Wem gehört Hoch-Ybrig?

Hoch-Ybrig: Vom Zürcher Traum zum Schwyzer Erfolg

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Das Skigebiet Hoch-Ybrig, oft als die "weisse Lunge" für Stadtbewohner bezeichnet, ist mehr als nur ein Ort für Wintersport und Sommerwanderungen. Es erzählt eine bemerkenswerte Geschichte von Visionen, Herausforderungen und einem beeindruckenden Turnaround. Einst ein grosses Projekt mit Zürcher Wurzeln, hat sich das Schicksal dieses beliebten Bergs im Kanton Schwyz entscheidend gewandelt und gehört heute mehr denn je den Einheimischen.

Wie hoch ist Ybrig?
Hoch-Ybrig im Überblick Von Seebli steigen Sesselbahnen weiter hoch zu den Hoch-Ybrig-Bergstationen Spirstock (1771m) und Sternen (1856m).

Die Anfänge: Ein Zürcher Vision

Die Geschichte des Hoch-Ybrig als modernes Erholungsgebiet begann Ende der 1960er Jahre. Im Herbst 1969 wurde in Weglosen ein grosses Doppelparkhaus für tausend Autos gebaut – ein Zeichen der damaligen Ambitionen. Die Idee stammte massgeblich aus Zürich. Persönlichkeiten wie der damalige Stadtpräsident Sigmund Widmer sahen im Ybrig eine "weisse" und "grüne" Lunge für die "zivilisationsgeplagten Städter", einen Ort zum Ausspannen und Kraftschöpfen. Es gab sogar Pläne, hier Olympische Winterspiele auszutragen. Die Stadt Zürich war über lange Zeit stark engagiert, was sich unter anderem in einem zinslosen Darlehen von 300'000 Franken an die Hoch-Ybrig AG zeigt, das noch heute in den Büchern steht. Auch ehemalige Zürcher Stadträte sassen im Verwaltungsrat der Hoch-Ybrig AG.

Der Beinahe-Konkurs 1990

Trotz der ambitionierten Anfänge geriet die Hoch-Ybrig AG in den späten 1980er Jahren in Schwierigkeiten. Nach einer besonders schlechten Wintersaison stand das Unternehmen 1990 kurz vor dem Konkurs. Die Situation war kritisch. Sogar die Migros zeigte Interesse an einer Übernahme und Diversifizierung ins Bergbahngeschäft. Die Verhandlungen schienen weit fortgeschritten, doch in letzter Minute, am Abend vor der geplanten Vertragsunterzeichnung, scheiterten die Gespräche. Dies öffnete unerwartet die Tür für eine neue Ära.

Wie komme ich auf den Hoch-Ybrig?
So finden Sie den Weg zu uns ins Hoch-Ybrig Nach der Anfahrt auf der Hauptstrasse via Biberbrugg, Einsiedeln, Gross und Euthal (Umfahrung Einsiedeln / Richtung «Ybrig») geht es direkt von der Talstation Weglosen (Unteriberg) mit der Luftseilbahn ins Wander- und Erlebnisparadies Hoch-Ybrig.

Einheimische übernehmen das Ruder und Wendelin Kellers Aufstieg

Mit dem Scheitern der Migros-Verhandlungen ergriffen vier wagemutige Handwerker und Bauunternehmer aus dem Kanton Schwyz ihre Chance. Sie erwarben die taumelnde Firma für zwei Millionen Franken. Einer dieser Männer war Wendelin Keller. Der gelernte Zimmermann, aufgewachsen auf einem Bauernhof in Ausserschwyz, kannte den Hoch-Ybrig zunächst vor allem als Gast. Er stieg in das damals marode Unternehmen ein und entwickelte sich schnell zur treibenden Kraft. Seit Anfang 2002 ist Wendelin Keller mit 51 Prozent der Aktien Mehrheitsaktionär der Hoch-Ybrig AG, nachdem er das Aktienpaket seines langjährigen Geschäftspartners übernommen hatte. Die restlichen 49 Prozent verteilen sich auf rund 3000 Kleinaktionäre. Keller beschreibt sich selbst als den eigentlichen "Tätschmeister" des Unternehmens – eine Rolle, die er schon lange vor seiner Mehrheitsbeteiligung innehatte.

Wendelin Kellers Erfolgsrezept: Management "by Stammtisch"

Unter der Führung von Wendelin Keller erlebte die Hoch-Ybrig AG einen bemerkenswerten Aufschwung. Keller schreibt den Erfolg tausend kleinen Mosaiksteinchen zu und betont, dass er oft gerade das getan habe, wovon ihm die "Fachleute" abrieten. Ein drastisches Beispiel dafür war die Kündigung des externen Marketingbüros gleich nach der Geschäftsübernahme. Keller war überzeugt: Es bringt doch nichts, ereifert er sich, in der Fremde um neue Kundschaft zu buhlen. Viel wichtiger sei es, sich nach den Wünschen der anwesenden Gäste zu erkundigen und sich um die zufriedenen Gäste vor Ort zu kümmern.

Seine Management-Philosophie nennt er scherzhaft "Management by Stammtisch". Er ist oft persönlich im Skigebiet präsent und holt sich Feedback direkt von den Gästen und Einheimischen. Wenn eine Idee am Stammtisch keine Resonanz findet, verwirft er sie. Stösst sie jedoch auf ungläubiges Erstaunen wie "Wendelin, das meinst du aber nicht im Ernst", dann weiss er, dass er sie unbedingt umsetzen muss. Ein Beispiel für solch eine unkonventionelle Idee ist die Einladung an alle Schwyzer Fünftklässler, einen Tag gratis im Hoch-Ybrig Ski zu fahren, inklusive Mittagessen. Kellers Begründung: Wenn die Gemeinden kein Schulskilager mehr finanzieren können, müsse man die Kinder eben selbst ins Skigebiet holen. Diese Nähe zu den Gästen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, haben sich ausgezahlt.

Wie ist das Wetter heute in Hoch-Ybrig?
Sternen) (Haltestelle) Ab 22 Uhr bewölkt. Temperaturen um 7 Grad.

Finanzieller Turnaround und Geschäftsmodell

Finanziell ging es mit dem Unternehmen stetig bergauf. In einem Umfeld, in dem die grosse Mehrheit der Schweizer Bergbahnen rote Zahlen schreibt, erzielt die Hoch-Ybrig AG "tiefschwarze Zahlen". Der Cashflow lag Anfang der 2000er Jahre deutlich über 2,5 Millionen Franken pro Jahr. Eine Besonderheit ist, dass die Dividende für die Aktionäre noch immer in Form einer Tageskarte ausgeschüttet wird.

Hoch-Ybrig ist primär auf Tagesausflügler ausgerichtet. Das Skigebiet verfügt über vergleichsweise wenige Hotelbetten (etwa 80), aber eine grosse Anzahl an Restaurants (11) im Vergleich zu den Bahnen (8). Keller schätzt, dass etwa 90 Prozent der Besucher aus dem Grossraum Zürich stammen. Interessanterweise sieht Keller die bisweilen schwierige Wirtschaftslage nicht nur negativ. Wer sich keine teuren Skiferien leisten könne, komme stattdessen für ein paar Tage in den Hoch-Ybrig. Dieses Geschäftsmodell scheint robust. Keller blickt gelassen in die Zukunft und konstatiert: "Uns geht es eigentlich immer gut."

Anreise und Topografie

Der Hoch-Ybrig, dessen Name von der lokalen Dialektform "Iberg" stammt, wird von den Berggipfeln Drusberg, Forstberg und Twäriberg überragt. Diese bilden den Grenzkamm zum Muotatal und zum Glarnerland. Eine Luftseilbahn führt von Weglosen im Tal der Waag, das von Unteriberg her per Auto erreicht werden kann, nach Seebli (1460m) am Fusse des Roggenstocks. Von Seebli steigen Sesselbahnen weiter hoch zu den Hoch-Ybrig-Bergstationen Spirstock (1771m) und Sternen (1856m).

Die Hauptstrasse führt via Biberbrugg, Einsiedeln, Gross und Euthal (der Umfahrung Einsiedeln Richtung "Ybrig" folgend) zur Talstation Laucheren in Oberiberg. Von dort führt eine Vierersesselbahn direkt ins Gebiet. Parkplätze und ÖV-Zubringer befinden sich in unmittelbarer Nähe der Talstation Laucheren.

Wem gehört Hoch-Ybrig?
Seit Anfang Jahr ist Wendelin Keller Mehrheitsaktionär der Hoch-Ybrig AG und damit Hausherr über den «Zürcher» Skiberg.

Die Passstrasse über die Ibergeregg verbindet das Ybrig zudem mit dem Kantonshauptort Schwyz. Südlich davon, hoch über dem Muotatal, liegt zudem der abgeschiedene kleine Ferienort Illgau.

Häufig gestellte Fragen zum Hoch-Ybrig

Wem gehört die Hoch-Ybrig AG heute?
Seit Anfang 2002 ist Wendelin Keller mit 51 Prozent der Aktien Mehrheitsaktionär. Die restlichen Anteile sind auf rund 3000 Kleinaktionäre verteilt.
Wie kam die Hoch-Ybrig AG aus der Krise?
Nachdem das Unternehmen 1990 kurz vor dem Konkurs stand, wurde es von vier Schwyzer Unternehmern übernommen, darunter Wendelin Keller. Unter seiner Führung wurde das Geschäftsmodell auf Tagesgäste ausgerichtet und durch unkonventionelle, gästeorientierte Strategien wieder profitabel gemacht.
Was bedeutet "Management by Stammtisch"?
Dies ist Wendelin Kellers scherzhafte Bezeichnung für seine Methode, direkt im Skigebiet präsent zu sein, mit Gästen und Einheimischen zu sprechen und deren Feedback und Ideen in seine Entscheidungen einfliessen zu lassen.
Wie hoch ist der Hoch-Ybrig?
Der Hoch-Ybrig selbst ist kein einzelner Gipfel, sondern ein Gebiet. Die höchsten erschlossenen Punkte sind die Bergstationen Sternen (1856m) und Spirstock (1771m). Das Gebiet wird von Gipfeln wie Drusberg, Forstberg und Twäriberg überragt.
Wie gelange ich zum Hoch-Ybrig?
Die Hauptzugänge sind die Talstation Laucheren in Oberiberg (erreichbar via Biberbrugg, Einsiedeln) mit Sesselbahn oder die Talstation Weglosen in Unteriberg (erreichbar via Unteriberg) mit Luftseilbahn nach Seebli, von wo Sesselbahnen weiterführen.
Wer war Sigmund Widmer im Zusammenhang mit dem Hoch-Ybrig?
Sigmund Widmer war der ehemalige Stadtpräsident von Zürich und einer der Initiatoren des Hoch-Ybrig als Erholungsgebiet für die Stadtbevölkerung in den späten 1960er Jahren. Er ist noch heute Ehrenpräsident der Hoch-Ybrig AG.

Die Geschichte des Hoch-Ybrig ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie lokale Verbundenheit und eine klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gäste ein Unternehmen auch in einem schwierigen Marktumfeld zum Erfolg führen können. Wendelin Keller und sein Team haben aus einem krisengeschüttelten "Zürcher" Projekt einen blühenden "Schwyzer" Betrieb gemacht, der fest in der Region verankert ist und seine Besucher mit einem authentischen Erlebnis überzeugt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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