Oberyn Martell, bekannt als die Rote Viper, ist eine der schillerndsten und umstrittensten Figuren aus Westeros. Sein Auftreten war ebenso furchteinflößend wie faszinierend, und sein Ruf eilte ihm voraus. Doch wer war dieser Mann wirklich? War er, wie manche ihn sahen, ein gefährlicher und rücksichtsloser Prinz, oder verbarg sich mehr hinter der Fassade des provokanten Kämpfers?
Die Frage, ob Oberyn ein „guter Kerl“ war, ist komplex. Die uns vorliegenden Informationen zeichnen ein Bild, das weit entfernt von konventioneller Güte ist. Er wird als gefährlich, gewalttätig, rücksichtslos und arrogant beschrieben. Ein besonders bekanntes Beispiel für seine zwiespältige Natur ist der Vorfall mit Lord Yronwood. Oberyn schlief mit der Geliebten des früheren Lords Yronwood, was zu einem Duell führte. Nach diesem Duell, bei dem Oberyn siegreich war, starb Lord Yronwood, und es gab Gerüchte, dass Oberyn ihn vergiftet haben könnte. Solche Taten, gepaart mit seinem Ruf als „Rote Viper“, lassen ihn in einem fragwürdigen Licht erscheinen. Auch bei seinem ersten Treffen mit Tyrion Lannister wirkte er provokativ, obwohl unklar bleibt, ob dies seiner allgemeinen Art entsprach oder gezielt war, weil Tyrion ein Lannister war – das Haus, dem Oberyn zutiefst misstraute.

Der Rote Viper – Ein zwiespältiger Charakter?
Betrachtet man die Taten und den Ruf Oberyns, fällt es schwer, ihn als traditionell „gut“ einzustufen. Seine Methoden waren oft brutal, und er schreckte vor Gewalt nicht zurück. Die Beschreibung als rücksichtslos und gefährlich scheint auf den ersten Blick zuzutreffen. Doch diese Eigenschaften waren in der Welt, in der er lebte, oft notwendig, insbesondere für jemanden aus Dorne, der die Ehre seines Hauses und die Erinnerung an erlittenes Unrecht hochhielt. Sein Stolz und seine Arroganz könnten auch als Ausdruck dornischer Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein gewertet werden.
Die Geschichte mit Lord Yronwood ist ein klares Beispiel für Oberyns Bereitschaft, Risiken einzugehen und Konsequenzen zu provozieren, selbst wenn sie tödlich sind. Die Möglichkeit, dass er Gift einsetzte – eine Methode, die später auch seinen Töchtern zugeschrieben wurde – unterstreicht seine Gerissenheit und seine Abkehr von ritterlichen Idealen. Dies macht ihn zu einer faszinierenden, wenn auch moralisch komplexen Figur, deren Handlungen oft von persönlichen Motivationen und dem Wunsch nach Gerechtigkeit oder Rache angetrieben wurden.
Oberyns Töchter – Die Sandnattern
Trotz seiner gefährlichen Natur und seines Rufs als rücksichtsloser Kämpfer gab es eine Seite an Oberyn Martell, die unzweifelhaft von Liebe und Fürsorge geprägt war: seine Beziehung zu seinen Töchtern. Oberyn hatte acht Bastardtöchter, die kollektiv als die Sandnattern bekannt sind. Dieser Spitzname leitet sich von ihrem Nachnamen „Sand“, der für Adelsbastarde in Dorne üblich ist, und vom Spitznamen ihres Vaters, der „Roten Viper“, ab.
Im Gegensatz zu vielen Adligen, die ihre unehelichen Kinder ignorierten, hat Oberyn alle seine Töchter anerkannt und sich um sie gekümmert. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass er liebevolle Beziehungen zu jeder von ihnen hatte. Er zeigte seine Zuneigung nicht nur durch Fürsorge, sondern auch, indem er sich aktiv an ihrem Leben beteiligte. Er trainierte die ältesten drei – Obara, Nymeria und Tyene – intensiv im Kampf. Er schrieb Gedichte für sie, wie zum Beispiel für Elia, und erwähnte seine acht Töchter sogar gegenüber Cersei Lannister, was zeigt, dass er stolz auf sie war und sie nicht versteckte.
Die Sandnattern waren loyal zu Haus Martell und wurden von ihrem Onkel Doran Martell, dem Prinzen von Dorne, ebenfalls als solche behandelt. Ihre Bindung zu ihrem Vater war tief, und sein Tod wurde zu einem mächtigen Motor für ihren Wunsch nach Rache. Ellaria Sand, Oberyns Geliebte und Mutter einiger Sandnattern, sprach von der Liebe, die das Volk für die Sandnattern empfand, und von ihrem unerschütterlichen Willen, ihren Vater zu rächen. Dies alles deutet darauf hin, dass Oberyn nicht nur ein Vater war, der seine Pflicht erfüllte, sondern ein Vater, der seine Töchter aufrichtig liebte und in ihr Leben investierte.
Ein Vergleich: Die Sandnattern in Buch und Serie
Die Darstellung der Sandnattern unterscheidet sich in den Büchern „Das Lied von Eis und Feuer“ und der Fernsehserie erheblich. Während sie in beiden Medien eine wichtige Rolle spielen, variieren ihre Persönlichkeiten, Motivationen und Schicksale stark. Hier ist ein Vergleich:
| Merkmal | Bücher („Das Lied von Eis und Feuer“) | Fernsehserie (Game of Thrones) |
|---|---|---|
| Anzahl (prominent) | 4 (Obara, Nymeria, Tyene, Sarella) + 4 jüngere | 3 (Obara, Nymeria, Tyene) + jüngere (Elia kurz erwähnt) |
| Mütter | Verschiedene Mütter für die älteren 4; Ellaria Sand für die jüngeren 4 (und eventuell Sarella) | Nur Ellaria Sand für Tyene und die jüngeren 3 (inkl. Elia). Mütter der älteren 2 unklar. |
| Persönlichkeiten (Älteste 4) | Obara: Kampfkraft, geradlinig, emotional aber beherrscht. Nymeria: Gerissenheit, Schönheit, berechnend. Tyene: Giftkunst, nicht kämpferisch erwähnt. Sarella: Intellekt, außerhalb Dornes. | Obara: Kampfkraft (Speer), wortkarg, irrational, kaltblütig. Nymeria: Gerissenheit (Peitsche), berechnend, enge Bindung zu Obara. Tyene: Impulsiv, hitzköpfig (Dolche), sadistisch, liebt Gift. |
| Waffen (Älteste 3/4) | Obara: Speer & Peitsche. Nymeria: Dolche. Tyene: Keine Kampfkunst erwähnt. Sarella: Unbekannt. | Obara: Speer. Nymeria: Peitsche. Tyene: Dolche (oft vergiftet). |
| Moral & Handlungen | Starker Ehrenkodex, lehnen es ab, Unschuldige zu verletzen. Arbeiten im Geheimen für Dorans Plan. | Rücksichtslos, verletzen/töten Unschuldige (Myrcella), töten Familie (Doran, Trystane). Werden als schurkenhaft dargestellt. |
| Beziehung zu Doran | Wütend über seine Untätigkeit, aber loyal, als er seinen Plan offenbart. Verletzen ihn nicht. | Sehen ihn als schwach an, töten ihn und Trystane. |
| Beziehung zu Myrcella | Kein persönlicher Groll, beabsichtigen nicht, sie zu verletzen (obwohl Tyenes Plan sie nutzen würde). | Vergiften und töten sie. |
| Schicksal (Prominente) | Obara, Nymeria, Tyene, Sarella (Status unbekannt), Elia, Obella, Dorea, Loreza leben am Ende der bisher veröffentlichten Bücher. | Obara und Nymeria werden von Euron getötet. Tyene wird von Cersei vergiftet und stirbt vor Ellaria. |
In den Büchern werden die Sandnattern als gefährlich und entschlossen dargestellt, aber sie halten sich an einen Ehrenkodex und weigern sich, Unschuldige zu verletzen. Sie sind tief in Dorans langfristigen Racheplan eingebunden und dienen ihm loyal, nachdem er ihnen seine wahren Absichten offenbart hat. Ihre Pläne zur Rache waren zunächst ehrgeizig und beinhalteten keine direkte Schädigung von Myrcella (obwohl Tyenes Plan ihre Krönung zur Provokation vorsah).
Die Fernsehserie hingegen zeigt die Sandnattern als deutlich brutaler und skrupelloser. Sie werden als fast maschinenartig (Obara), gleichgültig gegenüber Verwandtenmord (Nymeria) und sadistisch (Tyene, die Freude am Töten und Vergiften findet) dargestellt. Ihre Handlungen, wie die Ermordung von Doran und Trystane oder die Vergiftung von Myrcella, stehen im krassen Gegensatz zu ihren Buch-Pendants. In der Serie scheinen sie nur sich selbst und ihrer Rache verpflichtet zu sein, bereit, jeden zu töten, der ihnen im Weg steht, selbst Familienmitglieder.
Rache und Schicksal
Der zentrale Antrieb für Oberyn und später für seine Töchter war die Rache an den Lannisters für das an Elia Martell, Oberyns Schwester, und ihren Kindern verübte Unrecht während der Plünderung von Königsmund. Oberyns Tod im Kampf gegen Gregor Clegane, den „Berg“, der Elia vergewaltigte und tötete, intensivierte diesen Hass für seine Töchter ins Unermessliche.

In der Fernsehserie führt dieser unbändige Wunsch nach Rache die Sandnattern und Ellaria dazu, Dorans vorsichtige Politik abzulehnen und stattdessen einen direkteren, gewaltsameren Weg einzuschlagen, der in der Tötung von Doran und Trystane gipfelt. Sie verbünden sich mit Olenna Tyrell und später mit Daenerys Targaryen, um gegen die Lannisters zu kämpfen. Ihr Streben nach Rache endet jedoch tragisch, als Euron Greyjoy ihre Flotte angreift. Obara und Nymeria werden getötet, und Tyene wird zusammen mit Ellaria gefangen genommen und Cersei übergeben. Cersei übt eine grausame Rache, indem sie Tyene mit demselben Gift („Der lange Abschied“) tötet, das Myrcella tötete, und Ellaria zwingt, zuzusehen. Dieses Ende in der Serie ist ein düsteres Zeugnis für die zerstörerische Natur ihrer rücksichtslosen Rache.
In den Büchern sind die Sandnattern, wie erwähnt, noch am Leben (mit Ausnahme von Sarella, deren Verbleib unbekannt ist) und Teil von Prinz Dorans sorgfältig ausgearbeitetem Plan, die Lannisters letztendlich zu stürzen, indem sie die Targaryen-Dynastie wiederherstellen. Ihre Rollen sind strategischer und weniger offen gewalttätig, was ihre Darstellung als ehrenhaftere, wenn auch immer noch tödliche Figuren unterstreicht.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Waren alle Sandnattern Töchter von Ellaria Sand?
Nicht alle. In den Büchern hat Oberyn Töchter mit verschiedenen Müttern; Ellaria ist die Mutter der jüngeren vier (und möglicherweise Sarella). In der Serie ist Ellaria die Mutter von Tyene und den drei jüngeren.
Warum hassten die Sandnattern die Lannisters so sehr?
Ihr Hass rührte hauptsächlich von der Ermordung von Oberyns Schwester Elia und ihren Kindern durch Gregor Clegane auf Befehl von Tywin Lannister. Oberyns eigener Tod durch Clegane verstärkte diesen Hass und den Wunsch nach Rache erheblich.
Haben die Sandnattern in der Serie ihre Rache an den Lannisters erreicht?
In der Serie konnten sie Myrcella töten und Doran und Trystane ermorden, was eine Form der Rache war. Sie verbündeten sich auch gegen die Lannisters. Ihr persönliches Streben nach Rache führte jedoch zu ihrem eigenen Untergang, da sie von Euron gefangen und von Cersei getötet (Tyene) oder bestraft (Ellaria) wurden.
Haben die Sandnattern Myrcella in den Büchern verletzen wollen?
Nein. Obwohl einer der von Tyene vorgeschlagenen Pläne ihre Krönung zur Provokation beinhaltete, hatten die Sandnattern und Ellaria in den Büchern keinen persönlichen Groll gegen Myrcella und beabsichtigten nicht, ihr Leid zuzufügen. Die versuchte Tötung, die sie entstellte, wurde von Ser Gerold „Darkstar“ Dayne während Arianne Martells Versuch ausgeführt, Tyenes Plan umzusetzen.
Warum unterscheiden sich die Sandnattern in Buch und Serie so stark?
Die genauen Gründe für die kreativen Entscheidungen der Serienmacher sind nicht im bereitgestellten Text enthalten. Es ist jedoch klar, dass die Serie die Figuren vereinfachte und ihre Rolle sowie ihre Persönlichkeiten für dramatische Zwecke veränderte, was zu einer deutlich negativeren und gewalttätigeren Darstellung führte als in den Büchern.
Oberyn Martell war zweifellos eine Figur voller Widersprüche – ein Mann, der gleichermaßen fähig war zu großer Gewalt und tiefer Zuneigung. Seine Liebe zu seinen Töchtern war ein unbestreitbarer Aspekt seines Charakters. Das Erbe, das er hinterließ, prägte den Weg seiner Töchter, der Sandnattern, deren Schicksale und Handlungen, insbesondere in der Fernsehserie, die gefährlichen Konsequenzen von Rache und unkontrolliertem Zorn auf tragische Weise illustrieren.
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