Das neue Jahr begann bei Olympus (mittlerweile OM Digital Solutions) mit einer Reihe spannender Ankündigungen. Neben neuem Equipment wie dem Profi-Flaggschiff OM-D E-M1X und dem Blitzgerät FL-700WR gab es auch Neuigkeiten im Software-Bereich. Besonders relevant für alle Olympus-Fotografen war die Einführung von "Olympus Workspace", einer neuen Software für die Bildverwaltung und RAW-Entwicklung.

Olympus Workspace tritt in die Fußstapfen des in die Jahre gekommenen Olympus Viewer 3. Für Besitzer einer Olympus-Kamera steht die neue Software nach Eingabe der Seriennummer auf der Olympus-Downloadseite kostenlos zum Herunterladen bereit. Diese Neuerung war dringend nötig, da der Vorgänger, Olympus Viewer 3, am 31. März eingestellt wurde und seitdem keine weiteren Updates mehr erhält.
Auch wenn viele Fotografen, mich eingeschlossen, professionelle Programme wie Adobe Lightroom oder Capture One nutzen, bleibt die Neugier auf die hauseigenen Entwicklungen der Kamerahersteller bestehen. In der Vergangenheit waren die Erfahrungen mit Software von Herstellern wie Nikon (Capture NX) oder Olympus (Viewer 3) oft gemischt – technisch auf dem Niveau der Kameras waren sie selten. Der Olympus Viewer 3 insbesondere war für viele Anwender, die einen effizienten Workflow gewohnt sind, aufgrund seiner Langsamkeit und eingeschränkten Funktionen kaum praktikabel.
Olympus Workspace: Was ist neu?
Mit Olympus Workspace versprach der Hersteller deutliche Verbesserungen. Die Software soll nicht nur den Viewer 3 ersetzen, sondern auch eine modernere und leistungsfähigere Alternative für Olympus-Nutzer bieten. Zu den angekündigten Features gehören ein frei konfigurierbares Layout, neue Bewertungsstufen für Bilder, innovative Filter und eine generell verbesserte Performance, insbesondere bei der RAW-Entwicklung.
Die Tatsache, dass die Software für Olympus-Kunden kostenlos ist, macht sie natürlich besonders attraktiv. Man benötigt lediglich die Seriennummer einer unterstützten Kamera, um den Download freizuschalten. Dies ist ein klarer Vorteil gegenüber kostenpflichtigen Alternativen.
Erster Eindruck und Oberfläche
Nach dem problemlosen Download und der Installation präsentiert sich Olympus Workspace in einem modernen und ansprechenden Design. Die Oberfläche ist in einem dunklen Anthrazit gehalten, was dem aktuellen Trend vieler Bildbearbeitungsprogramme folgt. Alles wirkt aufgeräumt, funktional und logisch strukturiert. Die Bedienelemente sind intuitiv angeordnet, was den Einstieg erleichtert.
Der Import von Bilddateien verläuft zügig. Auch die Navigation durch die Bildbibliothek fühlt sich flüssiger an als beim Vorgänger. Der erste Eindruck der Benutzerfreundlichkeit ist somit positiv.
Die versprochene Geschwindigkeit
Einer der Hauptkritikpunkte am Viewer 3 war dessen extreme Langsamkeit, insbesondere bei der Arbeit mit RAW-Dateien. Olympus hat hier nach eigenen Angaben stark optimiert. Und tatsächlich: Die Entwicklung von RAW-Dateien in Workspace ist spürbar schneller als im Viewer 3. Dies ist ein enorm wichtiger Schritt nach vorn und macht die Software für den praktischen Einsatz überhaupt erst relevant.
Allerdings darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Im Vergleich zu hochoptimierten Programmen wie Adobe Lightroom, wo Bearbeitungsschritte oft nahezu in Echtzeit sichtbar sind, benötigt Workspace immer noch eine gewisse Bedenkzeit. Der Autor berichtet von durchschnittlich 20 Sekunden pro Bearbeitungsschritt, was zwar eine drastische Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist, aber immer noch deutlich hinter der Performance professioneller Werkzeuge zurückbleibt. Diese Verzögerung kann den Workflow bei der Bearbeitung vieler Bilder immer noch verlangsamen.
Interessante Features im Detail
Neben der Geschwindigkeit gibt es einige bemerkenswerte neue Funktionen:
- Neue Filter: Die Filter "Klarheit" und "Dunst entfernen" werden als sehr fein und akkurat einstellbar beschrieben. Solche globalen Bildoptimierungen sind für viele Aufnahmen nützlich.
- Panorama-Funktion: Eine integrierte Funktion zum Zusammenfügen von Einzelbildern zu einem Panorama ist praktisch und spart den Umweg über separate Software.
- Anwendung von Kamerafiltern: Ein besonders hervorzuhebendes Feature ist die Möglichkeit, die integrierten Filter der Olympus-Kameras (wie Art Filter) nachträglich in Workspace anzuwenden. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal, da diese Filter oft sehr hochwertig sind und am großen Bildschirm mit besserer Beurteilung und Feinjustierung der Intensität angewendet werden können. Dies erweitert die kreativen Möglichkeiten erheblich, ohne die Kameraeinstellungen beim Shooting final festlegen zu müssen.
- Konfigurierbares Layout: Die Anpassbarkeit der Benutzeroberfläche ermöglicht es dem Nutzer, die Arbeitsumgebung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, was den Workflow optimieren kann.
Wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Einschränkungen
Trotz der deutlichen Fortschritte hat Olympus Workspace auch seine Schwächen, die für professionelle Anwender oder solche mit spezifischen Anforderungen entscheidend sein können.
Geschwindigkeit im Vergleich
Wie bereits erwähnt, ist die Geschwindigkeit zwar besser als beim Viewer 3, aber die Performance hinkt im Vergleich zu Programmen wie Lightroom oder Capture One immer noch hinterher. Die spürbare Verzögerung bei jedem Bearbeitungsschritt kann bei der intensiven Bildbearbeitung frustrierend sein.
RAW-Entwicklungstiefe
Der Eindruck besteht, dass der Spielraum für die RAW-Entwicklung in Workspace im Vergleich zu professionellen Werkzeugen geringer ist. Parameter lassen sich möglicherweise nicht ganz so feinfühlig und mit so großem Dynamikumfang justieren, was bei der Bearbeitung anspruchsvoller Aufnahmen relevant sein kann.
Fehlende Plugin-Unterstützung
Für viele Fotografen sind Plugins, wie die beliebte Nik Filter Collection, ein integraler Bestandteil ihres Workflows. Die Möglichkeit, solche externen Filter in Workspace zu integrieren, fehlt derzeit. Ob diese Option in Zukunft per Update nachgereicht wird, ist unklar.
Das größte Manko: Fehlende lokale Anpassungen
Der wohl bedeutendste Nachteil von Olympus Workspace, insbesondere für fortgeschrittene Bildbearbeiter, ist das Fehlen von Werkzeugen für lokale Anpassungen. Funktionen wie Verläufe, radiale Filter oder Masken, mit denen man gezielt einzelne Bereiche eines Bildes bearbeiten kann (z.B. Belichtung, Farbe, Schärfe nur in einem bestimmten Bereich anpassen), sind im Autor zufolge unverzichtbar. Diese Möglichkeit, partiell in das Bild einzugreifen, fehlt in Workspace komplett. Dies limitiert die kreativen Bearbeitungsmöglichkeiten erheblich und macht die Software für Workflows, die solche Techniken erfordern (z.B. Landschaftsfotografie, Porträtretusche), weniger geeignet oder gar unbrauchbar.

Systemanforderungen für OM Workspace
Um Olympus (jetzt OM) Workspace nutzen zu können, benötigt Ihr Computer folgende Mindestanforderungen:
- Prozessor: Intel Core i-Serie oder höher; Apple M1-Chip oder höher. Für die Wiedergabe und Bearbeitung von 4K/C4K-Videos wird ein Intel Core i7 oder schneller empfohlen.
- Weitere typische Anforderungen wie ausreichend RAM und Festplattenspeicher sind ebenfalls zu beachten, auch wenn sie im bereitgestellten Text nicht detailliert aufgeführt waren.
Es ist wichtig, die Systemanforderungen zu prüfen, um sicherzustellen, dass die Software reibungslos läuft.
Vergleich: Workspace vs. Viewer 3 vs. Lightroom
Um die Position von Olympus Workspace besser einzuordnen, hilft ein kurzer Vergleich:
| Merkmal | Olympus Viewer 3 | Olympus Workspace | Adobe Lightroom (Beispiel Pro-Software) |
|---|---|---|---|
| Kosten | Kostenlos (für Olympus-Nutzer) | Kostenlos (für Olympus-Nutzer) | Abonnement-basiert |
| Geschwindigkeit (RAW) | Sehr langsam | Verbessert (ca. 20s/Schritt) | Sehr schnell (nahe Echtzeit) |
| Benutzeroberfläche | Veraltet | Modern, konfigurierbar | Modern, industriestandard |
| Lokale Anpassungen (Masken, Verläufe) | Nein | Nein | Ja, sehr umfangreich |
| Plugin-Unterstützung (z.B. Nik Collection) | Nein | Nein | Ja |
| Anwendung Kamerafilter (nachträglich) | Ja | Ja | Nein (nur Standardprofile) |
| Zielgruppe | Einfache Verwaltung/Entwicklung | Einfache bis mittlere Bearbeitung, Olympus-Nutzer | Professionelle & ambitionierte Fotografen |
| Entwicklungsstand | Eingestellt (seit 31.03.) | Wird weiterentwickelt (Stand der Einführung) | Aktive Weiterentwicklung |
Fazit
Olympus Workspace stellt im Vergleich zum Vorgänger Olympus Viewer 3 eine signifikante Verbesserung dar. Die Benutzeroberfläche ist moderner, der Import ist schneller und die Geschwindigkeit bei der RAW-Entwicklung wurde deutlich gesteigert. Die Möglichkeit, kamerainterne Filter nachträglich anzuwenden, ist ein kreatives Plus. Für Olympus-Nutzer, die eine kostenlose Software für die grundlegende Bildverwaltung und Entwicklung suchen und bisher mit Viewer 3 gekämpft haben, ist Workspace definitiv ein Fortschritt und einen Blick wert.
Allerdings zeigt sich auch, dass Workspace noch nicht das Niveau professioneller Bildbearbeitungssoftware erreicht hat. Die Geschwindigkeit ist zwar besser, aber immer noch nicht auf dem Niveau von Programmen wie Lightroom. Vor allem das Fehlen von lokalen Anpassungen (Masken, Verläufe) und die fehlende Plugin-Unterstützung sind gravierende Einschränkungen für Fotografen, die erweiterte Bearbeitungstechniken nutzen möchten. Diese Funktionen sind für viele anspruchsvolle Workflows unerlässlich.
Olympus Workspace ist also ein guter, aber noch nicht perfekter Schritt. Für einfache Bearbeitungen, die Anwendung von Kamerafiltern oder als Einstieg in die RAW-Entwicklung ist es eine solide und vor allem kostenlose Option. Wer jedoch den vollen Funktionsumfang und die Performance professioneller Software benötigt, wird wahrscheinlich weiterhin auf Programme wie Adobe Creative Cloud (Lightroom, Photoshop) oder andere spezialisierte RAW-Konverter zurückgreifen.
Es bleibt zu hoffen, dass Olympus (OM Digital Solutions) Workspace in Zukunft weiterentwickelt und vielleicht einige der fehlenden Schlüsselfunktionen hinzufügt. Bis dahin ist es eine brauchbare Software für bestimmte Anwendungsfälle, aber kein vollständiger Ersatz für die Platzhirsche der Branche.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Olympus Workspace?
Olympus Workspace ist eine kostenlose Software von OM Digital Solutions (ehemals Olympus) für die Verwaltung und Entwicklung von Bilddateien, insbesondere von RAW-Dateien, die mit Olympus-Kameras aufgenommen wurden. Es ist der Nachfolger von Olympus Viewer 3.
Ist Olympus Workspace kostenlos?
Ja, Olympus Workspace ist für Besitzer einer unterstützten Olympus-Kamera kostenlos. Man benötigt die Seriennummer der Kamera, um die Software von der offiziellen Website herunterladen zu können.
Welche Kameras werden von Workspace unterstützt?
Generell werden neuere Olympus-Kameras unterstützt. Die genaue Liste findet sich auf der offiziellen Download-Seite von OM Digital Solutions, wo die Software mit Eingabe der Seriennummer heruntergeladen wird.
Was sind die wichtigsten Verbesserungen gegenüber Olympus Viewer 3?
Die wichtigsten Verbesserungen sind eine deutlich höhere Geschwindigkeit bei der RAW-Entwicklung, eine modernere und anpassbare Benutzeroberfläche, neue Filterfunktionen und die Möglichkeit, kamerainterne Filter nachträglich anzuwenden. Der Viewer 3 wird zudem nicht mehr unterstützt.
Kann Olympus Workspace Adobe Lightroom ersetzen?
Das hängt von den individuellen Anforderungen ab. Für grundlegende Bearbeitung und Verwaltung sowie die Nutzung von Olympus-spezifischen Features ist Workspace eine gute kostenlose Option. Für professionelle Anwender, die maximale Geschwindigkeit, umfangreiche lokale Anpassungen, Plugin-Unterstützung und den vollen Dynamikumfang bei der RAW-Entwicklung benötigen, kann Workspace Lightroom derzeit nicht vollständig ersetzen.
Welche Systemanforderungen hat OM Workspace?
Ihr Computer sollte mindestens über einen Intel Core i-Serie oder Apple M1-Chip verfügen. Für 4K/C4K-Videobearbeitung wird ein Intel Core i7 oder schneller empfohlen. Detaillierte Anforderungen finden sich auf der OM Digital Solutions Website.
Wird Olympus Viewer 3 weiterhin unterstützt?
Nein, Olympus Viewer 3 wurde am 31. März eingestellt und erhält seitdem keine weiteren Updates oder technischen Support mehr. Olympus Workspace ist die empfohlene Alternative.
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