Der Buntspecht ist einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Vögel in unseren Gärten und Wäldern. Mit seinem markanten schwarz-weiß-roten Gefieder und seinem unverkennbaren Trommeln ist er eine Bereicherung für jede Naturbeobachtung. Viele Vogelfreunde möchten diesen agilen Kletterkünstler gerne näher erleben. Doch wie lockt man Buntspechte gezielt in den eigenen Garten oder an das Vogelhaus? Es gibt zwar kein garantisches Patentrezept, aber mit den richtigen Maßnahmen erhöhen Sie Ihre Chancen erheblich.

Der Buntspecht im Überblick
Bevor wir uns den Methoden zum Anlocken widmen, werfen wir einen Blick auf die grundlegenden Eigenschaften des Buntspechts. Er gehört zur Familie der Spechtvögel und ist in vielen verschiedenen Lebensräumen zu Hause, solange alter Baumbestand vorhanden ist. Von Nadel-, Laub- und Mischwäldern über Streuobstwiesen bis hin zu Parks und Gärten mit alten Bäumen oder Friedhöfen – der Buntspecht ist anpassungsfähig. Er ist ein Allesfresser und hat eine faszinierende Lebensweise.

Wichtigste Informationen zum Buntspecht
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Körpergröße | 23 bis 26 cm |
| Flügelspannweite | 38 bis 44 cm |
| Gewicht | 60 bis 90 Gramm |
| Lebenserwartung | 8 bis 9 Jahre |
| Lebensraum | Nadel-, Laub-, und Mischwälder, Streuobstwiesen, Parks und Gärten mit altem Baumbestand, Friedhöfe |
| Nahrung | Allesfresser: holzbewohnende Insekten und deren Larven sowie Würmer, Früchte, Obst, Nüsse, Sämereien, Zapfen, Pflanzensaft von Ringelbäumen |
| Frisst am Vogelhaus | Schalenfreie Nüsse, Meisenknödel, Früchte, Obst, Sämereien, Fettfutter |
| Einordnung | Familie der Spechtvögel |
| Wissenschaftlicher Name | Dendrocopos major |
Welches Futter lockt Buntspechte an?
Die Nahrung ist ein entscheidender Faktor, um Vögel wie den Buntspecht in den Garten zu locken. In seiner natürlichen Umgebung sucht der Buntspecht hauptsächlich nach holzbewohnenden Insekten und deren Larven, die er unter der Baumrinde findet. Auch Würmer gehören zu seiner Beute. Er ist geschickt darin, mit seinem kräftigen Schnabel Rinde aufzuhacken und mit seiner langen Zunge die Beute herauszuholen. Doch sein Speiseplan ist vielseitiger.
Buntspechte fressen auch gerne pflanzliche Nahrung wie Früchte, Obst, Nüsse, Sämereien und Zapfen. Diese Vorliebe macht sie zu potenziellen Gästen am Vogelhaus. Wenn Sie das richtige Futter anbieten, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Buntspecht bei Ihnen vorbeischaut.
Futterliste: Buntspecht Nahrung in Natur und am Vogelhaus
| In der Natur | Am Vogelhaus |
|---|---|
| Holzbewohnende Insekten, Larven, Würmer | Schalenfreie Nüsse (besonders beliebt) |
| Früchte | Meisenknödel |
| Obst | Früchte |
| Nüsse | Obst |
| Sämereien | Sämereien |
| Zapfen | Fettfutter |
| Pflanzensaft von Ringelbäumen |
Wie Sie sehen, ist das Angebot am Vogelhaus eine Ergänzung zur natürlichen Nahrung. Besonders attraktiv für den Buntspecht sind schalenfreie Nüsse, Fettfutter und Meisenknödel. Achten Sie darauf, nur hochwertiges Futter anzubieten und es bei feuchtem Wetter regelmäßig auszutauschen, um Fäulnis zu vermeiden.
Die „Spechtschmiede“ nachbauen
Ein besonderes Highlight für Buntspechte sind sogenannte „Spechtschmieden“. In der Natur suchen sich Spechte passende Spalten oder Löcher in Baumstämmen, in die sie Nüsse oder Zapfen einklemmen. Dann hämmern sie mit ihrem Schnabel so lange darauf ein, bis die Schale bricht und sie an den Inhalt gelangen. Diesen Vorgang nennt man Schmieden.
Sie können eine solche Spechtschmiede nachbauen, wenn Sie ein Vogelhaus oder einen Futterplatz mit einem robusten Holzstamm haben. Bohren Sie einfach kurze Löcher mit einem Durchmesser von etwa 1 cm in den Stamm und stecken Sie Haselnüsse hinein. Dies entspricht dem natürlichen Verhalten des Buntspechts und bietet ihm eine willkommene Möglichkeit, an seine Lieblingsnahrung zu gelangen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie geschickt der Vogel die Nuss bearbeitet.

„Ringeln“ – Der Specht als Baumsaftlecker
Eine weitere interessante Nahrungsquelle für den Buntspecht ist Baumsaft. Um an diesen zu gelangen, hat der Specht eine raffinierte Methode entwickelt: das „Ringeln“. Er hackt kleine, rundherum angeordnete Löcher in die Rinde von Ästen oder Stämmen, bevorzugt im Frühjahr, wenn der Saftfluss am stärksten ist. Aus diesen Löchern tritt der Baumsaft aus, sammelt sich und bildet mit der Zeit wulstige Ringe. Der Specht leckt diesen Saft gerne auf. Besonders beliebt sind Bäume wie Ahorn, Roteiche und Linde für diese Art der Saftgewinnung.
Das faszinierende Trommeln der Spechte
Neben dem Klopfen zur Nahrungssuche ist das Trommeln eine der markantesten Lautäußerungen der Spechte. Es erfüllt mehrere wichtige Funktionen, insbesondere während der Balzzeit im Frühjahr. Im Gegensatz zu Singvögeln, die mit melodischem Gesang werben, nutzen Spechte das Trommeln, um ihr Revier akustisch zu markieren und Partner anzulocken. Es ist ein weithin hörbares Signal, das sowohl potenziellen Partnerinnen „Hier bin ich“ mitteilt als auch männliche Rivalen warnt, dass das Territorium besetzt ist.
Die Geschwindigkeit, mit der ein Specht trommelt, ist beeindruckend. Sie erreichen rund 20 Schläge pro Sekunde. Jeder Schlag entspricht einem Aufprall mit etwa 25 Kilometern pro Stunde. Die dabei wirkenden Bremskräfte sind enorm – sie sind gut hundert Mal stärker als bei landenden Astronauten! Doch Spechte bekommen vom Trommeln keine Kopfschmerzen. Sie verfügen über eine Art eingebauten Stoßdämpfer.
Ihr Schnabel ist so konstruiert, dass er die Kraft des Schlages abfängt. Zudem ist die Knochenhülle ihres Gehirns stärker als bei anderen Vögeln. Zwischen Schnabel und Schädel gibt es eine federnde Verbindung, die Stoßenergie in Drehenergie umwandelt. Auch die geringe Menge an Gehirnflüssigkeit und die ausgeprägte Schädelmuskulatur tragen dazu bei, dass das Gehirn während des Trommelns kaum erschüttert wird.
Spechte suchen sich für ihr Trommeln gerne Resonanzkörper, die den Schall verstärken. Im Wald sind das oft hohle Stämme oder trockene Äste. Im urbanen Raum können es auch mal Nistkästen oder sogar Sirenen sein – Hauptsache, der Klang trägt weit. Insbesondere das Trommeln des Schwarzspechts ist sehr laut und kann bis zu drei Kilometer weit gehört werden.

Erfahrene Vogelbeobachter können verschiedene Spechtarten oft schon allein am Trommeln unterscheiden. Die Wirbel unterscheiden sich in Rhythmus, Länge, Schlagzahl und Lautstärke. Der Buntspecht hat eher kurze Trommelwirbel, während der Kleinspecht sehr lange, oft unterbrochene Wirbel erzeugt. Manche Arten wie Mittel- und Grünspecht trommeln seltener und sind leichter an ihren Rufen zu erkennen (Grünspecht lacht, Mittelspecht quäkt).
Interessanterweise trommeln auch weibliche Spechte, wenn auch seltener und leiser als die Männchen. Nach der Balzzeit beginnt ab April die Brutsaison. Die in die Bäume gehämmerten Höhlen dienen dann als Kinderstuben. Diese Höhlen werden später oft von anderen Tieren wie Meisen, Staren oder Fledermäusen nachgenutzt.
Warum klopfen Spechte überhaupt?
Das charakteristische Klopfen des Spechts ist oft schon aus großer Entfernung zu hören. Es ist nicht nur das Trommeln zur Balz, sondern hat mehrere Gründe:
- Nahrungssuche: Der Hauptgrund ist oft die Suche nach Nahrung. Spechte hacken die Baumrinde auf, um an Insekten, Larven und Würmer zu gelangen. Sie klopfen auch Zapfen auf, um die Samen im Inneren zu fressen.
- Revierabgrenzung: Wie beim Trommeln dient das Klopfen auch dazu, das eigene Revier zu markieren und Rivalen fernzuhalten. Der laute Klang signalisiert anderen Spechten, dass dieses Gebiet bereits besetzt ist.
- Partnerwerbung: Insbesondere die Männchen nutzen das Trommeln und Klopfen, um Weibchen anzulocken und ihre Paarungsbereitschaft zu signalisieren.
- Nestbau: Spechte sind Höhlenbrüter und zimmern ihre Bruthöhlen selbst in Baumstämme. Dieser Prozess ist sehr arbeitsintensiv und kann etwa vier Wochen dauern, bis das Loch groß genug für ein Nest ist. Während des Nestbaus ist das Klopfen besonders intensiv.
Dank ihres speziellen Körperbaus, insbesondere der Stoßdämpfer im Schädel, bereitet ihnen die intensive Klopferei keine Probleme.
Spechte an der Hausfassade – Was tun?
Manchmal weichen Spechte von den Bäumen ab und bearbeiten stattdessen Hausfassaden. Das kann für Hausbesitzer zu einem Problem werden, da die Dämmung beschädigt wird. Warum tun Spechte das?
Spechte fühlen sich in der Regel in altem, totem Holz am wohlsten, da sie hier leichter Insekten finden und Höhlen bauen können. Moderne Gebäudefassaden, insbesondere solche mit Wärmedämmverbundsystemen, können für Spechte attraktiv sein, weil die raue Putzstruktur der Baumrinde ähnelt und das Dämmmaterial dahinter die Konsistenz von weichem, vermodertem Holz hat. Zudem ist in städtischen Gebieten der Mangel an geeigneten alten Bäumen oft ein Problem. Kranke oder alte Bäume werden aus Sicherheitsgründen entfernt, was den Spechten natürliche Nist- und Nahrungsmöglichkeiten nimmt. Sie lernen schnell, dass Fassaden eine einfache Alternative bieten. Eine Schlafhöhle in der Fassade kann in wenigen Tagen fertig sein, während eine Höhle im Baum Wochen dauert.
Sie suchen an Fassaden auch nach Insekten, die sich in Putzrissen, unter Fensterbrettern oder in alten Bohrlöchern verstecken. Dabei können sie Putzstücke lösen oder Holzverkleidungen perforieren. Der hohle Klang einer gedämmten Fassade kann den Spechten Faulholz vortäuschen, was sie zur weiteren Bearbeitung verleitet, sei es zur Nahrungssuche oder zum Bau von Höhlen.

Umgang mit Spechtschäden an Fassaden
Es ist wichtig zu wissen, dass Spechte und ihre Nist- und Zufluchtsstätten durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind. Das Töten, Verletzen, Fangen oder die Zerstörung ihrer Quartiere ist das ganze Jahr über verboten. Wenn Schäden an der Fassade saniert werden müssen, ist Vorsicht geboten.
Spechtlöcher sollten möglichst schnell wieder verschlossen werden, um die Dämmfunktion zu erhalten. Allerdings müssen die Löcher vor dem Verschluss auf Anwesenheit von Tieren geprüft werden. Fremdmaterialien wie Nester müssen entfernt werden, damit sie nicht in der Dämmschicht verrotten. Besonders während der Brutzeit von April bis August dürfen Fassadenhöhlen nur saniert werden, wenn absolut sichergestellt ist, dass sich keine Brut darin befindet. Im Zweifelsfall sollten Sie sich an die Untere oder Höhere Naturschutzbehörde wenden und eine Ausnahmegenehmigung beantragen, falls Maßnahmen unvermeidlich sind.
Langfristig kann man versuchen, Spechtschäden vorzubeugen, indem man Baumaterialien wählt, die es den Spechten schwer machen, die Fassade zu bearbeiten. Glatte Fassadenverkleidungen, an denen sich der Vogel nicht festhalten kann, oder besonders dicker, harter Putz können eine Lösung sein.
Den Garten attraktiver gestalten
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Anlocken von Buntspechten Geduld und das richtige Angebot erfordert. Sorgen Sie für ein vielfältiges Futterangebot am Vogelhaus, das Nüsse, Sämereien und Fettfutter umfasst. Erwägen Sie den Bau einer einfachen Spechtschmiede. Ein naturnaher Garten mit altem Baumbestand oder zumindest einigen älteren Bäumen in der Umgebung ist ebenfalls sehr hilfreich, da er natürliche Nahrung und potenzielle Nistplätze bietet. Mit diesen Maßnahmen erhöhen Sie Ihre Chancen, diesen faszinierenden und farbenprächtigen Vogel bald in Ihrem Garten begrüßen zu dürfen.
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