Gletscher sind mächtige Kräfte, die Landschaften über Jahrtausende formen. Sie schieben Gestein und Sedimente vor sich her und hinterlassen nach ihrem Rückzug einzigartige Spuren. Eine dieser faszinierenden Hinterlassenschaften sind die sogenannten Kames, unregelmäßige Hügel, die Zeugnis von der Dynamik des schmelzenden Eises ablegen.

Was genau sind Kames?
Ein Kame, manchmal auch als „Knob“ bezeichnet, ist eine glaziale Landform. Es handelt sich um einen unregelmäßig geformten Hügel oder eine Bodenerhebung, die hauptsächlich aus Sand, Kies und Geschiebemergel besteht. Dieses Material sammelt sich typischerweise in Vertiefungen auf einem sich zurückziehenden Gletscher an und wird dann, wenn der Gletscher weiter schmilzt, auf der darunter liegenden Landoberfläche abgelagert. Kames treten oft gemeinsam mit sogenannten Kesseln auf, was zu einer charakteristischen „Kame-and-Kettle“- oder „Knob-and-Kettle“-Topographie führt, einer Landschaft, die von Hügeln und kleinen, rundlichen Senken (oft von Seen gefüllt) geprägt ist.
Das Wort „kame“ selbst hat interessante Wurzeln. Es ist eine Variante des Wortes „comb“ (Kamm), und im Alt-Schottischen bedeutete „kame“ oder „kaim“ ebenfalls „Kamm“ oder „Grat“. Dieser geologische Begriff wurde erstmals 1874 von Thomas Jamieson in die Wissenschaft eingeführt.
Die Entstehung von Kames durch Schmelzwasser
Kames sind eng mit den Schmelzwasserströmen verbunden, die während des Rückzugs eines Gletschers entstehen. Wenn das Gletschereis schmilzt, transportieren die daraus resultierenden Wasserläufe Sand und Kies, die vom Eis aufgenommen wurden. Die Bildung eines Kames findet statt, wenn diese Schmelzwasserströme eine plötzliche Verringerung ihrer Fließgeschwindigkeit erfahren. Dies kann beispielsweise geschehen, wenn das Wasser aus einem Tunnel unter dem Eis austritt oder wenn es am Rand des Gletschers auf ebenes Gelände trifft. An solchen Stellen wird die mitgeführte Last aus Sand und Kies abgelagert und türmt sich zu einem Hügel auf.
Ein besonderer Fall tritt auf, wenn die Ablagerung direkt am Rand des Gletschereises erfolgt. In diesem Szenario bildet sich der Sedimenthügel direkt am Eis. Wenn das Eis schließlich schmilzt, rutscht das dagegen abgelagerte Sediment ab und hinterlässt an dieser Seite einen steilen, sogenannten Eiskontakthang. Solche asymmetrischen Hügel sind für Geologen sehr aufschlussreich, da sie anzeigen, auf welcher Seite das Eis stand, als der Kame entstand. Dies wiederum gibt wertvolle Hinweise auf die Richtung des Eisflusses während der letzten Phase der Eiszeit.
Materialzusammensetzung und Beschaffenheit
Die Materialien, aus denen ein Kame besteht, können sehr unterschiedlich sein. Laut White wurden Kames durch Schmelzwasser geformt, das mehr oder weniger ausgewaschenes Material an unregelmäßigen Stellen in und entlang des schmelzenden Eises ablagerte. An manchen Stellen ist das Material sehr gut ausgewaschen und geschichtet, was auf eine starke Sortierung durch das Wasser hinweist. An anderen Stellen ist es weniger gut ausgewaschen und kann Einschlüsse von Geschiebemergel enthalten, der vom Eis abfiel, aber bedeckt wurde, bevor er vollständig vom Wasser bearbeitet werden konnte. Folglich ist der Kies in Kames oft sehr variabel in seiner Korngröße, von feinem Sand bis hin zu grobem Kies und sogar Geröllen und Blöcken.
Spezifische Formen von Kames: Kame-Deltas und Kame-Terrassen
Neben den klassischen unregelmäßigen Hügeln gibt es weitere spezifische Formen von Kames, die ebenfalls durch Schmelzwasseraktivität im Zusammenhang mit schmelzendem Eis entstehen:
- Kame-Deltas: Wenn Schmelzwasserströme Sedimente in glaziale Seen transportieren, die sich auf dem Eis gebildet haben, können sie dort Deltas aufbauen. Diese Deltas, die auf dem Eiskörper liegen, werden als Kame-Deltas bezeichnet. Mit dem fortschreitenden Schmelzen des Gletschers kollabiert das Kame-Delta schließlich auf die darunter liegende Landoberfläche. Dieser Kollaps trägt ebenfalls zur Entstehung der charakteristischen „Kame-and-Kettle“-Topographie bei, da die Oberfläche uneben wird und Senken entstehen.
- Kame-Terrassen: Kame-Terrassen findet man häufig entlang der Seiten von Gletschertälern. Es handelt sich um geschichtete Ablagerungen von Schmelzwasserströmen, die zwischen dem Gletschereis und der angrenzenden Talwand flossen. Diese Kame-Terrassen sehen oft aus wie lange, flache Bänke oder Absätze entlang des Talhangs. Ihre Oberfläche kann viele Gruben aufweisen, die durch Kessel entstanden sind, als Eisblöcke, die in die Terrasse eingebettet waren, schmolzen. Kame-Terrassen neigen dazu, talwärts mit einem Gefälle abzudellen, das dem Gefälle der Gletscheroberfläche ähnelt, entlang derer sie sich gebildet haben. Manchmal findet man sie paarweise auf gegenüberliegenden Seiten eines Tals.
Kames im Vergleich zu anderen Gletscherformen: Drumlins
Kames werden manchmal mit Drumlins verglichen, aber ihre Entstehung und Beschaffenheit sind grundlegend unterschiedlich:
- Entstehung: Kames werden primär durch Schmelzwasser geformt, das Sedimente ablagert. Drumlins hingegen werden direkt durch das Gletschereis geformt, das Material ablagert und überformt.
- Form: Kames haben eine sehr unregelmäßige Form. Drumlins haben eine eher regelmäßige, stromlinienförmige Form, die an einen umgedrehten Löffel erinnert.
- Material: Kames bestehen typischerweise aus Sand, Kies und Geschiebemergel, oft gut sortiert oder geschichtet durch Wasser. Drumlins bestehen aus feinkörnigerem Material wie Ton oder Schluff und Geschiebemergel, das vom Eis „aufgeschmiert“ wurde.
- Struktur: Die innere Struktur von Kames ist oft geschichtet und weist die Sortierung durch Wasser auf. Drumlins haben in der Regel konzentrische Schichten aus Material, das das Eis nacheinander während seiner Bewegung abgelagert hat.
Beispiele für Kames
Überall auf der Welt, wo Gletscher aktiv waren und sich zurückgezogen haben, kann man Kames finden. Lokale Beispiele für Kames, die in der Region westlich von Waterloo, Kanada, zu finden sind, umfassen markante Erhebungen wie Chicopee, Beechwood Hill, Doon Pinnacle und die Baden Hills. Eine ganze Reihe von Kames erstreckt sich sogar von Amulree bis Josephsburg, westlich von Waterloo.
Praktische Bedeutung von Kames
Abgesehen von ihrer geologischen Bedeutung als Indikatoren für vergangene Eiszeiten und Schmelzwasserprozesse, haben Kames auch eine praktische Bedeutung. Aufgrund ihres Aufbaus aus Sand und Kies werden Kames oft als Quelle für diese Materialien für Bauzwecke abgebaut.
Ein Blick auf den Lambertgletscher - Der größte Gletscher der Erde
Während Kames faszinierende Relikte schmelzender Gletscher sind, lohnt sich auch ein Blick auf aktive, riesige Eismassen, wie den Lambertgletscher in der Antarktis. Ursprünglich als Baker-3-Gletscher bekannt, ist der Lambertgletscher heute als der längste und größte Gletscher der Erde anerkannt. Mit einer beeindruckenden Länge von 420 km und einer Breite, die im Binnenland zwischen 90 km und 130 km variiert, ist er eine Eismasse von gigantischem Ausmaß.
Dieser Eisstrom befindet sich in Ostantarktika. Er fließt von der zentralen, kuppelartigen Hochebene Antarktikas, dem sogenannten Polarplateau oder dem Amerikanischen Hochland, vorbei an den Prince Charles Mountains im Westen und dem Prinzessin-Elisabeth-Land im Osten. Seine Reise endet an der Küste des Kontinents, wo er in das Amery-Schelfeis mündet.

Das Einzugsgebiet des Lambertgletschers ist enorm und umfasst etwa 10 Prozent des gesamten Eisschildes der Antarktis. An seiner Mündung in das eisige Südpolarmeer ist der Gletscher etwa 210 km breit. Hier bewegt sich das Eis mit einer Geschwindigkeit von etwa 750 m bis 1000 m pro Jahr in Richtung Meer.
Die Erforschung des Lambertgletschers begann unter anderem mit Luftaufnahmen während der US-amerikanischen Operation Highjump (1946–1947). Diese Aufnahmen dienten dem US-amerikanischen Kartografen John H. Roscoe für eine erste Kartierung. Australische Kartografen führten 1956 eine erneute Kartierung durch. Der Gletscher wurde 1957 vom Antarctic Names Committee of Australia nach dem australischen Geodäten Bruce Phillip Lambert benannt.
Häufig gestellte Fragen zu Kames und Gletschern
Was ist ein Kame?
Ein Kame ist ein unregelmäßiger Hügel oder eine Erhebung, die aus Sand, Kies und Geschiebemergel besteht und durch Ablagerung von Schmelzwasser auf oder am Rand eines schmelzenden Gletschers entstanden ist.
Wie entstehen Kames?
Kames entstehen, wenn Schmelzwasserströme, die Sedimente vom Gletscher transportieren, abrupt langsamer werden (z. B. beim Austritt aus einem Tunnel oder am Eisrand) und dabei ihre Last aus Sand und Kies ablagern.
Was sind Kame-Terrassen?
Kame-Terrassen sind flache, geschichtete Ablagerungen entlang der Seiten von Gletschertälern, die durch Schmelzwasserströme gebildet wurden, die zwischen dem Gletschereis und der Talwand flossen.
Worin unterscheiden sich Kames von Drumlins?
Kames werden durch Schmelzwasser geformt, bestehen aus sortiertem Sand/Kies und sind unregelmäßig geformt. Drumlins werden direkt vom Gletschereis geformt, bestehen aus feinkörnigerem Material und haben eine regelmäßige, stromlinienförmige Form.
Welcher ist der größte Gletscher der Erde?
Der größte und längste Gletscher der Erde ist der Lambertgletscher in der Antarktis.
Kames und andere glaziale Landformen wie der beeindruckende Lambertgletscher erzählen uns viel über die Kräfte, die unsere Erde in der Vergangenheit geformt haben. Sie sind stille Zeugen vergangener Eiszeiten und der komplexen Prozesse, die mit dem Schmelzen von Gletschern verbunden sind.
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