Wie viele Pumpen halten das Ruhrgebiet trocken?

Die Herkunft des Ruhrgebiets-Eisenerzes

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Das Ruhrgebiet, einst das Herz der deutschen Schwerindustrie, verdankte seinen Aufstieg maßgeblich der Produktion von Eisen und Stahl. Doch woher stammte eigentlich das Eisenerz, der unverzichtbare Rohstoff für die mächtigen Hochöfen? Die Antwort auf diese Frage ist eine Reise durch die Zeit und über Kontinente, die zeigt, wie sich die Rohstoffversorgung im Laufe der industriellen Entwicklung ständig veränderte.

Wie kam es zum Strukturwandel im Ruhrgebiet?
Eines der bekanntesten Beispiele für den Strukturwandel ist die Entwicklung des Ruhrgebiets. Als die Förderung von Kohle und die Produktion von Stahl ab Ende der 1950er Jahre an Bedeutung verliert, fallen hier hunderttausende von Arbeitsplätzen weg. Damit gehen vielfältige Veränderungen einher.

In den Anfängen der Eisenverhüttung im Ruhrgebiet, im 18. und frühen 19. Jahrhundert, waren die Hüttenwerke auf lokale Erzvorkommen angewiesen. Man nutzte das sogenannte Rasen-Eisenerz, das sich in den Tälern von Flüssen wie Emscher und Lippe fand, sowie Kohlen-Eisenstein, der in der Nähe der Ruhr abgebaut wurde. Diese frühen Hütten, oft noch mit Holzkohle befeuert, verarbeiteten die leicht zugänglichen, aber mengenmäßig begrenzten regionalen Erze.

Ein entscheidender Wendepunkt kam im Jahr 1849. Mit der Möglichkeit, Erz effizient mit Koks aus der reichlich vorhandenen Ruhrkohle zu verhütten, gewann die Eisen- und Stahlherstellung im heutigen Ruhrgebiet schlagartig an überregionaler Bedeutung. Die Produktion stieg rasant an, und der Bedarf an Eisenerz überstieg schnell die Kapazitäten der lokalen Lagerstätten.

Der Bau neuer Eisenbahnstrecken spielte eine Schlüsselrolle bei der Erschließung weiter entfernter Erzvorkommen. Die Hütten im Revier konnten nun auch auf Lagerstätten an der Lahn, Sieg und Dill zugreifen, die im heutigen Rheinland-Pfalz und Hessen liegen. Dies erweiterte die Bezugsquellen innerhalb Deutschlands erheblich, reichte aber mit der weiter wachsenden Produktion bald ebenfalls nicht mehr aus.

Woher kam das Eisenerz im Ruhrgebiet?
In gewaltigen Mengen werden aufbereitete Erze mit hohem Eisengehalt zumeist über Rotterdam und den Rhein aus Brasilien, Australien, Südafrika und Mauretanien zu den verbliebenen Hochöfen im Ruhrgebiet gebracht.

Mit dem Fortschritt der industriellen Revolution und der globalen Vernetzung wurde der Blick über die Landesgrenzen hinaus notwendig. Die Hüttenwerke des Ruhrgebiets begannen, Erze aus dem Ausland zu importieren. Frühzeitig taten sich deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel Krupp, mit britischen Unternehmern zusammen und eröffneten Bergwerke in Nordspanien, um dort Eisenerz abzubauen. Weitere Importe kamen aus den französischen Kolonien in Nordafrika. Besonders begehrt war die sogenannte Minette, ein Eisenerz, das in großen Mengen in Luxemburg und Lothringen (im heutigen Frankreich) vorkam. Nahezu alle Hüttenwerke im Ruhrgebiet beteiligten sich an dem „Run“ auf diese Lagerstätten.

Die Entwicklung neuer Verfahren zur Stahlherstellung hatte ebenfalls einen direkten Einfluss auf die Herkunft der Erze. Verfahren wie das Bessemer- und das Thomasverfahren stellten unterschiedliche Anforderungen an die chemische Zusammensetzung der Erze, insbesondere hinsichtlich ihres Phosphorgehalts. Dies führte dazu, dass ehemals wichtige Abbaugebiete, deren Erze für die neuen Verfahren weniger geeignet waren (wie beispielsweise die spanischen „Bessemer-Erze“ nach der Einführung des Thomasverfahrens), schnell ihre Bedeutung verloren. Gleichzeitig rückten neue Lagerstätten ins Blickfeld, deren Erze nun optimal verarbeitet werden konnten. Die schwedischen Erze aus Kiruna und Gällivare beispielsweise wurden erst durch das Thomasverfahren, das auch phosphorreiches Erz verarbeiten konnte, wirtschaftlich interessant und zu einem wichtigen Lieferanten für das Ruhrgebiet.

Die globale Rohstofflandschaft veränderte sich weiter. Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert wurden europäische Eisenerzvorkommen, auch aufgrund höherer Abbaukosten und geringerer Erzgehalte im Vergleich zu globalen Konkurrenten, zunehmend vom Markt verdrängt. Heute stammen die gewaltigen Mengen an Eisenerz, die von den verbliebenen Hochöfen im Ruhrgebiet benötigt werden, fast ausschließlich aus Übersee. Aufbereitete Erze mit hohem Eisengehalt werden zumeist über den wichtigen europäischen Hafen Rotterdam und dann weiter über den Rhein ins Ruhrgebiet transportiert. Die Hauptlieferanten heute sind Länder wie Brasilien, Australien, Südafrika und Mauretanien.

Warum wurden die Bergwerke im Ruhrgebiet geschlossen?
Als Beginn der Kohlekrise gelten allgemein die Jahre 1957 und 1958, als vor allem im Ruhrgebiet unversehens große Haldenbestände an Kohle anfielen – die Bergwerke förderten mehr Kohle als nachgefragt wurde. Es gab „Feierschichten“ (Schichten fielen aus) und später Zechen-Stilllegungen.

Die Geschichte der Eisenerzversorgung des Ruhrgebiets ist somit eine Geschichte des ständigen Wandels – von der Nutzung lokaler, leicht zugänglicher Vorkommen über die Erschließung nationaler und europäischer Quellen bis hin zur heutigen globalen Beschaffung. Dieser Wandel spiegelt nicht nur die technologische Entwicklung in der Stahlindustrie wider, sondern auch die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in Europa und der Welt.

Historische Entwicklung der Eisenerzherkunft

ZeitraumWichtige Herkunftsgebiete
18. & 19. Jahrhundert (Anfänge)Lokale Rasen-Eisenerze (Emscher, Lippe), Kohlen-Eisenstein (Ruhr)
Mitte 19. Jahrhundert (nach Koks)Zusätzlich: Lahn, Sieg, Dill (Deutschland)
Ende 19. / Anfang 20. JahrhundertZusätzlich: Spanien, Nordafrika, Luxemburg, Lothringen (Minette)
Nach Einführung neuer Stahlverfahren (z.B. Thomasverfahren)Zusätzlich: Schweden (Kiruna, Gällivare); Bedeutung anderer Erze (z.B. spanische) nimmt ab
HeuteBrasilien, Australien, Südafrika, Mauretanien (Import über Rotterdam/Rhein)

Häufig gestellte Fragen zur Eisenerzversorgung

Woher stammte das Eisenerz ursprünglich?
In den Anfängen im 18. und 19. Jahrhundert nutzten die ersten Hüttenwerke lokale Vorkommen wie Rasen-Eisenerz aus den Tälern von Emscher und Lippe sowie Kohlen-Eisenstein von der Ruhr.

Wann begann der Import von Eisenerz?
Mit wachsender Produktion reichten lokale Erze bald nicht mehr aus. Neue Eisenbahnstrecken erschlossen zunächst deutsche Lagerstätten. Später begann der Import aus Ländern wie Spanien, Nordafrika sowie Luxemburg und Lothringen.

Woher kam das Eisenerz im Ruhrgebiet?
In gewaltigen Mengen werden aufbereitete Erze mit hohem Eisengehalt zumeist über Rotterdam und den Rhein aus Brasilien, Australien, Südafrika und Mauretanien zu den verbliebenen Hochöfen im Ruhrgebiet gebracht.

Warum änderten sich die Bezugsquellen im Laufe der Zeit?
Die Herkunft der Erze änderte sich aufgrund steigender Nachfrage, der Erschließung neuer Transportwege (Eisenbahnen) und vor allem durch die Einführung neuer Stahlherstellungsverfahren wie das Bessemer- und das Thomasverfahren, die spezifische Anforderungen an die Erze stellten.

Woher kommt das Eisenerz für die Hochöfen im Ruhrgebiet heute?
Heute stammen die Erze hauptsächlich aus Übersee. In großen Mengen werden aufbereitete Erze mit hohem Eisengehalt zumeist über Rotterdam und den Rhein aus Ländern wie Brasilien, Australien, Südafrika und Mauretanien importiert.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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