Kann jede Kamera Infrarot sehen?

Kamera auf Infrarot umrüsten: Lohnt es sich?

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Die Welt, wie wir sie sehen, ist nur ein kleiner Teil des Lichtspektrums. Jenseits des roten Lichts, das für das menschliche Auge sichtbar ist, liegt das Infrarotlicht (IR). Dieses unsichtbare Licht birgt ein enormes kreatives Potenzial für Fotografen. Doch wie fängt man etwas ein, das man nicht sehen kann? Während traditionelle Methoden wie Infrarotfilm oder externe Filter existieren, bietet die Umrüstung einer Digitalkamera auf Infrarot eine überzeugende Alternative mit zahlreichen Vorteilen.

Infrarotfotografie unterscheidet sich grundlegend von der herkömmlichen Fotografie. Pflanzen, die im sichtbaren Licht grün erscheinen, reflektieren Infrarotlicht stark und erscheinen oft hell oder weiß. Wasser und Himmel absorbieren IR-Licht und werden typischerweise dunkel dargestellt. Dies führt zu surrealen und oft magisch anmutenden Bildern, die eine völlig neue Perspektive auf bekannte Szenen eröffnen. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, ist die richtige Technik entscheidend.

Was kostet eine Infrarotkamera?
KameramodellUVPErsparnisseFLIR E8 Pro3499 €1679 €FLIR E6 Pro2199 €1129 €FLIR E5 Pro1499 €1059 €

Die Herausforderungen der Infrarotfotografie

Da Infrarotlicht für das menschliche Auge unsichtbar ist, birgt das Fotografieren in diesem Spektrum einige Herausforderungen. Bei der Verwendung von Infrarotfilm war die Fokussierung oft problematisch, da Infrarotlicht anders fokussiert als sichtbares Licht. Auch die Belichtungsmessung war schwierig, da die Menge des Infrarotlichts in einer Szene unabhängig von der sichtbaren Helligkeit ist. Dies erforderte oft die Aufnahme mehrerer Belichtungen, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten.

Zudem ist IR-Film sowohl für sichtbares als auch für Infrarotlicht empfindlich. Um reines Infrarotlicht einzufangen, musste ein opaker Filter vor das Objektiv gesetzt werden, der das sichtbare Licht blockierte. Dies machte die Nutzung eines Stativs unumgänglich. Der Fotograf musste das Bild zuerst ohne Filter komponieren, dann den Filter anbringen und schließlich die Aufnahme machen. Die Entwicklung von IR-Film war ebenfalls aufwendig, und 35-mm-Infrarotfilm wird heute kaum noch hergestellt, was ihn zu einer teuren und schwer zugänglichen Option macht.

Digitale Kameras: Externe Filter vs. interne Umrüstung

Digitale Kamerasensoren sind von Natur aus empfindlich für Infrarotlicht. Allerdings enthalten die meisten Digitalkameras einen internen Filter, oft als „Hot Mirror“ bezeichnet, der den Großteil dieses Lichts blockiert. Das ist für die normale Fotografie gut, da es zu akkuraten Farben führt. Wenn Sie jedoch Infrarot-Bilder aufnehmen möchten, stellt dieser Filter ein Hindernis dar.

Infrarotfotografie ist auch mit einer nicht umgebauten Digitalkamera möglich, indem man einen externen Infrarotfilter vor das Objektiv schraubt (z. B. einen 720nm-Filter). Bedenken Sie jedoch, dass bei dieser Methode zwei Filter im Lichtweg sind: der interne Filter, der IR blockiert, und der externe Filter, der sichtbares Licht blockiert. Diese beiden Filter wirken gegeneinander, was extrem lange Belichtungszeiten erfordert, um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Solche langen Belichtungszeiten machen es praktisch unmöglich, scharfe Infrarotbilder von sich bewegenden Objekten oder Personen aufzunehmen. Der externe, opake Filter erschwert zudem die Bildkomposition durch den Sucher einer DSLR erheblich.

Eine nicht umgebaute Digitalkamera kann mit externen Filtern in der Regel nur Infrarotaufnahmen im Bereich von 720 nm oder 850 nm machen, da der interne Filter das kurzwellige IR-Licht effektiver blockiert.

Die digitale Umrüstung: Vorteile auf einen Blick

Bei einer Infrarot-Umrüstung wird der interne Hot Mirror der Kamera entfernt und durch einen Filter ersetzt, der nur Infrarotlicht durchlässt. Dies ermöglicht Infrarotaufnahmen aus der Hand mit normalen Belichtungszeiten und niedriger ISO-Empfindlichkeit. Es sind keine Filter mehr vor dem Objektiv nötig, was die Bildkomposition und den Objektivwechsel erleichtert.

Kann ich meine Kamera auf Infrarot umrüsten?
Infrarotfotografie ist mit einer nicht umgebauten Kamera mit einem externen Infrarotfilter wie unserem 720-nm-Filter möglich . Beachten Sie dabei jedoch, dass sich zwei Filter im Lichtweg befinden. Ein Filter blockiert das Infrarotlicht am Sensor, der externe Infrarotfilter blockiert das sichtbare Licht.

Eine umgebaute Digitalkamera ist die einzige Möglichkeit, gute digitale Infrarotporträts aufzunehmen, da die Person nicht mehr stillstehen muss. Da der Filter nun im Kameragehäuse sitzt, funktioniert auch der Autofokus weiterhin zuverlässig. Eine IR-Umrüstung eröffnet zudem die Möglichkeit, mit verschiedenen Wellenlängen zu experimentieren, die mit Standardkameras und externen Filtern nicht zugänglich sind, wie z. B. 590 nm (Goldie IR), 665 nm (Enhanced Color IR) oder spezielle Blue IR-Filter. Darüber hinaus können Sie mit einer umgerüsteten Kamera auch Fischaugen- und Weitwinkelobjektive verwenden, die oft nicht mit externen Filtern kompatibel sind.

Verschiedene Arten der Infrarot-Umrüstung

Je nach dem Filter, der anstelle des ursprünglichen Hot Mirrors eingesetzt wird, ergeben sich unterschiedliche Effekte und Anwendungsmöglichkeiten:

  • Wellenlängen-spezifische Filter (z.B. 720nm, 850nm, 665nm, 590nm): Diese Filter lassen nur Licht oberhalb der angegebenen Wellenlänge passieren. Ein 720nm-Filter ist sehr verbreitet und erzeugt den klassischen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Look. Kürzere Wellenlängen (665nm, 590nm) lassen noch einen geringen Anteil an sichtbarem Rot- oder Gelblicht durch, was kreative Farb-Infrarotbilder ermöglicht, die oft durch Kanaltausch in der Nachbearbeitung manipuliert werden. Ein 850nm-Filter blockiert fast alles sichtbare Licht und erzeugt sehr dunkle Himmel und extrem helle Vegetation, ideal für reines Schwarz-Weiß-IR.
  • Full-Spectrum-Umrüstung: Bei dieser Umrüstung wird der interne Hot Mirror entfernt und durch klares Glas ersetzt. Die Kamera ist danach empfindlich für Ultraviolett (UV), sichtbares Licht und Infrarotlicht. Dies ist eine ausgezeichnete Option für Fotografen, die nicht eine Kamera ausschließlich für Infrarot nutzen möchten. Durch die Verwendung verschiedener externer Filter (UV-Pass, IR-Pass, oder normale UV/IR-Sperrfilter) kann die Kamera dann für UV-, sichtbare Licht- oder Infrarotfotografie verwendet werden. Diese Methode bietet maximale Flexibilität, erfordert aber die ständige Nutzung von externen Filtern, um ein bestimmtes Spektrum zu isolieren.

Vergleich: IR-Fotografie-Methoden

Um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Methoden zur Infrarotfotografie zu verdeutlichen, werfen wir einen Blick auf diese Vergleichstabelle:

MerkmalIR-FilmDigitalkamera + externer IR-FilterDigitalkamera mit IR-UmrüstungWärmebildkamera (z.B. FLIR)
Erfasster LichtbereichIR + sichtbarIR (eingeschränkt durch internen Filter)Spezifisches IR-Spektrum oder Full-SpectrumThermische Infrarotstrahlung (Wärme)
FokussierungSchwierig, IR-Fokuspunkt beachtenSchwierig mit opaken FilternNormal (Autofokus funktioniert)Je nach Modell, Fokus auf Temperaturverteilung
BelichtungszeitenVariabel, oft mehrere Versuche nötigSehr lang (Sekunden bis Minuten)Normal (ähnlich sichtbarem Licht)Schnell (Echtzeit-Bild)
Handheld-AufnahmenKaum möglich (Stativ nötig)Kaum möglich (Stativ nötig)Problemlos möglichProblemlos möglich
KompositionMit Filter schwierigMit Filter schwierigNormal (durch Sucher/Display)Normal (Display)
Verfügbare WellenlängenFilm-spezifischBegrenzt (typ. 720nm, 850nm)Vielfältig (590nm - 850nm+, Full-Spectrum)Thermisch (typ. 8-14 µm)
Kosten (allgemein)Teuer (Film + Entwicklung)Relativ günstig (Filterkauf)Einmalige Investition (Umrüstung)Hohe Investition (spezialisiertes Gerät)
HauptanwendungKünstlerische FotografieExperimentelle FotografieKünstlerische, wissenschaftliche FotografieIndustrie, Bauwesen, Medizin, Sicherheit (Temperaturmessung)

Infrarotfotografie vs. Wärmebildkameras

Es ist wichtig, zwischen einer umgebauten Infrarotkamera für die Fotografie und einer Wärmebildkamera (wie z. B. von FLIR) zu unterscheiden. Während beide im Infrarotbereich arbeiten, erfassen sie unterschiedliche Arten von Infrarotlicht und haben völlig verschiedene Anwendungsbereiche.

Eine umgebaute Fotokamera erfasst das reflektierte Nah-Infrarotlicht (NIR), das sich direkt jenseits des sichtbaren Spektrums befindet (typischerweise 700 nm bis ca. 1100 nm). Sie zeigt, wie Objekte IR-Licht reflektieren, ähnlich wie eine normale Kamera sichtbares Licht reflektiert. Dies wird hauptsächlich für künstlerische oder wissenschaftliche Zwecke genutzt (z. B. Pflanzenstudien, Dokumentation von Kunstwerken).

Eine Wärmebildkamera hingegen erfasst die thermische Infrarotstrahlung, die von Objekten aufgrund ihrer Temperatur abgegeben wird (typischerweise im Langwellen-Infrarotbereich, 8-14 Mikrometer). Sie misst und visualisiert die Temperaturverteilung auf Oberflächen. Solche Kameras werden in der Industrie, im Bauwesen, in der Medizin oder für Sicherheitsanwendungen eingesetzt, um Probleme wie Überhitzung, Lecks, Isolationsmängel oder erhöhte Körpertemperaturen zu erkennen. Sie sind spezialisierte Messinstrumente und in der Regel deutlich teurer als die Umrüstung einer Standardkamera.

Die FLIR-Systeme, von denen in den bereitgestellten Informationen die Rede ist, sind Beispiele für solche professionellen Wärmebildkameras. Sie zeichnen sich durch einfache Bedienung, die Fähigkeit, Temperaturunterschiede zu messen und zu lokalisieren, und die Erstellung von radiometrischen Bildern aus, die eine genaue Analyse ermöglichen. Diese Kameras sind für Aufgaben konzipiert, bei denen die Messung von Wärme entscheidend ist, nicht die künstlerische Darstellung reflektierten Infrarotlichts.

Häufig gestellte Fragen zur Kamera-Umrüstung

Warum sollte ich meine Kamera umrüsten lassen?
Eine Umrüstung ermöglicht Infrarotfotografie mit normalen Belichtungszeiten, aus der Hand, mit funktionierendem Autofokus und Zugriff auf ein breiteres Spektrum an IR-Wellenlängen. Sie ist die komfortabelste und flexibelste Methode für ernsthafte IR-Fotografie.
Kann ich nicht einfach einen externen Filter verwenden?
Ja, das ist möglich, aber mit erheblichen Einschränkungen. Sie benötigen sehr lange Belichtungszeiten (Stativ erforderlich), der Autofokus funktioniert oft nicht zuverlässig, die Bildkomposition ist erschwert, und die Auswahl an nutzbaren Wellenlängen ist begrenzt.
Welche Art der Umrüstung ist die richtige für mich?
Das hängt von Ihren Zielen ab. Ein wellenlängen-spezifischer Filter (z. B. 720nm) ist gut, wenn Sie sich auf einen bestimmten Look konzentrieren möchten (z. B. Schwarz-Weiß-IR). Eine Full-Spectrum-Umrüstung bietet maximale Flexibilität, erfordert aber externe Filter für jede Aufnahme (UV, Visible oder IR).
Wird meine Kamera nach der Umrüstung noch normal funktionieren?
Nein, eine Kamera mit einem festen IR-Pass-Filter ist danach ausschließlich für Infrarotfotografie geeignet. Eine Full-Spectrum-Kamera kann mit den entsprechenden externen Filtern für normale Fotografie verwendet werden, ist aber ohne Filter für alle Lichtarten empfindlich, was zu ungewöhnlichen Ergebnissen führt.
Ist eine umgebaute Kamera dasselbe wie eine Wärmebildkamera?
Nein, absolut nicht. Eine umgebaute Kamera erfasst reflektiertes Nah-Infrarotlicht für fotografische Zwecke. Eine Wärmebildkamera misst die von Objekten abgegebene thermische Infrarotstrahlung (Wärme) und wird für Inspektionen, Diagnosen oder Überwachung eingesetzt.
Was kostet eine Kamera-Umrüstung?
Die Kosten für eine Umrüstung variieren je nach Kameramodell und Anbieter des Umbauservices. Sie stellen eine einmalige Investition dar, die sich für begeisterte Infrarotfotografen jedoch schnell bezahlt machen kann im Vergleich zum Kauf und der Entwicklung von IR-Film oder dem mühsamen Arbeiten mit externen Filtern.

Fazit

Für jeden, der sich ernsthaft mit der faszinierenden Welt der Infrarotfotografie beschäftigen möchte, ist die Umrüstung einer Digitalkamera die bei weitem effektivste und angenehmste Methode. Sie überwindet die Einschränkungen von Film und externen Filtern und eröffnet neue kreative Möglichkeiten. Während spezialisierte Wärmebildkameras ihren wichtigen Platz in technischen und industriellen Anwendungen haben, ist die umgebaute Fotokamera das Werkzeug der Wahl für die künstlerische und experimentelle Erforschung des unsichtbaren Lichts.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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