Ohne GPS fliegen: Ist das möglich?

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Die meisten modernen Drohnen verlassen sich stark auf das Global Positioning System (GPS), um ihre Position zu bestimmen, stabil in der Luft zu schweben und automatische Flugmodi wie die Rückkehr zum Startpunkt (Return-to-Home) oder Wegpunktnavigation zu ermöglichen. Doch was passiert, wenn kein GPS-Signal verfügbar ist, beispielsweise in Innenräumen, unter Brücken oder in Gebieten mit Störungen? Kann eine Drohne dann überhaupt noch fliegen? Die kurze Antwort lautet: Ja, es ist oft möglich, aber der Flug verändert sich grundlegend und stellt höhere Anforderungen an die Drohne und den Piloten.

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Ohne ein zuverlässiges GPS-Signal verliert die Drohne ihre Hauptstütze für die präzise Positionsbestimmung im Raum. Die Fähigkeit, auf Knopfdruck an einer Stelle zu verharren (Position Hold), basiert maßgeblich auf GPS-Daten. Fällt dieses System weg, muss die Drohne auf andere Methoden zurückgreifen, um überhaupt navigieren und stabil bleiben zu können.

Die Rolle von GPS im Drohnenflug

Bevor wir uns dem Fliegen ohne GPS widmen, ist es wichtig zu verstehen, wofür GPS bei Drohnen eigentlich genutzt wird:

  • Positionsbestimmung: GPS ermöglicht der Drohne, ihre exakte geografische Position (Länge, Breite, Höhe) mit hoher Genauigkeit zu kennen.
  • Stabilität und Position Hold: Anhand der GPS-Daten kann die Flugsteuerung die Motoren präzise ansteuern, um die Drohne gegen Wind und andere Einflüsse an einer festen Position in der Luft zu halten.
  • Navigation: Automatische Flugrouten, Wegpunkte und die lebenswichtige Return-to-Home-Funktion basieren direkt auf der GPS-Position des Startpunkts und der aktuellen Position der Drohne.
  • Geschwindigkeitsmessung: GPS liefert auch genaue Daten über die horizontale Geschwindigkeit der Drohne.

Fällt GPS weg, sind all diese Funktionen beeinträchtigt oder gar nicht mehr verfügbar. Die Drohne kann ihre absolute Position nicht mehr bestimmen und somit auch nicht „wissen“, wo der Startpunkt war oder wo sie sich auf einer Karte befindet.

Warum fliegt man manchmal ohne GPS?

Es gibt verschiedene Gründe und Situationen, in denen eine Drohne ohne oder mit nur sehr schwachem GPS-Signal betrieben wird:

  • Indoor-Flug: In geschlossenen Räumen ist in der Regel kein oder nur ein sehr schwaches GPS-Signal verfügbar. Für Inspektionsflüge, Aufnahmen in Gebäuden oder einfach nur das Üben in der Wohnung muss die Drohne ohne Satellitennavigation auskommen.
  • Flug in Bodennähe oder unter Hindernissen: Auch im Freien kann das GPS-Signal unter dichten Bäumen, in engen Schluchten oder direkt unter großen Brücken und Dächern verloren gehen oder unzuverlässig werden.
  • Manuelle Steuerung und Akrobatik: Erfahrene Piloten, die Drohnen für FPV-Rennen oder Freestyle-Manöver fliegen, nutzen oft den rein manuellen Modus (Acro Mode). In diesem Modus greift die Flugsteuerung nur stabilisierend ein, um die Drohne gerade zu halten, aber nicht, um eine Position im Raum zu fixieren. Der Pilot hat die volle Kontrolle über Roll-, Pitch- und Yaw-Raten. GPS ist in diesem Modus irrelevant.
  • GPS-Störungen (Jamming/Spoofing): In bestimmten Gebieten oder durch gezielte Störsender kann das GPS-Signal blockiert (Jamming) oder manipuliert (Spoofing) werden. In solchen Fällen ist ein Flug, der auf GPS basiert, gefährlich oder unmöglich.

Alternative Navigationsmethoden ohne GPS

Moderne Drohnen sind oft mit einer Reihe anderer Sensoren ausgestattet, die das Fehlen von GPS zumindest teilweise kompensieren können. Diese Systeme ermöglichen eine relative Positionierung und Stabilität, insbesondere auf niedriger Höhe:

  • Visuelle Positionierungssysteme (VPS) / Optical Flow: Viele Drohnen verfügen über eine oder mehrere nach unten gerichtete Kameras und manchmal auch Infrarot-Sensoren. Diese „sehen“ die Bodenbeschaffenheit und analysieren, wie sich die Muster auf dem Boden verschieben. Durch die Verfolgung dieser Bewegung kann die Drohne ihre horizontale Geschwindigkeit und Position relativ zum Boden bestimmen und eine gewisse Stabilität erreichen. Dieses System funktioniert gut auf niedrigen Höhen (typischerweise unter 10 Metern) über strukturierten Oberflächen mit guter Beleuchtung. Über Wasser, Gras oder einfarbigen Böden kann es versagen.
  • Inertiale Messeinheiten (IMU): Jede Drohne verfügt über eine IMU, die aus Beschleunigungssensoren und Gyroskopen besteht. Diese messen die Beschleunigung und Drehung in allen Achsen. Die Flugsteuerung nutzt diese Daten ständig, um die Drohne stabil zu halten und auf Befehle des Piloten zu reagieren. Die IMU ist unabhängig von externen Signalen wie GPS oder visuellen Daten und ist die Grundlage für jeden Flug, auch im manuellen Modus. Allerdings kann die Positionsbestimmung rein über die IMU (Dead Reckoning) aufgrund kleiner Messfehler, die sich im Laufe der Zeit addieren, schnell driften.
  • Barometer: Ein Barometer misst den Luftdruck und ermöglicht der Drohne so, ihre Höhe über dem Startpunkt (oder dem Meeresspiegel, je nach Kalibrierung) zu bestimmen. Dieses System funktioniert unabhängig von GPS und ist entscheidend für die Höhenkontrolle, auch wenn es durch Wind oder schnelle Höhenänderungen beeinflusst werden kann.
  • Ultraschall-Sensoren: Ähnlich wie VPS können Ultraschall-Sensoren die Distanz zum Boden messen und so bei der Höhenhaltung auf sehr niedriger Höhe helfen.
  • Hinderniserkennungssensoren: Kameras, Infrarot- oder Ultraschallsensoren, die in verschiedene Richtungen gerichtet sind, helfen der Drohne, Hindernisse zu erkennen und ihnen auszuweichen oder vor ihnen anzuhalten. Obwohl sie nicht direkt zur Navigation dienen, tragen sie zur Sicherheit bei, wenn der Pilot aufgrund fehlender GPS-Unterstützung mehr auf das manuelle Fliegen konzentriert ist.

Herausforderungen und Einschränkungen beim Fliegen ohne GPS

Der Flug ohne GPS ist anspruchsvoller und mit Einschränkungen verbunden:

  • Geringere Stabilität: Auch mit Unterstützung von VPS oder optischem Fluss ist die Positionsstabilität oft geringer als mit GPS, insbesondere bei Wind oder auf größerer Höhe. Die Drohne kann eher driften.
  • Höheres Pilotengeschick erforderlich: Im reinen manuellen Modus oder wenn die alternativen Sensoren nicht optimal funktionieren, ist der Pilot allein für die Steuerung und Stabilisierung verantwortlich. Dies erfordert erheblich mehr Übung und Können.
  • Keine automatischen Funktionen: Return-to-Home, automatische Flugmodi und Wegpunktnavigation sind ohne GPS nicht möglich. Die Drohne kehrt im Falle eines Verbindungsverlusts oder bei niedrigem Akkustand nicht automatisch zum Startpunkt zurück, sondern landet möglicherweise direkt oder stürzt ab (abhängig vom Modell und den Einstellungen).
  • Eingeschränkte Umgebung: VPS und optischer Fluss funktionieren nur unter bestimmten Bedingungen (Licht, Bodenbeschaffenheit, Höhe). Über Wasser, Schnee, spiegelnden Oberflächen oder in völliger Dunkelheit bieten sie kaum Unterstützung.
  • Keine Positionsaufzeichnung: Die genaue Flugroute kann ohne GPS nicht präzise aufgezeichnet werden.

Vergleich: Fliegen mit vs. ohne GPS

Die folgende Tabelle vergleicht die Flugerfahrung und -fähigkeiten mit und ohne GPS-Unterstützung:

MerkmalFliegen mit GPSFliegen ohne GPS (mit Sensoren)Fliegen ohne GPS (Manuell)
PositionsstabilitätSehr hoch (gegen Wind)Mittel bis hoch (auf niedriger Höhe, über Texturen)Gering (abhängig vom Piloten)
Position HaltenJa (sehr präzise)Ja (auf niedriger Höhe, über Texturen)Nein (ständige Korrekturen nötig)
Automatische Modi (RTH, Wegpunkte)JaNeinNein
FlugumgebungOutdoor (freier Himmel nötig)Indoor, Outdoor (niedrige Höhe über geeigneten Oberflächen)Überall (erfordert hohes Können)
Pilotengeschick benötigtMittel (Assisted Flight)Mittel bis HochSehr Hoch (Full Control)
Sicherheit bei SignalverlustOft RTH-FunktionOft NotlandungKeine automatische Reaktion
HöhenkontrolleGPS & BarometerBarometer & Ultraschall (niedrige Höhe)Barometer & Visuell

Fazit

Ja, eine Drohne kann definitiv ohne GPS fliegen. Wie gut und sicher das möglich ist, hängt jedoch stark vom Modell der Drohne, ihrer Ausstattung mit alternativen Sensoren (wie VPS) und vor allem vom Pilotengeschick ab. Während Consumer-Drohnen oft einen Modus für den Flug ohne GPS (basierend auf VPS und IMU) haben, der Indoor-Flüge ermöglicht, ist der rein manuelle Flug ohne jegliche Positionsunterstützung eine Fähigkeit, die viel Übung erfordert und primär von FPV-Piloten genutzt wird. Das Fehlen von GPS bedeutet den Verlust vieler Komfort- und Sicherheitsfunktionen, macht den Flug aber auch zu einer direkteren und anspruchsvolleren Erfahrung.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Ist Fliegen ohne GPS schwerer?
Ja, in der Regel ist es deutlich schwerer, insbesondere im reinen manuellen Modus. Die Drohne hält die Position nicht automatisch, und der Pilot muss ständig korrigieren, um sie stabil in der Luft zu halten.

Verfügen alle Drohnen über alternative Sensoren für GPS-freien Flug?
Nein. Günstigere oder ältere Modelle verfügen möglicherweise nur über eine IMU und ein Barometer. Visuelle Positionierungssysteme (VPS) und Ultraschall-Sensoren sind häufiger bei modernen Consumer-Drohnen und speziellen Indoor-Drohnen zu finden.

Was passiert, wenn ich mit einer Consumer-Drohne den GPS-Empfang verliere?
Die meisten modernen Consumer-Drohnen wechseln automatisch in einen alternativen Modus, der auf VPS und IMU basiert (oft als „ATTI-Modus“ oder ähnlich bezeichnet). Die Drohne versucht dann, ihre Position basierend auf visuellen Daten und der IMU zu halten. Die Stabilität nimmt ab, und die Position kann driften. Automatische Funktionen wie RTH sind nicht mehr verfügbar.

Kann ich meine Drohne immer manuell steuern, auch wenn sie GPS hat?
Die meisten Hobby- und FPV-Drohnen bieten einen manuellen Modus (Acro Mode). Viele Consumer-Drohnen bieten diesen Modus nicht oder nur in eingeschränkter Form an. Prüfen Sie das Handbuch Ihrer Drohne.

Wann ist GPS-freies Fliegen notwendig oder vorteilhaft?
Es ist notwendig für Indoor-Flüge oder in Umgebungen mit GPS-Störungen. Es kann vorteilhaft sein, um das Pilotengeschick zu verbessern oder für bestimmte Arten von Akrobatik und Freestyle-Flügen.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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