Die Nieren sind lebenswichtige Organe, die eine zentrale Rolle bei der Ausscheidung von Abbauprodukten, der Regulierung des Wasser- und Salzhaushaltes sowie der Beeinflussung des Blutdrucks spielen. Wenn die Funktion dieser komplexen Organe beeinträchtigt ist, kann eine spezielle Untersuchung notwendig werden, um die Ursache und das Ausmaß der Störung genau zu bestimmen. Eine solche Untersuchung ist die Nierenszintigraphie, ein bildgebendes Verfahren, das sich von anderen Methoden wie Ultraschall, CT oder MRT unterscheidet, indem es primär die Nierenfunktion und das Abflussverhalten des Harns misst.

Anders als die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), die hauptsächlich strukturelle Details der Niere und der ableitenden Harnwege darstellen, konzentriert sich die Nierenszintigraphie auf die dynamischen Prozesse der Harnbildung und -ausscheidung. Dies macht sie besonders wertvoll bei bestimmten Fragestellungen, insbesondere wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist.
Was genau ist eine Nierenszintigraphie?
Bei der Nierenszintigraphie handelt es sich um ein nuklearmedizinisches Verfahren. Das bedeutet, dass ein schwach radioaktives Medikament, ein sogenanntes Radiopharmakon, verwendet wird, um die Funktion der Nieren sichtbar zu machen. Dieses Medikament wird in eine Vene injiziert und seine Ausscheidung über die Nieren in die Harnblase wird von einer speziellen Kamera, einer Gamma-Kamera, verfolgt und aufgezeichnet.
Die Untersuchung ermöglicht eine quantitative Analyse der Nierenfunktion. Es kann seitengetrennt gemessen werden, wie gut jede einzelne Niere arbeitet (die sogenannte Clearance-Leistung) und wie schnell der Urin vom Nierenbecken durch die Harnleiter in die Blase abfließt (das Abflussverhalten). Durch die Verfolgung des Radiopharmakons auf seinem Weg durch das Harnsystem können Ärzte detaillierte Informationen über die Leistungsfähigkeit und eventuelle Abflusshindernisse der Nieren gewinnen.
Wann ist eine Nierenszintigraphie sinnvoll?
Die Nierenszintigraphie wird bei einer Reihe von spezifischen medizinischen Indikationen eingesetzt. Ihr großer Vorteil ist, dass sie auch dann noch durchgeführt werden kann, wenn die Nierenfunktion bereits deutlich eingeschränkt ist, zum Beispiel bei einem stark erhöhten Kreatininwert. In solchen Fällen sind Kontrastmitteluntersuchungen mittels Röntgen oder CT oft nicht mehr möglich, da die verwendeten Kontrastmittel die bereits geschwächten Nieren zusätzlich belasten könnten. Die Nierenszintigraphie bietet hier eine wichtige Alternative.
Typische Gründe, warum eine Nierenszintigraphie angeordnet wird, sind:
- Harnabflussbehinderungen: Zum Beispiel durch Verengungen im Bereich des Harnleiterabgangs (Ureterabgangsstenosen) oder zur Kontrolle nach einer erfolgten Harnleiterschienung. Die Untersuchung zeigt, ob der Urin frei abfließen kann.
- Nierenfunktionsprüfung: Bei geschrumpften Nieren (Schrumpfnieren), Nieren, die sich nicht an ihrer normalen Position befinden (Lageanomalien wie Beckennieren), angeborenen Nierenanomalien oder bei Nierentumoren. Die Szintigraphie liefert wichtige Informationen über die verbleibende Funktion vor geplanten Eingriffen wie Operationen oder Chemotherapien.
- Unklare Nierenfunktionsstörung: Wenn die Ursache einer Nierenfunktionsstörung oder einer Erhöhung des Kreatininwerts unklar ist, kann die Szintigraphie helfen, die Funktion objektiv zu beurteilen.
- Nierenarterienstenose (NAST): Als mögliche Ursache für Bluthochdruck (sogenannter renaler Hypertonus). Die Szintigraphie kann Hinweise darauf geben, ob eine Verengung der Nierenarterie die Nierenfunktion beeinträchtigt und somit den Blutdruck erhöht.
- Ermittlung der Seitentrennung: Vor der geplanten Entfernung einer Niere oder eines Teils einer Niere ist es entscheidend zu wissen, wie groß der funktionelle Anteil der einzelnen Nieren ist. Die Szintigraphie liefert eine exakte prozentuale Aufteilung der Gesamtfunktion auf die linke und rechte Niere.
Diese Indikationen zeigen, dass die Nierenszintigraphie ein unverzichtbares Werkzeug ist, um die dynamische Funktion und das Abflussverhalten der Nieren zu bewerten, insbesondere in Situationen, in denen strukturelle Bildgebung allein nicht ausreicht oder andere Methoden aufgrund der Nierenfunktion nicht einsetzbar sind.
Der Ablauf einer Nierenszintigraphie Untersuchung
Eine Nierenszintigraphie erfordert eine gewisse Vorbereitung und dauert insgesamt etwa anderthalb bis zwei Stunden, obwohl die eigentliche Aufnahmezeit kürzer ist.

Vor der Untersuchung erhalten Sie eine ausführliche Aufklärung über den Ablauf. Eine besondere Vorbereitung bezüglich der Nahrungsaufnahme ist nicht notwendig; Sie müssen nicht nüchtern erscheinen. Es ist jedoch sehr wichtig, dass Sie vor der Untersuchung ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Dies kann durch reichliches Trinken geschehen oder, falls notwendig, durch eine Infusion mit isotoner Kochsalzlösung. Eine ausreichende „Wässerung“ ist entscheidend für die Qualität der Aufnahmen und die Beurteilung des Abflussverhaltens.
Für die Untersuchung selbst liegen Sie in der Regel in Rückenlage auf der Liege unter der Gamma-Kamera. Die eigentliche Aufnahme beginnt gleichzeitig mit der Injektion des schwach radioaktiv markierten Medikaments (oft MAG3) in eine Armvene. Die Kamera zeichnet nun über einen Zeitraum von etwa 40 Minuten (oder zunächst 20 Minuten) den Weg des Medikaments von den Nieren in die Blase auf. Während dieser Zeit ist es wichtig, möglichst ruhig liegen zu bleiben, um eine gute Bildqualität zu gewährleisten.
Nach etwa der Hälfte der Aufnahmezeit oder nach 20 Minuten kann es notwendig sein, eine harntreibende Substanz (ein Diuretikum) zu injizieren. Dies geschieht, um das Abflussverhalten in den ableitenden Harnwegen unter forcierter Urinproduktion zu beurteilen. Zeigt sich bereits in der ersten Phase eine verminderte Abflussgeschwindigkeit, hilft die Gabe des Diuretikums zu unterscheiden, ob es sich um eine echte Verengung handelt oder ob der Abfluss nur verlangsamt ist. Falls das Diuretikum gegeben wird, folgt eine weitere Aufnahmephase von etwa 20 Minuten.
Nach Abschluss der Aufnahmen erfolgt eine erste Auswertung und Beurteilung der Bilder durch den Arzt. Das Ergebnis wird Ihnen im Anschluss gezeigt und erläutert.
Die statische Nierenszintigraphie (DMSA)
Neben der häufigeren dynamischen Nierenszintigraphie gibt es auch eine statische Form der Untersuchung, die seltener bei speziellen Fragestellungen eingesetzt wird. Hierbei wird ein anderes Radiopharmakon verwendet, nämlich DMSA. Im Gegensatz zur dynamischen Szintigraphie, bei der die Aufnahme direkt nach der Injektion beginnt, reichert sich DMSA im Nierengewebe an. Die Aufnahmen werden daher erst etwa 3 Stunden nach der Injektion angefertigt. Diese statische Szintigraphie dient primär der Darstellung des Nierengewebes selbst und kann beispielsweise zur Beurteilung von Niereninfarkten oder zur genauen Größenbestimmung von Nierenanteilen nach Operationen eingesetzt werden. Die gesamte Zeit, die Sie für eine DMSA-Szintigraphie einplanen sollten, beträgt daher etwa 4 Stunden.
Ist eine Nierenszintigraphie gefährlich? Welche Nebenwirkungen gibt es?
Eine der häufigsten Fragen von Patienten ist, ob eine Nierenszintigraphie gefährlich ist oder mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden ist. Basierend auf den verfügbaren Informationen kann hier Entwarnung gegeben werden.
Die Nierenszintigraphie gilt als sehr sicheres Verfahren. Das verwendete Radiopharmakon ist nur schwach radioaktiv und wird sehr schnell über die Nieren wieder ausgeschieden. Aufgrund dieser raschen Ausscheidung ist die Strahlenexposition für den Körper insgesamt sehr gering. Sie ist vergleichbar mit der Strahlenbelastung bei einer Röntgenuntersuchung und liegt deutlich unter der Belastung bei einer CT-Untersuchung.

Nebenwirkungen im Sinne von allergischen Reaktionen oder anderen Unverträglichkeiten gegenüber dem Radiopharmakon sind extrem selten. Die Verträglichkeit des verwendeten Medikaments (MAG3 oder DMSA) ist generell sehr gut.
Im Vergleich zu Kontrastmitteln, die bei Röntgen- oder CT-Untersuchungen eingesetzt werden (iodhaltige Kontrastmittel), oder auch den Kontrastmitteln, die manchmal bei der MRT verwendet werden (gadoliniumhaltige Kontrastmittel), ist das Risiko von Nebenwirkungen bei der Nierenszintigraphie deutlich geringer. Insbesondere für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei denen iodhaltige Kontrastmittel ein Risiko darstellen können, ist die Nierenszintigraphie oft die sicherere Alternative.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Nierenszintigraphie ist ein sicheres und schonendes Verfahren zur Beurteilung der Nierenfunktion und des Harnabflusses. Die Strahlenexposition ist gering und das Risiko von Nebenwirkungen minimal.
Nierenszintigraphie im Vergleich zu CT und MRT
Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich die Nierenszintigraphie grundlegend von der CT und der MRT. Während CT und MRT detaillierte Bilder der Anatomie und Struktur der Nieren, Harnleiter und Blase liefern können, konzentriert sich die Szintigraphie auf die Darstellung der Funktion. Dies sind die Hauptunterschiede:
- Funktion vs. Struktur: Die Szintigraphie misst die Leistungsfähigkeit der Nieren und den Harnfluss. CT und MRT stellen Steine, Tumore, Zysten, Gefäßveränderungen und die allgemeine Form und Größe der Organe dar.
- Strahlenbelastung: Die CT arbeitet mit Röntgenstrahlung und hat eine höhere Strahlenbelastung als die Szintigraphie. Die MRT arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen und kommt gänzlich ohne ionisierende Strahlung aus. Die Szintigraphie verwendet kurzlebige Gammastrahlung, die Dosis ist aber durch die schnelle Ausscheidung gering.
- Kontrastmittel: Für CT und oft auch für MRT werden Kontrastmittel eingesetzt, um Strukturen besser sichtbar zu machen oder die Durchblutung zu beurteilen. Diese Kontrastmittel können, insbesondere bei vorliegender Nierenschwäche, ein Risiko darstellen und erfordern eine vorherige Prüfung der Nierenfunktion (Kreatininwert). Bei der Nierenszintigraphie ist das verwendete Radiopharmakon ebenfalls ein Kontrastmittel im weitesten Sinne, aber es ist anders beschaffen, wird schneller ausgeschieden und ist in der Regel auch bei eingeschränkter Nierenfunktion anwendbar. Gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel sind zwar meist besser verträglich als iodhaltige CT-Kontrastmittel, aber auch sie können bei schwerer Nierenerkrankung problematisch sein.
Die Nierenszintigraphie ist daher oft die Methode der Wahl, wenn es darum geht, die Nierenfunktion quantitativ und seitengetrennt zu beurteilen, das Abflussverhalten zu überprüfen oder wenn andere bildgebende Verfahren mit Kontrastmittel aufgrund der Nierenfunktion nicht in Frage kommen. CT und MRT sind hingegen besser geeignet, um die genaue Lokalisation von Steinen, die Größe und Ausdehnung von Tumoren oder entzündlichen Veränderungen sowie Gefäßprobleme darzustellen.
Häufig gestellte Fragen zur Nierenszintigraphie
Hier fassen wir die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Nierenszintigraphie noch einmal für Sie zusammen:
Was ist eine Nierenszintigraphie?
Es ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die mithilfe eines schwach radioaktiven Medikaments (Radiopharmakon) die Funktion und das Abflussverhalten der Nieren quantitativ und seitengetrennt misst.
Warum wird eine Nierenszintigraphie durchgeführt?
Sie wird eingesetzt, um Harnabflussbehinderungen zu erkennen, die Nierenfunktion vor OPs oder Therapien zu prüfen, bei unklarer Nierenfunktionsstörung oder erhöhtem Kreatininwert sowie zur Abklärung einer Nierenarterienstenose oder zur Bestimmung der Funktionsaufteilung vor Nierenentfernung.

Wie läuft die Untersuchung ab?
Nach ausreichender Flüssigkeitsaufnahme wird das Radiopharmakon in eine Vene injiziert. Sie liegen unter einer Gamma-Kamera, die über ca. 40 Minuten Bilder aufzeichnet. Gegebenenfalls wird nach etwa 20 Minuten ein harntreibendes Mittel gespritzt, gefolgt von einer weiteren Aufnahmephase.
Ist eine besondere Vorbereitung notwendig?
Ja, Sie sollten vor der Untersuchung ausreichend trinken. Sie müssen nicht nüchtern sein. Es sollten in den 3 Tagen zuvor keine anderen Untersuchungen mit intravenösem Kontrastmittel stattgefunden haben.
Wie lange dauert eine Nierenszintigraphie?
Die eigentliche Aufnahme dauert ca. 40 Minuten. Mit Vorbereitung, Injektion und kurzer Auswertung sollten Sie insgesamt etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Eine statische DMSA-Szintigraphie dauert inklusive Wartezeit ca. 4 Stunden.
Ist die Nierenszintigraphie gefährlich oder gibt es Nebenwirkungen?
Nein, die Untersuchung gilt als sehr sicher. Das Radiopharmakon ist nur schwach radioaktiv und wird schnell ausgeschieden, was zu einer geringen Strahlenexposition führt. Allergische Reaktionen oder andere Unverträglichkeiten sind sehr selten. Sie ist oft eine sicherere Alternative zu Kontrastmittel-CTs bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Wann ist die Nierenszintigraphie besser als CT oder MRT?
Die Szintigraphie ist besser geeignet, um die Nierenfunktion und den Harnabfluss zu beurteilen, insbesondere seitengetrennt. Sie ist oft die Methode der Wahl, wenn eine CT oder MRT mit Kontrastmittel aufgrund einer eingeschränkten Nierenfunktion nicht durchgeführt werden kann.
Fazit
Die Nierenszintigraphie ist ein wichtiges und sicheres diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der dynamischen Funktion der Nieren und des Harnabflusses. Sie ergänzt andere bildgebende Verfahren und ist in bestimmten klinischen Situationen, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion oder zur quantitativen Funktionsanalyse, unverzichtbar. Dank der geringen Strahlenexposition und der guten Verträglichkeit des Radiopharmakons stellt sie für viele Patienten eine schonende Möglichkeit dar, die Gesundheit ihrer Nieren umfassend beurteilen zu lassen.
Hat dich der Artikel Nierenszintigraphie: Ablauf, Zweck & Sicherheit interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
