Die Landschaftsfotografie stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung, die sich teilweise von anderen Fotogenres unterscheiden. Oft arbeitet man vom Stativ, was den Autofokus weniger kritisch macht und eine Bildstabilisierung in der Kamera oder im Objektiv überflüssig macht. Auch die Lichtstärke der Objektive spielt meist eine untergeordnete Rolle, es sei denn, man widmet sich der faszinierenden Milchstraßenfotografie. Die Anforderungen an Kameras und Objektive sind daher im Vergleich zu Bereichen wie Sport- oder Actionfotografie eher moderat.

Was ist wirklich wichtig in der Landschaftsfotografie?
Wenn der schnelle Autofokus und die höchste Lichtstärke in vielen Fällen nicht im Vordergrund stehen, welche Kriterien sind dann entscheidend für gelungene Landschaftsbilder? Hier sind die Punkte, die laut Expertenmeinung wirklich zählen:
- Ein möglichst hoher Dynamikumfang der Kamera: Dies ist essenziell, um Details sowohl in den hellen Lichtern (wie einem bewölkten Himmel) als auch in den dunklen Schatten (wie einem Wald) einzufangen, ohne dass Bildbereiche über- oder unterbelichtet werden.
- Objektive, die bis in den Randbereich scharf abbilden: Besonders bei Weitwinkelaufnahmen ist es wichtig, dass nicht nur die Mitte des Bildes, sondern auch die Ecken und Ränder gestochen scharf sind, um die gesamte Szenerie detailreich darzustellen.
- Eine ausreichend hohe Auflösung der Kamera: Wenn Sie Ihre Landschaftsfotos sehr groß drucken möchten (z.B. für eine Wanddekoration), kann eine höhere Auflösung von Vorteil sein. Allerdings ist hier abzuwägen, da mehr Pixel auch Nachteile mit sich bringen können.
- Größe und Gewicht der Ausrüstung: Für Landschaftsfotografen, die viel wandern, um die besten Standpunkte zu erreichen, sind kompakte und leichte Kameras sowie Objektive ein wichtiger Faktor für den Komfort unterwegs.
Objektive versus Kameragehäuse: Eine grundlegende Betrachtung
Eine häufig gestellte Frage ist, welche Kamera man auf eine Fototour mitnehmen sollte. Doch diese Frage ist oft falsch gestellt. Die wichtigere Frage lautet: Welche Objektive nehmen Sie mit? Viele erfahrene Fotografen denken zuerst in Objektiven und wählen dann das passende Kameragehäuse dazu aus. Die optische Leistung kommt maßgeblich vom Objektiv, und selbst die beste Kamera kann die Schwächen eines minderwertigen Objektivs nicht vollständig ausgleichen. Während ein hochwertiges Vollformatobjektiv wie das Sony G Master 16-35 mm optisch oft besser ist als ein APS-C-Objektiv wie das Sony 10-18 mm, bedeutet das nicht, dass mit einer APS-C-Kamera keine beeindruckenden Landschaftsaufnahmen möglich sind. Auch mit kleineren Sensoren und den passenden Objektiven lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen.

Vollformat oder APS-C: Ist die Sensorgröße entscheidend?
Muss es unbedingt eine Vollformatkamera sein für die Landschaftsfotografie? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die lange Antwort: Es kann besser sein, aber nicht primär wegen des Sensors selbst, sondern wegen der oft überlegenen Qualität und der größeren Auswahl an hochwertigen Objektiven, die für das Vollformat entwickelt wurden. Vollformatkameras bieten in der Regel einen höheren Dynamikumfang und ein besseres Rauschverhalten bei höheren ISO-Werten, was in bestimmten Situationen (wie der Astrofotografie) von Vorteil sein kann. Allerdings sind Vollformatkameras und -objektive oft größer, schwerer und teurer als ihre APS-C-Pendants.
Für Fotografen, denen Vollformatkameras zu groß und schwer sind, gibt es kompaktere Alternativen. Beispielsweise ist die Sony Alpha 7C eine sehr kompakte Vollformatkamera, die kleiner ist als manche APS-C-Modelle. Gepaart mit einem kleinen Objektiv wie dem Sigma 16-28 mm F2.8 ergibt sich eine sehr portable Ausrüstung. Sony APS-C-Kameras wie die A6000, A6300 oder A6400 bieten eine sehr große Auswahl an Objektiven und zeichnen sich durch einen sehr hohen Dynamikumfang aus. Viele Fotografen haben jahrelang erfolgreich mit diesen Kameras, oft mit Festbrennweiten, gearbeitet.
Auch andere Hersteller bieten interessante APS-C-Optionen. Fujifilm ist bekannt für hochwertige Kameras und Objektive, die sich gut für die Landschaftsfotografie eignen. Die neueren Nikon APS-C-Kameras wurden zum Zeitpunkt der Information (Sommer 2022) als die besten ihrer Klasse bezeichnet, litten aber noch unter einem Mangel an passenden Objektiven. Ähnlich sah es bei Canon aus, die ihr APS-C-System gerade erst gestartet hatten und ebenfalls noch auf eine größere Objektivauswahl warteten.
Megapixel: Mehr ist nicht immer besser
Kamerahersteller versuchen oft, neue Modelle durch eine höhere Megapixelzahl attraktiver zu machen. Doch eine höhere Auflösung bringt nicht nur Vorteile mit sich. Mehr Pixel bedeuten in der Regel eine langsamere Nachbearbeitung am Computer, erfordern teurere Speicherkarten und nicht selten einen leistungsfähigeren Rechner. Und die Fotos selbst? Oft sehen sie bei normaler Betrachtungsgröße nicht signifikant besser aus als Aufnahmen mit 24 MP. Auch für hochauflösende Drucke reichen 24 MP in den meisten Fällen völlig aus.
Andererseits werden Landschaftsfotos häufig zugeschnitten (cropped), wodurch die effektive Auflösung sinkt. Aus 24 MP können so schnell 16 MP werden. Vor diesem Hintergrund wird eine Auflösung von etwa 30 MP oft als Idealwert betrachtet. Sie bietet genügend Puffer für Zuschnitte, ohne die Nachteile extrem hoher Auflösungen mit sich zu bringen. Mehr Megapixel sind nur dann wirklich notwendig, wenn man explizit weiß, dass man sie für sehr spezielle Anwendungen benötigt – in diesem Fall könnte sogar ein Blick auf Mittelformatkameras sinnvoll sein.
Die Hauptakteure: Ein Blick auf verschiedene Kamerasysteme
Welche konkreten Kamerasysteme eignen sich nun besonders gut für die Landschaftsfotografie? Basierend auf der bereitgestellten Information betrachten wir die Stärken und Schwächen der gängigen Marken.
Sony
Sony hat sich in der spiegellosen Welt etabliert. Die Sony A7 IV wird oft gelobt. Sie bietet einen extrem guten Autofokus (für Landschaft weniger wichtig, aber vorhanden), einen sehr hohen Dynamikumfang, niedriges ISO-Rauschen und eine Auflösung von 33 MP. Das schwenk- und klappbare Display ist praktisch für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Winkeln oder bei Stativnutzung. Das Gehäuse ist wetterfest. Auf den ersten Blick scheint alles zu stimmen. Allerdings wird der Sucher und das Display im Vergleich zur Nikon Z6 II als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Die A7 IV ist preislich vergleichbar mit der Nikon Z6 II/Z7 II.
Die Sony Alpha 7RV ist in fast allen Belangen besser als die A7 IV, kostet aber auch deutlich mehr. Für Hobbyfotografen wird dieser Aufpreis oft nicht als gerechtfertigt angesehen, auch wenn der Blick auf den Preis der RV verlockend sein kann.
Für Reisende oder diejenigen, die ein kompaktes Vollformatsystem suchen, ist die Sony Alpha 7C eine interessante Option.
Canon
Mit der Canon EOS R5 hat Canon gezeigt, was technisch möglich ist. Die Kamera geht keine Kompromisse ein und ist entsprechend hochpreisig. Ein bekanntes Problem ist die Überhitzung, die aber eher für Videofilmer relevant ist als für Fotografen. Auch bei den Objektiven bietet Canon hervorragende Qualität, allerdings zu einem hohen Preis. Da Canon es Drittherstellern schwer macht, gibt es kaum günstigere Alternativen, was die Ausrüstung teuer macht.
Canons APS-C-System war zum Zeitpunkt der Information noch sehr jung, und es fehlte noch an einer breiten Objektivauswahl.
Nikon Spiegellos (Z-System)
Nachdem Nikon den Anschluss an die spiegellose Ära zunächst verloren hatte, sind sie stark zurückgekommen. Die Nikon Z6 II und Z7 II werden als hervorragende Kameras für die Landschaftsfotografie bezeichnet. Besonders hervorgehoben werden der exzellente Sucher und das Display, die in der Praxis sehr hilfreich sind. Nikon bietet mit dem Nikkor Z 14-30 mm F4.0 ein sehr kompaktes Ultraweitwinkelobjektiv, das gut zum System passt. Ein Nachteil ist das Fehlen des klassischen 16-35 mm F2.8 Objektivs. Auch die Auswahl an Objektiven von Drittherstellern ist im Nikon Z-System (Stand der Information) noch begrenzt, was für manche Fotografen ein Grund sein kann, sich für ein anderes System zu entscheiden, selbst wenn die Kamera selbst als optisch schlechter empfunden wird (wie im Vergleich zur Sony A7 IV, die der Autor trotz besserer Kamera-Features seltener nutzte, da das passende Nikon Objektiv fehlte).

Die Nikon Z-Kameras verfügen nicht über ein Schwenk-Klapp-Display, sondern meist über ein neigbares Display, was von manchen Fotografen sogar als Vorteil angesehen wird. Die Z6 II ist der Z7 II praktisch gleichwertig, unterscheidet sich aber hauptsächlich durch die geringere Auflösung.
Nikon DSLR (Spiegelreflex)
Auch im Bereich der Spiegelreflexkameras hat Nikon Modelle hervorgebracht, die für die Landschaftsfotografie sehr relevant sind, insbesondere auf dem Gebrauchtmarkt.
Die Nikon D810 wird ausdrücklich als sehr gut für die Landschaftsfotografie empfohlen. Sie zeichnet sich durch eine solide Bauweise und Langlebigkeit aus. Das Gehäuse besteht weitgehend aus einer robusten Magnesiumlegierung. Die D810 korrigierte Designfehler, die bei ihrem Vorgänger, der D800, auftraten. Der Griff der D810 wird als komfortabler empfunden als der der D800.
Die Nikon D800 war bei ihrer Markteinführung mit ihrem hochauflösenden Sensor wegweisend, hatte aber leider schwerwiegende Konstruktionsmängel. Trotz des hohen Metallanteils gab es Probleme mit der Stabilität. Ein Hauptproblem war der Bruch des Subframes, einer Metallstruktur hinter dem LCD, die für die Ausrichtung von Sensor und AF-System wichtig ist. Dies konnte passieren, wenn schwere Objektive am Stativanschluss befestigt wurden, da dieser nicht direkt mit dem stabilen Chassis verbunden war. Auch hatten frühe Chargen Probleme mit dem 10-Pin-Fernauslöseranschluss, der ins Gehäuse fallen konnte, sowie Probleme mit der Präzision der linken Autofokus-Sensoren. Diese Probleme wurden von Nikon nicht immer offen kommuniziert, aber stillschweigend in der D810 behoben. Aufgrund dieser potenziellen Mängel, die auch bei gebrauchten Modellen auftreten können (auch ohne sichtbare äußere Schäden), wird vom Kauf einer gebrauchten D800 abgeraten. Die Nikon D810 oder die noch neuere D850 sind hier die sicherere Wahl.
| Kamera Modell | System | Auflösung (MP) | Dynamikumfang | Sucher/Display Qualität | Objektivauswahl (System) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sony A7 IV | Spiegellos (Vollformat) | 33 | Sehr Hoch | Nicht zeitgemäß (vs. Z6 II) | Sehr Groß (Sony FE) | Sehr guter AF, Schwenk-Klapp-Display |
| Canon EOS R5 | Spiegellos (Vollformat) | 45 | Hoch | Sehr Hoch | Wächst, wenige Dritthersteller | Sehr leistungsfähig, teuer, Überhitzung (Video) |
| Nikon Z7 II | Spiegellos (Vollformat) | 45.7 | Hoch | Exzellent | Wächst, wenige Dritthersteller (Z-Mount) | Robust, neigbares Display, exzellenter Sucher |
| Nikon Z6 II | Spiegellos (Vollformat) | 24.5 | Hoch | Exzellent | Wächst, wenige Dritthersteller (Z-Mount) | Gleichwertig zur Z7 II (außer Auflösung), exzellenter Sucher |
| Nikon D810 | DSLR (Vollformat) | 36.3 | Sehr Hoch | Optisch (Sucher), Display | Sehr Groß (Nikon F) | Sehr solide Bauweise, bewährt, Empfehlung vs. D800 |
Wichtige Objektive für die Landschaftsfotografie
Wie bereits erwähnt, spielen die Objektive eine zentrale Rolle. Während Ultraweitwinkelobjektive (z.B. 14 mm, 16 mm, 11 mm) sehr beliebt sind, um weite Szenen einzufangen, ist es ratsam, auch andere Brennweiten im Fotorucksack zu haben. Ein leichtes Teleobjektiv ermöglicht es, Details in der Ferne zu isolieren oder Kompressionseffekte zu nutzen. Eine Kombination aus einem Weitwinkel (z.B. 16-35 mm F4) und einem Teleobjektiv (z.B. 100-400 mm) wird oft als gute Grundausstattung genannt. Flexible Allrounder wie ein 24-70 mm oder 24-105 mm können ebenfalls sehr nützlich sein. Flexibilität bei den Brennweiten eröffnet kreative Möglichkeiten bei der Bildgestaltung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Benötige ich eine Vollformatkamera für gute Landschaftsfotos?
Nein, nicht unbedingt. Auch mit APS-C-Kameras lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Vollformat bietet potenziell Vorteile beim Dynamikumfang und Rauschverhalten, und die Auswahl an sehr hochwertigen Objektiven ist oft größer. Aber das hängt stark vom jeweiligen System ab.
Wie viele Megapixel sind ausreichend für Landschaftsfotografie?
Für die meisten Anwendungen, einschließlich großer Drucke, sind 24 MP mehr als genug. 30-33 MP bieten einen guten Puffer für nachträgliche Bildzuschnitte. Extrem hohe Auflösungen über 45 MP bringen oft Nachteile bei der Bildbearbeitung und Speicherkapazität mit sich und sind nur für sehr spezielle Anforderungen wirklich nötig.
Welche Nikon DSLR ist für Landschaftsfotografie am besten?
Basierend auf den Erfahrungen mit der Bauqualität wird die Nikon D810 oder die neuere D850 empfohlen. Die D800 hatte bekannte Designfehler, die zu Problemen führen konnten, insbesondere im gebrauchten Zustand.
Ist der Autofokus wichtig in der Landschaftsfotografie?
Meistens nicht, da oft vom Stativ mit manueller Fokussierung oder voreingestellter Hyperfokaldistanz gearbeitet wird. Ein sehr guter Autofokus wie bei der Sony A7 IV ist zwar vorhanden, aber für diesen speziellen Anwendungsbereich weniger entscheidend als beispielsweise ein hoher Dynamikumfang oder die Qualität der Objektive.
Spielt die Bildstabilisierung eine Rolle bei Landschaftsaufnahmen?
In der Regel nicht, da bei der Arbeit vom Stativ lange Belichtungszeiten möglich sind und die Stabilisierung ohnehin ausgeschaltet werden sollte, um Vibrationen zu vermeiden.
Fehlen bei Nikon Z-Kameras wichtige Objektive für Landschaftsfotografie?
Zum Zeitpunkt der Information fehlte einigen Fotografen ein klassisches 16-35 mm F2.8 Objektiv. Nikon bietet aber ein sehr gutes und kompaktes 14-30 mm F4.0 an. Die Auswahl an Objektiven von Drittherstellern ist im Z-System noch im Aufbau begriffen.
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