Die 89. Verleihung der Academy Awards im Jahr 2017 sollte als eine der denkwürdigsten Nächte in die Geschichte Hollywoods eingehen. Nicht nur wurden bedeutende filmische Leistungen gefeiert, die Zeremonie war auch Schauplatz politischer Statements, historischer Meilensteine in Sachen Vielfalt und vor allem eines Fehlers, der die Welt des Films in Atem hielt.

Von den Einreichungen für den besten fremdsprachigen Film über den Wirbel um ein Reiseverbot bis hin zum schockierenden Finale – blicken wir auf die Ereignisse zurück, die die Oscars 2017 prägten.

Der Beste fremdsprachige Film: Einreichungen und Kontroversen
Die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ sah 2017 eine Rekordzahl von Einreichungen. Insgesamt 89 Länder reichten ihre Beiträge ein, acht mehr als im Vorjahr. Davon wurden 85 zugelassen, während Einsendungen aus Afghanistan, Armenien, Kamerun und Tunesien nicht berücksichtigt wurden. Bemerkenswert war die erstmalige Einreichung eines Films aus dem Jemen: das Drama „I Am Nojoom, Age 10 and Divorced“ von Regisseurin Khadija al-Salami.
Aus den 85 zugelassenen Filmen wurde eine Vorauswahl, die sogenannte Shortlist, von neun Titeln erstellt und am 15. Dezember 2016 veröffentlicht. Neben den fünf Filmen, die es schlussendlich in die finale Nominierung schafften, gehörten zu dieser Shortlist auch „Einfach das Ende der Welt“ (Kanada), „The King’s Choice – Angriff auf Norwegen“ (Norwegen), „Paradies“ (Russland) und „Mein Leben als Zucchini“ (Schweiz).
Der Fall Österreichs und das Einreiseverbot
Auch Österreich hatte einen Kandidaten ins Rennen geschickt: das Historiendrama „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) lehnte den österreichischen Beitrag zunächst ab. Die Begründung war die angebliche Unausgewogenheit der kreativen Beteiligung, da Regisseurin, Drehbuchautor und Produzent aus Deutschland stammten und der Film komplett außerhalb Österreichs gedreht wurde, was die Beteiligung Österreichs als zu gering erscheinen ließ. Überraschenderweise wurde „Vor der Morgenröte“ nur wenige Tage später doch auf der vollständigen Liste der nominierten Titel der AMPAS geführt, schaffte es jedoch nicht in die engere Auswahl der Shortlist.
Eine weitaus größere Kontroverse entzündete sich jedoch am 27. Januar 2017. US-Präsident Donald Trump erließ die Executive Order 13769, die ein 90-tägiges Einreiseverbot für Staatsangehörige aus sieben muslimisch geprägten Ländern verhängte: Iran, Irak, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien. Dieses Verbot betraf nicht nur Flüchtlinge, sondern alle Bürger dieser Länder, unabhängig von Visum oder Green Card, mit wenigen Ausnahmen für Diplomaten oder UN-Reisende.
Direkt betroffen war der iranische Filmregisseur Asghar Farhadi, dessen Film „The Salesman“ (im Original „Forushande“) in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert war. Noch bevor das Dekret ausgesetzt wurde, entschied sich Farhadi, der Verleihung fernzubleiben, selbst wenn Ausnahmeregelungen für ihn getroffen würden. Die Academy bezog deutlich Stellung gegen das Verbot:
„Als Unterstützer von Filmemachern – und der Menschenrechte aller Menschen – auf der ganzen Welt finden wir es äußerst beunruhigend, dass Asghar Farhadi, der Regisseur des Oscar-prämierten Films aus dem Iran, ‚A Separation‘, zusammen mit der Besetzung und der Crew des diesjährigen Oscar-nominierten Films ‚The Salesman‘, aufgrund ihrer Religion oder ihres Herkunftslandes die Einreise verweigert werden könnte.“
Die fünf nominierten Regisseure in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ verurteilten in einem gemeinsamen Brief das „fanatische und nationalistische Klima“, das sie in den USA wahrnahmen. Bei der Preisverleihung wurde eine Erklärung von Asghar Farhadi verlesen, die eine klare Botschaft gegen Intoleranz und die Politik des Einreiseverbots enthielt.
Der Schockmoment: Der Umschlag-Fehler beim Besten Film
Der Höhepunkt der Verwirrung ereignete sich am Ende der Gala bei der Verleihung des prestigeträchtigsten Preises: Bester Film. Warren Beatty und Faye Dunaway traten auf die Bühne, um den Gewinner zu verkünden, anlässlich des 50. Jubiläums ihres Films „Bonnie und Clyde“. Nach dem Öffnen des Umschlags zögerte Beatty sichtlich, zeigte ihn dann Dunaway, die einen Blick darauf warf und verkündete: „La La Land“.
Die Freude im Team von „La La Land“ war riesig, die Produzenten begannen ihre Dankesreden. Doch nach mehr als zwei Minuten betraten Mitarbeiter der Oscar-Zeremonie die Bühne, nahmen die Umschläge entgegen und erklärten, dass ein Fehler passiert sei. Der Produzent von „La La Land“, Fred Berger, beendete seine Rede, nachdem er die Nachricht erhalten hatte, mit den denkwürdigen Worten: „Wir haben übrigens verloren.“
Warren Beatty erhielt daraufhin den korrekten, bereits geöffneten Umschlag, während der Produzent von „La La Land“, Jordan Horowitz, ans Mikrofon trat, den Fehler bekannt gab und erklärte, dass tatsächlich Moonlight den Preis für den Besten Film gewonnen habe. Horowitz nahm die Karte mit dem Titel des Films aus Beattys Hand und zeigte sie Kamera und Publikum als Beweis. Das Team von „La La Land“, insbesondere Horowitz, wurde später für seine professionelle und würdevolle Reaktion in dieser chaotischen Situation gelobt.
Beatty kehrte ans Mikrofon zurück und erklärte, dass ihm anfänglich der Umschlag für die „Beste Hauptdarstellerin“ überreicht worden war, der Emma Stone für ihre Leistung in „La La Land“ nannte – daher seine Verwirrung und sein Zögern. Er bestätigte, dass Moonlight der tatsächliche Gewinner sei. Daraufhin betrat das Team von Moonlight die Bühne, erhielt den Preis von Horowitz überreicht und hielt seine Dankesreden.

Die Verantwortung für diesen beispiellosen Umschlag-Fehler lag bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC (PricewaterhouseCoopers), die für die Auszählung der Stimmen, die Vorbereitung der Umschläge und deren Übergabe an die Moderatoren zuständig ist. PwC erstellt immer zwei Sätze von Umschlägen, die auf gegenüberliegenden Seiten der Bühne aufbewahrt werden. Es gab einen primären Umschlag und einen Backup-Umschlag für jede Kategorie. Videoaufnahmen der Übertragung zeigten, dass Beatty und Dunaway der noch ungeöffnete Backup-Umschlag für die Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ überreicht worden war, als sie die Bühne betraten.
PwC veröffentlichte eine Erklärung, in der sie sich aufrichtig für den Fehler entschuldigten und eine Untersuchung ankündigten. Ein Artikel der New York Times wies darauf hin, dass das Design der Umschläge, die 2017 von Gold auf Rot mit goldener Schrift umgestellt wurden, möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnte, da die Schrift schwerer zu lesen war. Es wurde auch bekannt, dass Brian Cullinan, der PwC-Mitarbeiter, der Beatty den falschen Umschlag gab, kurz zuvor gegen die Anweisung, soziale Medien während der Veranstaltung nicht zu nutzen, verstoßen hatte, indem er ein Foto von Emma Stone hinter der Bühne tweetete.
Historische Momente und Rekorde
Trotz des Umschlag-Fehlers gab es bei den Oscars 2017 viele positive und wegweisende Momente zu feiern.
Mit zweiunddreißig Jahren und achtunddreißig Tagen wurde Damien Chazelle der jüngste Gewinner des Preises für die „Beste Regie“ für seinen Film „La La Land“. Nur Norman Taurog war bei seinem Sieg 1931 für „Skippy“ nur 222 Tage älter.
Nachdem die Oscars in den beiden Vorjahren wegen mangelnder Vielfalt kritisiert worden waren (keine Schauspieler nicht-weißer Hautfarbe in den Hauptkategorien nominiert), markierte die Verleihung 2017 einen deutlichen Fortschritt. Es gab eine rekordverdächtige Anzahl von Nominierungen für nicht-weiße Schauspieler (sieben) und einen Rekord von sechs schwarzen Schauspielern. Zum ersten Mal in der Geschichte der Academy gab es in jeder Schauspielkategorie schwarze Nominierte. Drei schwarze Drehbuchautoren wurden in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert, und Barry Jenkins war der vierte schwar Regisseur, der jemals nominiert wurde.
Besondere Leistungen wurden ebenfalls gewürdigt: Nachdem sie bereits für „Doubt“ (2008) und „The Help“ (2011) nominiert war, wurde Viola Davis die erste afroamerikanische Schauspielerin mit drei Oscar-Nominierungen. Mit ihrem Sieg als „Beste Nebendarstellerin“ für „Fences“ erreichte sie zudem als erste Afroamerikanerin die „Triple Crown of Acting“ (Gewinn eines Emmy, Tony und Oscar in Schauspielkategorien).
Bradford Young wurde als erster Afroamerikaner für die „Beste Kamera“ nominiert. Joi McMillon war die erste Afroamerikanerin, die seit Hugh A. Robertson („Midnight Cowboy“) für den „Besten Schnitt“ nominiert wurde, und die erste schwarze Frau überhaupt in dieser Kategorie. Octavia Spencer wurde die erste afroamerikanische Schauspielerin, die nach einem früheren Sieg erneut nominiert wurde. Und der Gewinner des Besten Films, Moonlight, war der erste Film mit ausschließlich schwarzer Besetzung, der diesen Preis erhielt. Die Zeremonie verzeichnete die höchste Anzahl schwarzer Gewinner in der Geschichte der Academy Awards.
Kinokassen-Leistung der Nominierten
Auch die finanzielle Seite der nominierten Filme ist interessant. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Nominierungen am 24. Januar 2017 hatten die neun Nominierten für den Besten Film an den nordamerikanischen Kinokassen zusammen 483,8 Millionen US-Dollar eingespielt, mit einem Durchschnitt von 53,8 Millionen US-Dollar pro Film.

Hier ist eine Übersicht über die Einnahmen der Nominierten für den Besten Film:
| Film | Vor der Nominierung (vor 24. Jan.) | Nach der Nominierung (24. Jan. – 26. Feb.) | Nach den Awards (nach 26. Feb.) | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Hidden Figures | 85 Mio. $ | 67,7 Mio. $ | 16,5 Mio. $ | 169,3 Mio. $ |
| La La Land | 90,5 Mio. $ | 50,5 Mio. $ | 10,2 Mio. $ | 151,1 Mio. $ |
| Arrival | 95,7 Mio. $ | 4,6 Mio. $ | 210.648 $ | 100,5 Mio. $ |
| Hacksaw Ridge | 65,5 Mio. $ | 1,4 Mio. $ | 274.090 $ | 67,2 Mio. $ |
| Fences | 48,8 Mio. $ | 7,7 Mio. $ | 1,1 Mio. $ | 57,7 Mio. $ |
| Lion | 16,5 Mio. $ | 26,3 Mio. $ | 8,9 Mio. $ | 51,7 Mio. $ |
| Manchester by the Sea | 39 Mio. $ | 7,9 Mio. $ | 819.980 $ | 47,7 Mio. $ |
| Moonlight | 15,9 Mio. $ | 6,4 Mio. $ | 5,6 Mio. $ | 27,9 Mio. $ |
| Hell or High Water | 27 Mio. $ | – | – | 27 Mio. $ |
Zum Zeitpunkt der Nominierungen war „Arrival“ mit 95,7 Millionen US-Dollar der umsatzstärkste Film unter den Nominierten, gefolgt von „La La Land“ (90,5 Millionen US-Dollar) und „Hidden Figures“ (85 Millionen US-Dollar). Moonlight wurde der Film mit dem zweitniedrigsten Einspielergebnis, der je den Oscar für den Besten Film gewann.
Insgesamt erhielten 35 Nominierungen Filme aus der Liste der 50 umsatzstärksten Filme des Jahres. Von diesen 13 Filmen waren jedoch nur vier für die Hauptkategorien „Bester Film“, „Bester Animationsfilm“ oder Regie/Schauspiel/Drehbuch nominiert („Zootopia“, „Moana“, „La La Land“, „Arrival“). Andere Top-50-Filme, die Nominierungen erhielten, waren hauptsächlich in technischen oder Nebenkategorien vertreten.
Reaktionen und Bewertungen der Zeremonie
Die Zeremonie selbst, moderiert von Jimmy Kimmel, erhielt gemischte Kritiken. Einige Medien bemängelten repetitive Witze und als „langwierig und unklug“ empfundene Segmente. Andere lobten Kimmel für seine Moderation, die eine Balance zwischen Pathos und Humor fand. Besonders hervorgehoben wurden die spielerischen Sticheleien zwischen Kimmel und Matt Damon.
Die Einschaltquoten in den USA sanken im Vergleich zum Vorjahr um 4% und waren die niedrigsten seit 2008. Dennoch war die Verleihung die achthäufigst gesehene Fernsehübertragung in den USA im Jahr 2017.
Trotz der Pannen und gemischten Kritiken auf der Bühne wurde die Produktion der Zeremonie selbst später bei den Primetime Creative Arts Emmys 2017 mit sechs Nominierungen und zwei Auszeichnungen gewürdigt, unter anderem für die Regie.
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu den Oscars 2017
Welcher Film erhielt 2017 die meisten Oscars?
Der vorliegende Text gibt nicht an, welcher Film die meisten Oscars bei der Verleihung 2017 gewonnen hat. Er hebt jedoch hervor, dass Moonlight nach dem berühmten Umschlag-Fehler als Bester Film ausgezeichnet wurde und Asghar Farhadis „The Salesman“ den Preis für den Besten fremdsprachigen Film gewann.Wer hat bei den Oscars 2017 den Fehler gemacht?
Der Fehler bei der Verkündung des Besten Films wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC verursacht. Der PwC-Mitarbeiter Brian Cullinan gab den Moderatoren Warren Beatty und Faye Dunaway versehentlich den falschen Umschlag (den für die Beste Hauptdarstellerin) anstelle des Umschlags für den Besten Film.Was ist bei den Oscars 2017 passiert?
Die Oscars 2017 waren von mehreren wichtigen Ereignissen geprägt: Der bekannteste Vorfall war der Umschlag-Fehler bei der Verleihung des Besten Films, bei dem zunächst fälschlicherweise „La La Land“ aufgerufen wurde, bevor korrigiert wurde, dass Moonlight gewonnen hatte. Eine weitere Kontroverse gab es um das US-Einreiseverbot, das Regisseur Asghar Farhadi betraf und zu seinem Boykott der Zeremonie führte. Die Verleihung setzte auch wichtige Zeichen für mehr Vielfalt in Hollywood mit einer Rekordzahl von Nominierungen und Gewinnern nicht-weißer Hautfarbe, darunter Viola Davis und der Film Moonlight.
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