe ist entscheidend für professionell aussehende Videos. Während des Filmens können Sie den Autofokus nutzen, doch die manuelle Fokussierung bietet oft mehr Kontrolle und vermeidet störende Fokusgeräusche.
Fokus-Peaking als Schärfehilfe
Für die manuelle Fokussierung ist das Fokus-Peaking eine unschätzbare Hilfe. Diese Funktion hebt die Konturen der scharfen Bereiche im Bild farbig hervor, sodass Sie auf dem Monitor sofort erkennen können, wo die Schärfe liegt. Sie können die Empfindlichkeit der Hervorhebung anpassen (Hohe, Standard, Niedrige Empfindlichkeit) und sogar die Farbe der Hervorhebung ändern.
Beachten Sie jedoch, dass das Fokus-Peaking nicht immer verfügbar ist. Es funktioniert nicht, wenn die Lichteranzeige aktiv ist, bei bestimmten Bildgrößen wie 1920×1080 (Zeitlupe) und 3840×2160 (4K UHD), sowie wenn Active D-Lighting oder der elektronische Bildstabilisator aktiviert sind.
Digitaler Bildstabilisator (Digital-VR)
Viele Nikon Kameras verfügen über einen digitalen Bildstabilisator, der Verwacklungen während der Filmaufnahme elektronisch reduziert. Diese Funktion kann sehr nützlich sein, insbesondere bei Aufnahmen aus der Hand. Wie bereits erwähnt, führt die Aktivierung des Digital-VR zu einer leichten Verkleinerung des Bildausschnitts.
Es ist ratsam, die Wirkung des Digital-VR auszuprobieren und zu entscheiden, ob der Nutzen der Stabilisierung den Nachteil des engeren Bildausschnitts für Ihre spezielle Aufnahmesituation überwiegt.
Herausforderungen und mögliche Bildfehler
Beim Filmen können unter bestimmten Bedingungen unerwünschte Effekte auftreten. Es ist gut, diese zu kennen und zu wissen, wie man sie minimieren kann.
Flackern und Streifenbildung (Banding)
Flackern und Streifenbildung können sichtbar werden, wenn Sie unter bestimmten künstlichen Lichtquellen filmen, wie z.B. Leuchtstoff-, Quecksilberdampf- oder Natriumdampflampen. Dies liegt an der Frequenz des Stromnetzes und der Beleuchtung.
Viele Kameras bieten im Filmaufnahmemenü eine Option namens »Flimmerreduzierung«. Hier können Sie in der Regel zwischen 50 Hz und 60 Hz wählen, passend zur Frequenz Ihres Stromnetzes. Die korrekte Einstellung kann helfen, dieses Flackern deutlich zu reduzieren oder ganz zu eliminieren.
Auch die motorische Blendensteuerung während der Aufnahme kann Flackern verursachen.
Weitere mögliche Bildfehler
Bewegte Objekte, insbesondere bei horizontalem Schwenken der Kamera oder bei Objekten, die sich schnell horizontal durch das Bild bewegen, können zu Darstellungsfehlern führen (Rolling Shutter-Effekt). Zudem können treppenförmige Konturen (Aliasing), Farbsäume (Color Fringing), Moiré-Effekte und helle Flecken auftreten.
In Bildbereichen, die pulsierende Lichtquellen enthalten (z.B. blinkende Leuchtreklamen oder Signallichter), können sich helle Bereiche oder Streifen bemerkbar machen. Diese können auch auftreten, wenn das Motiv kurzzeitig von einem Blitzlicht oder einer anderen hellen Lichtquelle beleuchtet wird.
Umgang mit starkem Licht
Es ist äußerst wichtig, die Kamera bei Filmaufnahmen niemals direkt auf die Sonne oder andere extrem starke Lichtquellen zu richten. Dies kann zu schwerwiegenden und irreparablen Schäden an der internen Kameraelektronik führen.
Rauschen beim Live-View-Zoom
Wenn Sie im Film-Modus das Livebild vergrößern, um beispielsweise die Schärfe zu überprüfen, kann es vorkommen, dass Rauschen (zufällig angeordnete helle Pixel, Schleier oder Streifen) und abweichende Farben im vergrößerten Bild auftreten. Dies ist bei vielen Kameras normal und beeinträchtigt nicht unbedingt die Qualität der tatsächlichen Videoaufnahme, es sei denn, das Rauschen ist auch bei normaler Ansicht sichtbar.
Zusätzliche Hinweise und Tipps
Anzeigen auf dem Monitor
Während des Live-View-Modus werden verschiedene Informationen auf dem Monitor angezeigt (Belichtungseinstellungen, Histogramm, Wasserwaage etc.). Sie können diese Anzeigen in der Regel mit der R-Taste ein- oder ausblenden, um eine klarere Sicht auf Ihr Motiv zu erhalten.
Live-View Timer
Der Live-View-Modus verbraucht viel Strom und kann den Sensor erwärmen. Daher verfügen Kameras über einen Live-View Timer, der den Modus nach einer bestimmten Zeit automatisch beendet, um Überhitzung und übermäßigen Batterieverbrauch zu vermeiden. Etwa 30 Sekunden vor dem automatischen Beenden wird in der Regel ein Countdown auf dem Monitor angezeigt.
Fotos während des Filmmodus aufnehmen
Einige Kameras erlauben das Aufnehmen von Fotos, während Sie sich im Film-Live-View befinden. Diese Fotos werden mit der im Fotoaufnahmemenü gewählten Bildqualität aufgezeichnet. Die Größe des Fotos kann jedoch je nach gewähltem Bildfeld im Filmmodus und der Einstellung für »Bildgröße« im Fotoaufnahmemenü variieren.
Beachten Sie, dass im Film-Live-View keine Belichtungsvorschau für Fotos verfügbar ist. Für korrekte Belichtung bei Fotos in diesem Modus werden die Belichtungssteuerungen P, S oder A empfohlen. Bei Verwendung der manuellen Belichtungssteuerung M sollten Sie die Belichtung vorab im Foto-Live-View (wenn verfügbar) oder durch eine Testaufnahme überprüfen.
Verwendung von Zubehör
Blitzlicht kann während der Filmaufnahme nicht verwendet werden. Allerdings können optionale Funkfernsteuerungen oder Kabelfernauslöser nützlich sein, um die Kamera bei der Aufnahme nicht zu berühren und Verwacklungen zu vermeiden. Wenn die entsprechende Funktion zugewiesen ist (z.B. »Aufnahme von Filmen« für den Auslöser), können diese Zubehörteile zum Starten und Stoppen der Filmaufnahme verwendet werden.
Beenden der Aufnahme
Die Filmaufnahme endet automatisch, wenn Sie das Objektiv abnehmen oder den Live-View-Wähler in eine andere Stellung drehen.
Häufig gestellte Fragen zur Nikon Videoaufnahme
Hier finden Sie Antworten auf einige gängige Fragen, die beim Filmen mit einer Nikon Kamera auftreten können:
Kann ich Videos aufnehmen, ohne den Live-View zu aktivieren?
Nein, die Filmaufnahme ist ausschließlich im Live-View-Modus möglich.
Nimmt die Kamera immer Ton auf?
Ja, standardmäßig nimmt die Kamera Ton über das integrierte Mikrofon auf. Zeitlupenfilme werden jedoch in der Regel ohne Ton aufgezeichnet.
Kann ich den Blitz während des Filmens verwenden?
Nein, die Verwendung eines Blitzes ist während der laufenden Filmaufnahme nicht möglich.
Was ist Fokus-Peaking und wofür brauche ich es?
Fokus-Peaking ist eine visuelle Hilfe bei der manuellen Fokussierung. Es hebt die scharfen Kanten im Bild farbig hervor, damit Sie leichter erkennen können, wo die Schärfe sitzt. Es ist besonders nützlich, wenn Sie präzise manuelle Fokusübergänge machen möchten.
Wie funktioniert die Zeitlupenfunktion?
Die Kamera nimmt mit einer sehr hohen Bildrate auf (z.B. 120 Bilder pro Sekunde) und spielt das Video dann mit einer normalen Rate (z.B. 30 oder 24 Bilder pro Sekunde) ab. Dies erzeugt den Effekt einer verlangsamten Bewegung.
Warum ist mein Bildausschnitt beim Filmen manchmal enger als erwartet?
Dies kann mehrere Gründe haben: Sie filmen im DX-basierten Filmformat (entweder manuell gewählt, automatisch bei DX-Objektiven oder bei 1080p Zeitlupe), oder der elektronische Bildstabilisator (Digital-VR) ist aktiviert, was zu einem zusätzlichen Crop führt.
Warum schaltet sich der Live-View nach einiger Zeit automatisch ab?
Dies ist eine Schutzfunktion (Live-View Timer), um Überhitzung des Sensors und übermäßigen Batterieverbrauch zu vermeiden. Ein Countdown zeigt an, wann der Modus beendet wird.
Mit diesen Informationen sind Sie gut gerüstet, um die Videofunktionen Ihrer Nikon Kamera optimal zu nutzen und Ihre eigenen Filme zu drehen. Experimentieren Sie mit den verschiedenen Einstellungen, um herauszufinden, welcher Look am besten zu Ihren kreativen Vorstellungen passt.
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