In welcher Zeit war die Sintflut?

Die Sintflut: Mythos, Geschichte, Deutungen

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Die Sintflut ist eine der bekanntesten und eindrücklichsten Erzählungen in der Geschichte der Menschheit, die in den Mythen verschiedenster Kulturen der orientalischen Antike, aber auch darüber hinaus, überliefert ist. Sie wird zumeist als eine von Göttern gesandte Flutkatastrophe beschrieben, die das Ziel hatte, die gesamte Menschheit und die Landtiere zu vernichten. Nur wenige, als besonders gottesfürchtig oder auserwählt geltende Personen entkommen der Vernichtung. Die Gründe für diese gewaltige Flut werden oft im Zorn der Gottheit oder der Götter über die Verfehlungen und die Bosheit der Menschheit gesehen.

Der Begriff „Sintflut“ selbst hat eine interessante sprachliche Herkunft. Er stammt aus dem Mittelhochdeutschen sin(t)vluot und dem Althochdeutschen sin(t)fluot, was schlicht „umfassende Überschwemmung“ bedeutet. Die germanische Vorsilbe sin- trägt die Bedeutung von „immerwährend, andauernd, umfassend, groß“. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde die Vorsilbe volksetymologisch mit dem Wort „Sünde“ in Verbindung gebracht, was zur Schreibweise „Sündflut“ führte, die bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich war. Die englische Bezeichnung great flood oder deluge sowie die spanische diluvio universal und italienische diluvio universale leiten sich vom französischen déluge ab. Das hebräische Wort מַבּוּל mabūl, das für die Sintflut verwendet wird, bezeichnet die himmlischen Wasserkrüge und leitet sich von einer Wurzel ab, die „anfeuchten, vermengen, verwirren“ bedeutet, möglicherweise in Bezug auf das „Schwitzen“ eines porösen Kruges oder als Wortspiel mit dem Namen der Stadt Babel und der dortigen Sprachverwirrung.

Wann war die Sintflut in Arche Noah?
Die große Flut kam 6300 vor Christus. Wissenschaftler sind sich sicher, Noahs Sintflut auf 50 Jahre genau bestimmen zu können.

Altorientalische Sintflutberichte

Eine der ältesten schriftlichen Erwähnungen einer Sintflut findet sich in der sumerischen Königsliste, die Herrscher vor und nach der Flut auflistet. Die älteste zusammenhängende schriftliche Überlieferung dieser Sage ist jedoch das Atraḫasis-Epos aus dem 19. Jahrhundert v. Chr. Teile dieser Erzählung wurden später in das bekanntere Gilgamesch-Epos übernommen.

Im Atraḫasis-Epos wird berichtet, wie Ziusudra (im Gilgamesch-Epos Uta-napišti genannt) von dem Erdgott Enki vor der bevorstehenden Flut gewarnt wird. Er wird angewiesen, ein Boot zu bauen, um sich, seine Familie und ausgewählte Tiere zu retten. Diese Erzählung enthält bereits viele Details, die später auch in der biblischen Geschichte auftauchen, wie die göttliche Vorwarnung, der Bau des Bootes und das Dankopfer nach der Rettung. Auch die Aussendung von Vögeln am Ende der Flut wird hier beschrieben. Der Berg, auf dem das Boot strandet, wird im Gilgamesch-Epos als Nisir (Berg Nimuš) benannt.

Ein wesentlicher Unterschied zur biblischen Version liegt in der Begründung der Flut und der Rettung. Im Atraḫasis-Epos sind diese auf zwei unterschiedliche Götter aufgeteilt: Der launische Windgott Enlil ist für die Vernichtung verantwortlich, während der weise Enki die Rettung des Helden Atraḫasis initiiert. Da die Bibel einen monotheistischen Glauben vertritt, muss der eine Gott das Ringen zwischen Vernichtungswille und Erhaltungswille in sich selbst austragen. Am Ende des biblischen Berichts beschließt Gott, die Menschheit nicht nochmals durch eine Flut zu bestrafen, obwohl die Sünde fortbesteht.

Die biblische Sintflut

Der bekannteste Bericht über die Sintflut stammt aus dem Alten Testament der Bibel, genauer aus dem Buch Genesis. Hier wird der gottesfürchtige Noah (hebräisch: Noach) von Gott vor der bevorstehenden Katastrophe gewarnt. Er erhält den Auftrag, ein großes kastenförmiges Schiff, die Arche Noah, zu bauen. Diese Arche sollte ihm, seiner Familie (seiner Frau, seinen drei Söhnen Sem, Ham und Jafet sowie deren Ehefrauen) und vielen Landtieren das Überleben ermöglichen.

Der biblische Bericht beschreibt die Flut in mehreren Phasen. In Noahs 600. Lebensjahr begann die Flut am 17. Tage des zweiten Monats. 40 Tage lang regnete es ununterbrochen, und die Wasser schwollen an. Nach insgesamt 150 Tagen des Anschwellens begann das Wasser allmählich abzunehmen. Am 17. Tag des siebenten Monats setzte die Arche im Gebirge Ararat auf. Erst am 1. Tag des zehnten Monats wurden die ersten Berggipfel wieder sichtbar. Um den Zustand der Erde zu prüfen, öffnete Noah am 11. Tag des elften Monats ein Fenster und ließ einen Raben fliegen, der aus- und einflog, bis das Wasser vertrocknet war. Später sandte er eine Taube aus. Die Rückkehr einer Taube mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel (Gen 8,11 EU) signalisierte, dass das Wasser deutlich zurückgegangen und neues Leben möglich war. In Noahs 601. Lebensjahr, am 1. Tag des ersten Monats, hatte sich das Wasser verlaufen. Noah und seine Familie verließen die Arche schließlich am 27. Tag des zweiten Monats.

Die Arche landete auf den „Bergen Ararat“. Vom Gebirge Ararat aus breitete sich das Leben nach biblischer Erzählung wieder über die Erde aus. Im Anschluss an die Flut schloss Gott einen neuen Bund mit den Menschen und Tieren, mit dem Gelübde, nie wieder eine solche Flut zur Vernichtung der Erde zu senden. Das Zeichen dieses Bundes ist der Regenbogen.

Die biblische Version weist, wie erwähnt, wesentliche Parallelen zum älteren Atraḫasis-Epos auf, was darauf hindeuten könnte, dass sie auf der sumerisch-akkadischen Tradition aufbaut.

Schon in der Antike suchte man nach Belegen für eine solche globale Flut. Eusebius von Caesarea führte in seiner Chronik Fossilien von Fischen an, die in den Höhen des Libanongebirges gefunden wurden. Da er die Gebirgsbildung noch nicht kannte, konnte er sich das Vorhandensein dieser Fossilien in so großer Höhe nur durch eine weltweite Flut erklären, die einst die höchsten Berge bedeckt hatte.

Darstellung in den Apokryphen

Auch in Schriften außerhalb des biblischen Kanons wird die Sintflut thematisiert. Im äthiopischen Henochbuch, das im Judasbrief des Neuen Testaments erwähnt und auch in den Rollen von Qumran gefunden wurde, wird die Sintflut als göttliche Reaktion auf die Rebellion der „Wächterengel“ unter Azazel gedeutet. Diese Engel hatten den Menschen verbotene Künste gelehrt und sich mit menschlichen Frauen vermischt. Während die rebellischen Engel bestraft wurden, musste der durch ihren Samen verdorbene Teil der Menschheit durch die Flut ausgelöscht werden.

Eine jüngere apokryphe Tradition, wie sie im Orientalischen Adamsbuch und in der Syrischen Schatzhöhle überliefert ist, sieht die Ursache der Flut in der zunehmenden Sündhaftigkeit der Nachkommen Kains und der meisten Nachkommen Seths. Die Flut wird hier als eine Art Reinigung von dieser Sünde verstanden.

Sintflutsagen in anderen Kulturen

Neben den mesopotamischen und biblischen Berichten gibt es zahlreiche weitere Sintflutsagen weltweit. Die griechische Mythologie kennt den Deukalion-Mythos, der ebenfalls von einer großen Flut und dem Überleben eines Paares in einem Kasten berichtet. Auch in der indischen Mythologie gibt es ähnliche Erzählungen, die aufgrund der geografischen Nähe als Teil desselben Überlieferungsstrangs aus dem Zweistromland gedeutet werden könnten.

Was kam vor der Sintflut?
Noah wurde laut der biblischen Erzählung von Gott erwählt und vor einer großen Flut gewarnt. Er erhielt den Auftrag, eine Arche zu bauen, um damit sich und seine Familie, bestehend aus acht Personen, und die Landtiere vor der Flut zu retten. Zum Bau der Arche erhielt er genaue Angaben (Gen 6,14–16).

Interessanterweise fehlen klassische Sintflutmythen weitgehend in Afrika. Manche Forscher vermuten, dass periodische Überflutungen wie die Nilschwemme keine Vorstellung eines einmaligen, weltweiten Flutereignisses hervorbrachten.

Von Neuguinea und den Südseeinseln sind ebenfalls Flutmythen bekannt, die als vorchristlich gelten. Der Schöpfungsmythos der Fayu beispielsweise verbindet das mythische Ahnenpaar mit einer Flut.

Im 7. Jahrhundert n. Chr. entstand eine Legende eines Pseudo-Methodius, die auf der biblischen Sintflut basiert und in russischer Übersetzung in Osteuropa und Sibirien verbreitet wurde. Sie enthält Elemente wie Noah, die Arche und den Teufel, angereichert um Motive wie den störrischen Esel, durch den der Teufel in die Arche gelangt sein soll. In nordasiatischen Sagen wird der Held oft als Noj oder Nama bezeichnet, abgeleitet vom biblischen Noah. Seine Frau wird dabei oft als böse und mit dem Teufel verbündet dargestellt.

In einigen nordasiatischen Erzählungen erscheint der Sintflut-Held nicht nur als Stammvater der heutigen Menschheit, sondern sogar als göttlicher Weltenschöpfer. Die Flut kann hier beispielsweise durch die Bewegung einer Schildkröte im Urozean ausgelöst werden. Nach der Flut erschafft der Held, manchmal „gnädiger Fürst“ genannt, die Welt neu. Diese Vergöttlichung lässt sich nicht aus der Bibel herleiten, sondern wird mit dem altiranischen Helden Yima oder Dschamschid in Verbindung gebracht.

Strukturell verwandt mit der Sintflut sind Mythen vom Weltuntergang durch extreme Kälte oder Brandkatastrophen, die ebenfalls eine Reinigung der Erde von teuflischen Einflüssen und die Entstehung einer neuen, besseren Welt zum Ziel haben.

Verschiedene Deutungen und Bezüge

Die biblische Sintflut wurde auf vielfältige Weise gedeutet und in Beziehung zu anderen biblischen oder mythologischen Konzepten gesetzt. In der ersten biblischen Schöpfungserzählung (Gen 1) werden am zweiten Tag die oberen und unteren Wasser geschieden, um Raum für das Leben zu schaffen. Die Sintflut (mabul) wird in diesem Kontext als Aufhebung dieser Scheidung gesehen, die das individuelle Leben vernichtet. Das hebräische Wort Tewa, das für die Arche Noah verwendet wird, bedeutet auch „Wort“ oder „Kasten“, was eine Verbindung zum Wort Gottes oder zu Moses’ Kästchen im Nil (Ex 2) herstellt. Im Glauben an das Wort Gottes als Weg zur Gerechtigkeit (Noah wird als der „Gerechte“ bezeichnet) liegt die Hoffnung auf Errettung. Der Bund mit dem Zeichen des Regenbogens symbolisiert die Verbindung von Himmel und Erde. Kabbalistische Deutungen sehen im Regenbogen eine Symbolik der göttlichen Potenzen, insbesondere der zeugenden Kraft der 9. Sefira, die mit Josef von Ägypten und dem Zeichen der Beschneidung in Verbindung gebracht wird.

In der christlichen Deutung gilt Josef von Ägypten als Typos für Christus, den Neuen Adam. Die Rückkehr der Taube mit dem Olivenzweig wird als Zeichen des Friedens zwischen Gott und der Schöpfung verstanden, was Taube und Olivenzweig zu Friedenssymbolen machte.

Einige Forscher wie Hans-Peter Müller sehen im Sintflut-Mythos einen „Antimythos“ zu den Schöpfungsmythen. Während Schöpfungsmythen die Anwesenheit des Menschen erklären, versuchen Zerstörungsmythen, Gefahren für diese Anwesenheit zu bannen. Im polytheistischen babylonischen Mythos liegen die Ursachen der Flut in Götterstreitigkeiten, während im monotheistischen Judentum die Schuld dem Menschen zugeschrieben werden muss. Müller kritisiert dabei die Unverhältnismäßigkeit der Strafe für die menschliche Schuld in beiden Fällen.

Im Neuen Testament (1 Petr 3,20f; 2 Petr 2,4f) und bei den Kirchenvätern wird die Sintflut oft als Sinnbild der Taufe verstanden. Die Taufsymbolik von Tod und Auferstehung oder Neuschöpfung wird in der Zahl der geretteten Personen (acht: Noah und seine Familie) gesehen. Der achte Tag, nach der siebentägigen Schöpfung, gilt als der Tag der Auferstehung Christi und des Messias, weshalb Taufbecken oft achteckig gebaut wurden.

Theologische Deutung

In der dispensationalistischen Theologie wird die vorsintflutliche Zeit als Periode der ungehemmten Autonomie des Menschen interpretiert, die nach dem Sündenfall begann. Der Mensch besaß langes Leben und Gewissen als moralische Instanz, um zu Gott zurückzufinden. Doch die Sünde (wie bei Kain) und die Vermischung der Linien (Seth und Kain) führten zu extremer Bosheit und Gewalt, sodass nur noch Noah am Glauben festhielt. Die Flut war Gottes Gericht über diesen Zustand.

Nach der Flut wurde der Noahbund (Gen 9 EU) geschlossen, der neue Bedingungen festlegte: kürzeres Leben und beschnittene Autonomie durch die Bildung von Völkern mit gesellschaftlichen Strukturen und Gesetzen. Die Sprachenverwirrung in Babel (Gen 11) besiegelte diese Bedingung und verhinderte die Errichtung einer einzigen Weltherrschaft. Die Völker sollten in moralischer Konkurrenz zueinander stehen. Der Noahbund bildet den Rahmen für die folgenden Heilszeiten, die über Abraham, Mose und Christus letztlich zur Wiederherstellung des Paradieses führen sollen.

Wie viele Tage schwamm die Arche auf dem Wasser der Sintflut?
Mose/Genesis 7,1–8,12 schwamm die Arche 40 Tage auf dem Wasser der Sintflut, bevor sie auf dem Gipfel des Berges Ararat aufsetzte (dort »ruhte«).

Im Judentum

Das Judentum befasst sich mit der Frage, warum ein gütiger Gott die Sintflut zuließ. Der Raschi-Kommentar erklärt dies mit dem Ausmaß der menschlichen Verbrechen und der Bosheit, insbesondere der massiven Gewalt, des Raubes und der Vergewaltigungen („Sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten“). „Alles Trachten ihres Herzens war die ganze Zeit nur böse“ und „Die Erde war voller Gewalttat“ (Gen 6,5.11) beschreiben den Zustand. Rabbi Jochanan betont die schreckliche Macht der Gewalt, die das Schicksal der Generation besiegelte. Der Midrasch sieht Gewalt als korrumpierende Kraft, die eine Barriere zwischen Mensch und Schöpfer darstellt. Da die Menschheit unrettbar verdorben war, war ein Neuanfang mit einem aus einem Gerechten (Noah) hervorgegangenen Geschlecht notwendig.

Im Christentum

Im Neuen Testament dient die Sintflut im Lukasevangelium (17,27) und bei Matthäus (24,38) als Gleichnis für das plötzliche und unerwartete Kommen des Menschensohnes. Die Menschen lebten arglos, „aßen, tranken, freiten, ließen sich freien“, bis die Flut kam und sie alle umbrachte.

Martin Luther hielt an der Historizität der Fluterzählung fest. Er sah sie als Gottes gerechte Strafe für den Abfall von Gott, der sich durch „Mischehen“ zwischen den Nachkommen Seths („wahre Kirche“) und denen Kains (Ungläubige) äußerte (Gen 6,2). Er lehnte die Deutung von Gen 6,2 auf Dämonen oder Engelwesen ab und verstand „Söhne Gottes“ als die Gläubigen. Für Luther war die Flut ein Ruf zum Glauben an Christus angesichts des kommenden Weltgerichts und zur Umkehr von der Selbstliebe. Noah, der „Prediger der Gerechtigkeit“, war für ihn ein Prototyp der Propheten, die zum Glauben aufrufen, aber oft verspottet werden.

Evangelikale Gruppen sehen die Flut als historisches Ereignis. Anhänger einer jungen Erde glauben, dass Schichtgesteine und Fossilien durch die Flut entstanden sind und daher zeitlich nach der Erschaffung des Menschen anzusetzen sind. Kreationisten wie Reinhard Junker argumentieren, dass die heutige Artenvielfalt durch Mikroevolution aus wenigen „Grundformen“ nach der Flut entstanden sein könnte, was das Problem des Platzes in der Arche löst.

Datierung der biblischen Sintflut

Christliche Geschichtsschreiber haben auf Grundlage alttestamentlicher Angaben versucht, die biblische Sintflut zu datieren. Die Schätzungen variieren stark, meist zwischen 2578 v. Chr. und 2282 v. Chr. Es gibt auch ältere Datierungen, wie 3268 v. Chr. im „Buch der Sothis“. Der irische Theologe James Ussher berechnete im 17. Jahrhundert anhand von Bibelstellen das Jahr 2501 v. Chr. als Zeitpunkt der Sintflut.

Korrelation mit vermuteten Überschwemmungskatastrophen

In der Wissenschaft wurden verschiedene Theorien entwickelt, um mögliche reale Ereignisse zu identifizieren, die als Grundlage für die Sintflut-Mythen gedient haben könnten. Dabei tritt oft das Phänomen der dramatischen Überhöhung in mythologischen Erzählungen auf, bei dem lokale oder regionale Ereignisse zu globalen Katastrophen stilisiert werden.

Früher wurde angenommen, mesopotamische Flutmythen gingen auf traumatische Erfahrungen mit lokalen Schwemmfluten von Euphrat und Tigris zurück. Archäologische Untersuchungen stützen diese Theorie inzwischen weniger. Neuere Forschungen im Roten Meer belegen eine lange Feuchteperiode im Mittelmeerraum vor 9.000 bis 6.500 Jahren mit monsunartigen Überflutungen, aber ein direkter Bezug zu einer Flutgeschichte wurde nicht hergestellt.

Zwischen 13.000 und 9.000 v. Chr. ereigneten sich am Ende der letzten Eiszeit und zu Beginn des Holozäns in Zentralasien und Nordeuropa kontinentale Megafluten durch das Brechen von Eisstauseen. Der Meeresspiegel lag damals weltweit 100–150 Meter niedriger als heute.

Ein weiterer Erklärungsversuch brachte die Sintflut mit der Minoischen Eruption auf Santorin (ca. 1625–1530 v. Chr.) und einem nachfolgenden Tsunami in Verbindung. Chronologische Diskrepanzen (babylonische Epen sind älter) und archäologische Befunde konnten diese Theorie jedoch nicht bestätigen.

Meteoriteneinschläge wurden ebenfalls als mögliche Ursachen diskutiert. Der Wabar-Meteorit in Saudi-Arabien wurde zunächst auf ca. 4000 v. Chr. oder 1500 v. Chr. datiert und mit einer möglichen Flutwelle in Verbindung gebracht. Aktuelle Untersuchungen ergaben jedoch ein Alter von nur 300 bis 500 Jahren. Ein anderer Krater, Jabal Waqf es Swwan in Jordanien, wurde nach seiner Entdeckung zunächst auf unter 10.000 Jahre geschätzt, was zu Spekulationen über eine Verbindung zur Sintflut führte. Neuere Untersuchungen datieren ihn jedoch ins Eozän, also vor 56 bis 37 Millionen Jahren.

Otto H. Muck entwickelte eine Theorie, nach der ein Asteroideneinschlag im Atlantik vor ca. 8498 v. Chr. zum Untergang von Atlantis und gewaltigen Flutwellen führte, die die Sintflut-Mythen erklärten. Diese Datierung basiert auf dem Nulljahr des Maya-Kalenders, dessen Beginn nach aktueller Forschung aber auf 3114 v. Chr. datiert wird. Alexander Tollmann postulierte in seinem Buch „Und die Sintflut gab es doch“ (1993) einen Kometeneinschlag vor 9545 v. Chr. als Ursache für eine weltweite Katastrophe (Impakt, Beben, Brand, Tsunami, Impaktwinter), die mit Mythen korreliere. Seine Arbeit wurde wegen Grenzüberschreitungen zur Naturwissenschaft und selektiver Quellenauswertung kritisiert.

In welcher Zeit war die Sintflut?
Christliche Geschichtsschreiber datierten die Sintflut auf Grundlage der alttestamentlichen Angaben sehr unterschiedlich, meist zwischen 2578 v. Chr. und 2282 v. Chr.

Durch See- oder Erdbeben ausgelöste Tsunamis sind im östlichen Mittelmeerraum häufig. Ein schweres Erdbeben im Jahr 365 n. Chr. verursachte Tsunamis, die an flachen Küsten Zerstörung brachten. Ein Erdrutsch am Ätna vor rund 8000 Jahren wird ebenfalls als möglicher Auslöser eines Tsunamis genannt, der in Überlieferungen als Flut gedeutet wurde. Aufgrund der Häufigkeit solcher Ereignisse bleiben diese Vermutungen jedoch Spekulationen für die universelle Sintflut-Erzählung.

Eine der bekanntesten wissenschaftlichen Theorien, die versucht, einen konkreten Bezug herzustellen, ist die des Wassereinbruchs in das Schwarze Meer. Die Marinegeologen Walter Pitman und William Ryan publizierten 1997 die Theorie, dass nach dem Ende der letzten Eiszeit der weltweit ansteigende Meeresspiegel des Mittelmeers vor etwa 7.000 Jahren v. Chr. das Niveau des Bosporus erreichte und den dortigen natürlichen Damm zum Schwarzen Meer überflutete. Innerhalb kurzer Zeit soll der Wasserspiegel des Schwarzen Meeres um etwa 150 Meter gestiegen sein, was besiedelte Gebiete überschwemmte. Mark Siddall simulierte dieses Szenario und sagte einen „Jet-Stream“ voraus, der einen tiefen Graben in den Meeresboden pflügte, was William Ryan mit Echoloten bestätigte.

Funde von Süßwassermuscheln unter Salzwasserablagerungen im Schwarzen Meer, datiert mit der Radiokarbonmethode, stützen die Theorie, dass das Schwarze Meer einst ein Süßwassersee war, der abrupt zum Salzwassermeer wurde. Petko Dimitrov (Bulgarien) und Yossi Mart (Israel) sehen darin Belege für eine abrupte Überflutung. Siedlungsfunde im heutigen Küstenbereich in Rumänien deuten darauf hin, dass Bewohner tiefer gelegener Gebiete fliehen mussten. Chris Turney und Heidi Brown datierten dieses Ereignis anhand von Muschel- und Schneckenschalen sehr genau auf 6300 v. Chr. plus/minus 50 Jahre. Sie berechneten, dass der Wassereinstrom 34 Jahre lang anhielt und 73.000 Quadratkilometer Land überflutete, mit einem täglichen Wasseranstieg von 15 Zentimetern. Dies könnte nach Ansicht einiger Wissenschaftler den realen Hintergrund für die biblische Sintflut darstellen, obwohl dieser Zusammenhang unter Wissenschaftlern stark umstritten ist.

Andere Forschungsergebnisse widersprechen der These von Pitman und Ryan. Teofilo Abrajano vertrat 2002 die Ansicht, dass Süßwasser aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer floss, nicht umgekehrt. Vielfältige Befunde legen nahe, dass eine katastrophenartige Flutung des Schwarzen Meeres aus dem Mittelmeer in den letzten 30.000 Jahren unwahrscheinlich ist. Selbst Befürworter eines plötzlichen Salzwassereinbruchs zweifeln, dass dieses Ereignis die Grundlage für die viel später verschriftlichten Sintflutgeschichten bildete. Bohrkerne von 2007 zeigen, dass das Schwarze Meer schon vor 130.000 Jahren salzig war und vor 115.000 bis 10.000 Jahren wieder ein Süßwassersee. Überflutungen gab es also mehrfach, aber die Geschwindigkeit ist unklar. Eine Untersuchung im Donaudelta deutet auf einen Salzwassereinbruch vor etwa 7500 v. Chr. hin, der aber einen lokalen Anstieg von nur fünf Metern über mehrere Jahrzehnte verursachte, was deutlich weniger ist als für die Katastrophentheorie angenommen.

Die Arche wörtlich verstehen?

Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften stellte sich die Frage, ob die Geschichte der Arche Noah wörtlich zu verstehen sei. Im 15. Jahrhundert beschrieb Bischof Alonso Tostando detailliert das Innenleben der Arche, inklusive Kotentsorgung und Luftzirkulation. Johannes Buteo berechnete im 16. Jahrhundert die Maße und den notwendigen Platz. Im 17. Jahrhundert musste die wörtliche Interpretation mit den Entdeckungen neuer Kontinente und Tierarten in Einklang gebracht werden. Die Frage, wie Tiere von einem einzigen Landepunkt aus die ganze Erde neu besiedelten, führte zu Theorien, dass Völker ihre Tiere nach der Sprachenverwirrung in Babel mitnahmen – was seltsame Konsequenzen hatte, wie Sir Thomas Browne bemerkte („Weshalb nahmen denn die Eingeborenen Nordamerikas Klapperschlangen mit, und keine Pferde?“).

Bibelgelehrte wie Justus Lipsius und Athanasius Kircher untersuchten die Geschichte detailliert, um Bibel und Wissenschaft zu vereinen, und gaben so indirekt Impulse für die Biogeografie. Theorien über unterschiedliche Klimazonen auf dem Berg Ararat, von dem die Tiere dann in ihre heutigen Lebensräume flohen, wurden entwickelt. Das Problem der stetig wachsenden Zahl bekannter Tierarten (Anfang des 21. Jahrhunderts über eine Million) machte eine wörtliche Interpretation zunehmend schwierig. Kreationisten wie Reinhard Junker halten dies für lösbar, indem sie postulieren, dass sich die heutige Artenvielfalt durch Mikroevolution aus wenigen „Grundformen“ innerhalb kurzer Zeit entwickelt hat.

Häufig gestellte Fragen zur Sintflut

Wie lange schwamm die Arche auf dem Wasser der Sintflut?

Die Arche Noah schwamm nach dem biblischen Bericht in 1. Mose/Genesis 7,1–8,12 40 Tage auf dem Wasser der Sintflut, bevor das Wasser zu sinken begann und sie auf dem Berg Ararat aufsetzte („ruhte“). Die gesamte Flut dauerte jedoch ein Kalenderjahr und 10 Tage, bis Noah und seine Familie die Arche verlassen konnten.

In welcher Zeit war die Sintflut?

Die Datierung der Sintflut hängt stark von der Quelle ab. Christliche Geschichtsschreiber haben die biblische Flut auf Grundlage alttestamentlicher Angaben meist auf den Zeitraum zwischen 2578 v. Chr. und 2282 v. Chr. datiert, mit einigen Schätzungen bis zurück zu 3268 v. Chr. und James Usshers Berechnung von 2501 v. Chr. Wissenschaftliche Theorien, die reale Ereignisse als mögliche Grundlage diskutieren, wie der Wassereinbruch ins Schwarze Meer, datieren solche Ereignisse in deutlich ältere Zeiträume, beispielsweise auf 6300 v. Chr. plus/minus 50 Jahre, wobei dieser Zusammenhang unter Wissenschaftlern stark umstritten ist und andere Befunde andere Zeitpunkte oder Verläufe nahelegen.

Was kam vor der Sintflut?

Nach den mythologischen Erzählungen, insbesondere der biblischen und apokryphen Berichte, war die Zeit vor der Sintflut von großer menschlicher Bosheit, Sünde und Gewalt geprägt. Die Bibel spricht davon, dass „alles Trachten ihres Herzens die ganze Zeit nur böse“ war und „die Erde voller Gewalttat“ war. Einige apokryphe Texte nennen auch die Rebellion von Engeln und ihre Vermischung mit den Menschen als Ursache für die Verderbtheit.

Die Sintflut bleibt eine kraftvolle Erzählung, die tief in den kulturellen und religiösen Überlieferungen der Menschheit verwurzelt ist. Sie wirft Fragen nach Gerechtigkeit, Sünde, Rettung und dem Verhältnis zwischen Göttern/Gott und den Menschen auf. Die Suche nach möglichen realen Bezügen in der Erdgeschichte zeigt das fortwährende Bestreben, Mythos und Realität zu verbinden, auch wenn definitive wissenschaftliche Beweise für ein einziges, die gesamte Erde bedeckendes Ereignis, wie es in den umfassendsten Mythen beschrieben wird, nicht gefunden wurden.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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