Was war der Grund für die Napoleonischen Kriege?

Napoleon Bonaparte: Aufstieg und Fall

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Napoleon Bonaparte zählt zu den bedeutendsten und umstrittensten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Sein Aufstieg von der Insel Korsika bis zum Herrscher über weite Teile Europas ist ebenso bemerkenswert wie sein dramatischer Fall. Er prägte Frankreich nachhaltig durch umfassende Reformen und veränderte die politische Landkarte des Kontinents durch eine Serie von Kriegen.

Wie alt war Napoleon, als er an die Macht kam?
Der dreißigjährige Bonaparte wurde so als Erster Konsul faktisch zum Alleinherrscher.

Geboren als Napoleone Buonaparte am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika, entstammte er einer korsischen Familie des Kleinadels mit Wurzeln in der italienischen Toskana. Sein Vater Carlo Buonaparte war Jurist und engagierte sich zeitweise für die Unabhängigkeit Korsikas unter Pascal Paoli, beugte sich aber nach der französischen Übernahme rasch der neuen Herrschaft. Napoleon wuchs in einem Umfeld auf, das geprägt war von Klagen über die verlorene Freiheit der Insel, wobei Paoli lange Zeit sein Idol blieb. Die Familie, obwohl nicht wohlhabend, ermöglichte Napoleon eine gute Ausbildung. Nach erster schulischer Bildung auf Korsika wurde er zusammen mit seinem älteren Bruder Joseph nach Frankreich geschickt. Dort besuchte Napoleon zunächst das Collège von Autun, um Französisch zu lernen, und wechselte dann an die Kadettenschule von Brienne.

In Brienne galt der junge Korsiker als Außenseiter. Seine schulischen Leistungen waren wechselhaft, doch zeigte er ein besonderes Talent für Mathematik. Latein fiel ihm schwer, seine französische Rechtschreibung war mangelhaft, aber durch umfangreiche Lektüre verbesserte sich sein Stil. Er verschlang historische Werke über Helden wie Alexander den Großen und Julius Caesar. Aufgrund seiner mathematischen Stärken war er für die Artillerie prädestiniert. 1784 wurde er an der renommiertesten Militärschule Frankreichs, der École royale militaire in Paris, aufgenommen. Dort vertiefte er seine Kenntnisse in Mathematik, aber auch in Staatsrecht und Befestigungskunde. 1785, im Alter von kaum 16 Jahren, schloss er seine Ausbildung vorzeitig ab und erhielt sein Offizierspatent. Er trat als Sous-lieutenant in das Regiment La Fère ein. Nach dem Tod seines Vaters im selben Jahr übernahm der junge Napoleon die Rolle des Familienoberhauptes, obwohl sie eigentlich seinem älteren Bruder Joseph zustand.

Napoleon begrüßte die Französische Revolution im Sommer 1789 zunächst als Chance für die Befreiung Korsikas. Er kehrte auf die Insel zurück und engagierte sich politisch. Obwohl er Pascal Paoli verherrlichte, misstraute dieser ihm. Napoleon kehrte nach Frankreich zurück, wurde zum Lieutenant befördert und trat dem Jakobinerclub bei. Nach einer erneuten Rückkehr nach Korsika stieg er durch Wahlmanipulation zum Führer der Nationalgarde auf, nutzte diese Position aber, um seinen Einfluss gegenüber Paoli auszubauen. Nach blutigen Unruhen und der Flucht der Familie vor den Paolianhängern musste Napoleon seine korsischen Ambitionen endgültig aufgeben. Er kehrte nach Frankreich zurück, wurde trotz Überschreitung seines Urlaubs und Entlassung aus der Armee wieder eingestellt und sogar zum Capitaine befördert.

Zurück in Frankreich, das inzwischen von den Jakobinern unter Maximilien de Robespierre regiert wurde, diente Napoleon der neuen Führung, obwohl er sich kurz zuvor noch von ihnen distanziert hatte. Eine von ihm verfasste Broschüre, die seine Zustimmung zum Regime zeigte, machte Robespierres Bruder Augustin auf ihn aufmerksam. Dies führte zur Ernennung Napoleons zum Kommandanten der Artillerie bei der Belagerung von Toulon im Juni 1793. Die Stadt wurde von Aufständischen und britischen Truppen gehalten und war ein wichtiger strategischer Punkt. Napoleons Plan für den Sturm auf die Stadt führte am 19. Dezember 1793 zur Eroberung. Dieser Erfolg markierte den eigentlichen Beginn seines Aufstiegs. Mit nur 24 Jahren wurde er am 22. Dezember zum Général de brigade befördert und erhielt das Kommando über die Artillerie der Italienarmee. Nach dem Sturz der Jakobiner wurde er kurzzeitig inhaftiert, aber bald wieder freigelassen. Seine Karriere erlitt einen Rückschlag. In dieser Zeit lernte er die Schwestern Clary kennen und verliebte sich in Désirée Clary, brach die Beziehung aber später zugunsten einer anderen auf. Um seine Karriere zu retten, reiste er nach Paris und suchte die Nähe der neuen Machthaber, der Thermidorianer um Paul de Barras. Als im Oktober 1795 ein royalistischer Aufstand in Paris ausbrach, wurde Barras Oberbefehlshaber und holte Napoleon an seine Seite. Bonaparte schlug den Aufstand mit konzentriertem Geschützfeuer nieder. Zum Dank wurde er zum Général de division und kurz darauf zum Oberbefehlshaber im Inneren ernannt. In Barras' Umfeld lernte er Joséphine de Beauharnais kennen, die Geschiedene eines hingerichteten Generals und ehemalige Geliebte von Barras. Die Ehe mit Joséphine am 9. März 1796 bot Napoleon wichtige gesellschaftliche Kontakte. Nur zwei Tage nach der Hochzeit reiste er ab, um den Oberbefehl über die Italienarmee zu übernehmen. Ab diesem Zeitpunkt nannte er sich französisch Bonaparte statt italienisch Buonaparte.

Der Italienfeldzug (1796–1797) war ein militärisches Meisterstück. Die schlecht ausgerüstete Armee von etwa 40.000 Mann wurde von Bonaparte durch energisches Auftreten und motivierende Reden begeistert. Er setzte modern anmutende Propaganda ein, wie die Herausgabe einer eigenen Armeezeitung. Militärisch konzentrierte er seine Kräfte, marschierte schneller als die Gegner und nutzte die Vorteile der Revolutionsarmeen gegenüber den alten Söldnerarmeen. Er trennte die österreichischen und sardinisch-piemontesischen Truppen und schlug sie nacheinander. Nach dem Frieden mit Sardinien besiegte er die Österreicher in der Schlacht bei Lodi (10. Mai 1796), was sein politisches Selbstverständnis stärkte. Er wurde nicht nur von seinen Soldaten, sondern auch von der Bevölkerung Mailands als Befreier gefeiert. Durch persönlichen Einsatz in Schlachten wie Arcole vergrößerte er sein Ansehen. Nach der Belagerung von Mantua und weiteren Siegen musste Österreich im Frieden von Campo Formio erhebliche Gebietsverluste hinnehmen. Bonaparte errichtete in Italien Tochterstaaten Frankreichs. Seine eigenmächtige Handlungsweise und wachsende Popularität führten zu Misstrauen beim regierenden Direktorium.

Um seinen Ruhm nicht verblassen zu lassen, drängte Napoleon auf ein neues Kommando. Der Ägyptenfeldzug (1798–1799) sollte Großbritanniens Zugang nach Indien stören. Eine Expedition mit 38.000 Soldaten und zahlreichen Wissenschaftlern landete im Juli 1798 in Ägypten. Nach dem Sieg bei den Pyramiden zog Bonaparte in Kairo ein. Doch die Versenkung seiner Flotte durch Nelson in der Seeschlacht bei Abukir schnitt die Armee weitgehend vom Mutterland ab. Während die mitreisenden Wissenschaftler bahnbrechende Forschungen betrieben (Entdeckung des Steins von Rosette), wurde Napoleon von den Ägyptern als Eroberer und Ungläubiger wahrgenommen. Ein Aufstand in Kairo wurde niedergeschlagen. Ein Feldzug nach Palästina scheiterte an der Festung Akkon und einer Pestepidemie. Angesichts der schlechten Lage in Ägypten und der politischen Krise in Frankreich (Zweiter Koalitionskrieg) verließ Bonaparte im August 1799 heimlich die Expeditionstruppen und kehrte nach Frankreich zurück. Dort wurde er trotz des Scheiterns als Volksheld gefeiert, der militärische Erfolge und Stabilität versprach.

Das abgewirtschaftete Direktorium hatte jegliches Vertrauen verloren. Im Direktorium selbst planten Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos einen Staatsstreich und setzten auf Napoleons militärische Hilfe. Obwohl Napoleon laut Verfassung (Mindestalter 40 Jahre) kein Mitglied des Direktoriums werden konnte, spielte er eine entscheidende Rolle. Am 9. November 1799 (18. Brumaire VIII nach dem Revolutionskalender) schien der Staatsstreich durch politische Manöver zu gelingen. Als sich die Parlamentskammern am nächsten Tag widerspenstig zeigten, ließ Bonaparte sie von seinen Grenadieren auseinandertreiben. Ein Rumpfparlament billigte die Einrichtung der Konsulatsverfassung unter den Konsuln Bonaparte, Sieyès und Ducos. In der Folge gelang es Napoleon, seine Mitverschwörer ins Abseits zu drängen und die willfährigen Jean-Jacques Régis de Cambacérès und Charles-François Lebrun an ihre Stelle zu setzen. Als Erster Konsul übernahm der damals dreißigjährige Napoleon Bonaparte am 9. November 1799 faktisch die alleinige Macht in Frankreich.

Unter der neuen Verfassung vom 24. Dezember 1799 wurde der Erste Konsul für zehn Jahre gewählt und erhielt weitreichende Vollmachten, darunter das Recht zur Gesetzesinitiative und die Ernennung hoher Beamter. Die Verfassung legitimierte eine verdeckte Diktatur, die durch eine Volksabstimmung (deren Ergebnisse geschönt waren) bestätigt wurde. Napoleons Regierungsprogramm lautete: „Bürger! Die Revolution ist zu den Grundsätzen zurückgekehrt, von denen sie ausging; sie ist zu Ende.“ Er stellte die Ordnung wieder her und führte umfassende Reformen durch. Dazu gehörten die Zentralisierung der Verwaltung, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, die Sanierung der Staatsfinanzen, eine Währungsreform und vor allem der Erlass des Code civil im Jahr 1804. Dieses Gesetzbuch prägte das moderne Zivilrecht in Frankreich und beeinflusste viele andere Länder. 1802 stiftete Bonaparte die Ehrenlegion. Er bekämpfte die organisierte Opposition, versuchte aber auch, ehemalige Jakobiner und Royalisten zu integrieren. Das Konkordat von 1801 mit Papst Pius VII. spielte dabei eine wichtige Rolle für die Versöhnung mit der Kirche. Die Hinrichtung des Herzogs von Enghien nach einer aufgedeckten Verschwörung löste jedoch insbesondere im Ausland heftige Proteste aus. Die innen- und außenpolitischen Erfolge ermöglichten es Bonaparte, sich 1802 durch eine weitere Volksabstimmung zum Konsul auf Lebenszeit ernennen zu lassen. Dies, zusammen mit der Einführung einer Hofhaltung, waren Schritte auf dem Weg zur Monarchie.

Außenpolitisch beendete Napoleon zunächst den Zweiten Koalitionskrieg. Nach Ablehnung seiner Friedensangebote zog er nach dem Vorbild Hannibals über die Alpen. Der Sieg in der Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800) sicherte seine Position als Erster Konsul, war aber maßgeblich General Desaix zu verdanken. Nach dem entscheidenden Sieg von General Moreau bei Hohenlinden (9. Februar 1801) wurde der Frieden mit Österreich in Lunéville geschlossen. Frieden mit Russland und Großbritannien folgte 1801/1802. Die Friedenszeit währte jedoch nicht lange. Wirtschaftliche Interessen Großbritanniens, Napoleons Expansionspolitik in Italien, der Schweiz und Holland sowie der Streit um Malta führten 1803 zur Kriegserklärung Großbritanniens, das auf dem Kontinent nach Verbündeten suchte und die Dritte Koalition schmiedete. Napoleon gab seinen Plan einer Invasion Großbritanniens auf und wandte sich den kontinentalen Gegnern zu.

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon in der Kathedrale Notre Dame de Paris in Anwesenheit von Papst Pius VII. selbst zum Kaiser der Franzosen. Dieser Schritt sollte sein Regime dynastisch legitimieren und signalisierte seinen Anspruch auf die Gestaltung Europas. Als „Kaiser der Franzosen“ sah er sich als Volkssouverän, nicht als von Gott gekrönten Monarchen. 1805 krönte er sich auch zum König von Italien.

Der Dritte Koalitionskrieg (1805) begann, als Österreich, Russland, Schweden und Neapel ein Bündnis mit Großbritannien eingingen. Preußen blieb neutral, während süddeutsche Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden auf Napoleons Seite traten. Mit seiner bewährten Taktik, die feindlichen Armeen nacheinander zu schlagen, wandte sich Napoleon zunächst gegen Österreich. Die Kampagne von Ulm führte zur Kapitulation eines großen Teils der österreichischen Armee. Wien wurde eingenommen. Am 2. Dezember 1805 errang Napoleon in der Schlacht bei Austerlitz einen entscheidenden Sieg über die vereinten österreichischen und russischen Armeen. Obwohl die französische Flotte bei Trafalgar von Nelson geschlagen wurde, bedeutete Austerlitz die Entscheidung auf dem Kontinent. Im Frieden von Pressburg verlor Österreich erhebliche Gebiete, und Bayern und Württemberg wurden zu Königreichen erhoben.

Zur Sicherung seiner Erfolge betrieb Napoleon eine gezielte Heiratspolitik und setzte Familienmitglieder und Vertraute als Herrscher in abhängigen Staaten ein. Joseph wurde König von Neapel und Spanien, Louis König von Holland, Jérôme König von Westphalen, während seine Schwestern und anderen Verwandten ebenfalls Fürstentümer erhielten. Nur sein Bruder Lucien ging leer aus. In Deutschland führte die Politik Napoleons zur Gründung des Rheinbundes am 16. Juli 1806, dem anfangs 16 deutsche Staaten beitraten und aus dem Heiligen Römischen Reich austraten. Napoleon wurde Protektor des Bundes, woraufhin Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches niederlegte. Der Rheinbund umfasste bald fast alle deutschen Staaten außer Österreich und Preußen. In diesen Staaten wurden nach französischem Vorbild Reformen zur Zentralisierung und Modernisierung durchgeführt, die Prinzipien der Französischen Revolution wie Gleichheit und Eigentumsrechte einführten. Diese Reformen, obwohl in Preußen von innen heraus und in den Rheinbundstaaten oft als von außen aufgezwungen empfunden, trugen zur Entwicklung moderner Staatswesen bei, stießen aber auch auf Widerstand aufgrund von Aushebungen, Steuern und der Kontinentalsperre.

Wie kam es zum Aufstieg von Napoleon?
Der Französischen Revolution von 1789 verdankt Napoleon seine steile Karriere in der Armee: Als er 1793 erfolgreich die Artillerie der Revolutionstruppen in der Schlacht um Toulon gegen die königstreuen Royalisten führt, wird er zum Brigadegeneral befördert. Dann der Durchbruch: 1796 führt Napoleon den Italienfeldzug.2. Juni 2021

Napoleons Religionspolitik zielte darauf ab, die Kirchen unter staatliche Kontrolle zu bringen. Das Konkordat von 1801 mit dem Papst anerkannte den Katholizismus als Religion der Mehrheit, wobei Napoleon das Recht zur Bischofsernennung behielt. Für die Juden Frankreichs, die bereits 1791 Bürgerrechte erhalten hatten, führte Napoleon 1808 Konsistorien ein, um sie administrativ einzugliedern und zu kontrollieren, was jedoch auch als Rückschritt („Décret infame“) kritisiert wurde.

Der Vierte Koalitionskrieg (1806–1807) begann, nachdem sich die Beziehungen zu Preußen verschlechtert hatten und Preußen mit Russland ein Bündnis einging. Napoleon marschierte schnell durch Thüringen und schlug die preußische Armee in den Doppelschlachten bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 vernichtend. Die preußische Armee löste sich weitgehend auf, und französische Truppen marschierten in Berlin ein. Im Osten Preußens kämpfte Napoleon gegen die russische Armee. Der Feldzug war schwierig aufgrund der Weite des Landes, schlechter Wege und der russischen Taktik der verbrannten Erde. Nach einer unentschiedenen Schlacht bei Preußisch Eylau (Februar 1807) besiegte Napoleon die Russen entscheidend in der Schlacht bei Friedland (Juni 1807). Im Frieden von Tilsit (Juli 1807) erhielt Russland günstige Bedingungen, während Preußen etwa die Hälfte seines Territoriums verlor und hohe Kontributionen zahlen musste. Fast ganz Kontinentaleuropa stand nun unter französischer Kontrolle. Gegen Großbritannien verhängte Napoleon die Kontinentalsperre, einen europaweiten Handelsboykott.

Nach Tilsit befand sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht, doch im Inneren verstärkten sich despotische Tendenzen. Kritik wurde weniger geduldet, die Zensur verschärft, und ein neuer Adel geschaffen. Außenpolitisch stand die Durchsetzung der Kontinentalsperre im Vordergrund. Ein Versuch, Portugal dazu zu zwingen, führte zum Einmarsch französischer Truppen in Spanien (mit Zustimmung des Königs). Napoleon nutzte einen Thronstreit aus und setzte seinen Bruder Joseph als König von Spanien ein. Dies löste eine allgemeine nationale Erhebung und einen erbitterten Guerillakrieg aus, der von einem britischen Expeditionskorps unter Arthur Wellesley (später Wellington) unterstützt wurde. Der Krieg in Spanien band starke Truppenverbände und wurde zu einem kostspieligen, ungelösten Problem.

Der Fünfte Koalitionskrieg (1809) begann mit dem Einmarsch Österreichs in Bayern. Österreich setzte auf nationale Parolen und fand Zustimmung in Teilen Deutschlands (z.B. Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer). Intellektuelle wie Ernst Moritz Arndt und Johann Gottlieb Fichte begannen, die französische Fremdherrschaft anzugreifen. Österreich stand auf dem Kontinent isoliert da. Napoleon eilte nach Bayern und besiegte die Österreicher zunächst nicht entscheidend (erste Niederlage bei Aspern-Essling), gewann aber letztendlich die Schlacht bei Wagram. Im Frieden von Schönbrunn musste Österreich weitere Gebiete abtreten, der Kontinentalsperre beitreten und sein Heer reduzieren. Im selben Jahr ließ sich Napoleon von Joséphine scheiden, da die Ehe kinderlos geblieben war. 1810 heiratete er Marie-Louise von Österreich, die Tochter des österreichischen Kaisers, in der Hoffnung auf dynastische Anerkennung und die Geburt eines Thronfolgers. Napoleon II. wurde 1811 geboren.

Der Russlandfeldzug von 1812 markierte einen Wendepunkt. Zar Alexander I. war Ende 1810 aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr bereit, sich an der Kontinentalsperre zu beteiligen. Die Beziehungen verschlechterten sich, und Napoleon bereitete einen Feldzug vor. Die Grande Armée, mit Truppen aus ganz Europa (schätzungsweise bis zu 450.000 Mann), überschritt am 24. Juni 1812 die Memel. Napoleons Plan einer schnellen Entscheidungsschlacht scheiterte, da die russischen Truppen unter Barclay de Tolly sich in die Weiten des Landes zurückzogen und eine Politik der verbrannten Erde betrieben. Mangelhafte Logistik, Krankheiten und ungünstige Witterung dezimierten die Armee schon vor größeren Gefechten. Die Schlacht von Borodino im September 1812 war zwar ein Sieg, aber extrem verlustreich. Napoleon nahm Moskau ein, doch die Stadt brannte, und der Zar verweigerte Verhandlungen. Der Rückzug ab Oktober 1812 wurde zu einer Katastrophe aufgrund von Hunger, Kälte, Krankheiten und ständigen Angriffen. Die Schlacht an der Beresina im November/Dezember zerschlug die Grande Armée endgültig. Nur wenige tausend Soldaten kehrten zurück. Napoleon floh nach Paris, um eine neue Armee aufzustellen. Die Niederlage in Russland ermutigte die Gegner Napoleons und führte zu den Befreiungskriegen.

In Deutschland führte die Niederlage in Russland zu einem Aufschwung der nationalen Bewegung und öffentlichem Druck auf die Fürsten. Preußen schloss ein Bündnis mit Russland (Vertrag von Kalisch) und rief zum Befreiungskrieg auf. Napoleon stellte eine neue, aber schlecht ausgebildete Armee auf und marschierte nach Deutschland. Er errang Siege bei Großgörschen und Bautzen (Mai 1813), doch die reorganisierte preußische Armee fügte ihm hohe Verluste zu. Ein Waffenstillstand wurde geschlossen, den die Gegner nutzten, um Österreich auf ihre Seite zu ziehen. Ein Friedensangebot der Alliierten auf dem Kongress von Prag, das faktisch die Aufgabe der französischen Vormacht in Europa bedeutete, lehnte Napoleon ab. Daraufhin erklärte Österreich Frankreich den Krieg, und die Sechste Koalition war vollständig. Die Alliierten nutzten ihre zahlenmäßige Überlegenheit und vermieden eine Entscheidungsschlacht mit Napoleons Hauptarmee. In der Völkerschlacht bei Leipzig (16.–19. Oktober 1813), der größten Schlacht der Napoleonischen Kriege, wurde Napoleon endgültig geschlagen. Bayern und die meisten Rheinbundfürsten wechselten die Seiten. Napoleon zog sich hinter den Rhein zurück.

An der spanischen Front rückte Wellington vor. In Frankreich regte sich öffentlicher Widerspruch gegen das Regime. Die Rekrutierung neuer Soldaten stieß auf Schwierigkeiten. Dennoch zeigte Napoleon im Feldzug von 1814 in Frankreich noch einmal sein militärisches Geschick, indem er trotz deutlicher Unterlegenheit die getrennt marschierenden Alliierten mehrfach schlug. Sein Beharren auf einem vollständigen Sieg führte jedoch zur Ablehnung weiterer Friedensangebote. Nachdem die Alliierten Paris eingenommen hatten (31. März 1814), verlor Napoleon jegliche Unterstützung. Am 2. April sprach der Senat seine Absetzung aus. Am 6. April dankte er zugunsten seines Sohnes ab, doch die Alliierten verlangten eine bedingungslose Abdankung, die Napoleon am 12. April unterschrieb. Ihm wurde die Insel Elba als Wohnsitz zugewiesen, wobei er den Kaisertitel behielt.

Die Herrschaft der Hundert Tage begann am 1. März 1815, als Napoleon von Elba nach Frankreich zurückkehrte. Er wusste von der Unzufriedenheit mit der Restauration der Bourbonen unter Ludwig XVIII. Soldaten liefen zu ihm über, und Ludwig floh. Obwohl Napoleon eine liberale Verfassung einführte, formierten sich Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen auf dem Wiener Kongress zur Siebten Koalition. Napoleon stellte eine neue Armee auf und marschierte nach Belgien, um die britischen und preußischen Armeen getrennt zu schlagen. Er besiegte die Preußen bei Ligny, doch Marschall Ney gelang es nicht, die Briten bei Quatre-Bras entscheidend zu binden. Am 18. Juni 1815 kam es zur Schlacht bei Waterloo. Wellingtons britisch-deutsche Verbände hielten ihre Stellung, bis die neu formierten preußischen Truppen unter Blücher eintrafen und die Schlacht entschieden. Napoleon wurde endgültig geschlagen. Nach seiner Rückkehr nach Paris dankte er am 22. Juni 1815 erneut ab. Er wurde von den Alliierten auf die abgelegene Insel St. Helena im Südatlantik verbannt.

Auf St. Helena, wo ihm Longwood House als Wohnsitz zugewiesen wurde, führte Napoleon mit seinen Begleitern einen kaiserlichen Hofstaat im Kleinen fort und schrieb seine Memoiren. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Napoleon Bonaparte starb am 5. Mai 1821 im Alter von 51 Jahren. Sein Leichnam wurde obduziert und in einem vierfachen Sarg beigesetzt. Die medizinische Fachliteratur geht heute überzeugend von Magenkrebs als Todesursache aus, wahrscheinlich ausgelöst durch eine chronische Gastritis (HP-Infektion). Theorien einer Arsenvergiftung gelten als weitgehend widerlegt. Knapp zwanzig Jahre nach seinem Tod wurde sein Leichnam nach Frankreich überführt und 1840 im Invalidendom in Paris beigesetzt. Nach seinem Tod setzte sich der Bonapartismus für die Thronansprüche der Familie ein und trug wesentlich zum Aufstieg Napoleons III. bei.

Sein Privatleben war, insbesondere nach der ersten Zeit mit Joséphine, von zahlreichen Affären geprägt. Neben seinen Ehen mit Joséphine und Marie-Louise (mit der er den Thronfolger Napoleon II. hatte) zeugte er außereheliche Kinder, darunter Charles Léon Denuelle und Alexandre Colonna Walewski, die ihrerseits Nachkommen hatten.

Die öffentliche Wahrnehmung Napoleons, insbesondere in Großbritannien durch Karikaturen wie die von James Gillray („Little Boney“), popularisierte das Bild eines Mannes von geringer Körpergröße. Seine tatsächliche Größe von etwa 1,68 m entsprach jedoch dem Durchschnitt seiner Zeit. Die Diskrepanz mag auf unterschiedliche Längenmaße (französischer vs. englischer Fuß) und seine Vorliebe für groß gewachsenes Gefolge zurückzuführen sein. Der Begriff „Napoleon-Komplex“ wurde später geprägt, um die angebliche Überkompensation geringer Körpergröße zu beschreiben. Berichte von Zeitgenossen erwähnen eine deutliche Gewichtszunahme Napoleons nach 1810, die möglicherweise auf eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse zurückzuführen war.

Auf zahlreichen Porträts ist Napoleon mit einer Hand in der Weste dargestellt. Dies führte zu Spekulationen über chronische Bauchschmerzen oder eine verkrüppelte Hand. Tatsächlich handelte es sich um eine in der Porträtmalerei des 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbreitete Pose, die als Ausdruck von „männlicher Kühnheit als auch Bescheidenheit“ galt, wie es in einem Benimmhandbuch von 1738 beschrieben wurde.

Wie kam es zum Aufstieg von Napoleon?
Der Französischen Revolution von 1789 verdankt Napoleon seine steile Karriere in der Armee: Als er 1793 erfolgreich die Artillerie der Revolutionstruppen in der Schlacht um Toulon gegen die königstreuen Royalisten führt, wird er zum Brigadegeneral befördert. Dann der Durchbruch: 1796 führt Napoleon den Italienfeldzug.2. Juni 2021

Napoleon Bonaparte hat die Geschichte Europas und Frankreichs tiefgreifend beeinflusst. Seine Reformen prägten das moderne Frankreich, während seine Kriege die politische Landkarte neu zeichneten und nationalistische Bewegungen in Europa befeuerten. Seine Rezeption, insbesondere in Deutschland, war und ist ambivalent, geprägt von Bewunderung für sein Genie und Ablehnung seiner Herrschaft.

Militärische Wendepunkte und ihre Bedeutung:

Schlacht / FeldzugZeitraumGegnerAusgangBedeutung
Italienfeldzug1796-1797Österreich, SardinienFranzösischer SiegAufstieg zum Ruhm, Beginn politischer Ambitionen
Ägyptenfeldzug1798-1799Mamluken, Osmanen, Großbritannien (See)Landerfolge, SeeniederlageArmee abgeschnitten, Ziel verfehlt
Marengo1800ÖsterreichFranzösischer SiegSicherung der Macht als Erster Konsul
Austerlitz1805Österreich, RusslandEntscheidender französischer SiegHöhepunkt militärischer Macht, Ende der 3. Koalition auf dem Kontinent
Russlandfeldzug1812RusslandKatastrophale französische NiederlageWendepunkt, Zerstörung der Grande Armée
Völkerschlacht bei Leipzig18136. KoalitionEntscheidender Sieg der AlliiertenEnde der französischen Vorherrschaft in Deutschland
Waterloo18157. KoalitionEntscheidender Sieg der AlliiertenEndgültiges Ende von Napoleons Herrschaft

Häufig gestellte Fragen zu Napoleon Bonaparte:

Q: Wie alt war Napoleon, als er an die Macht kam?

A: Napoleon wurde am 15. August 1769 geboren. Durch den Staatsstreich des 18. Brumaire VIII (9. November 1799) übernahm er als Erster Konsul faktisch die Macht in Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt war er dreißig Jahre alt.

Q: Was war der Code Civil?

A: Der Code Civil, auch bekannt als Code Napoléon, war ein 1804 von Napoleon erlassenes Gesetzbuch. Es modernisierte und vereinheitlichte das französische Zivilrecht und enthielt Prinzipien wie die Rechtsgleichheit, die Freiheit des Eigentums und die Vertragsfreiheit. Er hatte weit über Frankreich hinaus Einfluss und prägte das Zivilrecht in vielen anderen Ländern.

Q: Warum führte Napoleon den Russlandfeldzug durch?

A: Ein Hauptgrund war die Weigerung Russlands unter Zar Alexander I., sich weiterhin an der Kontinentalsperre gegen Großbritannien zu beteiligen. Napoleon sah die Kontinentalsperre als wichtigstes Mittel, um Großbritannien wirtschaftlich zu schwächen, und der Bruch dieser Blockade durch Russland verschlechterte die Beziehungen erheblich. Er wollte Russland zwingen, sich wieder an der Blockade zu beteiligen und seine Vorherrschaft auf dem Kontinent sichern.

Q: Was war die Kontinentalsperre?

A: Die Kontinentalsperre war ein ab 1806 von Napoleon verhängtes System von Wirtschaftsblockaden gegen Großbritannien. Sie sollte den Handel Großbritanniens mit dem europäischen Festland unterbinden und dessen Wirtschaft schädigen. Die Sperre war jedoch nicht vollständig wirksam und hatte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der kontinentaleuropäischen Staaten, was zu Unmut und Konflikten führte, wie z.B. mit Russland.

Q: Wo starb Napoleon?

A: Napoleon Bonaparte starb am 5. Mai 1821 im Exil auf der abgelegenen britischen Insel St. Helena im Südatlantik.

Q: Warum wird Napoleon oft mit der Hand in der Weste dargestellt?

A: Diese Pose war in der Porträtmalerei des 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbreitet und galt als Ausdruck von gutem Benehmen und Haltung. Sie wurde in Benimmhandbüchern empfohlen, um sowohl männliche Kühnheit als auch Bescheidenheit zu signalisieren, und war lange vor Napoleon populär.

Q: War Napoleon wirklich klein?

A: Napoleons Körpergröße von etwa 1,68 Metern entsprach dem Durchschnitt oder lag sogar leicht über dem Durchschnitt für Männer seiner Zeit. Das Bild vom „kleinen Napoleon“ wurde maßgeblich durch britische Propaganda und Karikaturen geprägt, die ihn als viel kleiner darstellten, als er tatsächlich war.

Die Rezeption Napoleons, insbesondere in Deutschland, war und ist von Widersprüchlichkeiten geprägt. Während der Besatzungszeit gab es eine gewisse „Napoleonverehrung“, die sich in Veteranenvereinen und Denkmälern, besonders in den westdeutschen Regionen, manifestierte. Nach den Befreiungskriegen entwickelte sich jedoch ein starker „Napoleonhass“ und Antifranzösismus, der Frankreich zum „Erbfeind“ stilisierte und von Intellektuellen wie Ernst Moritz Arndt propagiert wurde.

Napoleon und seine Ära haben auch in der Filmgeschichte einen bedeutenden Platz. Er zählt zu den meistdargestellten historischen Persönlichkeiten im Film und Fernsehen, verkörpert von zahlreichen Schauspielern in über 300 Produktionen seit 1908. Wichtige Beispiele sind Abel Gance's „Napoléon“ (1927) oder Sergei Bondarchuk's „Waterloo“ (1970). Auch der berühmte Regisseur Stanley Kubrick plante in den 1960er Jahren einen großangelegten Napoleon-Film, der jedoch nie realisiert wurde, obwohl umfangreiche Vorarbeiten geleistet wurden.

Selbst in der Textilbranche findet sich eine Spur Napoleons: Die „Napoleontasche“, eine Tasche, die sich direkt neben dem Hauptreißverschluss einer Jacke oder Weste befindet, wurde nach ihm benannt, da sie sich an einer ähnlichen Stelle befindet wie die Position, an der Napoleon auf vielen Porträts seine Hand in die Weste steckt.

Napoleons Leben und Wirken bleiben ein zentrales Thema der Geschichtsforschung und prägen bis heute das Verständnis von Staat, Recht und internationaler Politik in Europa.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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