Das Fotografieren von Zügen, auch Trainspotting genannt, ist ein beliebtes Hobby vieler Eisenbahnfans. Doch wie sieht die rechtliche Situation aus, wenn man auf dem Gelände oder in den Zügen der Deutschen Bahn (DB) zur Kamera greift? Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Trainspotting erlaubt ist, beschäftigt viele Hobbyfotografen.

Grundsätzlich gilt auf dem gesamten Gelände und in allen Fahrzeugen der Deutschen Bahn das sogenannte Hausrecht der DB. Dieses Recht ermöglicht es der Bahn, Regeln für das Verhalten von Personen auf ihrem Eigentum festzulegen und durchzusetzen. Dies betrifft auch das Anfertigen von Film-, Foto- und Tonaufnahmen.
Regeln für das Fotografieren auf DB-Gelände
Die Deutsche Bahn unterscheidet klar zwischen Aufnahmen zu privaten Zwecken und solchen für Medien oder kommerzielle Nutzungen. Diese Unterscheidung ist entscheidend dafür, ob Sie eine Genehmigung benötigen oder nicht.
Private Aufnahmen
Wenn Sie Züge oder Bahnanlagen ausschließlich für private Zwecke fotografieren möchten und sich dabei in öffentlich frei zugänglichen Bereichen aufhalten, benötigen Sie in der Regel keine gesonderte Genehmigung der Deutschen Bahn. Öffentlich zugängliche Bereiche sind beispielsweise Bahnsteige, Wartebereiche oder Bahnhofsvorplätze, solange sie frei betretbar sind. Die Aufnahmen dürfen in diesem Fall nicht kommerziell verwertet werden, also beispielsweise nicht verkauft oder für Werbezwecke genutzt werden.
Medien- und kommerzielle Aufnahmen
Für Medienvertreter oder Personen, die Aufnahmen für kommerzielle Zwecke (z. B. für Veröffentlichungen, Werbung, Filme) auf dem Gelände oder in Zügen der Deutschen Bahn machen möchten, ist eine vorherige Genehmigung zwingend erforderlich. Diese Genehmigung muss rechtzeitig vor dem geplanten Dreh- oder Fototermin online bei der DB-Konzernpressestelle beantragt werden. Die Pressestelle prüft den Antrag und meldet sich. Eine schriftliche Drehgenehmigung muss während der Aufnahmen mitgeführt und auf Verlangen DB-Mitarbeitenden vorgezeigt werden. Ohne diese schriftliche Genehmigung sind Aufnahmen nicht gestattet, und die DB behält sich bei Verstößen rechtliche Schritte vor.
Es ist wichtig zu wissen, dass Aufnahmen in Zügen, Reisezentren und Lounges der DB nur in Ausnahmefällen gestattet werden, selbst mit Genehmigung. Wenn Aufnahmen während einer Zugfahrt gemacht werden sollen, ist zusätzlich zur Drehgenehmigung auch ein gültiger Fahrschein erforderlich.
Persönlichkeitsrechte und Datenschutz
Unabhängig vom Zweck der Aufnahmen müssen stets die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen beachtet werden. Dies gilt insbesondere für Reisende und DB-Mitarbeitende. Das Recht am eigenen Bild besagt, dass jeder Mensch grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Kontext Bilder von ihm veröffentlicht werden. Auch wenn Sie sich in einem öffentlichen Bereich aufhalten, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie Personen ohne deren Zustimmung fotografieren dürfen.

Für Nahaufnahmen von Personen ist vorab die Einwilligung der abgebildeten Person einzuholen. Dies ist besonders wichtig, da die Person klar erkennbar ist. Bei Nahaufnahmen von nicht unbeschränkt geschäftsfähigen Personen, wie zum Beispiel Minderjährigen, muss die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters eingeholt werden. Interviews mit DB-Mitarbeitenden sind generell nicht gestattet.
Sicherheit geht vor: Verhalten auf Bahnanlagen
Beim Fotografieren auf Bahnhöfen und Bahnsteigen sind bestimmte Sicherheitsregeln unbedingt einzuhalten. Bahnhöfe sind betrieblich genutzte Bereiche mit hohem Publikumsverkehr und potenziellen Gefahrenquellen.
- Halten Sie unbedingt die Laufwege frei, insbesondere auf Bahnsteigen und an Treppen. Blockieren Sie keine Zu- oder Ausgänge.
- Achten Sie auf ausreichenden Abstand zur Bahnsteigkante. Züge fahren schnell durch Bahnhöfe, und der Sog kann gefährlich sein.
- Schmalstellen an den Bahnsteigen dürfen durch Ihre Anwesenheit oder Ausrüstung nicht zusätzlich verengt werden.
- Beachten Sie immer die Anweisungen des DB-Personals.
Die DB bittet um Verständnis, dass aus Rücksicht auf die Fahrgäste und Beschäftigten nicht jeder Wunsch nach einer Genehmigung erfüllt werden kann.
Videoüberwachung bei der DB: Sicherheit für Fahrgäste
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der im Zusammenhang mit Aufnahmen auf DB-Gelände oft zur Sprache kommt, ist die Videoüberwachung. Die Deutsche Bahn setzt Videotechnologie umfassend ein, um die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen zu gewährleisten. Dies dient in erster Linie der Prävention von Straftaten, der schnellen Aufklärung von Vorfällen wie Vandalismus, Diebstahl oder Angriffen sowie der Stärkung des Sicherheitsgefühls der Fahrgäste. Live-Videobilder können auch eine abschreckende Wirkung haben.
Neben der Sicherheitsfunktion unterstützt die Videoüberwachung auch die Koordination eines sicheren Eisenbahnbetriebs und die Sicherstellung betrieblicher Abläufe. Bei Straftaten werden Videoaufzeichnungen an Bahnhöfen von der Bundespolizei zur Aufklärung genutzt. Im Regionalverkehr wird dies von den zuständigen Behörden der Bundesländer geregelt. Bei Vorfällen werden die Aufzeichnungen den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt.
Speicherdauer und Datenschutz bei der Videoüberwachung
Die Speicherdauer von Videoaufzeichnungen in Bahnhöfen und Zügen ist streng geregelt, um den Datenschutz und die Privatsphäre der Fahrgäste zu schützen. Die Dauer liegt in der Regel zwischen 72 und 120 Stunden, abhängig von betrieblichen Erfordernissen und verkehrsvertraglichen Vorgaben. Eine längere Speicherung ist nur zulässig, wenn die Aufnahmen zur Aufklärung von Straftaten oder als Beweismittel in rechtlichen Verfahren benötigt werden. Die Löschung der Daten ist rechtlich in § 6b Abs. 5 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) verankert, das vorschreibt, dass die Daten unverzüglich zu löschen sind, wenn sie zur Erreichung des Zwecks nicht mehr erforderlich sind oder schutzwürdige Interessen der Betroffenen einer weiteren Speicherung entgegenstehen.
Obwohl die Videoüberwachung für die Sicherheit wichtig ist, wirft sie datenschutzrechtliche Fragen auf, da jede Aufnahme in das Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten eingreift. Die Überwachung muss daher hohe rechtliche Anforderungen erfüllen, die in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem BDSG festgelegt sind. Sie muss verhältnismäßig sein, nur legitimen Zwecken dienen und klar gekennzeichnet sein. Diese Gesetze gewährleisten, dass die Videoüberwachung datenschutzkonform erfolgt.

Wer sind Trainspotter?
Die Menschen, die das Fotografieren von Zügen als Hobby betreiben, werden international unterschiedlich bezeichnet. Im englischsprachigen Raum sind die Begriffe Trainspotter oder Anoraks verbreitet. Im Deutschen gab es früher den Begriff „Späher“. Heute hat sich durch die Bekanntheit des Hobbys die Bezeichnung Trainspotter auch im deutschsprachigen Raum etabliert.
Trainspotter sammeln in der Regel Aufnahmen und Daten von Triebfahrzeugen, Lokomotiven und Waggons, oft nach deren Nummerierungen, Baureihen oder Lackierungen. Für viele ist es wichtig, die Fahrzeuge selbst gesehen und dokumentiert zu haben. Typische Ausrüstung umfasst neben der Kamera oft auch ein Fernglas, einen Notizblock oder ein Smartphone zur Datenerfassung sowie manchmal eine Warnweste zur besseren Sichtbarkeit in Gleisnähe. Die gesammelten Daten und Fotos werden oft in Datenbanken organisiert und archiviert. Der Austausch mit Gleichgesinnten findet häufig über spezialisierte Online-Foren, Community-Websites oder soziale Medien statt. Informationen über besondere Zugfahrten werden oft über Messenger-Gruppen geteilt.
Trainspotting ist Teil einer breiteren Hobbykultur des „Spotting“, die auch das Beobachten und Dokumentieren anderer Fahrzeuge wie Flugzeuge (Planespotting), Schiffe (Shipspotting) oder Autos umfassen kann.
Sicherheitstipps und verantwortungsbewusstes Spotting
Neben den offiziellen Regeln der Deutschen Bahn ist es für Trainspotter unerlässlich, sich stets sicher und verantwortungsbewusst zu verhalten. Die Nähe zum Bahnbetrieb birgt Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen. Das Betreten von Gleisanlagen ist streng verboten und lebensgefährlich. Halten Sie sich immer in den für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen auf.
Einige Bahnunternehmen und Polizeibehörden weltweit haben in der Vergangenheit Eisenbahnfans gebeten, wachsam zu sein und verdächtige Aktivitäten oder Sicherheitsverstöße zu melden. Dies zeigt, dass Trainspotter auch eine positive Rolle für die Sicherheit spielen können, wenn sie sich im Rahmen der Regeln bewegen. Leider gibt es auch Berichte über negatives Verhalten einzelner Spotter, wie das Beschädigen von Eigentum, das unbefugte Betreten von Bereichen oder rücksichtsloses Verhalten gegenüber anderen Personen oder dem Bahnbetrieb. Solches Verhalten schadet dem Ruf des gesamten Hobbys.
Halten Sie sich daher immer an die geltenden Regeln, insbesondere die Sicherheitsvorschriften. Respektieren Sie die Privatsphäre anderer Menschen und nehmen Sie Rücksicht auf den Bahnbetrieb und andere Reisende. Ein verantwortungsbewusstes Verhalten ermöglicht es Ihnen und anderen, das Hobby langfristig auszuüben.
Vergleich: Private vs. Kommerzielle Aufnahmen bei der DB
| Aktivität | Private Zwecke (öffentlich zugänglich) | Medien / Kommerzielle Zwecke |
|---|---|---|
| Genehmigung erforderlich | Nein | Ja (DB Pressestelle) |
| In Zügen erlaubt | Nur in Ausnahmefällen (Ticket nötig) | Nur in Ausnahmefällen (Genehmigung + Ticket nötig) |
| Nahaufnahmen Personen | Einwilligung erforderlich | Einwilligung erforderlich |
| Interviews DB-Personal | Nein | Nein |
| Laufwege freihalten | Ja | Ja |
| Persönlichkeitsrechte | Beachten | Beachten |
Fragen und Antworten zum Trainspotting bei der DB
Ist privates Fotografieren von Zügen auf dem Bahnsteig erlaubt?
Ja, in öffentlich frei zugänglichen Bereichen wie Bahnsteigen ist privates Fotografieren ohne kommerzielle Absicht in der Regel erlaubt, solange Sie die Sicherheitsregeln und Persönlichkeitsrechte beachten.

Benötige ich eine Genehmigung, wenn ich Fotos für meinen Blog mache, der kein Geld verdient?
Auch wenn Ihr Blog nicht direkt Geld verdient, kann die Veröffentlichung von Fotos für die Öffentlichkeit als eine Form der nicht rein privaten Nutzung angesehen werden. Im Zweifel sollten Sie sich an die DB-Pressestelle wenden oder sich auf Aufnahmen beschränken, die klar unter die Kategorie 'private Zwecke' fallen (z. B. für ein privates Album).
Darf ich DB-Mitarbeiter fotografieren?
Nahaufnahmen von erkennbaren Personen, einschließlich DB-Mitarbeitenden, erfordern deren Einwilligung. Interviews mit DB-Mitarbeitenden sind generell nicht gestattet.
Wie lange werden Videoaufnahmen in Zügen und Bahnhöfen gespeichert?
Die Speicherdauer liegt zwischen 72 und 120 Stunden, kann aber für Ermittlungen bei Straftaten verlängert werden. Die genauen Regeln finden Sie in den Datenschutzinformationen der Bahnunternehmen und im Bundesdatenschutzgesetz.
Darf ich Drohnenaufnahmen von Bahnanlagen machen?
Die Nutzung von Drohnen über oder in der Nähe von Bahnanlagen ist hochkomplex und in der Regel ohne spezielle Genehmigungen (nicht nur von der DB, sondern auch von Luftfahrtbehörden) nicht erlaubt und gefährlich. Das Hausrecht der DB verbietet dies ebenfalls.
Was passiert, wenn ich die Regeln nicht beachte?
Bei Verstößen gegen das Hausrecht, die Sicherheitsregeln oder ohne erforderliche Genehmigung können DB-Mitarbeitende Sie auffordern, die Aufnahmen einzustellen und das Gelände zu verlassen. Bei schwerwiegenden Verstößen behält sich die DB rechtliche Schritte vor.
Fazit
Trainspotting bei der Deutschen Bahn ist unter bestimmten Voraussetzungen für private Zwecke in öffentlich zugänglichen Bereichen erlaubt. Für kommerzielle oder Medienaufnahmen ist jedoch eine vorherige Genehmigung der DB-Konzernpressestelle unerlässlich. Unabhängig vom Zweck der Aufnahmen müssen stets die Persönlichkeitsrechte aller abgebildeten Personen gewahrt bleiben, und die geltenden Sicherheitsregeln auf Bahnanlagen sind strikt einzuhalten. Ein verantwortungsbewusstes und rücksichtsvolles Verhalten ermöglicht es Ihnen, Ihr Hobby sicher und im Einklang mit den Regeln der Deutschen Bahn auszuüben.
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