Der erste Eindruck zählt – das gilt nirgends so sehr wie bei der Bewerbung um eine neue Stelle. Ihre Bewerbungsunterlagen sind Ihre Visitenkarte und das Anschreiben spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es ist das erste, was ein Personaler von Ihnen liest (nach dem Betreff!) und bietet die Chance, sofort Interesse zu wecken. Ein Standard-Anschreiben, das mit leeren Phrasen beginnt, landet schnell auf dem Stapel der Absagen. Doch wie gelingt der perfekte Einstieg und welche formalen Regeln sollten Sie beachten, um Professionalität zu signalisieren?
In diesem Artikel beleuchten wir, wie Sie den entscheidenden ersten Satz Ihres Anschreibens formulieren, welche Standards bei der Formatierung gelten und welche typischen Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Ziel ist es, dass Ihre Bewerbung positiv heraussticht und Ihnen die Tür zum Vorstellungsgespräch öffnet.

Der entscheidende erste Satz: Mehr als nur eine Formalität
Viele Bewerber beginnen ihr Anschreiben mit Sätzen wie „Hiermit bewerbe ich mich…“ oder „Anbei erhalten Sie meine Bewerbungsunterlagen…“. Diese Floskeln sind nicht nur abgedroschen, sondern auch überflüssig. Dem Personaler ist bereits durch den Betreff und den Kontext klar, dass es sich um eine Bewerbung handelt. Solche Einleitungen verschwenden wertvollen Platz und signalisieren mangelnde Kreativität und Individualität.
Der Einleitungssatz sollte stattdessen sofort das Interesse des Lesers wecken und Ihre Motivation oder Eignung auf den Punkt bringen. Nutzen Sie diesen Satz, um Ihre Persönlichkeit zu zeigen, einen Bezug zum Unternehmen herzustellen oder Ihre Begeisterung für die Stelle auszudrücken. Eine gelungene Einleitung macht neugierig auf den Rest des Schreibens.
Beispiele für überzeugende Einleitungssätze
Ein starker Einleitungssatz kann auf verschiedene Weisen gestaltet werden:
- Bezugnahme auf ein Gespräch: Wenn Sie bereits telefonischen Kontakt hatten, nutzen Sie dies. Es schafft eine persönliche Verbindung. Beispiel: „Sehr geehrte Frau Müller, als Sie in unserem freundlichen Telefonat vergangenen Dienstag…“
- Persönlicher Bezug zum Unternehmen/zur Stelle: Erklären Sie, was Sie an genau diesem Unternehmen oder dieser spezifischen Position fasziniert. Beispiel: „Sehr geehrte Frau Muster, Sie suchen jemanden, der Markttrends erkennt und Absatzpotentiale lokalisiert? Als Sales Manager mit langjähriger Erfahrung ist genau das mein Markenzeichen.“
- Direkter Einstieg über Ihre Qualifikation/Motivation: Nennen Sie direkt, warum Sie der Richtige sind. Beispiel: „Sehr geehrter Herr Mayer, Ihre Stellenanzeige hat mich gerade deswegen fasziniert, weil ich sofort wusste, dass das die neue Herausforderung ist, die ich suche.“
Wichtig ist, dass der Ton stimmt – weder zu zurückhaltend noch zu überheblich. Seien Sie selbstbewusst, aber professionell.
Die Bedeutung der Formatierung: DIN 5008
Neben dem Inhalt spielt auch die Form eine große Rolle. Eine übersichtlich strukturierte und professionell formatierte Bewerbung signalisiert Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Die DIN 5008 ist eine Norm für die Gestaltung von Geschäftsbriefen und bietet eine hervorragende Vorlage für Ihr Bewerbungsanschreiben.
Auch wenn die DIN 5008 nicht zwingend für Bewerbungen vorgeschrieben ist, orientieren sich viele Unternehmen und Personaler daran. Die Einhaltung dieser Standards erleichtert dem Empfänger das schnelle Erfassen wichtiger Informationen und hinterlässt einen positiven Eindruck Ihrer Arbeitsweise.

Wesentliche Vorgaben der DIN 5008 für Geschäftsbriefe
Die DIN 5008 regelt verschiedene Aspekte der Formatierung:
- Seitenränder: Üblich sind 2,5 cm links und 2 cm an allen anderen Seiten (oben, unten, rechts). Die Norm gibt zwar etwas andere Werte vor (z.B. 2,41 cm links, 0,81 cm rechts), aber die gerundeten Werte sind gängig und erzeugen ein sauberes Bild.
- Zeilenabstand: Ein einfacher Zeilenabstand ist Standard. Für bessere Lesbarkeit in längeren Abschnitten kann 1,5-facher Abstand oder ein Abstand von 6 Punkt nach Absätzen verwendet werden.
- Absätze: Absätze im Fließtext werden durch eine Leerzeile getrennt.
- Schriftart und -größe: Die Norm macht keine Vorschriften zur Schriftart. Gängig sind gut lesbare, serifenlose Schriften wie Arial oder Calibri. Die Schriftgröße sollte für Fließtexte zwischen 10 und 12 Punkt liegen. In Anschriftenfeldern darf sie 8 Punkt nicht unterschreiten.
- Datum: In Deutschland ist die aufsteigende Reihenfolge Tag.Monat.Jahr üblich (z.B. 31.01.2024). Die Jahreszahl immer vierstellig. Die internationale Schreibweise (Jahr-Monat-Tag) ist ebenfalls möglich, aber weniger verbreitet.
- Telefonnummern: Vorwahl und Rufnummer werden durch ein Leerzeichen getrennt. Die Durchwahl wird mit einem Bindestrich abgesetzt (z.B. 069 7591-1000). Bei internationalen Nummern entfällt die führende Null der Vorwahl und wird durch +49 (für Deutschland) ersetzt (z.B. +49 69 7591-1000).
Aufbau des Bewerbungsanschreibens nach DIN 5008
Die Struktur des Anschreibens folgt ebenfalls klaren Regeln:
- Briefkopf (Absender): Ihre Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefon, E-Mail), rechtsbündig oder zentriert oben auf der Seite.
- Anschriftenfeld (Empfänger): Links unter dem Briefkopf, 9 Zeilen hoch, damit es ins Fenster eines C4-Umschlags passt. Die ersten 3 Zeilen sind für Zusatzvermerke (z.B. Einschreiben). Ab Zeile 4 folgen Firmenname, Ansprechpartner (mit korrekter Anrede wie „Herrn“ bei Männern, Titel vor dem Namen), Straße und Ort.
- Datum: Rechtsbündig, zwei Leerzeilen unter dem Anschriftenfeld.
- Betreff: Fett markiert, zwei Leerzeilen über und unter der Zeile. Das Wort „Betreff“ wird nicht mehr geschrieben. Enthält die Stellenanzeige eine Referenznummer, kommt diese in eine zweite Zeile unter den eigentlichen Betreff.
- Anrede: Eine Leerzeile unter dem Betreff. Verwenden Sie immer den Namen des Ansprechpartners (z.B. „Sehr geehrte Frau Müller,“). „Sehr geehrte Damen und Herren,“ ist veraltet und unpersönlich. Achten Sie darauf, dass der Name in der Anrede mit dem im Anschriftenfeld übereinstimmt!
- Haupttext: Eine Leerzeile unter der Anrede. Teilen Sie den Text in übersichtliche Absätze (ca. 5-8 Zeilen) auf. Diskutieren Sie hier Ihre Motivation, Qualifikation und wie Sie zum Unternehmen passen.
- Grußformel: Eine Leerzeile nach dem Text. „Mit freundlichen Grüßen“ oder „Freundliche Grüße“ sind Standard und empfehlenswert.
- Unterschrift: Direkt unter der Grußformel. Handschriftlich (idealerweise in blauer Tinte, mit Füller wirkt edel). Bei Online-Bewerbungen reicht der getippte Name, aber ein eingescannter handschriftlicher Namenszug ist ein Plus.
- Anlagen: Links unten, mindestens eine Leerzeile unter der Unterschrift. Nur das Wort „Anlagen“, fett gedruckt. Eine detaillierte Auflistung ist nicht notwendig und würde Platz verschwenden.
Layout und Lesbarkeit: Blocksatz vs. Flattersatz
Für den Haupttext des Anschreibens haben Sie die Wahl zwischen linksbündiger Ausrichtung (Flattersatz) und Blocksatz. Optisch wirkt Blocksatz aufgeräumt, da alle Zeilen gleich lang sind.
Allerdings hat Flattersatz einen entscheidenden Vorteil: die bessere Lesbarkeit. Beim Blocksatz entstehen unterschiedlich große Lücken zwischen den Wörtern, um die Zeilen auszufüllen, was das Auge beim Lesen stören kann. Flattersatz sorgt für einen gleichmäßigeren Wortabstand. Obwohl Blocksatz oft „cooler“ aussieht, ist Flattersatz für den Leser angenehmer.
DIN 5008 im Lebenslauf und Anlagen
Während die DIN 5008 hauptsächlich das Anschreiben betrifft, können ihre Prinzipien auch auf den Lebenslauf und andere Anlagen übertragen werden, um ein einheitliches Gesamtbild zu schaffen. Im Lebenslauf gibt es mehr Gestaltungsfreiheit bezüglich der Abstände zwischen den einzelnen Positionen. Wichtig ist auch hier eine klare Struktur und gute Lesbarkeit. Ein Lebenslauf sollte idealerweise nicht länger als zwei Seiten sein. Trennen Sie Abschnitte wie Berufserfahrung, Ausbildung und Kenntnisse mit Leerzeilen.
Die Anlagen selbst (Zeugnisse, Zertifikate) werden einfach dem Anschreiben beigefügt. Das Wort „Anlagen“ im Anschreiben dient lediglich als Hinweis, dass weitere Dokumente folgen.
Wann ist eine Bewerbung nach DIN 5008 empfehlenswert?
Eine Bewerbung nach DIN 5008 ist besonders in Berufen und Branchen ratsam, in denen viel Wert auf formale Korrektheit, Struktur und Geschäftskommunikation gelegt wird, wie z.B. in kaufmännischen Berufen, im Rechtswesen, im öffentlichen Dienst oder im Finanzwesen. Hier signalisiert die Einhaltung der Norm Professionalität und Sorgfalt.
In kreativen Branchen (Marketing, Design, Medien) kann eine zu starre Einhaltung der DIN 5008 als einfallslos gewertet werden. Hier ist oft mehr Raum für kreative Gestaltung, die bereits eine Arbeitsprobe darstellt. Unabhängig von der Branche ist jedoch ein sauberes, übersichtliches Layout immer von Vorteil.

Typische Fehler im Bewerbungsanschreiben vermeiden
Viele Bewerbungen scheitern nicht am mangelnden Talent, sondern an vermeidbaren Fehlern. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Veraltetes Datum: Verwenden Sie immer das aktuelle Datum. Eine Bewerbung mit einem Datum von vor Tagen oder Wochen wirkt, als sei sie nicht aktuell oder nur eine Massenbewerbung.
- Das Wörtchen „den“ im Datum: Formulierungen wie „Berlin, den 31. Januar 2024“ sind veraltet. Schreiben Sie einfach „Berlin, 31. Januar 2024“.
- Fehlende Übereinstimmung von Adresse und Anrede: Stellen Sie sicher, dass der Name des Ansprechpartners in der Anschrift und in der Anrede identisch ist.
- Generische Floskeln im Einleitungssatz: Wie bereits erwähnt, vermeiden Sie Sätze wie „Hiermit bewerbe ich mich…“.
- Listing von Soft Skills ohne Beleg: Behaupten Sie nicht einfach, teamfähig oder belastbar zu sein. Geben Sie Beispiele oder beziehen Sie sich auf Erfahrungen, die diese Eigenschaften belegen (z.B. „In meiner Rolle als Teamleiter konnte ich meine Teamfähigkeit unter Beweis stellen, indem…“).
- Verwendung des Konjunktivs: Vermeiden Sie Formulierungen wie „Ich *würde* mich freuen…“ oder „Ich *könnte* eine wertvolle Unterstützung *sein*…“. Formulieren Sie selbstbewusst: „Ich *freue* mich auf die Einladung…“ oder „Ich *bin* eine wertvolle Unterstützung…“.
- Negative Aussagen über den alten Arbeitgeber: Sprechen Sie niemals schlecht über Ihren aktuellen oder früheren Arbeitgeber, selbst wenn es Gründe für Unzufriedenheit gab. Wechselgründe können im Vorstellungsgespräch diplomatischer erläutert werden.
- Abgedroschene Phrasen: „Ich suche eine neue Herausforderung“ oder „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen“ sind Klischees. Seien Sie origineller.
- Fehlende Gehaltsvorstellung (wenn gefordert): Wenn in der Stellenanzeige nach der Gehaltsvorstellung gefragt wird, müssen Sie diese nennen. Geben Sie ein Bruttojahresgehalt an, idealerweise vor der Bitte um ein Vorstellungsgespräch.
- Selbst-Einladung zum Gespräch: Fragen Sie nicht im Anschreiben, ob Mittwoch um 10 Uhr passt. Die Initiative zur Terminfindung liegt beim Unternehmen.
- Fehlende Unterschrift: Eine handschriftliche Unterschrift (oder ein digitaler Ersatz) ist unerlässlich.
- Fehlendes Wort „Anlagen“: Vergessen Sie nicht, am Ende des Schreibens auf die beigefügten Dokumente hinzuweisen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hier finden Sie Antworten auf oft gestellte Fragen zum Bewerbungsanschreiben:
Wie ist ein Bewerbungsanschreiben aufgebaut?
Ein Anschreiben beginnt mit Absender und Empfänger (nach DIN 5008), gefolgt von Datum und Betreff. Nach der persönlichen Anrede folgt der Haupttext, der in Absätze gegliedert ist. Dieser behandelt Ihre Motivation, Qualifikationen und den Bezug zur Stelle. Das Schreiben schließt mit einer Grußformel, Ihrer Unterschrift und dem Hinweis auf die Anlagen.
Worauf muss ich bei einem Bewerbungsschreiben achten?
Konzentrieren Sie sich darauf, die Übereinstimmung Ihrer Qualifikationen mit den Anforderungen der Stelle (die „Schnittmenge“) hervorzuheben. Vermeiden Sie es, einfach den Lebenslauf in Textform zu wiederholen. Achten Sie auf einen überzeugenden Einleitungssatz, korrekte Formalia (DIN 5008 kann helfen) und eine fehlerfreie Rechtschreibung und Grammatik.
Wie lang darf ein Bewerbungsschreiben sein?
Ein Bewerbungsanschreiben sollte maximal eine Seite lang sein. Personaler sichten oft sehr viele Bewerbungen, und ein längeres Schreiben wird seltener vollständig gelesen. Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Informationen, die Ihre Eignung für die spezifische Stelle unterstreichen.
Sollte ich Vorlagen für Bewerbungsschreiben verwenden?
Vorlagen und Muster können eine gute Orientierung für Struktur und Formatierung (z.B. nach DIN 5008) bieten und Zeit sparen. Sie sollten jedoch Mustertexte nicht wörtlich übernehmen. Ihr Anschreiben muss individuell und persönlich sein, um zu überzeugen. Nutzen Sie Vorlagen als Gerüst, füllen Sie es aber mit Ihren eigenen Worten und Erfahrungen.
Fazit
Ein gut geschriebenes und formal korrektes Bewerbungsanschreiben ist Ihr wichtigstes Werkzeug, um im Bewerbungsprozess erfolgreich zu sein. Investieren Sie Zeit in einen individuellen, packenden Einleitungssatz, der sofort Interesse weckt. Achten Sie auf eine klare Struktur und professionelle Formatierung, idealerweise orientiert an der DIN 5008, um Sorgfalt zu signalisieren. Vermeiden Sie die typischen Fehler bei Formulierungen, Tonalität und formalen Aspekten. Mit einem überzeugenden Anschreiben, das Ihre Motivation und Eignung klar herausstellt, erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erheblich.
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