Sind kleinere Kameras besser?

Das beste Objektiv? Ein Leitfaden zur Wahl

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Die Welt der Kameraobjektive ist faszinierend, aber auch überwältigend. Für jede Kamera gibt es unzählige Optionen, nicht nur vom Kamerahersteller selbst, sondern auch von spezialisierten Drittherstellern wie Sigma, Tamron, Voigtländer oder Yongnuo. Diese Vielfalt macht die Suche nach dem „besten“ Objektiv zu einer echten Herausforderung. Denn was für den einen Fotografen perfekt ist, mag für den anderen ungeeignet sein. Die Frage, welche Kamera die besten Objektive hat oder welches das absolut beste Objektiv auf dem Markt ist, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Es hängt stark von Ihren individuellen Bedürfnissen, Ihrem Budget und Ihrem Kamerasystem ab.

Welche Kamera hat die besten Objektive?
Objektive im Test: Das sind die Top 10ModellGesamtergebnisSchärfeCanon EF 85mm f/1.4L IS USM4942Carl Zeiss Apo Planar T* Otus 85mm F14 ZF.2 Nikon4935Nikon NIKKOR Z 85mm f/1.8 S4941Sony FE 85mm F1.4 GM4936

Einige Kamerahersteller teilen sich sogar Bajonette, wie das Micro Four Thirds (MFT)-System, das von Panasonic und OM System (ehemals Olympus) genutzt wird. Dies erweitert die Auswahl zusätzlich, kann aber auch die Verwirrung steigern. Angesichts dieser Komplexität suchen viele nach Orientierung. Organisationen wie DxOMark testen Objektive unter Laborbedingungen und erstellen Ranglisten, die als Anhaltspunkt dienen können. Doch bevor wir uns mit solchen Listen beschäftigen, ist es unerlässlich, die eigenen Anforderungen zu verstehen.

Die entscheidenden Kriterien bei der Objektivwahl

Bevor Sie sich von Bestenlisten blenden lassen, sollten Sie sich grundlegende Fragen stellen. Die Beantwortung dieser Fragen wird die Auswahl erheblich eingrenzen und Ihnen helfen, gezielter nach dem passenden Glas zu suchen.

Der erste Schritt: Das Bajonett

Jeder Kamerahersteller hat in der Regel ein oder mehrere eigene Objektivanschlüsse, auch Bajonett genannt. Eine Sony Alpha-Kamera benötigt beispielsweise Objektive mit Sony E-Mount, eine Nikon Z-Kamera solche mit Nikon Z-Mount, eine Canon R-Kamera solche mit Canon RF-Mount. Kameras mit MFT-Bajonett können Objektive von Panasonic und OM System verwenden. Dieses Kriterium ist der wichtigste Filter bei Ihrer Suche. Haben Sie sich einmal für ein Kamerasystem entschieden, ist die Auswahl der passenden Objektive bereits stark eingeschränkt. Es gibt zwar Adapter, um Objektive anderer Bajonette zu verwenden, aber oft gehen dabei Funktionen wie Autofokus oder Bildstabilisierung verloren, oder die Leistung ist eingeschränkt. Die Wahl des richtigen Bajonetts, passend zu Ihrer Kamera, ist also der absolute Ausgangspunkt.

Zoomobjektiv oder Festbrennweite? Flexibilität vs. Bildqualität

Eine weitere grundlegende Entscheidung betrifft die Brennweite und den Typ des Objektivs. Möchten Sie ein flexibles Objektiv, das verschiedene Bildwinkel abdeckt, oder bevorzugen Sie eine feste Brennweite für spezifische Anwendungen und oft höhere Bildqualität?

  • Zoomobjektive: Diese Objektive decken einen Bereich von Brennweiten ab (z.B. 24-70mm, 70-200mm). Sie sind äußerst vielseitig und ideal, wenn Sie nicht ständig Objektive wechseln möchten oder können (z.B. auf Reisen, bei Veranstaltungen). Mit einem Standardzoom können Sie sowohl Weitwinkelaufnahmen als auch leichte Teleaufnahmen machen. Der Kompromiss bei Zoomobjektiven liegt oft in der maximalen Blendenöffnung und manchmal in der Bildschärfe im Vergleich zu Festbrennweiten.
  • Festbrennweiten: Wie der Name schon sagt, haben diese Objektive eine feste, unveränderliche Brennweite (z.B. 35mm, 50mm, 85mm). Sie sind in der Regel optisch einfacher aufgebaut als Zoomobjektive, was oft zu einer überlegenen Bildqualität, insbesondere bei Offenblende, führt. Festbrennweiten sind oft kompakter, leichter und können deutlich lichtstärker sein als vergleichbare Zoomobjektive. Allerdings müssen Sie, um den Bildausschnitt zu ändern, Ihre Position verändern – Sie sind Ihr eigener Zoom.

Die Wahl zwischen Zoom und Festbrennweite hängt stark von Ihren fotografischen Gewohnheiten und dem Einsatzzweck ab. Für Landschaften eignen sich Weitwinkel-Festbrennweiten oder Weitwinkelzooms, für Porträts sind oft leichte Tele-Festbrennweiten beliebt (z.B. 85mm, 105mm), und für die Streetfotografie sind 35mm oder 50mm Festbrennweiten Klassiker.

Die Bedeutung der Lichtstärke (Blende)

Die Lichtstärke eines Objektivs wird durch die maximale Blendenöffnung (kleinste f-Zahl, z.B. f/1.4, f/2.8, f/4) angegeben. Sie ist ein entscheidendes Kriterium und beeinflusst mehrere Aspekte:

  • Lichtausbeute: Eine große maximale Blendenöffnung (kleine f-Zahl, z.B. f/1.4) lässt viel Licht auf den Sensor fallen. Das ermöglicht kürzere Belichtungszeiten bei gegebenen Lichtverhältnissen oder das Fotografieren in dunklerer Umgebung mit niedrigeren ISO-Werten, was zu weniger Bildrauschen führt.
  • Tiefenschärfe: Eine große Blendenöffnung erzeugt eine geringe Tiefenschärfe. Dies ermöglicht es, das Motiv scharf vom unscharfen Hintergrund abzuheben (Bokeh-Effekt), was besonders bei Porträts oder Detailaufnahmen erwünscht ist.
  • Größe und Preis: Objektive mit hoher Lichtstärke (z.B. f/1.4, f/2.8) sind in der Regel komplexer aufgebaut, größer, schwerer und deutlich teurer als Objektive mit geringerer Lichtstärke (z.B. f/4, f/5.6).

Für das Fotografieren bei wenig Licht, für Porträts mit stark unscharfem Hintergrund oder für Aufnahmen, bei denen kurze Belichtungszeiten wichtig sind (z.B. Sport), sind lichtstarke Objektive oft die bessere Wahl, allerdings zu einem höheren Preis und Gewicht.

Weitere wichtige Ausstattungsmerkmale

Neben Bajonett, Brennweite und Lichtstärke gibt es weitere Merkmale, die je nach Anwendungsbereich wichtig sein können:

  • Autofokus (AF): Unterstützt das Objektiv den Autofokus Ihrer Kamera und wie schnell und leise ist der AF-Motor? Bei Dritthersteller-Objektiven ist die AF-Leistung nicht immer auf dem Niveau der Originalobjektive. Für Videoaufnahmen ist ein leiser Motor von Vorteil.
  • Bildstabilisierung (IS, VR, OIS, OSS): Ein im Objektiv integrierter Bildstabilisator kann helfen, Verwacklungen bei längeren Belichtungszeiten zu reduzieren, besonders bei Teleobjektiven oder in Kameras ohne Sensor-Shift-Stabilisierung.
  • Witterungsschutz (Weather Sealing): Wenn Sie oft bei schlechtem Wetter fotografieren, ist ein gegen Staub und Spritzwasser abgedichtetes Objektiv ratsam.
  • Filtergewinde: Die Größe des Filtergewindes bestimmt, welche Filter (UV, Polfilter, ND-Filter) Sie verwenden können. Eine nicht rotierende Frontlinse ist vorteilhaft bei der Verwendung von Pol- oder Verlaufsfiltern.
  • Verarbeitung und Material: Die Qualität der Verarbeitung und der verwendeten Materialien beeinflusst die Langlebigkeit und Haptik des Objektivs.

Der Preis: Eine weite Spanne

Wie der Beispiel aus dem Einleitungstext zeigt – das Nikon Nikkor Z 58mm f/0.95 S Noct für über 7.800 Euro und das Yongnuo YN 85mm F1.8S DF DSM für unter 500 Euro, beide angeblich in einer Top 10 Liste von DxOMark zu finden – ist die Preisspanne bei Objektiven enorm. Der Preis wird von vielen Faktoren beeinflusst: Markenname, Lichtstärke, Brennweitenbereich, optische Qualität (Verwendung spezieller Linsen, aufwendige Berechnungen), Verarbeitungsqualität, Ausstattung (AF, Stabi, Witterungsschutz) und Produktionsvolumen. Ein höheres Budget ermöglicht in der Regel den Zugang zu lichtstärkeren, robusteren und optisch überlegenen Objektiven.

DxOMark und die Suche nach dem „besten“

Organisationen wie DxOMark testen Kamerasensoren und Objektive unter standardisierten Bedingungen. Sie messen verschiedene optische Eigenschaften wie Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, chromatische Aberrationen und mehr. Basierend auf diesen Messungen erstellen sie Punktzahlen und Ranglisten für Objektive, oft in Kombination mit bestimmten Kameragehäusen.

Solche Ranglisten können eine nützliche Orientierungshilfe sein, insbesondere um die relative optische Leistung verschiedener Objektive zu vergleichen. Sie zeigen auf, welche Objektive unter Laborbedingungen Spitzenleistungen erbringen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Listen nicht das „beste“ Objektiv für *Ihren* spezifischen Anwendungsfall bestimmen. Ein Objektiv, das in Labortests exzellente Schärfe liefert, mag sehr teuer, schwer oder unpraktisch für Ihre Art der Fotografie sein. Die in der Einleitung erwähnte Top 10 Liste von DxOMark, die hier nicht vollständig wiedergegeben werden kann, da die genauen Daten in der Ausgangsinformation fehlen, unterstreicht die Vielfalt: Von extrem teuren Spezialobjektiven bis hin zu erschwinglichen Dritthersteller-Optionen ist alles dabei. Dies zeigt, dass „Bestleistung“ im Labor nicht gleichbedeutend ist mit „bestes Objektiv für jedermann“.

Nutzen Sie DxOMark-Rankings und andere Testberichte als eine Informationsquelle, aber treffen Sie Ihre endgültige Entscheidung basierend auf Ihren eigenen Anforderungen an Bajonett, Brennweite, Lichtstärke, Ausstattung, Größe, Gewicht und natürlich Ihrem Budget.

Vergleichende Betrachtung: Zoom vs. Festbrennweite

Um die Entscheidung zwischen diesen beiden Objektivtypen zu erleichtern, hier eine vergleichende Übersicht basierend auf den typischen Eigenschaften:

MerkmalZoomobjektivFestbrennweite
FlexibilitätSehr hoch (verschiedene Brennweiten in einem Objektiv)Gering (feste Brennweite)
Bildqualität (typisch)Gut bis sehr gut, oft mit Kompromissen am Rand oder bei OffenblendeSehr gut bis exzellent, oft überlegen bei Offenblende und über das gesamte Bildfeld
Lichtstärke (maximal)Oft moderater (z.B. f/2.8, f/4), variable Blende bei günstigeren ZoomsOft sehr hoch möglich (z.B. f/1.8, f/1.4, f/1.2)
Größe & Gewicht (typisch)Variabel, lichtstarke Zooms können groß und schwer seinOft kompakter und leichter (insbesondere moderate Brennweiten mit moderater Lichtstärke)
PreisspanneSehr breit, von günstig bis sehr teuerSehr breit, kann bei hoher Lichtstärke oder speziellen Optiken sehr teuer sein
AnwendungsbereicheReise, Reportage, Veranstaltungen, Situationen mit schnellem BrennweitenwechselPorträt, Street, Astrofotografie, Low-Light, künstlerische Fotografie mit geringer Tiefenschärfe

Häufig gestellte Fragen zur Objektivwahl

Die Suche nach dem richtigen Objektiv wirft oft ähnliche Fragen auf. Hier sind Antworten auf einige der häufigsten:

Kann ich ein Objektiv von Drittherstellern (z.B. Sigma, Tamron) für meine Kamera verwenden?

Ja, viele Dritthersteller produzieren Objektive mit verschiedenen Bajonetten, die direkt an Kameras von Canon, Nikon, Sony, Fuji, etc. passen. Achten Sie beim Kauf genau darauf, dass das Objektiv für das spezifische Bajonett Ihrer Kamera ausgewiesen ist (z.B. 'Sigma 50mm f/1.4 DG DN Art für Sony E-Mount', 'Tamron 17-70mm f/2.8 Di III-A VC RXD für Fuji X-Mount'). Diese Objektive sind oft eine preisgünstigere Alternative zu den Originalobjektiven des Kameraherstellers, bieten aber teilweise vergleichbare oder sogar exzellente optische Qualität.

Was bedeutet die Brennweite auf einem Objektiv (z.B. 50mm, 200mm)?

Die Brennweite bestimmt den Bildwinkel und damit, wie viel von der Szene auf dem Sensor abgebildet wird und wie groß Objekte in der Ferne erscheinen. Eine kleine Brennweite (z.B. 20mm) hat einen weiten Bildwinkel (Weitwinkel) und eignet sich für Landschaften oder Architektur. Eine mittlere Brennweite (z.B. 50mm) hat einen ähnlichen Bildwinkel wie das menschliche Auge (Normalbrennweite). Eine große Brennweite (z.B. 200mm) hat einen engen Bildwinkel (Tele) und lässt weit entfernte Objekte näher erscheinen, ideal für Porträts oder Tierfotografie.

Was bedeutet die Blendenzahl (f-Zahl) auf einem Objektiv (z.B. f/1.8, f/5.6)?

Die Blendenzahl beschreibt die Größe der Blendenöffnung im Verhältnis zur Brennweite. Eine kleine f-Zahl (z.B. f/1.8) bedeutet eine große Blendenöffnung (lichtstark) und lässt viel Licht durch. Dies ermöglicht kurze Belichtungszeiten und erzeugt eine geringe Tiefenschärfe (viel Hintergrundunschärfe). Eine große f-Zahl (z.B. f/16) bedeutet eine kleine Blendenöffnung (lichtschwach) und lässt wenig Licht durch. Dies erfordert längere Belichtungszeiten oder höhere ISO-Werte, führt aber zu einer größeren Tiefenschärfe (mehr ist scharf im Bild).

Lohnt es sich, gebrauchte Objektive zu kaufen?

Der Kauf gebrauchter Objektive kann eine hervorragende Möglichkeit sein, hochwertige Optiken zu einem reduzierten Preis zu erwerben. Achten Sie beim Kauf auf den Zustand: Gibt es Kratzer auf den Linsen (Front oder Rückseite)? Ist Pilz oder Staub im Inneren? Funktioniert der Autofokus und die Blende einwandfrei? Kaufen Sie möglichst bei seriösen Händlern mit Rückgaberecht oder überprüfen Sie das Objektiv sorgfältig persönlich.

Fazit: Das beste Objektiv ist das Richtige für Sie

Angesichts der riesigen Auswahl und der technischen Vielfalt gibt es kein einzelnes „bestes“ Objektiv, das für jeden Fotografen und jede Situation geeignet ist. Selbst Bestenlisten von Testern wie DxOMark sind nur ein Puzzleteil bei der Entscheidung. Sie zeigen die reine optische Leistung unter Idealbedingungen, aber nicht die Handhabung, die Bauqualität für den Praxiseinsatz oder das Preis-Leistungs-Verhältnis im Kontext Ihres Budgets.

Das beste Objektiv für Sie ist dasjenige, das:

  1. Zum Bajonett Ihrer Kamera passt.
  2. Die Brennweite oder den Brennweitenbereich abdeckt, den Sie für Ihre bevorzugten Motive benötigen.
  3. Die notwendige Lichtstärke für Ihre typischen Lichtverhältnisse und kreativen Absichten bietet (z.B. Bokeh).
  4. Über die Ausstattungsmerkmale verfügt, die Ihnen wichtig sind (z.B. schneller AF, Stabilisator, Witterungsschutz).
  5. In Ihr Budget passt.

Nehmen Sie sich Zeit, definieren Sie Ihre Bedürfnisse und recherchieren Sie dann gezielt nach Objektiven, die diese Kriterien erfüllen. Lesen Sie Testberichte, schauen Sie Beispielbilder an und, wenn möglich, nehmen Sie das Objektiv vor dem Kauf selbst in die Hand. So finden Sie nicht das objektiv „beste“ Objektiv der Welt, sondern das subjektiv beste Objektiv für *Ihre* Fotografie.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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