In der modernen digitalen Fotografie ist die Bildbearbeitung ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum finalen Werk. Doch dieser Prozess kann zeitaufwendig sein, besonders wenn man viele Bilder bearbeiten muss. Hier kommen Presets ins Spiel – kleine Helfer, die das Leben von Fotografen erheblich erleichtern können. Sie sind im Grunde gespeicherte Einstellungen für die Bildbearbeitung, die mit nur einem Klick auf ein Foto angewendet werden können.

Presets sind nicht nur ein Werkzeug, um Zeit zu sparen; sie helfen auch dabei, einen einheitlichen Look oder Stil über eine ganze Serie von Fotos hinweg zu kreieren. Dies ist besonders nützlich für Hochzeitsfotografen, Porträtfotografen oder jeden, der ein konsistentes Portfolio aufbauen möchte. Sie können von Farbkorrekturen über Kontrast- und Belichtungsanpassungen bis hin zu speziellen Effekten wie Schwarz-Weiß-Umwandlungen oder Vintage-Looks reichen.

Was genau sind Presets in der Fotografie?
Presets, oft auch als Voreinstellungen oder Filter bezeichnet (obwohl der Begriff 'Filter' eher in Apps wie Instagram verwendet wird und oft weniger Kontrolle bietet), sind Sammlungen spezifischer Anpassungen, die auf die Parameter eines Bildbearbeitungsprogramms angewendet werden. In Programmen wie Adobe Lightroom oder Capture One umfassen diese Einstellungen typischerweise:
- Grundlegende Anpassungen (Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Weißabgleich)
- Tonwertkurven-Einstellungen
- HSL-Anpassungen (Farbton, Sättigung, Luminanz)
- Teiltonung
- Details (Schärfen, Rauschreduzierung)
- Objektivkorrekturen
- Effekte (Vignettierung, Körnung)
- Kalibrierung
Wenn du ein Preset anwendest, werden all diese gespeicherten Einstellungen auf dein aktuelles Bild übertragen. Das Ergebnis ist, dass dein Bild sofort den Look erhält, der in diesem Preset definiert ist.
Warum solltest du Presets verwenden?
Die Verwendung von Presets bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die deinen Workflow und die Qualität deiner Arbeit beeinflussen können:
- Zeit sparen: Dies ist der offensichtlichste Vorteil. Statt jede Einstellung manuell für jedes Bild anzupassen, wendest du ein Preset an und hast eine hervorragende Ausgangsbasis oder sogar schon das Endergebnis. Das ist besonders nützlich bei großen Mengen von Fotos.
- Konsistenz schaffen: Presets sind ideal, um einen einheitlichen Stil für eine Fotoserie, ein Projekt oder sogar für dein gesamtes Portfolio zu gewährleisten. Dies hilft beim Aufbau einer visuellen Identität und macht deine Arbeit wiedererkennbar.
- Lernen und Experimentieren: Durch die Analyse, wie bestimmte Presets aufgebaut sind (welche Einstellungen sie verändern), kannst du viel über Bildbearbeitungstechniken lernen. Sie bieten auch eine einfache Möglichkeit, schnell verschiedene Looks auszuprobieren und zu sehen, was funktioniert.
- Als Ausgangspunkt nutzen: Nur weil du ein Preset angewendet hast, bedeutet das nicht, dass du fertig bist. Oft dient das Preset als exzellente Grundlage, von der aus du weitere feine Anpassungen vornimmst, um das Bild perfekt zu machen.
Presets effektiv anwenden: Schritt für Schritt
Die Anwendung von Presets ist in den meisten Programmen intuitiv. Nehmen wir als Beispiel Adobe Lightroom, da es hier sehr verbreitet ist:
Anwendung auf ein einzelnes Foto
Wenn du ein einzelnes Bild bearbeitest und einen bestimmten Look ausprobieren möchtest, gehst du normalerweise wie folgt vor:
- Öffne das gewünschte Bild im Entwickeln-Modul (Develop Module).
- Suche im linken Bedienfeld den Bereich „Vorgaben“ (Presets).
- Klappe die Ordner auf, um deine installierten Presets zu sehen.
- Fahre mit der Maus über die Namen der Presets. Lightroom zeigt dir eine Vorschau des Effekts im Navigator-Fenster an.
- Klicke auf das Preset, das dir am besten gefällt, um es auf dein Bild anzuwenden.
- Nimm bei Bedarf weitere manuelle Anpassungen vor, um das Ergebnis zu perfektionieren.
Stapelverarbeitung (Batch-Anwendung) von Presets in Lightroom
Dies ist besonders mächtig, wenn du eine Serie von Bildern hast, die unter ähnlichen Bedingungen aufgenommen wurden und den gleichen Look erhalten sollen. Basierend auf den von dir bereitgestellten Informationen und erweitert für mehr Klarheit:
- Album oder Ordner öffnen: Navigiere in der Rasteransicht (Grid View) des Bibliotheksmoduls (Library Module) zu dem Album oder Ordner, der die Fotos enthält, die du bearbeiten möchtest.
- Fotos auswählen: Wähle alle Fotos aus, auf die du das Preset anwenden möchtest. Du kannst einzelne Fotos anklicken, mit gedrückter Shift-Taste einen Bereich auswählen oder mit Strg+A (Windows) / Cmd+A (Mac) alle Fotos im aktuellen Ordner/Album auswählen.
- Preset auswählen und anwenden: Es gibt mehrere Wege, das Preset jetzt anzuwenden:
- Über das linke Bedienfeld: Stelle sicher, dass im linken Bedienfeld die Option „Vorgaben“ (Presets) sichtbar ist (manchmal muss man in der Rasteransicht das Bedienfeld manuell einblenden oder in ein Modul wechseln, das Presets anzeigt, und dann zurückkehren – der einfachste Weg ist oft der nächste Punkt).
- Über das Synchronisieren-Feature (empfohlen für mehr Kontrolle): Bearbeite zunächst *ein* Foto der Serie manuell oder wende ein Preset darauf an. Wähle dann dieses bearbeitete Foto *zuerst* aus und anschließend alle anderen Fotos, auf die du die Einstellungen übertragen möchtest. Klicke dann unten rechts auf den Button „Synchronisieren…“ (Synchronize…). Wähle im Dialogfeld aus, welche Einstellungen (alle oder nur bestimmte, z.B. nur die Preset-Einstellungen) übertragen werden sollen und klicke auf „Synchronisieren“.
- Über das schnelle Entwickeln (Quick Develop) Panel: In der Rasteransicht (Library Module) findest du rechts das Bedienfeld „Schnellentwicklung“ (Quick Develop). Wenn du mehrere Bilder ausgewählt hast, kannst du hier grundlegende Anpassungen vornehmen oder unter dem Dropdown-Menü „Gespeicherte Vorgaben“ (Saved Presets) ein Preset auswählen und auf alle ausgewählten Bilder anwenden. Dies ist die Methode, die dem von dir beschriebenen Ablauf am nächsten kommt. Wähle die Bilder aus, öffne das Schnellentwicklungs-Panel, wähle das Preset unter „Gespeicherte Vorgaben“ und bestätige gegebenenfalls in einem Dialogfeld.
- Ergebnis überprüfen und anpassen: Nach der Stapelverarbeitung ist es entscheidend, die angewendeten Presets auf den einzelnen Bildern zu überprüfen. Nicht jedes Preset passt perfekt zu jedem Bild, auch wenn sie in einer Serie aufgenommen wurden. Möglicherweise musst du Belichtung, Weißabgleich oder andere spezifische Einstellungen für einzelne Fotos noch anpassen.
Die Stapelverarbeitung ist ein enormer Zeitsparer, aber sie erfordert Sorgfalt bei der Auswahl des passenden Presets und der anschließenden Feinabstimmung.
Eigene Presets erstellen
Wenn du einen bestimmten Look oder Bearbeitungsstil entwickelt hast, der dir gefällt und den du immer wieder verwenden möchtest, kannst du ganz einfach ein eigenes Preset erstellen. So geht's:
- Bearbeite ein Foto im Entwickeln-Modul genau so, wie du es möchtest, bis du den gewünschten Look erreicht hast.
- Klicke im Bedienfeld „Vorgaben“ (Presets) auf das Plus-Symbol (+) und wähle „Vorgabe speichern…“ (Save Settings…).
- Es öffnet sich ein Dialogfeld. Gib deiner Vorgabe einen aussagekräftigen Namen (z.B. „Mein Vintage Look“ oder „Porträt Soft“).
- Wähle aus, in welchem Ordner die Vorgabe gespeichert werden soll (du kannst auch neue Ordner erstellen, um deine Presets zu organisieren).
- Wähle sorgfältig aus, welche Einstellungen in das Preset aufgenommen werden sollen. Standardmäßig sind viele Optionen aktiviert, aber überlege, ob du wirklich *alle* Einstellungen speichern möchtest (z.B. möchtest du vielleicht den Weißabgleich oder die Objektivkorrekturen *nicht* speichern, da diese oft bildspezifisch sind).
- Klicke auf „Erstellen“ (Create).
Dein neues Preset erscheint nun in der Liste und du kannst es jederzeit auf andere Bilder anwenden.
Presets verwalten und organisieren
Mit der Zeit sammelt sich eine Menge Presets an, besonders wenn du welche kaufst oder herunterlädst. Eine gute Organisation ist entscheidend, um den Überblick zu behalten:
- Ordner nutzen: Gruppiere Presets nach Stil (z.B. „Schwarz-Weiß“, „Landschaft“, „Porträt“), Quelle (z.B. „Meine Presets“, „Gekaufte Presets XY“) oder jedem anderen System, das für dich Sinn macht.
- Ungenutzte Presets löschen: Entferne Presets, die du nie verwendest. Weniger ist oft mehr, und eine aufgeräumte Liste beschleunigt deinen Workflow.
- Presets umbenennen: Gib Presets klare Namen, damit du sofort weißt, welchen Effekt sie haben.
- Presets exportieren/importieren: Wenn du Presets sichern oder mit anderen teilen möchtest, kannst du sie exportieren und später wieder importieren.
Presets vs. Profile: Was ist der Unterschied?
Während Presets spezifische *Einstellungen* anwenden, die du im Entwickeln-Modul siehst und anpassen kannst, sind Profile (wie z.B. Kamera-Matching-Profile oder Kreativ-Profile in Lightroom) eine andere Art der Bildbearbeitung. Profile werden *vor* den meisten anderen Einstellungen angewendet und beeinflussen, wie die Rohdaten interpretiert werden. Sie legen oft den grundlegenden Look oder die Farbcharakteristik fest und sind nicht so einfach in einzelne Einstellungsregler zerlegbar wie Presets. Viele Fotografen nutzen Profile als ersten Schritt und wenden dann ein Preset an, um den Look zu verfeinern.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Aspekt | Manuelle Bearbeitung | Verwendung von Presets |
|---|---|---|
| Zeitaufwand | Hoch | Gering (als Ausgangspunkt) |
| Konsistenz | Schwerer zu erreichen | Einfacher zu gewährleisten |
| Flexibilität | Maximal | Gut (können angepasst werden) |
| Lernkurve | Notwendig, um Looks zu verstehen | Kann helfen, Looks zu verstehen; Gefahr des reinen Anwendens ohne Verständnis |
| Individualität | Sehr hoch | Kann generisch wirken, wenn nicht angepasst |
| Startpunkt | Beginn bei Null | Schneller Startpunkt |
Tipps für die effektive Nutzung von Presets
- Presets als Ausgangspunkt sehen: Betrachte Presets selten als „Ein-Klick-Fertigstellung“. Fast immer sind kleine Anpassungen an Belichtung, Weißabgleich oder lokalen Korrekturen nötig, um das Beste aus dem Bild herauszuholen.
- Wähle das richtige Preset: Nicht jedes Preset passt zu jedem Bild. Ein Preset für Porträts funktioniert wahrscheinlich nicht gut für eine Landschaftsaufnahme und umgekehrt. Experimentiere, um das passende zu finden.
- Verstehe, was das Preset tut: Schau dir die Einstellungen im Entwickeln-Modul an, nachdem du ein Preset angewendet hast. Das hilft dir nicht nur beim Lernen, sondern auch dabei, gezielte Anpassungen vorzunehmen.
- Sei wählerisch bei gekauften Presets: Es gibt unzählige Presets zu kaufen. Kaufe nur von Quellen, deren Stil dir wirklich gefällt und die gute Qualität liefern. Oft reichen wenige, gut durchdachte Presets aus.
- Erstelle deine eigenen: Die besten Presets sind oft die, die du selbst erstellst, weil sie genau auf deinen Stil und deine Ausrüstung zugeschnitten sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Funktionieren Presets mit allen Bildtypen (RAW, JPG)?
A: Ja, Presets können sowohl auf RAW-Dateien als auch auf JPGs angewendet werden. Allerdings bieten sie auf RAW-Dateien in der Regel mehr Spielraum für Anpassungen, da RAWs mehr Bildinformationen enthalten.

F: Muss ich Presets kaufen?
A: Nein, es gibt viele kostenlose Presets online, und du kannst auch deine eigenen erstellen. Gekaufte Presets bieten oft professionell entwickelte Looks, sind aber keine Notwendigkeit.
F: Kann ich ein angewendetes Preset später noch ändern?
A: Absolut! Ein Preset wendet lediglich Einstellungen an. Du kannst jede dieser Einstellungen danach im Entwickeln-Modul nach Belieben ändern oder anpassen.
F: Funktionieren Lightroom Presets auch in Photoshop?
A: Lightroom Classic und Lightroom CC verwenden das .xmp-Format für Presets, das auch von Adobe Camera Raw (ACR) in Photoshop verwendet wird. Du kannst Presets im .xmp-Format in ACR laden und dort anwenden. Ältere Lightroom Presets im .lrtemplate-Format müssen eventuell konvertiert werden.
F: Macht die Verwendung von Presets meine Bilder 'generisch'?
A: Das kann passieren, wenn du Presets blind anwendest und keine individuellen Anpassungen vornimmst. Wenn du Presets jedoch als Ausgangspunkt nutzt und sie an das jeweilige Bild anpasst, helfen sie dir, deinen Stil zu entwickeln, anstatt ihn zu ersetzen.
Fazit
Presets sind ein unglaublich nützliches Werkzeug in der digitalen Bildbearbeitung. Sie helfen dir, deinen Workflow zu beschleunigen, Konsistenz in deine Arbeit zu bringen und mit verschiedenen Looks zu experimentieren. Egal, ob du sie einzeln anwendest, die leistungsstarke Stapelverarbeitung nutzt oder deine eigenen erstellst – Presets können dir helfen, mehr Zeit mit dem Fotografieren und weniger Zeit mit repetitiver Bearbeitung zu verbringen. Betrachte sie als intelligente Assistenten, die dir helfen, deine kreative Vision schneller zu erreichen. Nutze sie weise, passe sie an und entfalte das volle Potenzial deiner Bilder.
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