Was war Nikons erste Kamera?

Nikon: Von der ersten Kamera zur legendären F

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Die Geschichte von Nikon ist untrennbar mit der Entwicklung der Fotografie im 20. Jahrhundert verbunden. Gegründet als Nippon Kogaku KK, begann das Unternehmen seinen Weg mit dem Ziel, optische Präzisionsinstrumente höchster Qualität zu schaffen. Doch es war der Schritt in die Welt der Kameras, der Nikon zu einem der bekanntesten Namen in der Branche machen sollte. Alles begann mit einer ambitionierten Messsucherkamera, die den Grundstein für spätere Legenden legte.

Was war Nikons erste Kamera?
Die Nikon war die erste Kamera des Optikherstellers Nippon Kogaku KK. Sie war eine 35-mm-Messsucherkamera und wurde später als Nikon I bezeichnet. Der ursprüngliche Entwurf wurde im September 1946 genehmigt, und die Kamera kam im März 1948 auf den Markt.

Die bescheidenen Anfänge: Die Nikon I und ihre Evolution

Die allererste Kamera, die von Nippon Kogaku KK vorgestellt wurde, war eine 35-mm-Messsucherkamera, die retrospektiv als Nikon I bekannt ist. Das Design wurde im September 1946 genehmigt und die Kamera kam schließlich im März 1948 auf den Markt. Zunächst wurde sie nur lokal in Japan verkauft. Erst 1950 erregte sie internationale Aufmerksamkeit, als Fotografen des renommierten „Life“-Magazins Fotos sahen, die mit diesen Kameras aufgenommen worden waren.

Besondere Beachtung fanden dabei die Objektive, die unter dem Namen Nikkor vermarktet wurden, wie zum Beispiel das Nikkor-P.C 1:2 f=8.5cm. Die Qualität dieser japanischen Objektive war so beeindruckend, dass sofort die Nachfrage entstand, Nikkor-Objektive an den Leica-Kameras der Reporter anzubringen. Dies wurde in der Fabrik in Tokio umgehend umgesetzt, und schnell verbreitete sich die Nachricht, dass diese japanischen Objektive genauso gut oder möglicherweise sogar besser waren als ihre deutschen Pendants.

Das Design der Nikon I war stark von deutschen Kameras inspiriert, insbesondere von der Contax und der Leica. Nach sorgfältigen Studien dieser Modelle entschied sich Nippon Kogaku, ihre Kamera auf der Contax zu basieren, aber das komplizierte Verschlussdesign der Contax durch den Tuch-Schlitzverschluss der Leica zu ersetzen. Man sah dies als die besten Eigenschaften beider Kameras an.

Die ursprüngliche Nikon I, wie sie 1948 eingeführt wurde, besaß keine Blitzsynchronisation, war aber ansonsten eine voll ausgestattete und moderne Messsucherkamera. Die Designer wählten das Bildformat von 24 × 32 mm, das ein Jahr zuvor von der Minolta 35 eingeführt worden war und als „Nippon-Format“ bekannt wurde. Dieses Format ermöglichte mehr Bilder pro Filmrolle und entsprach besser gängigen Papierformaten. Allerdings fand die Kamera aus einem entscheidenden Grund keinen großen Anklang: Die US-Verwaltung in Tokio erlaubte den Export in die USA nicht, da das nicht standardisierte Format mit den Kodak-Diahalterungen inkompatibel war.

Die Weiterentwicklung: Nikon M und Nikon S

Als Konsequenz aus den Exportproblemen wurde im Herbst 1949 die Nikon M eingeführt. Dieses Modell ist an dem „M“ vor der Gehäusenummer zu erkennen. Nippon Kogaku hatte sich für ein Zwischenformat von 24 × 34 mm entschieden, in der Hoffnung, auf dem Exportmarkt Akzeptanz zu finden. Warum man nicht sofort auf das weit verbreitete Standardformat von 24x36mm umstieg, ist nicht vollständig klar, da die Kamera selbst in den meisten Situationen für das volle Format vorbereitet schien.

Ein neues, verbessertes Modell wurde geplant, das zunächst das nicht-standardisierte Format beibehalten sollte. Dies war die Nikon S, deren Einführung sich verzögerte und die Anfang 1951 verfügbar wurde. Die Nikon S war im Wesentlichen eine Nikon M mit Blitzsynchronisationskontakten, erkennbar an zwei Buchsen am oberen linken Rand des Gehäuses. Alle Kameras, die mit dieser Funktion verkauft wurden, gelten laut Fabrik als Nikon S, auch wenn sie noch mit „M“ gekennzeichnet waren. Sammler unterscheiden diese jedoch als wertvoller als die mit „S“ markierten Modelle. Die Nikon S verkaufte sich gut und war die erste Nikon, die in den US-Markt importiert wurde. Einige Nikon S Kameras haben eine zusätzliche Ziffer in der Seriennummer und sind als 8-stellige Nikon S bekannt. Als die Nummer 6099999 erreicht wurde, fuhr der Graveur mit 60910000 fort, aber es wurde schnell erkannt, dass die lange Seriennummer unpraktisch war. Nach etwa 1200 Kameras kehrte man zur Nummerierung ab 6100000 zurück. Das Präfix 609 in der Seriennummer bezieht sich übrigens auf das Datum, an dem das Design im September 1946 genehmigt wurde.

Im Laufe der 1950er Jahre wurden weitere Nikon Messsuchermodelle eingeführt, darunter die S2, S3, S4 und SP. Die Modelle S3, S4 und SP basierten auf demselben Gehäuse mit unterschiedlichen Funktionen. Das grundlegende Gehäusedesign der Nikon F SLR teilt viele Elemente mit den neuesten Messsuchermodellen.

Der Game Changer: Die Nikon F Spiegelreflexkamera

Die Nikon F, eingeführt im Jahr 1959, war die erste professionelle 35-mm-Spiegelreflexkamera (SLR), die von professionellen Fotografen weithin akzeptiert wurde. Insbesondere Fotojournalisten, die den Vietnamkrieg abdeckten, und sogar NASA-Astronauten nutzten sie intensiv. Ursprünglich kostete sie 186 US-Dollar mit einem 50-mm f/2 Objektiv. Im November 1963 lag der US-Preis bei 233 US-Dollar für das Gehäuse mit Standardsucher plus 90 US-Dollar für ein 50-mm f/2 Objektiv oder 155 US-Dollar für ein 50-mm f/1.4.

Eine Kombination aus Designelementen machte die Nikon F so erfolgreich. Sie war ein modulares System mit austauschbaren Suchern und Einstellscheiben. Die Kamera verfügte über eine Abblendtaste zur Schärfentiefenvorschau, die Spiegel konnten hochgeklappt werden (Spiegelvorauslösung), sie hatte ein großes Bajonett und einen großen Objektiventriegelungsknopf. Der Filmtransport erfolgte über einen Einzelschritt-Transporthebel mit Ratschenmechanismus. Sie besaß einen Titan-Schlitzverschluss, verschiedene Arten der Blitzsynchronisation, einen schnellen Rückspulhebel und eine vollständig abnehmbare Rückwand. Die Kamera war extrem gut verarbeitet, langlebig und hielt sich eng an das erfolgreiche Designschema der Nikon Messsucherkameras.

Die Nikon F war die erste Kamera, die das Nikon F-Bajonett verwendete – ein Objektivanschluss, der bis heute (Stand 2024) in verschiedenen Varianten genutzt wird. Der Chefdesigner der Nikon F war Yusaku Kamekura, der Mann hinter dem Logo der Olympischen Sommerspiele 1964. Die Nikon F entwickelte sich aus einer Messsucherkamera, der Nikon SP. Der Prototyp war im Wesentlichen eine SP, an die ein Spiegelkasten, ein Pentaprisma und ein größerer Objektivanschluss angefügt wurden.

Die Nikon F revolutionierte den Fotomarkt und stahl den deutschen Herstellern Leica und Zeiss die Show. Die F hatte den Ruf, extrem widerstandsfähig gegen Beschädigungen oder mechanische Fehler zu sein und wurde liebevoll als „Der Hockey-Puck“ bekannt. In einigen Märkten wurde die Kamera aufgrund von Markenkonflikten als „Nikkor F“ vermarktet. In Deutschland wurde „Nikon“ als zu ähnlich zur Zeiss Ikon Kameraserie angesehen. Nikkor F Kameras sind heute begehrte Sammlerstücke.

Die Nikon F wurde 1972 nach einer Produktion von insgesamt 862.600 Gehäusen von der Nikon F2-Serie abgelöst. Die nachfolgenden „einstelligen“ F-Kameras setzten sich als Spitzenmodelle von Nikons professioneller Film-SLR-Linie fort, bis zur Nikon F6, die 2004 eingeführt wurde. Seit der Einführung der digitalen Nikon D1 im Jahr 1999 reserviert Nikon weiterhin einstellige Modellnummern für seine Top-Kameras.

Wann wurde die Nikon F 1959 eingeführt?
Die Nikon F-Kamera, die im April 1959 vorgestellt wurde, war Nikons erste Spiegelreflexkamera. Sie zählte zu den fortschrittlichsten Kameras ihrer Zeit. Obwohl viele Konzepte bereits anderswo eingeführt worden waren, war sie revolutionär, da sie erstmals alle diese Konzepte in einer Kamera vereinte.

Das modulare System der Nikon F

Die Nikon F war als modulares System konzipiert und bot eine Vielzahl von Baugruppen wie Sucher, Einstellscheiben und Motorantriebe für 36er- und 250er-Filmkassetten. Dritthersteller stellten weitere Filmrückwände her, darunter zwei Speed Magny Rückwände – eine für Polaroid 100 (später 600) Sofortbildfilme und eine weitere für 4x5 Filmzubehör, einschließlich Polaroids eigener 4x5 Sofortbildrückwand. Jede dieser Baugruppen konnte montiert und demontiert werden, sodass die Kamera an nahezu jede Aufgabe angepasst werden konnte.

Der Motorantrieb F36, einer der ersten populären Motorantriebe für SLR-Kameras, konnte bis zu 4 Bilder pro Sekunde bei hochgeklapptem Spiegel oder 3 Bilder pro Sekunde bei voller Spiegelreflexansicht aufnehmen.

Das Objektivangebot für die Nikon F war sehr breit gefächert und umfasste bereits 1962 Brennweiten von 21 mm bis 1000 mm. Nikon gehörte zu den ersten Unternehmen, die katadioptrische Objektivdesigns herstellten, die Spiegel und Linsen kombinieren, um kompaktere Objektive mit längeren Brennweiten zu realisieren.

Sucher und Einstellscheiben

Der erste Nikon F Photomic-Sucher, der ab 1962 geliefert wurde, verfügte über eine unabhängige Fotozelle. Später führte Nikon den Photomic T (abgelöst durch den Photomic Tn) ein, der eine Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL - Through-the-Lens) bot. Der letzte Belichtungsmesssucher für die Nikon F, der Photomic FTn, der 1968 eingeführt wurde, bot eine 60% mittenbetonte TTL-Messung. Dieses Messmuster wurde für Jahrzehnte zum Standard für Nikon-Kameras.

Zusätzliche Sucher umfassten einen Lichtschachtsucher, einen 6-fach vergrößernden Sucher und einen „Action Finder“ mit einem größeren Sichtfeld, durch das man den gesamten Rahmen auch mit Brillen oder Helm sehen konnte.

Auch die Auswahl an Einstellscheiben war beeindruckend und ermöglichte die Anpassung an verschiedene Aufnahmebedingungen und Objektive. Es gab zahlreiche Typen (A, B, C, D, E, F, G1-G4, H1-H4, J, K, L, M, P, R, T/TV) mit unterschiedlichen Fokussierhilfen wie Schnittbildentfernungsmesser (horizontal oder diagonal), Mikroprismenfelder oder einfach nur Mattscheiben mit oder ohne Gitterlinien.

Vergleich: Nikon S vs. Nikon F

MerkmalNikon S (Typische Merkmale)Nikon F
Kameratyp35mm Messsucherkamera35mm Spiegelreflexkamera (SLR)
Einführungsjahr19511959
ObjektivanschlussNikon S-Bajonett (proprietär)Nikon F-Bajonett (Standard bis heute)
SucherOptischer MesssucherAustauschbare Sucher (Pentaprisma, Lichtschacht etc.)
BelichtungsmessungExtern (handgeführter Belichtungsmesser nötig)TTL-Messung möglich (mit Photomic-Suchern)
SystemBegrenzt (hauptsächlich Objektive)Modulares System (Sucher, Einstellscheiben, Motorantriebe, Rückwände)
ZielgruppeEnthusiasten, Profis (in den 50ern)Professionelle Fotografen

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde die erste Nikon Kamera vorgestellt?
Die erste Kamera von Nippon Kogaku KK, die spätere Nikon I, wurde im März 1948 vorgestellt.

Was war das Besondere an der Nikon F?
Die Nikon F war die erste weit verbreitete professionelle 35mm SLR-Systemkamera. Ihre Modularität, Robustheit und das umfangreiche System aus Objektiven, Suchern und Zubehör machten sie zum Industriestandard für Profis.

Welches Objektivbajonett nutzte die Nikon F?
Die Nikon F führte das Nikon F-Bajonett ein, das bis heute (mit Modifikationen) verwendet wird.

Warum war die Nikon F so widerstandsfähig?
Aufgrund ihrer robusten Konstruktion und hochwertigen Materialien erwarb die Nikon F den Ruf, extrem langlebig und widerstandsfähig zu sein, was ihr den Spitznamen „Der Hockey-Puck“ einbrachte.

Welche Kameras gingen der Nikon F voraus?
Der Nikon F gingen eine Reihe von erfolgreichen Messsucherkameras voraus, darunter die Modelle Nikon I, M, S, S2, S3, S4 und die SP, von der die F abgeleitet wurde.

Die Reise von der innovativen, aber anfänglich vom Export gehinderten Nikon I über die evolutionären Modelle M und S bis hin zur bahnbrechenden Nikon F zeigt eindrucksvoll, wie Nikon sich schnell als führender Hersteller von hochwertiger Fotoausrüstung etablierte. Die Nikon F festigte nicht nur den Ruf des Unternehmens für Qualität und Innovation, sondern prägte auch maßgeblich die professionelle Fotografie für Jahrzehnte. Ihr Erbe lebt im Nikon F-Bajonett und in der Tradition professioneller einstelliger Nikon SLRs fort.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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