Was ist mit Josef Brunner passiert?

Mordfall Brunner: Nach 44 Jahren gelöst

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Ein Kriminalfall, der über vier Jahrzehnte lang die Ermittler in München beschäftigte und ein Rätsel blieb, scheint nun endlich seiner Aufklärung entgegenzugehen. Der grausame Mord an Josef Brunner im Jahr 1979, der die Stadt schockierte, hat nach all den Jahren zu einer Festnahme geführt. Die Polizei gab kürzlich Details bekannt, wie es gelang, einen mittlerweile 70-jährigen Rentner in England als mutmaßlichen Täter zu identifizieren und festzunehmen. Ein Fall, der zeigt, dass Mordakten niemals wirklich geschlossen werden.

Was ist mit Josef Brunner passiert?
München – Über vier Jahrzehnte lang wurde nach ihm gesucht: Jetzt sitzt der mutmaßliche Mörder von Josef Brunner (69), der am 2. Januar 1979 tot aufgefunden wurde, in Untersuchungshaft. Es handelt sich um einen Rentner (70) aus England. Das Rätsel um den Silvester-Mord, es scheint endlich gelöst!

Josef Brunner, ein 69-jähriger Mann, wurde am 2. Januar 1979 tot in seiner Wohnung in der Werinherstraße in Giesing, München, aufgefunden. Der Fundort und Zustand des Opfers deuteten auf ein brutales Verbrechen hin. Brunner wurde fast nackt in seiner Badewanne entdeckt, schwer zugerichtet. Die Obduktion ergab, dass er mindestens zehnmal mit einem schweren Gegenstand gegen den Kopf geschlagen wurde. Der Gegenstand, der mutmaßlich als Tatwaffe diente, wurde am Tatort gefunden: ein etwa ein Kilogramm schwerer und rund 24 Zentimeter langer Mörserstössel aus Bronze.

Die Wohnung des Opfers wies Spuren einer Durchsuchung auf. Es fehlten Bargeld in Höhe von rund 1000 D-Mark, ein Ring sowie der Wohnungsschlüssel von Brunner. Dies ließ die Ermittler damals vermuten, dass Habgier ein Motiv für die Tat gewesen sein könnte. Die ersten Ermittlungen konzentrierten sich auf das Umfeld des Opfers. Es war bekannt, dass Josef Brunner, der offenbar in der Homosexuellen-Szene verkehrte, häufig Umgang mit jungen Männern hatte. Zeugen berichteten, dass sich das spätere Opfer unmittelbar vor der Tat mit einem jüngeren Engländer getroffen hatte. Diese Information war für die damaligen Ermittler von großer Bedeutung und führte zu Fahndungsversuchen, die sogar bis nach England reichten.

Die Ermittlungsarbeit im Jahr 1979 stand vor anderen Herausforderungen als heute. Moderne DNA-Analysen und umfassende digitale Datenbanken existierten noch nicht. Die Polizei setzte damals auf klassische Methoden der Spurensicherung, Zeugenbefragungen und das Erstellen eines Phantombildes des Verdächtigen auf Basis von Zeugenaussagen. Auch Fingerabdrücke wurden am Tatort gesichert. Drei Abdrücke wurden gefunden, einer davon in unmittelbarer Nähe des Tatortes, was ihn besonders interessant machte. Trotz intensiver Bemühungen, der Erstellung eines Phantombildes, das veröffentlicht wurde, und der Fahndung, auch im Ausland, konnte der Täter nicht gefasst werden. Der Fall wurde zu den ungelösten Fällen gelegt, doch die Akte blieb offen.

Warum „Mordakten nicht geschlossen werden“

Ein wichtiger Grundsatz der Kriminalpolizei, insbesondere bei Tötungsdelikten, ist, dass die Ermittlungsakten nicht endgültig geschlossen werden, solange der Täter nicht gefasst ist. Dies betonte auch Stephan Beer, der heutige Chef der Münchner Mordkommission, auf einer Pressekonferenz. Cold Cases, also ungeklärte Kriminalfälle, werden in regelmäßigen Abständen erneut überprüft. Neue Ermittlungsmethoden, verbesserte Technologien zur Spurenanalyse oder das Auftauchen neuer Informationen können auch nach Jahrzehnten noch zum Erfolg führen. Genau dieses Prinzip war im Fall Josef Brunner entscheidend.

Im Jahr 2018 wurde der Fall Brunner im Rahmen einer routinemäßigen Überprüfung von Cold Cases erneut von der Münchner Polizei und dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) in die Hand genommen. Die sichergestellten Fingerabdrücke wurden ein weiteres Mal mit den nunmehr erweiterten und technologisch fortgeschrittenen Datenbanken abgeglichen. Kurioserweise führte dieser Abgleich im Jahr 2018 noch zu keinem Ergebnis. Doch die Ermittler gaben nicht auf. Bei einer erneuten Prüfung der Spuren Ende 2021 gab es dann endlich einen Treffer in der Fingerabdruckdatenbank. Warum der Treffer erst zu diesem Zeitpunkt erzielt wurde, obwohl die Abdrücke bereits 2018 geprüft wurden, dazu gab es laut Polizei keine näheren Informationen. Möglicherweise wurden die Abdrücke des Verdächtigen erst zwischen 2018 und 2021 in die Datenbank aufgenommen, beispielsweise im Zusammenhang mit einem anderen Delikt.

Der Durchbruch nach über vier Jahrzehnten: Die Datenbank lüftet das Geheimnis

Der Treffer in der Fingerabdruckdatenbank stellte den entscheidenden Wendepunkt in dem 44 Jahre alten Fall dar. Die Spur führte nach England zu einem Mann, der nun im Rentenalter ist. Die Staatsanwaltschaft München I beantragte daraufhin einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen. Die Ermittlungen konzentrierten sich nun darauf, den Mann in England ausfindig zu machen und die Beweise zu erhärten.

Festnahme in England und Auslieferung nach München

Am 22. März konnte der mittlerweile 70-jährige Rentner an seiner Wohnung in England widerstandslos festgenommen werden. Aus ermittlungstaktischen Gründen gab die Polizei den genauen Wohnort nicht bekannt. Die Festnahme durch die britischen Behörden erfolgte im Auftrag der deutschen Justiz. Nach der Festnahme wurde der Verdächtige einem Auslieferungsverfahren unterzogen. Am 6. April reiste er in Begleitung von zwei deutschen Beamten von einem Londoner Flughafen nach München. Dort wurde er am darauffolgenden Tag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Seitdem befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Die erfolgreiche Festnahme im Ausland zeigt die internationale Zusammenarbeit der Polizeibehörden bei der Verfolgung von Straftaten, selbst nach sehr langer Zeit.

Die entscheidenden Beweismittel: Fingerabdrücke, DNA und der Mörser

Neben dem entscheidenden Fingerabdruck, der am Tatort gesichert und nun einem Verdächtigen zugeordnet werden konnte, spielten weitere Beweismittel eine wichtige Rolle. Die Staatsanwaltschaft München I stützt die Anklage nicht allein auf den Fingerabdruck. Auch zwei DNA-Spuren, die auf einem Laken in der Wohnung des Opfers gefunden wurden – es handelte sich um ein Haar und eine Flüssigkeit – konnten dem nun festgenommenen Mann zugeordnet werden. DNA-Beweise sind in der modernen Kriminalistik von immenser Bedeutung, da sie eine sehr hohe Identifizierungssicherheit bieten. Die Kombination aus Fingerabdrücken und DNA-Spuren vom Tatort, die beide demselben Verdächtigen zugeordnet werden, stellt eine sehr belastende Beweiskette dar.

Der Mörserstössel aus Bronze, der mutmaßlich als Tatwaffe verwendet wurde, ist ebenfalls ein zentrales Beweisstück. Die Verletzungen des Opfers passen zum Einsatz eines solchen Gegenstandes. Auch an der Tatwaffe selbst könnten sich, je nach damaliger Spurensicherung, noch relevante Hinweise gefunden haben, auch wenn der Fokus der aktuellen Berichterstattung auf den Fingerabdrücken und der DNA liegt. Die sorgfältige Sicherung aller Spuren im Jahr 1979, auch mit den damaligen Mitteln, erwies sich somit als fundamental für die spätere Aufklärung des Falles.

Die rechtliche Bewertung: Drei Mordmerkmale

Die Staatsanwaltschaft München I geht davon aus, dass im Fall Brunner gleich drei Mordmerkmale erfüllt sind. Dies sind die rechtlichen Kriterien, die eine Tötung zu einem Mord im Sinne des deutschen Strafrechts machen. Die drei genannten Merkmale sind: Habgier, Heimtücke und die Ermöglichung einer anderen Straftat. Habgier liegt vor, wenn der Täter aus Gewinnstreben tötet, was im Fall Brunner durch den Diebstahl von Bargeld, dem Ring und dem Wohnungsschlüssel nahegelegt wird. Heimtücke bedeutet, dass der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt. Angesichts der Brutalität und der Tatsache, dass das Opfer in seiner Wohnung angegriffen wurde, könnte dies zutreffen. Die Ermöglichung einer anderen Straftat liegt vor, wenn die Tötung dazu dient, eine andere Straftat (in diesem Fall der Raub) zu ermöglichen oder zu verdecken. Die Erfüllung dieser Mordmerkmale hat erhebliche Auswirkungen auf das mögliche Strafmaß.

Die Herausforderungen eines Prozesses nach langer Zeit

Ein Prozess, der über 44 Jahre nach der Tat stattfindet, bringt besondere Herausforderungen mit sich. Viele Zeugen von damals sind mittlerweile verstorben oder ihre Erinnerungen sind verblasst. Dies bedeutet, dass die Verhandlung sich voraussichtlich stark auf die vorhandenen Sachbeweise stützen muss: die Fingerabdrücke, die DNA-Spuren, den Mörserstössel und eventuell andere am Tatort gesicherte Gegenstände oder Befunde der damaligen Obduktion. Die Verteidigung wird möglicherweise versuchen, die Beweiskraft der alten Spuren in Frage zu stellen oder alternative Erklärungen anzubieten. Der Termin für den Prozess steht derzeit noch nicht fest. Es wird erwartet, dass die Aufarbeitung dieses Cold Case vor Gericht große Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Vergleich der Ermittlungsphasen im Fall Brunner

ZeitraumWichtigste Ereignisse & MethodenSchlüsselbeweise im FokusStatus
1979 - ca. 2018Tatortarbeit, Zeugenbefragungen, Phantombild, Fahndung (auch England), Sicherung von Spuren (Fingerabdrücke, Mörser), Konzentration auf Umfeld & ZeugenaussagenFingerabdrücke, Mörserstössel, Zeugenaussagen (Begegnung mit Engländer)Ungelöst (Cold Case)
2018Routinemäßige Überprüfung der Akte, Erneuter Abgleich von Fingerabdrücken mit DatenbankenFingerabdrücke (erneuter Abgleich)Kein Treffer
Ende 2021 - Anfang 2023Erneuter Abgleich von Fingerabdrücken, Treffer in Datenbank, Zuordnung von DNA-Spuren, Zielfahndung in England, Haftbefehlsantrag, Festnahme, AuslieferungFingerabdrücke (Treffer), DNA (Haar, Flüssigkeit)Aufklärung & Festnahme des mutmaßlichen Täters

Häufig gestellte Fragen zum Fall Brunner

Wie wurde der mutmaßliche Täter identifiziert?
Die Identifizierung gelang durch einen Treffer in einer Fingerabdruckdatenbank. Die am Tatort im Jahr 1979 gesicherten Abdrücke wurden im Rahmen einer Cold-Case-Überprüfung erneut abgeglichen und führten Ende 2021 zu einem Mann in England.

Warum dauerte die Aufklärung so lange?
Trotz intensiver anfänglicher Ermittlungen konnte der Täter 1979 nicht gefasst werden. Die Technologien zur Spurenanalyse und die Datenbanken waren damals nicht so weit entwickelt wie heute. Der entscheidende Durchbruch kam erst durch den erneuten Abgleich der alten Spuren mit modernen Datenbanken über 40 Jahre später.

Welche Rolle spielen Fingerabdrücke und DNA-Spuren?
Beide Arten von Spuren sind von zentraler Bedeutung. Ein Fingerabdruck vom Tatort führte zur Identifizierung des Verdächtigen in der Datenbank. Zusätzlich konnten DNA-Spuren, die auf einem Laken gefunden wurden, ebenfalls dem Verdächtigen zugeordnet werden. Diese Kombination von Sachbeweisen gilt als sehr belastend.

Was bedeuten die Mordmerkmale Habgier, Heimtücke und Ermöglichung einer anderen Straftat?
Dies sind rechtliche Kriterien im deutschen Strafrecht, die eine Tötung als Mord qualifizieren. Habgier meint das Töten aus Streben nach materiellen Vorteilen (hier Raub). Heimtücke beschreibt das Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers. Die Ermöglichung einer anderen Straftat liegt vor, wenn die Tötung begangen wird, um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.

Wann beginnt der Prozess gegen den Verdächtigen?
Ein Termin für den Prozess vor Gericht steht derzeit noch nicht fest. Zuerst muss die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, und das Gericht muss die Anklage zulassen.

Welche Herausforderungen gibt es im bevorstehenden Prozess?
Die größte Herausforderung ist der lange Zeitabstand zur Tat. Viele Zeugen von damals sind nicht mehr verfügbar, was die Beweisführung erschwert. Der Prozess wird sich daher voraussichtlich stark auf die vorhandenen, nach Jahrzehnten analysierten Sachbeweise stützen müssen.

Der Fall Josef Brunner zeigt eindrucksvoll die Ausdauer der Ermittler und die Bedeutung des Fortschritts in der Kriminaltechnik. Auch nach über vier Jahrzehnten kann die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen, wenn Akten offen bleiben und neue Technologien alte Spuren neu bewerten können.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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