Die Makrofotografie, das Eintauchen in die Welt des winzigen, fasziniert viele Fotografen. Doch welche Ausrüstung braucht man dafür? Insbesondere stellt sich oft die Frage, ob ein gängiges Objektiv mit 50 mm Brennweite, das viele bereits besitzen oder das als Einsteigerobjektiv beliebt ist, auch für die detailreiche Makrowelt ausreicht. Um wahre Makrofotografie zu betreiben, also eine Abbildung im Maßstab 1:1 (oder größer) zu erreichen, benötigt man in der Regel ein spezielles Makro-Objektiv ohne Zoomfunktion. Aber welche Brennweite ist die beste Wahl, und wie schlägt sich ein 50mm Objektiv im Vergleich zu längeren Brennweiten?

Makro-Objektive sind in verschiedenen festen Brennweiten erhältlich, typischerweise von 50 mm bis 200 mm. Einige Objektive erreichen zunächst nur einen Abbildungsmaßstab von 1:2, können aber mit einem passenden Adapter den 1:1-Maßstab erreichen, oft gegen zusätzliche Kosten. Eine Handvoll Objektive geht sogar über den 1:1-Maßstab hinaus und ermöglicht Super-Makrofotografie.
Bei der Auswahl des richtigen Makro-Objektivs gibt es mehrere wichtige Kriterien zu beachten, die über die reine Brennweite und den Abbildungsmaßstab hinausgehen. Diese Kriterien beeinflussen die Handhabung, die Ergebnisse und die Vielseitigkeit des Objektivs.

Wichtige Kriterien für Makro-Objektive
Die Wahl des passenden Makro-Objektivs hängt von verschiedenen Faktoren ab, die für qualitativ hochwertige und zufriedenstellende Ergebnisse entscheidend sind. Hier sind die Aspekte, die wir bei der Bewertung von Makro-Objektiven als besonders wertvoll erachten:
Maximale Blendenöffnung
Flexibilität bei der Wahl der Blendenöffnung ist in der Makrofotografie von entscheidender Bedeutung. Unabhängig davon, ob Sie mit natürlichem Licht arbeiten oder Ringlichter und andere externe Lichtquellen verwenden, eine große maximale Blendenöffnung bietet zusätzliche Flexibilität für verschiedene Motive und Lichtverhältnisse. Die Wahl eines Objektivs mit f/1.8 oder f/2.8 stellt sicher, dass Sie immer genügend Licht zur Verfügung haben, um die Aufnahme zu realisieren. Eine große Blendenöffnung ermöglicht auch eine geringere Schärfentiefe, was bei kreativer Gestaltung wichtig sein kann, obwohl in der Makrofotografie oft abblendet wird, um eine ausreichende Schärfentiefe zu erzielen.
Fokus-Schärfe und Klarheit
Komplexe Autofokus-Systeme und Bildstabilisierung liefern zuverlässigere Ergebnisse für Makrofotografen. Je besser diese motorisierten Komponenten sind, desto besser werden Ihre Makro-Bilder ausfallen. Insbesondere bei geringer Schärfentiefe ist ein präziser Autofokus oder eine sehr feinfühlige manuelle Fokussierung unerlässlich. Die Bildstabilisierung (IS) kann besonders hilfreich sein, wenn aus der Hand fotografiert wird, auch wenn bei extremen Makroaufnahmen oft ein Stativ empfohlen wird.
Ansprechendes Bokeh
Das Bokeh, also die Qualität der Unschärfe in den nicht fokussierten Bildbereichen, ist in der Makrofotografie oft genauso wichtig wie das scharfe Motiv selbst. Alle empfohlenen Objektive zeichnen sich durch ein ansprechendes, rundes Bokeh aus. Dies wird durch hochwertige Linsenelemente, abgerundete Blendenlamellen und Hersteller erreicht, die verstehen, dass unscharfe Bereiche zur Gesamtwirkung des Bildes beitragen. Ein schönes Bokeh hilft dabei, das Motiv vom Hintergrund abzuheben und ihm mehr Plastizität zu verleihen.
Kompatibilität mit gängigen Kameras
Spiegellose Kameras und DSLR-Kameras von Nikon, Canon und Sony sind bei Fotografen aller Erfahrungsstufen beliebt. Die Auswahl der hier vorgestellten Objektive konzentriert sich daher auf Linsen, die nahtlos mit den gängigsten Kamerasystemen funktionieren und so eine breite Anwendbarkeit gewährleisten.
Die verschiedenen Arten von Makro-Objektiven nach Brennweite
Makro-Objektive können grob in drei Kategorien eingeteilt werden, basierend auf ihrer Brennweite. Jede Kategorie hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, insbesondere im Hinblick auf den Arbeitsabstand zum Motiv.
| Typ des Makro-Objektivs | Typische Brennweite | Typischer Arbeitsabstand (bei 1:1) | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| Kurzes Makro-Objektiv | 30-50 mm | ca. 23-30 cm | Blumen, unbewegliche Objekte, Details; auch gut für Porträts |
| Standard Makro-Objektiv | 60-105 mm | ca. 23-30 cm (kann bei längerer Brennweite etwas größer sein) | Vielseitig für eine breite Palette von Motiven, Insekten (mit Vorsicht), Details; oft auch sehr gute Porträtobjektive |
| Tele-Makro-Objektiv | 150-200 mm | ca. 45-60 cm | Scheue Insekten, schwer zugängliche Motive; ermöglicht größeren Abstand zum Motiv |
Wie die Tabelle zeigt, bieten längere Brennweiten einen größeren Arbeitsabstand. Das ist besonders wichtig, wenn Sie scheue Insekten fotografieren oder vermeiden möchten, dass Ihr Objektiv Schatten auf das Motiv wirft. Kurze Makro-Objektive erfordern, dass Sie sehr nah an das Motiv herangehen, was bei lebenden Objekten schwierig sein kann, sie sind aber oft kompakter und leichter.
Empfehlenswerte Makro-Objektive
Basierend auf den oben genannten Kriterien und ihrer Beliebtheit stellen wir einige der besten derzeit verfügbaren Makro-Objektive vor:
1. Nikon NIKKOR Z MC 50mm f/2.8 Objektiv
Das Nikkor Z MC 50mm ist ein hervorragendes Einsteigerobjektiv für die Nahfotografie. Mit 50 mm bietet es eine flexible Brennweite, die sich gut für kleine Motive wie Blumen, Insekten und Details eignet, aber auch für Porträts, Reisefotografie und andere Bereiche verwendet werden kann. Erfahrene Fotografen schätzen die große maximale Blendenöffnung von f/2.8 sowie das attraktive Bokeh und die Hintergrundtrennung, die es sowohl für Makro- als auch für Porträtaufnahmen bietet. Ein Fokusbegrenzer ermöglicht schnelleres Fokussieren, indem er den AF-Bereich einschränkt (voller Bereich oder 0,3 m-0,16 m). Feuchtigkeitsabweisende Beschichtungen erleichtern die Reinigung. Es erreicht einen Abbildungsmaßstab von 1:1 bei einem minimalen Fokusabstand von 0,16 m. Es ist kompakt, leicht und verfügt über eine Anzeige für den Abbildungsmaßstab und die Fokusdistanz auf dem Objektivtubus. Es ist für Vollformat konzipiert und verfügt über eine Fluorvergütung.
2. Nikon NIKKOR Z MC 105mm f/2.8 VR S Objektiv
Eine Brennweite von 100 mm bis 105 mm gilt als Sweet Spot für die Makrofotografie. Das Nikkor Z MC 105mm wurde für spiegellose Z-Serie-Kameras entwickelt und ist voll kompatibel mit dem Focus-Shift-Modus für einfaches Focus Stacking. Die maximale Blendenöffnung von f/2.8 ist auch bei diesem Objektiv vorhanden. Zwei Anti-Reflex-Vergütungen (ARNEO und Nano Crystal) minimieren Geisterbilder und Streulicht. Mit 4,5 Blendenstufen Bildstabilisierung (VR) ermöglicht es zuverlässiges Freihandfotografieren. Es erreicht 1:1 bei 0,29 m minimalem Fokusabstand. Dieses S-Line Objektiv bietet Premium-Optik und ist staub-, schmutz- und feuchtigkeitsabweisend. Es verfügt über ein ultraleises STM-Autofokus-System und einen Fokusbegrenzer.
3. Canon RF 100mm f/2.8 L Macro IS USM Objektiv
Dieses Objektiv für spiegellose Canon EOS R Kameras baut auf der Beliebtheit der EF 100mm f/2.8L Serie auf. Es bietet einzigartige Funktionen wie einen Spherical Aberration (SA) Control Ring, mit dem Sie steuern können, wie weich oder hart die Kanten des Hintergrund-Bokehs erscheinen. Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, die Vergrößerung auf bis zu 1,4x zu erhöhen, indem man am nächstgelegenen Ende des Fokusbereichs fotografiert. Es erreicht 1:1 bei 0,26 m und geht darüber hinaus. Es verfügt über einen optischen Bildstabilisator mit bis zu 5 Blendenstufen Korrektur, wobei der Hybrid IS auch Winkel- und Shift-Verwacklungen bei Makroaufnahmen kompensiert. Mit Dual Nano USM bietet es schnellen, sanften und leisen Autofokus. Es ist staub- und wetterfest und verfügt über Super Spectra und Fluorvergütungen sowie einen Fokusbegrenzer.
4. Canon RF 35mm f/1.8 Macro IS STM Objektiv
Wenn ein kompakteres Makro-Objektiv für Canon spiegellose Kameras gesucht wird, ist das RF 35mm f/1.8 eine erschwingliche Option. Mit 35 mm ist es eine sehr vielseitige Brennweite für viele Arten der Fotografie. Es ist ideal für Fotografen, die Makroaufnahmen machen, sich aber nicht auf ein Motiv beschränken möchten. Eine sehr große maximale Blendenöffnung von f/1.8 und ein 5-Stufen-Bildstabilisierungssystem ermöglichen Aufnahmen bei verschiedenen Lichtverhältnissen. Es erreicht einen Abbildungsmaßstab von 0,5x (1:2) bei einem minimalen Fokusabstand von 0,17 m. Es verfügt über einen Steuerring, der für schnelle Anpassungen von Kameraeinstellungen wie der Blende programmiert werden kann. Es ist kompatibel mit Canon Macro Twin Lites und MacroRing Lites und verfügt über eine Super Spectra Vergütung sowie einen schnellen, sanften und leisen Autofokus.
5. Sigma 105mm f/2.8 DG DN ART Macro Objektiv
Dieses Objektiv der Sigma Art-Serie (verfügbar für verschiedene Anschlüsse wie Sony E, L-Mount) legt Wert auf leisen Betrieb, was wichtig ist, wenn man scheue Motive fotografiert. Der Blendenring verfügt über einen Klick-Schalter, um versehentliche Verstellungen zu vermeiden, kann aber auch klickfrei geschaltet werden. Ausgestattet mit Gesichts-/Augenerkennung und einem Hyper-Sonic Motor (HSM) fokussiert es schnell und passt sich Bewegungen an, ohne störende Geräusche zu erzeugen. Es ist kompatibel mit Sigmas 1.4x und 2.0x Telekonvertern. Als Art-Serie-Objektiv priorisiert es die optische Leistung mit Schärfe bis in die Ecken. Es erreicht 1:1 bei 29,5 cm minimalem Fokusabstand. Es ist staub- und spritzwassergeschützt und verfügt über eine wasser- und ölabweisende sowie eine Super Multi-Layer Vergütung. Es arbeitet nahtlos mit kamerainternen Bildstabilisierungssystemen zusammen und verfügt über einen Fokusbegrenzer.
6. Sony FE 90mm f/2.8 Macro G OSS Objektiv
Dieses Sony E-Mount Objektiv zeichnet sich durch drei Merkmale aus, die präzises Fokussieren erleichtern. Erstens gibt es eine Fokus-Hold-Taste am Objektivtubus. Zweitens befinden sich alle beweglichen internen Fokuselemente im Zentrum des Objektivs, sodass sich die Länge oder Größe des Objektivs beim Fokussieren nicht ändert. Drittens ermöglicht ein verschiebbarer Fokusring einen einfachen und leisen Wechsel zwischen Autofokus und manuellem Fokus. Es erreicht 1:1 bei 28 cm minimalem Fokusabstand. Es verfügt über eine integrierte optische Bildstabilisierung (Optical SteadyShot) für Freihandaufnahmen und liefert Schärfe von Ecke zu Ecke dank fortschrittlicher asphärischer Elemente. Der Direct Drive SSM (DDSSM) sorgt für leises, präzises Fokussieren. Es ist staub- und feuchtigkeitsbeständig und verfügt über Nano AR Vergütung sowie Super ED Glas zur Reduzierung von Geisterbildern und Streulicht. Es hat auch einen Fokusbegrenzer.
7. Venus Laowa 100mm F/2.8 2X Ultra Macro APO Objektiv
Wenn die maximale Vergrößerung oberste Priorität hat, ist dieses Objektiv eine Top-Wahl. Mit einer Vergrößerung von bis zu 2:1 ermöglicht es Abbildungen, die doppelt so groß wie in der Realität sind. Es ist ein rein manuelles Objektiv (Fokus und Blende), was für Anfänger eine Herausforderung sein kann, bietet aber eine robuste Metallkonstruktion und exzellente optische Qualität. Es minimiert chromatische Aberrationen dank des Apochromat (APO) Designs. Es erreicht 2:1 bei 24,7 cm minimalem Fokusabstand. Es ist für verschiedene Anschlüsse erhältlich (Canon EF/RF, Leica L, Nikon F/Z, Pentax K, Sony E). Obwohl es manuell ist, bietet es für seinen Preis eine beeindruckende Leistung, insbesondere in Kombination mit einem Stativ.
Häufig gestellte Fragen zu Makro-Objektiven
Wofür werden Makro-Objektive verwendet?
Makro-Objektive werden von Fotografen oft verwendet, um Insekten, Pflanzen und kleine Objekte zu fotografieren. Sie sind ideal für diese Motive, da sie darauf ausgelegt sind, kleine Subjekte aus extrem geringen Entfernungen abzubilden. Durch den sehr geringen Fokusabstand, den Makro-Objektive bieten, können Sie das Bild mit Ihrem Motiv füllen und mehr Details erfassen.
Können Makro-Objektive für normale Fotografie verwendet werden?
Ja. Objektivhersteller optimieren Makro-Objektive zwar meist für Nahaufnahmen, aber viele Makro-Objektive eignen sich auch gut für den allgemeinen Gebrauch. Makro-Objektive können Details in ultrascharfem Fokus erfassen, weshalb sie für viele professionelle Fotografen auch als Porträtobjektive dienen. 105mm Makro-Objektive können auch gut für das Fotografieren von Veranstaltungen geeignet sein.
Kann ein Makro-Objektiv als Teleobjektiv verwendet werden?
Gute Makro-Objektive sind ausgezeichnete Teleobjektive. Einige Hersteller bieten auch Tele-Makro-Objektive mit größerem Arbeitsabstand als ihre kürzeren Gegenstücke an. Die Schärfentiefe bei diesen längeren Objektiven ist geringer. Der größere Arbeitsabstand von Tele-Makro-Objektiven kann auch verhindern, dass Ihre Ausrüstung unerwünschte Schatten auf Ihre Motive wirft.
Ist ein 50mm Objektiv gut für die Makrofotografie?
50mm Objektive eignen sich am besten für typische Makro-Aufnahmen. Allerdings haben diese Art von Makro-Objektiven auch Nachteile. 50mm Objektive (auch bekannt als 'Nifty Fifty') lassen Motive oft nur halb lebensgroß erscheinen (Abbildungsmaßstab von typischerweise 1:2) und erfordern das Fotografieren aus einer viel geringeren Entfernung. Wenn Sie jedoch ein vielseitiges Standardobjektiv für den allgemeinen Gebrauch suchen, ist ein 50mm Objektiv eine gute Wahl, das auch Makro-Fähigkeiten (oft 1:2) bietet.
Kann ein Makro-Objektiv für Landschaftsfotografie verwendet werden?
Ja. Genau wie gewöhnliche Kameraobjektive eignen sich Makro-Objektive hervorragend für die Aufnahme von Landschaften. Wenn Sie bei schlechtem Licht und trübem Himmel fotografieren, können Sie sich auf 'Mikro-Landschaften' konzentrieren. Diese Umgebungen ermöglichen es Ihnen, den Nahfokus für bestimmte Szenen zu nutzen. Andernfalls sind Sie besser bedient, wenn Sie Nicht-Makro-Objektive verwenden, wenn Sie Weitwinkel-Landschaften aufnehmen möchten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein 50mm Objektiv eine gute Option für den Einstieg in die Nahfotografie sein kann, insbesondere wenn es einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht. Es ist oft kompakt, vielseitig und bietet einen guten Kompromiss für verschiedene Anwendungen. Längere Brennweiten bieten jedoch Vorteile beim Arbeitsabstand, was bei der Fotografie von lebenden oder scheuen Motiven von Vorteil sein kann. Die Wahl hängt letztendlich von Ihren spezifischen Bedürfnissen, Ihrem Budget und den Motiven ab, die Sie am häufigsten fotografieren möchten.
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