Das Hamburger Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ ist weit mehr als nur eine Publikation. Es ist eine Institution in Hamburg, ein Anker für viele Menschen in prekären Lebenslagen und ein wichtiges Instrument zur Förderung des sozialen Klimas in der Hansestadt. Seit vielen Jahren bietet es Obdachlosen, Wohnungslosen, ehemaligen Obdachlosen und anderen Menschen in schwierigen Situationen eine unbürokratische Beschäftigungsmöglichkeit. Doch wie funktioniert dieses Modell genau, wie viel kostet ein Exemplar und welchen Herausforderungen sieht sich das Magazin aktuell gegenüber?
Das Kernkonzept von „Hinz&Kunzt“ ist einfach und wirkungsvoll: Es ermöglicht Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben, einen legalen und würdevollen Broterwerb. Das Magazin wird von einer professionellen Redaktion erstellt und behandelt schwerpunktmäßig Themen aus Sozialpolitik, Hamburger Stadtgeschehen und Kultur. Der Verkauf auf der Straße erfolgt dann durch die sogenannten Verkäuferinnen und Verkäufer.

Der Preis und die faire Verteilung der Einnahmen
Eine der häufigsten Fragen ist natürlich: Wie viel kostet ein Heft von „Hinz&Kunzt“? Der offizielle Verkaufspreis für das Straßenmagazin beträgt derzeit 2,20 Euro. Dieses Geld geht jedoch nicht vollständig an die Organisation oder die Redaktion. Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die faire Aufteilung der Einnahmen, die direkt den Verkäuferinnen und Verkäufern zugutekommt.
Die Regelung sieht vor, dass die Hälfte des Verkaufspreises, also 1,10 Euro pro verkauftem Exemplar, direkt beim Verkäufer verbleibt. Die andere Hälfte wird für die Produktionskosten des Magazins verwendet. Dieses Modell stellt sicher, dass die Menschen, die das Magazin bei Wind und Wetter auf der Straße anbieten, unmittelbar von ihrer Arbeit profitieren. Es ist ein wichtiger Schritt weg von der reinen Spendenannahme hin zu einer selbst erwirtschafteten Einnahmequelle.
Ein Anker in schwierigen Zeiten
Für die rund 520 Verkäuferinnen und Verkäufer, die aktuell für „Hinz&Kunzt“ tätig sind, stellt der Verkauf des Magazins oft die einzige regelmäßige Einnahmequelle dar. Es ist eine Form der Beschäftigung, die keine festen Adressen oder Bankkonten voraussetzt und somit auch für Menschen zugänglich ist, die aus dem System gefallen sind. Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden hat laut Magazinangaben selbst einmal auf der Straße gelebt. Der Verkauf des Magazins ermöglicht ihnen nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch soziale Teilhabe und das Gefühl, gebraucht zu werden und einen Beitrag zu leisten.
Darüber hinaus trägt der Verkauf auf der Straße dazu bei, Berührungsängste und Vorurteile zwischen verschiedenen sozialen Schichten abzubauen. Das direkte Gespräch zwischen Käufer und Verkäufer schafft Begegnungen und Verständnis füreinander.
Aktuelle Herausforderungen: Sinkende Verkaufszahlen
Trotz der Bedeutung und des etablierten Konzepts steht „Hinz&Kunzt“ derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Die Verkaufszahlen sind besorgniserregend eingebrochen. Aktuell werden im Schnitt nur noch 48.000 Exemplare pro Monat verkauft. Vor der Corona-Pandemie lagen die monatlichen Verkäufe noch bei rund 60.000 Heften. Das entspricht einem Rückgang von satten 20 Prozent.
Dieser Rückgang bereitet den Machern des Magazins große Sorgen, hat aber auch direkte Auswirkungen auf die Verkäufer. Weniger verkaufte Hefte bedeuten weniger Einnahmen für sie. Obwohl viele Verkäufer berichten, dass sie mittlerweile mehr Geldspenden erhalten als früher, kann dies die fehlenden Einnahmen aus dem Verkauf nur bedingt kompensieren. Geschäftsführer Jörn Sturm weist auf eine problematische Entwicklung hin: Wenn Verkäufer die Verkaufsausfälle durch Trinkgelder ausgleichen müssen, verändere sich ihre Situation – „Sie werden wieder zu Bettlern“, so Sturm. Dies untergräbt das Kernprinzip des Magazins, das auf selbst erwirtschafteten Einnahmen basiert.

Vergleich der Verkaufszahlen
| Zeitraum | Durchschnittliche Monatsverkäufe | Veränderung |
|---|---|---|
| Vor Corona | ca. 60.000 Exemplare | - |
| Aktuell (Stand Apr 2024) | ca. 48.000 Exemplare | -20% |
Die digitale Zukunft und ihre Hürden
Um neue Leser zu gewinnen und auf die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten zu reagieren, plant die Redaktion von „Hinz&Kunzt“, bald auch digitale Angebote zu schaffen. Dieser Schritt ist notwendig, birgt aber eigene Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Verkäufer.
Ein zentrales Problem ist die Frage, wie die Verkäufer an ihre Einnahmen aus digitalen Verkäufen gelangen sollen. Viele von ihnen haben kein Bankkonto, und schätzungsweise rund die Hälfte besitzt nicht einmal ein Mobiltelefon. Eine Integration der Verkäufer in digitale Bezahlmodelle oder Abo-Systeme ist daher technisch und logistisch äußerst komplex. Es bedarf kreativer Lösungen, um sicherzustellen, dass die Verkäufer auch von digitalen Angeboten profitieren und nicht abgekoppelt werden.
Unterstützung über den Verkauf hinaus
Die Unterstützung für „Hinz&Kunzt“ und seine Verkäufer beschränkt sich nicht nur auf den Kauf des Magazins. Viele Einzelpersonen und Organisationen helfen mit Sachspenden oder finanzieller Unterstützung für spezifische Bedürfnisse. Das Magazin berichtet beispielsweise von Spenden wie Schlafsäcken, Unterwäsche oder einer neuen Hochleistungswaschmaschine für das „Hinz&Kunzt“-Haus. Auch die Beteiligung an den Kosten für Winterquartiere ist eine wichtige Form der Unterstützung, die den Verkäufern in der kalten Jahreszeit hilft.
Häufig gestellte Fragen zu Hinz&Kunzt
Wie viel kostet eine Ausgabe von Hinz&Kunzt?
Eine Ausgabe des Straßenmagazins „Hinz&Kunzt“ kostet 2,20 Euro.
Wie teilt sich der Preis auf?
Von den 2,20 Euro gehen 1,10 Euro direkt an den Verkäufer oder die Verkäuferin. Die anderen 1,10 Euro werden für die Produktion des Magazins verwendet.
Wer verkauft Hinz&Kunzt?
Das Magazin wird von rund 520 Menschen auf der Straße verkauft, darunter Obdachlose, Wohnungslose, ehemalige Obdachlose und Menschen in prekären Lebenslagen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.

Wie funktioniert das Konzept von Hinz&Kunzt?
„Hinz&Kunzt“ bietet Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine unbürokratische Beschäftigung als Verkäufer des Magazins. Sie kaufen die Hefte zu einem geringen Preis (1,10 Euro) und verkaufen sie zum Endpreis (2,20 Euro) an die Öffentlichkeit, wodurch sie die Hälfte des Preises als direkten Verdienst behalten.
Warum sind die Verkaufszahlen gesunken?
Die Verkaufszahlen sind seit der Corona-Pandemie um 20 Prozent gesunken, von 60.000 auf 48.000 Exemplare monatlich. Die genauen Gründe sind vielfältig, könnten aber mit veränderten Einkaufsgewohnheiten oder weniger Menschen in den Innenstädten zusammenhängen.
Welche Probleme gibt es bei digitalen Angeboten für die Verkäufer?
Viele Verkäufer haben kein Bankkonto und/oder kein Smartphone, was die Auszahlung von Einnahmen aus digitalen Verkäufen erschwert und noch ungelöst ist.
Ist Hinz&Kunzt nur in Hamburg aktiv?
Ja, „Hinz&Kunzt“ ist ein Hamburger Straßenmagazin und Deutschlands auflagenstärkstes seiner Art.
Insgesamt bleibt „Hinz&Kunzt“ ein unverzichtbarer Teil des sozialen Gefüges in Hamburg. Der Kauf eines Hefts ist mehr als nur der Erwerb eines Magazins; es ist eine direkte Unterstützung für die Verkäufer und ein Beitrag zur Sichtbarkeit und Integration von Menschen, die sonst oft übersehen werden. Die aktuellen Herausforderungen erfordern Aufmerksamkeit und Solidarität, um sicherzustellen, dass dieses wichtige Projekt auch in Zukunft seinen Zweck erfüllen kann.
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