Welches Land hat Rivella erfunden?

Rivella: Das Schweizer Nationalgetränk

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Rivella ist weit mehr als nur ein Erfrischungsgetränk in der Schweiz; es ist ein Stück nationaler Identität, ein vertrauter Begleiter durch Generationen. Was viele ausserhalb der Alpenrepublik vielleicht nicht wissen, ist die ungewöhnliche Geschichte seiner Entstehung und sein ganz besonderer Hauptbestandteil, der es von nahezu jedem anderen Getränk auf dem Markt unterscheidet. Die Reise dieses Schweizer Kultgetränks begann nicht in einem grossen Labor, sondern in einem bescheidenen Badezimmer und war geprägt von Pioniergeist, Herausforderungen und einem einzigartigen Geschmack, der die Schweizer Herzen eroberte.

Welches Land hat Rivella erfunden?
Rivella ist das heimliche Nationalgetränk von Herr und Frau Schweizer. Erfunden wurde es von einem Juristen, bestehen tut es aus einem «Abfallprodukt».19. Dez. 2018

Die kühne Idee: Molke wird zum Getränk

Die Ursprünge von Rivella reichen zurück ins Jahr 1951. Der Schauplatz war das Städtchen Rapperswil am Zürichsee. Hier wagte ein junger Jurist namens Robert Barth ein Experiment, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag. Inspiriert vielleicht von der Idee, etwas Wertvolles aus scheinbar Überflüssigem zu schaffen, beschäftigte er sich mit der Verwertung von Molke. Molke, auch Schotte oder Sirte genannt, ist ein Nebenprodukt der Käseherstellung und wurde traditionell oft als Abfall betrachtet oder höchstens als Tierfutter verwendet. Doch Barth sah Potenzial in dieser wässrigen Substanz.

Seine Vision war es, aus Molke ein aromatisches Erfrischungsgetränk zu entwickeln. Er mischte Molke mit Mineralwasser und Kräuteraromen. Die ersten Versuche in seinem Badezimmer waren wohl, wie er selbst metaphorisch andeutete, von Herausforderungen geprägt, ähnlich wie beim Zauberlehrling, der die gerufenen Geister nicht mehr loswird. Es war ein Prozess des Ausprobierens, des Tüftelns und des Glaubens an die Machbarkeit seiner Idee. Die Möglichkeit, aus der schon immer überflüssigen Molke ein schmackhaftes Getränk zu kreieren, trieb ihn unermüdlich an.

Um sein Vorhaben auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen, suchte Robert Barth die Zusammenarbeit mit einem Spezialisten. Er fand diesen in Hans Süsli, einem Milchbiologen von der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Süsli brachte das notwendige Fachwissen mit, um die technischen Grundlagen für die Produktion eines Molke-basierten Getränks zu erarbeiten. Mit einem bescheidenen Startkapital und dem unternehmerischen Elan von Barth sowie dem wissenschaftlichen Know-how von Süsli nahm das Projekt Fahrt auf.

Vom Milkin-Institut zum Namen Rivella

Nachdem die technische Machbarkeit geklärt war, benötigte Barth eine geeignete Produktionsstätte. Er fand diese im Jahr 1952 in einer ehemaligen Weinhandlung in Stäfa im Kanton Zürich. Dies wurde der Geburtsort der ersten Rivella-Produktionseinheit, die er passenderweise «Milkin-Institut» nannte. Es war ein bescheidener Anfang. Gemeinsam mit Freunden suchte Barth im ganzen Land nach gebrauchten Produktionsmaschinen, die sie dann in der umgebauten Weinhandlung zu einer provisorischen Produktionsanlage zusammenfügten.

Nun fehlte nur noch ein eingängiger Name für das neuartige Getränk. Ein Name, der sich leicht merken lässt und der das Potenzial hat, zu einem Markenzeichen zu werden. Die Firmenlegende besagt, dass die Inspiration für den Namen aus dem Tessin stammt, dem südlichsten Kanton der Schweiz. Das Dörfchen Riva San Vitale soll eine Rolle gespielt haben. Davon abgeleitet wurde das italienische Wort «Rivelazione», was auf Deutsch «Offenbarung» bedeutet. Die Idee hinter diesem Namen mag gewesen sein, dass das Getränk eine Art Offenbarung in der Welt der Erfrischungsgetränke darstellte – etwas völlig Neues und Überraschendes.

Was ist Rivella Original?
Rivella wurde 1952 erstmals hergestellt und ist eines der bekanntesten Schweizer Getränke. Laut ihrer Website wird es aus Milchserum (auch Molke genannt), Kräuter- und Früchtetee-Extrakt, Wasser, Zucker und Sprudel hergestellt . Die Molke verleiht dem Getränk einen besonderen Schweizer Touch.

Doch «Rivelazione» war für eine schnelle Bestellung an der Theke oder im Restaurant zu lang und umständlich. Man stellte sich vor, wie jemand bestellen würde: «Fräulein, ein «Rivelazione, bitte!» – das klang noch nicht nach einer flotten und alltäglichen Bestellung. So wurde das Wort kurzerhand halbiert. Aus «Rivelazione» wurde Rivella. Dieser prägnante Name ziert seit über 65 Jahren alle Flaschen und Dosen des «alkoholfreien, diätetischen Tafelgetränks», wie es ursprünglich bezeichnet wurde.

Die einzigartige Rezeptur: Mehr als nur ein Durstlöscher

Das Herzstück von Rivella ist und bleibt die Verwendung von Molke. Dieses Nebenprodukt der Käseherstellung mag für ein Erfrischungsgetränk ungewöhnlich klingen, hat aber in der Schweiz eine lange Tradition. Schon seit Jahrhunderten wussten Milchbauern die Molke zu schätzen und tranken sie. Später wurde sie von frühen Schweizer Ernährungswissenschaftlern als Gesundheitsprodukt beworben. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Schweizer Sanatorien Kurgäste, die Molkebäder nahmen, um ihre Gesundheit zu fördern. Die Verbindung zwischen Molke und Wohlbefinden ist also tief in der Schweizer Geschichte verwurzelt.

Die heute in Rivella verwendete Molke ist natürlich verarbeiteter als das ungefilterte Produkt von früher. Die genaue Rezeptur von Rivella Original umfasst Molke, Kräuter- und Fruchtteeextrakt, Wasser, Zucker und Kohlensäure. Diese Kombination ergibt den unverwechselbaren, leicht säuerlichen und erfrischenden Geschmack, der so charakteristisch für Rivella ist. Ähnlich wie bei einem anderen bekannten Schweizer Produkt, Ovomaltine, wird auch bei Rivella die Verbindung zu Gesundheit, einem aktiven Lebensstil und seinen angeblichen ernährungsphysiologischen Vorteilen stark beworben.

Diese einzigartige Rezeptur hat Rivella zu einem festen Bestandteil des Schweizer Alltags gemacht. Die Popularität ist so gross, dass der durchschnittliche Schweizer pro Jahr etwa 10 Liter Rivella trinkt. Es ist ein Getränk, das bei Jung und Alt beliebt ist und zu vielen Gelegenheiten passt – sei es beim Sport, in der Mittagspause oder einfach zur Erfrischung zwischendurch.

Das Abenteuer Ausland: Erfolg und Rückschläge

Als Schweizer Nationalgetränk liegt es nahe, dass Rivella auch den Versuch unternahm, auf internationalen Märkten Fuss zu fassen. Doch dieses Unterfangen war, abgesehen von wenigen Ausnahmen, von erheblichen Herausforderungen geprägt. Besonders auf dem deutschen Markt konnte sich Rivella nicht durchsetzen, was schliesslich zum Rückzug aus Deutschland führte.

Laut Angaben des Unternehmens Rivella in Rothrist, wo sich heute der Hauptsitz befindet, stand der Aufwand für die Marktbearbeitung in Deutschland in keinem Verhältnis zum erzielten Ertrag. Es gab mehrere Gründe für dieses Scheitern, wie der damalige Marketingleiter Thomas Warring erklärte. Einer der Hauptgründe war, dass es Rivella nicht gelang, «die Herzen der Konsumenten zu erobern». Der einzigartige Geschmack und die ungewöhnliche Basis (Molke) stiessen bei vielen deutschen Verbrauchern offenbar nicht auf die gleiche Resonanz wie in der Schweiz.

Warum wird Rivella nicht mehr verkauft?
Der Schweizer Getränkehersteller Rivella verkauft seine Produkte nicht mehr in Deutschland. Der Aufwand für die Marktbearbeitung und der Ertrag seien in keinem Verhältnis zueinander gestanden, heisst es bei Rivella in Rothrist.

Ein weiterer wesentlicher Faktor war der Preis. Rivella wurde als in der Schweiz produzierendes KMU (Klein- und Mittelunternehmen) für preissensible deutsche Verbraucher als zu teuer wahrgenommen. Rivella sah sich nicht in der Lage, den Preis stärker zu senken, um wettbewerbsfähiger zu sein. Hinzu kam die enorme Konkurrenz auf dem deutschen Getränkemarkt. Die Auswahl an Erfrischungsgetränken in Deutschland ist schlichtweg gigantisch, was es für ein neues, teureres und geschmacklich ungewohntes Produkt schwer machte, sich zu etablieren.

Der Vertrieb von Rivella in Deutschland konzentrierte sich hauptsächlich auf den süddeutschen Raum. Mit dem endgültigen Rückzug aus Deutschland schloss das Schweizer Traditionsunternehmen ein weiteres Kapitel seiner Bemühungen, sich im Ausland zu etablieren. Doch trotz dieses Rückschlags gab das Unternehmen seine internationalen Ambitionen nicht gänzlich auf.

Erfolge in Holland und Lehren für die Zukunft

Obwohl Rivella in vielen Ländern ausserhalb der Schweiz kaum Erfolg hatte, gibt es bemerkenswerte Ausnahmen. Insbesondere in den Niederlande und in Luxemburg ist Rivella seit Jahrzehnten erfolgreich etabliert. In den Niederlanden verzeichnete das Unternehmen zuletzt sogar ein jährliches Wachstum von 10 Prozent. Dies zeigt, dass das Getränk durchaus das Potenzial hat, auch ausserhalb der Schweiz Anklang zu finden, wenn die Marktbedingungen und die Konsumentenpräferenzen stimmen.

Die Erfahrungen auf dem deutschen Markt haben bei Rivella zu wichtigen Erkenntnissen geführt. Marketingleiter Warring betonte, dass das Unternehmen auch in Zukunft neue Märkte prüfen werde. Allerdings wolle man dabei anders vorgehen. Um neue Märkte erfolgreich zu erschliessen, sei es künftig unerlässlich, einen starken Partner vor Ort zu haben und sich ausreichend Zeit für den Markteintritt und die Etablierung zu nehmen. Dies deutet auf eine Strategie hin, die auf Kooperationen und einen langfristigen Ansatz setzt, anstatt auf eigene Faust zu versuchen, in gesättigten und wettbewerbsintensiven Märkten Fuss zu fassen.

Heute bietet Rivella am Hauptsitz in Rothrist im Kanton Aargau rund 250 Vollzeitstellen an. Das Unternehmen gehört in der Schweiz zu den grossen Playern im Getränkesektor, auch wenn es international agierenden Konzernen wie Coca-Cola mengenmässig nicht die Stirn bieten kann. Dennoch hat sich Rivella als unabhängiges Schweizer Unternehmen erfolgreich behauptet und ist nach wie vor ein Symbol für Schweizer Innovation und Tradition.

Wann ging Rivella in Produktion?
1952 beginnt er mit der Produktion. Robert Barth gründet in Stäfa ZH die Rivella AG. Nach langem Studieren und Probieren steht die Rezeptur von Rivella Rot. Die ersten Flaschen gelangen in den Handel.

Häufig gestellte Fragen zu Rivella

Wer hat Rivella erfunden?

Rivella wurde von dem jungen Juristen Robert Barth erfunden. Er begann 1951 in Rapperswil mit Experimenten zur Verwertung von Molke.

Wann ging Rivella in Produktion?

Die Produktion von Rivella begann im Jahr 1952 in der ersten Produktionsstätte, dem «Milkin-Institut» in Stäfa (ZH).

Warum wird Rivella nicht mehr in Deutschland verkauft?

Rivella zog sich aus Deutschland zurück, weil der Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis standen. Gründe waren unter anderem, dass das Getränk die deutschen Konsumenten geschmacklich nicht überzeugte, es für viele zu teuer war und der deutsche Markt eine sehr hohe Konkurrenz aufweist.

Was ist Rivella Original?

Rivella Original ist die klassische Variante des Getränks. Es wird aus Molke, Kräuter- und Fruchtteeextrakt, Wasser, Zucker und Kohlensäure hergestellt und zeichnet sich durch seinen einzigartigen, leicht säuerlichen Geschmack aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rivella eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte in der Schweiz ist. Von bescheidenen Anfängen mit einer ungewöhnlichen Idee hat sich das Getränk zu einem nationalen Symbol entwickelt. Die Geschichte von Robert Barth und seinem Molke-Getränk zeigt den Wert von Innovationsgeist und Beharrlichkeit. Auch wenn internationale Märkte wie Deutschland Herausforderungen bergen, bleibt Rivella ein einzigartiges Produkt, das fest in der Schweizer Kultur verankert ist und mit seiner speziellen Rezeptur weiterhin Millionen von Menschen erfrischt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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