Was war die Camera-Zeitschrift?

Camera: Eine Legende der Fotografie

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In der reichen Geschichte der Fotografie gibt es Publikationen, die mehr sind als nur bedrucktes Papier – sie sind Chronisten einer Epoche, Plattformen für bahnbrechende Künstler und technische Entwicklungen, und Inspirationsquellen für Generationen. Eine solche Publikation war zweifellos die Zeitschrift "Camera". Gegründet in der Schweiz, entwickelte sie sich schnell zu einem international bedeutenden Medium und hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Welt der visuellen Künste. Sie war die erste Zeitschrift in der Schweiz, die sich ausschliesslich der Fotografie widmete, ein Novum, das ihren Pioniergeist unterstreicht.

Was war die Camera-Zeitschrift?
Camera war die erste mit Fotografien illustrierte Zeitschrift in der Schweiz. 1922 von Carl Josef Bucher gegründet als Illustrierte Monatsschrift für Berufsphotographen und Amateure, erschien diese international bedeutsame Fotozeitschrift in seinem C. J. Bucher Verlag (Luzern) bis 1981.

Über fast sechs Jahrzehnte hinweg, von ihrer Gründung im Jahr 1922 bis zu ihrer Einstellung 1981, begleitete und gestaltete "Camera" die Entwicklungen in der Fotografie. Sie bot eine einzigartige Mischung aus künstlerischen Portfolios, technischen Artikeln und kritischen Betrachtungen, die sowohl erfahrene Berufsfotografen als auch ambitionierte Amateure ansprach.

Die Wurzeln in Luzern: Gründung und frühe Jahre

Die Geschichte von "Camera" beginnt im Jahr 1922 in Luzern, Schweiz. Sie wurde ins Leben gerufen von zwei Männern mit einer Vision: dem Zeitungs- und Zeitschriftenverleger Carl Josef Bucher und dem österreichischen Ingenieur Adolf Herz. Ihr Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, die die wachsende Bedeutung der Fotografie als Kunstform und als technisches Handwerk widerspiegelte. Die Zeitschrift erschien im renommierten C. J. Bucher Verlag, der für seine hochwertigen Publikationen bekannt war.

Anfangs trug die Zeitschrift den Titel "Illustrierte Monatsschrift für Berufsphotographen und Amateure". Dieser Titel machte deutlich, dass "Camera" von Anfang an eine breite Leserschaft ansprechen wollte. Sie verstand sich nicht nur als Fachblatt für professionelle Fotografen, die auf dem neuesten Stand der Technik und des Marktes bleiben mussten, sondern auch als Inspirationsquelle und Lernwerkzeug für Amateure, die ihre Fähigkeiten und ihr Verständnis für die Fotografie vertiefen wollten. Die monatliche Erscheinungsweise sorgte für eine regelmäßige Dosis an frischem Material und hielt die Leserschaft über aktuelle Trends und Entwicklungen auf dem Laufenden.

Die Gründung in Luzern, einer Stadt mit einer aufstrebenden Kultur- und Verlagsszene, bot eine gute Basis für das ambitionierte Projekt. Der C. J. Bucher Verlag stellte die notwendige verlegerische Expertise und Infrastruktur bereit, um eine solch spezialisierte Zeitschrift auf hohem Niveau zu produzieren.

Auf dem Weg zur internationalen Bühne: Entwicklung, Sprachen und Alice Bucher

Was "Camera" von Anfang an auszeichnete und was im Laufe der Jahre immer wichtiger wurde, war ihre internationale Ausrichtung. Schon früh war die Zeitschrift weltweit zu abonnieren. Ein entscheidender Schritt in Richtung globaler Bedeutung war die Einführung mehrsprachiger Ausgaben.

Nach einem Schlaganfall von Carl Josef Bucher im Jahr 1941 übernahm seine zweite Frau, Alice Bucher, die Leitung des Verlags und die Herausgabe von "Camera". Dies war eine wichtige Phase, in der die Zeitschrift durch die Herausforderungen der Zeit navigiert werden musste. Alice Bucher führte das Erbe ihres Mannes fort und trug maßgeblich dazu bei, die Qualität und Relevanz der Zeitschrift zu sichern.

Ein Wendepunkt in der redaktionellen Ausrichtung und der internationalen Wahrnehmung war die Amtszeit von Romeo E. Martinez als Chefredakteur von 1956 bis 1964. Unter seiner Führung entwickelte sich "Camera" zur bedeutendsten Zeitschrift zeitgenössischer Fotografie im deutschsprachigen Raum. Martinez hatte ein Gespür für aufstrebende Talente und wichtige fotografische Strömungen, was die Zeitschrift zu einem unverzichtbaren Medium für jeden machte, der sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigte.

Ab 1957 erfolgte ein entscheidender Schritt zur weiteren Internationalisierung: Die Hefte wurden in drei separaten, aber inhaltlich identischen Ausgaben in deutscher, englischer und französischer Sprache herausgegeben. Diese strategische Entscheidung öffnete "Camera" einem viel größeren globalen Publikum und festigte ihren Ruf als international angesehenes Magazin für Fotografie.

Die Ära Allan Porter und die späte Phase

Die Phase von 1965 bis zur Einstellung der Zeitschrift im Jahr 1981 war maßgeblich von Allan Porter geprägt, der als Chefredakteur fungierte. Porter, ein Fotograf mit Wurzeln in New York und Luzern, brachte eine neue Perspektive und Energie in die Redaktion. Unter seiner Leitung wurde die internationale Ausrichtung weiter verstärkt, insbesondere mit Blick auf den amerikanischen Raum, der eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der modernen Fotografie spielte.

Allan Porter schaffte es, die Auflage der Zeitschrift zu steigern und gleichzeitig das hohe künstlerische und redaktionelle Niveau zu halten, das "Camera" auszeichnete. Das Magazin behielt während seiner gesamten Amtszeit sein international hohes Ansehen bei. Es war bekannt für seine exzellente Druckqualität – die Hefte waren drucktechnisch aufwändig produziert, was die Präsentation der Fotografien in bester Qualität ermöglichte.

Zur Redaktion in verschiedenen Phasen gehörten neben den Chefredakteuren auch weitere wichtige Persönlichkeiten wie Emil Bühler und Max Albert Wyss aus Luzern sowie Ladislaus A. Mannheim aus London, der als Redaktor des technischen Teils fungierte. Dies unterstreicht die Breite der Themen, die "Camera" abdeckte – von künstlerischen Visionen bis hin zu den neuesten Entwicklungen in der Kameratechnik und Fotochemie. Auch R. Wagner (Redaktionssekretariat) und H. Opitz (künstlerischer Assistent) trugen zur täglichen Arbeit bei.

Das Eingreifen von Ringier und das Ende einer Ära

Trotz des Erfolgs unter Allan Porter und des anhaltend guten Rufs zeichneten sich in den späten 1970er Jahren Veränderungen ab, die schließlich zum Ende von "Camera" führten. Im Jahr 1973 wurde der C.J. Bucher Verlag, der Heimatverlag von "Camera", von der Ringier AG übernommen, einem großen Schweizer Medienkonzern.

Diese Übernahme hatte weitreichende Folgen für die Zukunft der Zeitschrift. Aus der Perspektive eines großen Medienkonzerns, der auf Profitabilität und strategische Synergien bedacht ist, passte ein Nischenmagazin wie "Camera", das zudem drucktechnisch sehr aufwändig und damit teuer in der Herstellung war, möglicherweise nicht ideal ins Portfolio. Die Profitabilität entsprach offenbar nicht den Erwartungen von Ringier.

Zudem gab es aus Sicht des neuen Eigentümers möglicherweise kein nennenswertes strategisches Interesse an der Herausgabe eines solch hochwertigen, aber spezifischen Fotografiemagazins im Vergleich zu breiter aufgestellten Publikationen.

Trotz Allan Porters Bemühungen, die Zeitschrift international auszurichten und die Auflage zu steigern, und trotz des weiterhin hohen Ansehens in der Fachwelt, fielen die geschäftlichen Entscheidungen gegen "Camera". Die Wirtschaftlichkeit und strategische Passung spielten eine größere Rolle als der kulturelle Wert oder die Bedeutung für die Fotografie-Community.

Das Unvermeidliche Ende: Einstellung 1981

Die Entscheidung zur Einstellung der Zeitschrift "Camera" wurde getroffen, und die letzte Ausgabe erschien im Dezember 1981. Dies markierte das Ende einer fast 60-jährigen Geschichte einer Publikation, die maßgeblich zur Entwicklung und Verbreitung der Fotografie beigetragen hatte. Die Einstellung war ein Verlust für die internationale Fotowelt, da eine wichtige Plattform für den Austausch, die Präsentation und die kritische Auseinandersetzung mit dem Medium verschwand.

Das Ende von "Camera" war symptomatisch für Veränderungen in der Medienlandschaft und im Verlagswesen. Spezialisierte, aufwändig produzierte Publikationen hatten zunehmend Schwierigkeiten, wirtschaftlich zu überleben, insbesondere unter dem Dach großer Konzerne, die andere Prioritäten setzten. Auch wenn die genauen wirtschaftlichen Zahlen nicht öffentlich bekannt sind, deutete die Entscheidung von Ringier darauf hin, dass "Camera" trotz ihres Rufs keine ausreichenden Gewinne mehr erwirtschaftete oder nicht in das langfristige Geschäftsmodell des neuen Eigentümers passte.

Das Vermächtnis der "Camera": Einfluss und historische Bedeutung

Obwohl die Zeitschrift "Camera" nicht mehr existiert, lebt ihr Erbe fort. Sie hat über Jahrzehnte hinweg die Arbeit zahlreicher bedeutender Fotografen vorgestellt und gefördert, technische Innovationen beleuchtet und Debatten über die Natur und Zukunft der Fotografie angestoßen. Die Ausgaben von "Camera" sind heute wertvolle historische Dokumente, die einen Einblick in die Entwicklungen der Fotografie im 20. Jahrhundert geben.

Die Zeitschrift trug dazu bei, Fotografie als eigenständige Kunstform zu etablieren und ihre Anerkennung in einem breiteren kulturellen Kontext zu fördern. Sie war ein Forum, in dem sich unterschiedliche Stile und Ansätze der Fotografie trafen und diskutiert wurden. Die Namen der Fotografen, die in "Camera" veröffentlicht wurden, lesen sich wie ein Who's Who der modernen Fotografie.

Die Rolle der Chefredakteure, insbesondere von Romeo E. Martinez und Allan Porter, war entscheidend für die Prägung des Profils und der Qualität der Zeitschrift. Sie hatten die redaktionelle Freiheit und das Gespür, relevante Inhalte auszuwählen und die Zeitschrift zu einer führenden Stimme in der Fotowelt zu machen.

Das Erbe von "Camera" wird auch in den Archiven und Sammlungen von Bibliotheken und Museen weltweit bewahrt, wo die Hefte als wichtige Quelle für Forscher, Historiker und Fotografen dienen, die sich mit der Geschichte des Mediums beschäftigen.

Fragen und Antworten rund um "Camera"

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Zeitschrift "Camera":

Wann wurde die Zeitschrift "Camera" gegründet und wann wurde sie eingestellt?

Die Zeitschrift "Camera" wurde im Jahr 1922 gegründet und mit der Ausgabe vom Dezember 1981 eingestellt. Sie existierte somit fast 60 Jahre lang.

Wer waren die Gründer von "Camera"?

Gegründet wurde "Camera" von Carl Josef Bucher, einem Schweizer Verleger, und Adolf Herz, einem österreichischen Ingenieur.

In welchen Sprachen erschien "Camera"?

Anfangs erschien "Camera" in einer Ausgabe, die später in separate Ausgaben in deutscher, englischer und französischer Sprache aufgeteilt wurde, um ein internationales Publikum zu erreichen.

Wer war der Verleger der Zeitschrift "Camera"?

Verlegt wurde "Camera" vom C. J. Bucher Verlag in Luzern, Schweiz. Ab 1973 gehörte der Verlag zur Ringier AG.

Wer waren wichtige Chefredakteure von "Camera"?

Bedeutende Chefredakteure waren Romeo E. Martinez (1956–1964), unter dessen Leitung die Zeitschrift zur bedeutendsten im deutschsprachigen Raum wurde, und Allan Porter (1965–1981), der die internationale Ausrichtung vorantrieb.

Warum wurde "Camera" eingestellt?

Die Einstellung erfolgte nach der Übernahme des C. J. Bucher Verlags durch Ringier im Jahr 1973. Ringier sah die drucktechnisch aufwändig produzierte Zeitschrift als nicht ausreichend profitabel an und hatte kein starkes strategisches Interesse an der Fortführung, trotz ihrer hohen Qualität und ihres internationalen Rufs.

Was war die Besonderheit von "Camera"?

"Camera" war die erste ausschliesslich auf Fotografie fokussierte Zeitschrift in der Schweiz. Sie zeichnete sich durch hohe redaktionelle und drucktechnische Qualität, eine internationale Ausrichtung und die Präsentation bedeutender zeitgenössischer Fotografie aus.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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