Wie alt ist die älteste Fotografie?

Wann wurde Fotografie als Kunst anerkannt?

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Die Fotografie begann als rein technischer Prozess, ein Werkzeug zur Abbildung der Realität, das vor allem für dokumentarische Zwecke genutzt wurde. Die Frage, wann sie diesen Status überschritt und als eigenständige Kunstform anerkannt wurde, ist komplex, da es sich um einen schrittweisen Prozess handelte, der sich über Jahrzehnte erstreckte und von verschiedenen Faktoren beeinflusst wurde.

Wer hat die Fotografie 1837 erfunden?
Als Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre seine Erfindung in Paris öffentlich machte. Die ältesten Aufnahmen aus Deutschland stammen von Franz von Kobell und werden in den Sammlungen des Deutschen Museums aufbewahrt.28. Mai 2024

Erste Anzeichen einer Anerkennung der Fotografie als kreative, visuelle Ausdrucksform zeigten sich Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. Damals begannen Zeitschriften und Periodika, Fotografien nicht nur als Illustrationen oder Dokumente zu betrachten, sondern ihnen einen eigenen Wert als Ausdrucksmittel zuzuerkennen. Dieses damals neue und sehr moderne Medium wurde von Fotografen aufgegriffen und zu einer neuen Kunstform entwickelt.

Wegbereiter und die Etablierung in Galerien

Zwei amerikanische Fotografen gelten heute als die wichtigsten Pioniere auf dem Weg zur Etablierung der Fotografie als Kunst in Museen und Galerien: Alfred Stieglitz (1864-1946) und Edward Steichen (1879-1973). Sie setzten sich vehement dafür ein, dass Fotografien denselben Stellenwert wie traditionelle Kunstformen wie Malerei und Skulptur erhielten.

Ein entscheidender Meilenstein war die Gründung der Galerie "291" in New York durch Alfred Stieglitz im Jahr 1905. Diese Galerie zeigte nicht nur avantgardistische Malerei und Skulptur, sondern ganz bewusst und gleichberechtigt auch Fotografie. Damit schuf Stieglitz eine Plattform, die half, die Fotografie im Kontext der modernen Kunstwelt zu positionieren und ihre Akzeptanz zu fördern.

Stilistischer Wandel: Vom Piktorialismus zur Neuen Sachlichkeit

Der Zeitgeist nach 1920 brachte eine deutliche Veränderung im Stil der Fotografie mit sich, insbesondere mit einem Fokus auf das Moderne und scharf reproduzierte Bilder. Die Ära der weichgezeichneten, malerisch anmutenden Bilder, oft als Piktorialismus bezeichnet, wurde zunehmend hinter sich gelassen. Stattdessen wandte man sich einem Stil zu, der die Realität präziser und objektiver abbildete.

Dieser Trend manifestierte sich unter anderem in der Landschaftsfotografie, vertreten durch Fotografen wie Edward Weston und Ansel Adams, deren detailreiche Aufnahmen die Schönheit der Natur in scharfen Konturen festhielten. Auch Kunstformen wie der Kubismus beeinflussten die Fotografie stark und führten zu dokumentarischen Ansätzen, wie sie später von Bernd und Hilla Becher in ihrer typologischen Arbeit fortgeführt wurden. Die "Neue Sachlichkeit" wurde zu einer wichtigen Strömung in der Fotografie, die eine klare, ungeschönte Darstellung der Realität anstrebte.

Technischer Fortschritt und neue Anwendungsbereiche

In den frühen 20er Jahren etablierte sich die Fotografie zunächst vor allem in Zeitschriften und Periodika. Das Bild des Fotografen mit schweren Plattenkameras und Blitzpulver war weit verbreitet. Die Einführung des Kleinbildformats (35 mm) revolutionierte jedoch die Fotografie. Sie wurde wesentlich mobiler und ermöglichte neue Arbeitsweisen.

Die Fotografie verlagerte sich aus den Studios der Porträtfotografen zunehmend ins Freie und erschloss sich neue Bereiche wie die Landschafts- und Architekturfotografie. Noch größere Anwendungsfelder fanden sich damals jedoch in der Modefotografie und im Fotojournalismus. Betrachter in Zeitschriften und Periodika sahen in diesen neuen, scharfen und objektiven Widerspiegelungen der Realität eine willkommene Form der Dokumentation und Information.

Infolgedessen wurde die Fotografie von einigen Fotografen nicht mehr nur zur Berichterstattung und Dokumentation genutzt. Sie wurde zunehmend als visuelles Ausdrucksmittel verstanden, mit dem individuelle Sichtweisen und künstlerische Intentionen umgesetzt werden konnten. Dennoch sollte es noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Fotografie jene breite Anerkennung als Kunstform erlangte, die ihr zustand.

Henri Cartier-Bresson und die institutionelle Anerkennung

Ein weiterer entscheidender Akteur auf dem Weg zur Anerkennung war der französische Pionier Henri Cartier-Bresson (1908-2004). Ab 1930 widmete er sich nach einem Studium der Malerei der Fotografie. Wie damals üblich, begann er seine Karriere mit der Dokumentation zahlreicher Reisen.

Wie viele Fotografen legte er größten Wert auf eine möglichst perfekte Bildkomposition. Es ist bekannt, dass Cartier-Bresson stets das gesamte Negativformat nutzte, um Qualitätsverluste zu minimieren. Seine Leica-Kamera nutzte er dabei fast ausschließlich mit dem 50mm Standardobjektiv. Ein bedeutender Höhepunkt seiner Karriere und ein Zeichen der wachsenden institutionellen Anerkennung war eine große Retrospektive im Museum of Modern Art (MoMA) in New York im Jahr 1947, an der er selbst maßgeblich mitarbeitete.

Nicht nur dieser Meilenstein kann als Kunst betrachtet werden. Die Moderne Zeit valorisiert die Fotografien jener Epoche signifikant. Die gut archivierten Negative früherer Meisterfotografen sind nicht öffentlich zugänglich, und die wenigen auf dem Markt verfügbaren Werke sind selten und extrem teuer.

Die digitale Ära und die heutige Debatte

Mit all den Möglichkeiten der heutigen Digitalfotografie, einschließlich der digitalen Bildbearbeitung, ergeben sich nochmals weitaus mehr Möglichkeiten für die kreative Auseinandersetzung im Bereich der Fotografie. Allein der Begriff "Kunst" gibt Fotografen heute so viel Spielraum, wie sie benötigen.

Betrachtet man beispielsweise die weltweit anerkannte Düsseldorfer Fotoschule, so zeigt sich, dass die von den Bechers geprägte Neue Sachlichkeit durch die heutige Kunst der digitalen Bildbearbeitung erweitert werden kann. Allerdings dreht sich die Hauptdiskussion oft darum, was erlaubt ist und was nicht. Traditionalisten sehen in der digitalen Bearbeitung eine Gefahr für das perfekt handwerklich erstellte Kunstwerk, zumindest insoweit, als sie über den Rahmen der digitalen Bildentwicklung hinausgeht. Die heutigen Avantgardisten arbeiten frei von Einschränkungen und kombinieren alle kreativen und technischen Möglichkeiten der Fotografie, die ihnen für ihre Arbeit zur Verfügung stehen. Dabei entstehen oft Ergebnisse, die mit der Objektivität oder der Realität nichts oder nicht mehr viel gemein haben.

Viele Betrachter heutiger Fotokunst sagen lapidar: „Das hätte ich auch gekonnt!“ Objektiv betrachtet ist dies eine sehr vage Aussage. Da heute keine handwerklichen Fähigkeiten mehr nötig sind, um ein Bild zu erstellen, ist es für jedermann möglich, Kunstwerke zu schaffen.

Was macht Fotografie heute zur Kunst?

Wo liegt nun der Schlüssel zum Erfolg? Echte Kunst ist jene, die das Publikum davon überzeugt, dass ein Bild ein Kunstwerk ist. In dieser Hinsicht ist es keine Garantie für Erfolg, lediglich ein ausgebildeter Fotograf zu sein; dies erfordert ein Netzwerk in der Kunstszene und Kuratoren, die einen Künstler als „Künstler“ bezeichnen und den Wert seiner Arbeit bestimmen können. Dies bestimmt natürlich auch die Nachfrage.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Seit dem späten 19. Jahrhundert hat sich die Fotografie zu einer anerkannten Kunstform entwickelt. Auf dieser Grundlage ist der Satz „Kunst kommt von Können“ von größter Bedeutung, wenn man über ihren Inhalt nachdenkt.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wer waren wichtige Pioniere der Fotokunst?

Zu den bedeutendsten frühen Pionieren zählen Alfred Stieglitz und Edward Steichen in den USA sowie später Henri Cartier-Bresson in Frankreich. Auch Bernd und Hilla Becher prägten mit ihrem dokumentarischen Ansatz die "Neue Sachlichkeit".

Wo wurde Fotografie zuerst als Kunst anerkannt?

Die erste Anerkennung als kreativer Ausdruck fand in den USA in Zeitschriften des späten 19. Jahrhunderts statt. Die Etablierung in Galerien und Museen erfolgte maßgeblich durch Alfred Stieglitz Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wie hat sich der Stil der Fotografie als Kunst entwickelt?

Anfangs gab es Tendenzen zu weichgezeichneten, malerischen Bildern (Piktorialismus). Nach 1920 entwickelte sich ein Trend zu scharfen, objektiven Aufnahmen, beeinflusst von modernen Kunstrichtungen wie dem Kubismus und der "Neuen Sachlichkeit".

Welche Rolle spielte die Technologie?

Die Entwicklung vom schweren Plattenkamera zum mobilen Kleinbildformat (35mm) erweiterte die Anwendungsbereiche enorm. Heute bietet die Digitalfotografie und Bildbearbeitung nochmals neue kreative Möglichkeiten, was aber auch Debatten auslöst.

Ist digitale Fotografie heute anerkannte Kunst?

Ja, absolut. Digitale Fotografie und die Bearbeitung sind fester Bestandteil der zeitgenössischen Fotokunst. Die Debatte dreht sich eher darum, inwieweit die Bearbeitung das Werk "verändert" oder "verfälscht" – eine Diskussion zwischen Traditionalisten und Avantgardisten.

Wie wird Fotokunst heute bewertet?

Neben der künstlerischen Vision und technischen Umsetzung spielen heute auch die Anerkennung durch die Kunstszene, Kuratoren und Galeristen eine entscheidende Rolle für den Erfolg und Wert eines Werkes.

Zeittafel zur Entwicklung der Fotokunst

ZeitraumEntwicklungWichtige Akteure/Ereignisse
Spätes 19. Jh.Erste Anerkennung als kreativer Ausdruck in Zeitschriften (USA)-
Frühes 20. Jh.Etablierung in GalerienAlfred Stieglitz (Galerie "291", 1905)
Nach 1920Wandel zu scharfen, objektiven BildernNeue Sachlichkeit, Einfluss Kubismus, E. Weston, A. Adams, B. & H. Becher
Frühe 20er JahreTechnischer Wandel (Kleinbildformat)Erhöhte Mobilität, neue Anwendungsfelder (Mode, Journalismus)
Ab 1930Individuelle künstlerische AnsätzeHenri Cartier-Bresson
1947Große institutionelle AnerkennungMoMA Retrospektive Cartier-Bresson
Moderne ÄraDigitale Möglichkeiten, Neue DebattenDigitale Bildbearbeitung, Rolle von Kuratoren & Kunstszene

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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