Welche Lichtstärke ist gut?

Vielseitigkeit: Was 18-55mm alles kann

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Das 18-55mm Objektiv ist für viele Einsteiger in die Welt der digitalen Spiegelreflex- oder spiegellosen Kameras das erste Glas, das sie besitzen. Es wird oft als „Kit-Objektiv“ bezeichnet, da es standardmäßig mit der Kamera im Paket geliefert wird. Aufgrund seines günstigen Preises und seiner weiten Verbreitung wird es manchmal unterschätzt. Doch dieses Objektiv ist weit mehr als nur ein einfacher Einstieg; es ist ein unglaublich vielseitiges Werkzeug, das eine breite Palette von Motiven abdecken kann. Verstehen Sie die Möglichkeiten dieses Objektivs, und Sie werden überrascht sein, wie viele kreative Ideen Sie damit umsetzen können.

Wie rechne ich die Brennweite aus?
1/f = 1/b + 1/g Da die Brennweite (f) in Millimetern angegeben wird, sollten die Gegenstandsweite (g) und die Bildweite (b) in gleicher Maßeinheit verwendet werden. In dieser Formel bezeichnet g den Abstand zwischen Motiv und Linse. b definiert den Abstand zwischen Linse und Kamerasensor.

Die Bezeichnung 18-55mm bezieht sich auf die variable Brennweite des Objektivs. Bei APS-C-Kameras, für die diese Objektive in der Regel konzipiert sind, ergibt sich durch den sogenannten Crop-Faktor eine entsprechende Brennweite von etwa 29-88mm im Vergleich zum Kleinbildformat. Dieser Bereich deckt von einem moderaten Weitwinkel über eine Standardbrennweite bis hin zu einem leichten Telebereich ab. Genau diese Spanne macht es zum idealen Allround-Objektiv für die unterschiedlichsten fotografischen Situationen.

Landschaften und Architektur: Weite einfangen

Mit der kürzesten Brennweite von 18mm (entspricht ca. 29mm KB) bietet das Objektiv einen relativ weiten Blickwinkel von etwa 64 Grad horizontal. Das ist ideal, um weite Landschaften einzufangen, von majestätischen Bergpanoramen bis hin zu weitläufigen Küstenlinien. Der Weitwinkel hilft Ihnen, viel von der Szene ins Bild zu bekommen und ein Gefühl von Raum und Tiefe zu vermitteln. Auch für die Architekturfotografie ist die 18mm-Einstellung nützlich, um Gebäude in ihrer vollen Größe oder beeindruckende Innenräume abzubilden. Achten Sie bei Architektur darauf, die Kamera möglichst gerade zu halten, um stürzende Linien zu vermeiden.

Street Photography und Reportage: Spontane Momente festhalten

Der Brennweitenbereich des 18-55mm eignet sich hervorragend für die Street Photography und reportageartige Aufnahmen. Im mittleren Bereich, etwa um 30-40mm (entspricht ca. 48-64mm KB), erhalten Sie einen Blickwinkel, der dem natürlichen Sehen des Menschen sehr nahekommt. Das macht die Bildkomposition intuitiv und unaufdringlich. Sie können sich relativ nah an das Geschehen heranwagen, ohne sofort aufzufallen, oder spontane Szenen aus leichter Entfernung einfangen. Die Flexibilität, schnell zwischen verschiedenen Brennweiten zu wechseln, erlaubt es Ihnen, auf sich ändernde Situationen schnell zu reagieren und sowohl Umgebungsaufnahmen als auch nähere Details festzuhalten.

Porträts: Gesichter und Details in Szene setzen

Während spezialisierte Porträtobjektive oft längere Brennweiten nutzen, ist das 18-55mm am langen Ende bei 55mm (entspricht ca. 88mm KB) durchaus für Porträts geeignet. Bei 55mm haben Sie einen Blickwinkel von etwa 23 Grad horizontal. Dieser leichte Telebereich hilft, Gesichter auf eine schmeichelhafte Weise abzubilden, da er weniger Verzerrung aufweist als kürzere Brennweiten. Sie können damit Kopf- und Schulterporträts oder auch Oberkörperporträts aufnehmen. Die variable Blende ist hier eine gewisse Einschränkung; bei f/5.6 am langen Ende ist es schwieriger, den Hintergrund stark unscharf zu stellen und ein ausgeprägtes Bokeh zu erzielen als mit lichtstärkeren Objektiven. Dennoch können Sie mit etwas Abstand zum Hintergrund und bei Offenblende (f/5.6) eine ansprechende Hintergrundunschärfe erreichen, um das Motiv hervorzuheben.

Nahaufnahmen: Details und kleine Objekte erkunden

Ein oft unterschätztes Merkmal des 18-55mm Objektivs ist sein relativ kurzer Fokussierungsabstand von nur 0,25 Metern. Das bedeutet, Sie können sehr nah an Ihr Motiv herangehen und es scharf abbilden. In Kombination mit der längsten Brennweite von 55mm ermöglicht dies Nahaufnahmen von Blumen, Insekten (sofern sie stillhalten!), kleinen Objekten oder interessanten Texturen. Die maximale Vergrößerung ist bei 55mm am höchsten. Während das Canon EF-S 18-55mm f/4-5.6 IS STM eine maximale Vergrößerung von 0,25x erreicht, schafft das EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS II sogar 0,34x. Eine Vergrößerung von 0,34x bedeutet, dass ein Motiv auf dem Sensor etwa ein Drittel seiner tatsächlichen Größe abbildet. Das ist zwar kein echtes Makro (das wäre 1:1 oder 1x Vergrößerung), aber es reicht für beeindruckende Detailaufnahmen, die über normale Schnappschüsse hinausgehen. Experimentieren Sie mit dem minimalen Fokusabstand, um die Welt der kleinen Dinge zu entdecken.

Alltagssituationen und Reisen: Der vielseitige Begleiter

Aufgrund seiner kompakten Größe (insbesondere das f/4-5.6 IS STM ist mit 61,8 mm Länge sehr kurz) und seines geringen Gewichts ist das 18-55mm Objektiv ein idealer Begleiter für den Alltag und auf Reisen. Sie müssen nicht ständig Objektive wechseln, um verschiedene Aufnahmesituationen abzudecken. Ob Sie Familienfotos, Schnappschüsse von Freunden, Urlaubsimpressionen oder Erinnerungen an besondere Ereignisse festhalten möchten – das 18-55mm ist fast immer die richtige Wahl. Seine Vielseitigkeit macht es zum perfekten Immerdrauf-Objektiv für Fotografen, die leicht reisen möchten oder sich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen wollen.

Bildstabilisator: Schärfe auch bei wenig Licht

Viele Versionen des 18-55mm Objektivs verfügen über einen integrierten Bildstabilisator (IS). Dieser ist ein entscheidender Vorteil, insbesondere bei Aufnahmen aus der Hand oder bei weniger optimalen Lichtverhältnissen. Der Stabilisator kompensiert leichte Kamerabewegungen und ermöglicht es Ihnen, auch mit längeren Verschlusszeiten noch scharfe Bilder zu erhalten, ohne sofort ein Stativ verwenden zu müssen. Die Version f/4-5.6 IS STM wirbt sogar mit einer Kompensation von bis zu 4 Blendenstufen längerer Verschlusszeit, was die Freihand-Fotografie in Dämmerung oder Innenräumen erheblich erleichtert. Der Bildstabilisator ist besonders am langen Ende der Brennweite (55mm) nützlich, wo Verwacklungen schneller sichtbar werden.

Autofokus: Schnell und leise fokussieren

Die beiden genannten Canon-Modelle verwenden unterschiedliche Autofokus-Antriebe. Das neuere f/4-5.6 IS STM nutzt einen STM (Stepping Motor), der für seine besonders leise und sanfte Fokussierung bekannt ist. Dies ist ein großer Vorteil bei Videoaufnahmen, da Fokusgeräusche vom Mikrofon kaum wahrgenommen werden. Der ältere Micro-Motor im f/3.5-5.6 IS II ist lauter und beim Fokussieren spürbarer. Beide Systeme bieten jedoch in der Regel eine zuverlässige Autofokusleistung für die meisten Standardaufnahmesituationen.

Vergleich der beiden Canon 18-55mm Objektive

Obwohl beide Objektive einen ähnlichen Brennweitenbereich abdecken, gibt es einige wichtige Unterschiede, die je nach Ihren Bedürfnissen relevant sein können:

MerkmalCanon EF-S 18-55mm f/4-5.6 IS STMCanon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS II
BildgrößeAPS-CAPS-C
Entsprechende Brennweite (KB)29-88 mm29-88 mm
Optischer Aufbau (Linsen/Gruppen)12/1011/9
Anzahl Blendenlamellen76
Kleinste Blende22 - 3222 - 38(36)
Kürzester Fokussierungsabstand0,25 m0,25 m
Maximale Vergrößerung (bei 55mm)0,25x0,34x
BildstabilisatorJa (4,0 Stufen)Ja (nicht spezifizierte Stufen, typ. 3-4)
AF-AntriebSTMMikro-Motor
Staub-/SpritzwasserschutzNeinNein
Filterdurchmesser58 mm58 mm
Max. Durchmesser x Länge66,5 x 61,8 mm68,5 x 70 mm

Der Hauptunterschied liegt in der Anfangsblende (f/4 vs f/3.5 am kurzen Ende), der Anzahl der Blendenlamellen (7 vs 6, was das Bokeh beeinflussen kann), dem Autofokus-Antrieb (leiser STM vs. Mikro-Motor), der maximalen Vergrößerung (0.34x beim IS II ist besser für Nahaufnahmen) und der kompakteren Größe des STM-Modells. Der effektive Bildstabilisator ist bei beiden vorhanden, beim STM-Modell wird er aber mit einer höheren Kompensationsleistung beworben.

Häufig gestellte Fragen zum 18-55mm Objektiv

Ist das 18-55mm Objektiv gut für Porträts?
Ja, es ist am langen Ende (55mm) für Porträts geeignet, insbesondere für Kopf- und Schulterporträts. Die variable Blende f/5.6 begrenzt jedoch die Möglichkeiten, den Hintergrund stark unscharf zu machen. Für ein stärkeres Bokeh sind lichtstärkere Objektive besser.

Kann ich mit dem 18-55mm Landschaften fotografieren?
Absolut! Mit 18mm bietet es einen schönen Weitwinkel, der sich hervorragend für Landschaften und Architektur eignet.

Ist das Objektiv für schlechte Lichtverhältnisse geeignet?
Aufgrund seiner variablen und nicht besonders großen Anfangsblende (f/3.5-5.6 bzw. f/4-5.6) ist es für sehr schlechte Lichtverhältnisse nur bedingt geeignet. Sie müssen die ISO-Empfindlichkeit erhöhen oder längere Verschlusszeiten verwenden, wobei der Bildstabilisator hierbei hilfreich ist.

Was bedeutet die maximale Vergrößerung von 0,25x oder 0,34x?
Das gibt an, wie groß ein Objekt auf dem Sensor abgebildet wird. 0,34x bedeutet, dass die Abbildung auf dem Sensor etwa 34% der tatsächlichen Größe des Objekts entspricht. Das ist kein Makro (1:1), ermöglicht aber dennoch ansprechende Nahaufnahmen.

Welche Version ist besser: STM oder IS II?
Das hängt von Ihren Prioritäten ab. Das STM-Modell hat einen leiseren AF (gut für Video), 7 Blendenlamellen (potenziell schöneres Bokeh) und ist kompakter. Das IS II-Modell bietet eine etwas größere Anfangsblende (f/3.5 statt f/4 am kurzen Ende) und eine höhere maximale Vergrößerung (0,34x statt 0,25x), was es für Nahaufnahmen leicht überlegen macht. Beide verfügen über einen Bildstabilisator.

Fazit: Ein unterschätzter Alleskönner

Das 18-55mm Kit-Objektiv mag für viele Fotografen nur der erste Schritt sein, aber es ist ein äußerst fähiges und vielseitiges Werkzeug. Es deckt einen praktischen Brennweitenbereich ab, der es Ihnen ermöglicht, Landschaften, Architektur, Porträts, Nahaufnahmen und alltägliche Szenen festzuhalten. Mit Features wie dem Bildstabilisator und einem reaktionsschnellen Autofokus (insbesondere der STM-Variante) liefert es in vielen Situationen gute Ergebnisse. Bevor Sie in teure Spezialobjektive investieren, nehmen Sie sich die Zeit, die Möglichkeiten Ihres 18-55mm vollständig zu erkunden. Sie werden feststellen, dass es für einen Großteil der gängigen Motive mehr als ausreichend ist und Ihnen hilft, ein breites Spektrum an fotografischen Fähigkeiten zu entwickeln.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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