Windows XP. Allein der Name weckt bei vielen Nutzern Erinnerungen an eine Ära der Computergeschichte, die von diesem Betriebssystem maßgeblich geprägt wurde. Es war das Betriebssystem, das in den frühen 2000er Jahren auf unzähligen Computern weltweit lief und für viele der erste Berührungspunkt mit der digitalen Welt war. Doch in einer Zeit, in der Windows 10 und 11 den Markt dominieren, stellt sich unweigerlich die Frage: Wird Windows XP heute überhaupt noch genutzt? Die Antwort ist komplexer, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde.

Eine Legende wird geboren: Die Einführung von Windows XP
Als Windows XP im Jahr 2001 auf den Markt kam, wurde es von Kritikern gefeiert. Es galt als würdiger Nachfolger der eher glücklosen Windows Millennium Edition (Me) und brachte die Stabilität von Windows 2000 mit einer deutlich benutzerfreundlicheren Oberfläche zusammen. CNET beschrieb das Betriebssystem als „den Hype wert“ und lobte die neue Benutzeroberfläche, die als „schicker“ und intuitiver im Vergleich zu früheren Versionen empfunden wurde. Allerdings wurde auch angemerkt, dass diese „helfende Hand“ erfahrene Nutzer möglicherweise „nerven“ könnte.
Besonders hervorgehoben wurden die erweiterten Multimedia-Funktionen und die integrierte CD-Brennfunktion. Auch die optimierten Netzwerkwerkzeuge erhielten positive Erwähnungen. Die Leistungsverbesserungen im Vergleich zu Windows 2000 und Me wurden ebenso gelobt wie die größere Anzahl integrierter Gerätetreiber im Vergleich zu Windows 2000. Die Werkzeuge zur Softwarekompatibilität wurden ebenfalls positiv bewertet, auch wenn angemerkt wurde, dass einige Programme, insbesondere ältere MS-DOS-Software, aufgrund der abweichenden Architektur möglicherweise nicht korrekt unter XP funktionierten.
Kritik gab es hingegen am neuen Lizenzmodell und dem Produktaktivierungssystem. Dies wurde als „leicht nerviger Stolperstein“ empfunden, obwohl Microsofts Absicht hinter den Änderungen anerkannt wurde. Auch das Standarddesign von Windows XP, „Luna“, stieß bei einigen Nutzern auf Kritik, die es als zu kindlich empfanden. Trotz dieser kleineren Kritikpunkte war die anfängliche Aufnahme überwältigend positiv und legte den Grundstein für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte.
Warum so langlebig? Treue trotz neuerer Systeme
Trotz des Endes des erweiterten Supports für die Hauptversion von Windows XP im Jahr 2014 zeigten sich viele Nutzer – einschließlich einiger Unternehmen – widerwillig, von einem Betriebssystem abzuweichen, das sie als stabile, bekannte Größe betrachteten. Dies geschah, obwohl nachfolgende Windows-Versionen zahlreiche Verbesserungen in puncto Sicherheit und Funktionalität mit sich brachten. Die Langlebigkeit von Windows XP wurde einerseits als Beweis für seine Stabilität und Microsofts erfolgreiche Bemühungen, es auf dem neuesten Stand zu halten (während der Support-Phase), angesehen.
Andererseits wurde diese anhaltende Nutzung nach dem Supportende auch als Anklage gegen die wahrgenommenen Mängel seines direkten Nachfolgers verstanden (hier ist wohl Windows Vista gemeint, das im Text nicht namentlich erwähnt wird, aber als direkter Nachfolger oft kritisiert wurde). Nutzer, die mit XP zufrieden waren, sahen oft keinen zwingenden Grund, auf ein neues System umzusteigen, das möglicherweise höhere Hardwareanforderungen hatte oder eine Eingewöhnungszeit erforderte. Diese Trägheit und die Zufriedenheit mit der bestehenden Stabilität trugen maßgeblich dazu bei, dass Windows XP noch lange nach dem Erscheinen neuerer Versionen relevant blieb.
Der langsame Abschied: Marktanteil im Wandel
Über lange Zeit war Windows XP das unangefochtene Betriebssystem auf dem Markt. Laut Webanalyse-Daten von Net Applications war es bis August 2012 das meistgenutzte Betriebssystem, bevor Windows 7 es überholte (später von Windows 10 abgelöst). StatCounter verzeichnete diesen Wechsel sogar fast ein Jahr früher. Im Januar 2014, kurz vor dem Ende des erweiterten Supports, meldete Net Applications immer noch einen Marktanteil von 29,23 % bei den „Desktop-Betriebssystemen“. Bei W3Schools lag der Anteil zu dieser Zeit bei 11,0 %.
Seitdem ist der Marktanteil stetig gesunken. Mit der Zeit wurden immer mehr ältere Computer ausgemustert oder auf neuere Systeme umgestellt. Neue Computer wurden ohnehin mit aktuelleren Windows-Versionen ausgeliefert. Das Ende des Supports im April 2014 war ein entscheidender Wendepunkt, da die Nutzung eines nicht mehr unterstützten Systems erhebliche Sicherheitsrisiken birgt. Viele Unternehmen und Privatnutzer sahen sich gezwungen, zu handeln und auf Windows 7, 8 oder später Windows 10 umzusteigen.
Marktanteil im Überblick (ungefähre historische Daten)
| Zeitpunkt | Marktanteil (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Peak (vor 2012) | >70% | Dominierendes Betriebssystem |
| August 2012 / 2013 | ~40-50% | Von Windows 7 überholt |
| Januar 2014 (kurz vor Supportende) | ~11-29% | Immer noch signifikant |
| September 2022 | <1% global | Weltweit marginal |
Wo Windows XP heute noch lebt
Global betrachtet ist der Marktanteil von Windows XP auf PCs mittlerweile verschwindend gering. Im September 2022 lag er in den meisten Regionen oder Kontinenten, gemessen am gesamten Windows-Anteil, unter 1 % (in Afrika bei 0,5 %). Das bedeutet, dass auf den meisten Computern weltweit dieses Betriebssystem nicht mehr aktiv genutzt wird. Die Ära von Windows XP auf dem Massenmarkt ist eindeutig vorbei.
Allerdings gibt es bemerkenswerte Ausnahmen. In einigen wenigen Ländern behält XP immer noch einen zweistelligen Marktanteil. Ein prominentes Beispiel ist Armenien, wo es im September 2022 auf etwa 75 % der Windows-PCs weiterhin verwendet wurde. Solche Fälle sind oft auf spezifische Umstände zurückzuführen, wie etwa die Nutzung älterer Hardware in Unternehmen oder Behörden, die auf XP angewiesen ist, die Kosten für die Migration auf neuere Systeme oder die Abhängigkeit von spezifischer Software, die nur unter Windows XP lauffähig ist. Auch wenn diese Nutzung global gesehen marginal ist, zeigt sie, dass Windows XP in Nischen und bestimmten Regionen noch immer eine Rolle spielt. Die Stabilität des Systems in bestimmten Konfigurationen mag ebenfalls eine Rolle spielen, auch wenn die fehlenden Sicherheitsupdates ein permanentes Risiko darstellen.
Häufig gestellte Fragen zu Windows XP heute
Wird Windows XP noch offiziell unterstützt?
Nein, der offizielle Support für Windows XP wurde am 8. April 2014 eingestellt. Das bedeutet, dass Microsoft keine Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen oder technischen Support mehr für dieses Betriebssystem bereitstellt. Es gab zwar noch für kurze Zeit Updates für bestimmte Enterprise-Versionen (POSReady 2009), aber auch diese sind längst eingestellt worden.
Ist die Nutzung von Windows XP sicher?
Die Nutzung von Windows XP gilt als hochgradig unsicher. Da es keine Sicherheitsupdates mehr gibt, werden neu entdeckte Schwachstellen nicht mehr geschlossen. Dies macht Systeme, die mit dem Internet verbunden sind, anfällig für Viren, Malware, Ransomware und andere Cyberangriffe. Selbst isolierte Systeme bergen Risiken, wenn sie über Wechselmedien oder Netzwerke in Kontakt mit potenziell infizierten Dateien kommen.
Kann ich Windows XP noch installieren?
Ja, technisch ist es noch möglich, Windows XP zu installieren, wenn man über eine gültige Lizenz und Installationsmedien verfügt. Allerdings ist dies aus den genannten Sicherheitsgründen dringend abzuraten, insbesondere wenn der Computer mit dem Internet verbunden werden soll.
Warum nutzen einige Länder oder Organisationen Windows XP noch?
Die Gründe sind vielfältig. Oft liegt es an veralteter Hardware oder spezieller, kritischer Software, die nur unter Windows XP läuft und deren Umstellung sehr teuer oder komplex wäre. Manchmal spielen auch Kosten für neue Lizenzen und Hardware eine Rolle. In bestimmten Nischen, wie z. B. bei älteren Industrieanlagen oder medizinischen Geräten, kann XP ebenfalls noch anzutreffen sein, da die Systeme nie für neuere Betriebssysteme konzipiert wurden.
Was sollte ich tun, wenn ich noch ein System mit Windows XP habe?
Es wird dringend empfohlen, das System nicht mehr für kritische Aufgaben oder mit Internetverbindung zu nutzen. Die sicherste Option ist der Umstieg auf ein modernes, unterstütztes Betriebssystem (wie Windows 10, Windows 11, Linux oder macOS) auf kompatibler Hardware.
Fazit: Ein Ende und doch nicht ganz
Windows XP war zweifellos ein Meilenstein und ein extrem erfolgreiches Betriebssystem. Seine anfängliche Begeisterung, seine Stabilität und seine lange Lebensdauer haben es zu einem festen Bestandteil der Computergeschichte gemacht. Obwohl sein globaler Marktanteil auf PCs auf ein Minimum geschrumpft ist und die Nutzung aufgrund fehlender Sicherheitsupdates extrem riskant ist, existiert es in bestimmten Nischen und Regionen überraschenderweise immer noch. Die Antwort auf die Frage, ob Windows XP noch genutzt wird, lautet also: Ja, aber nur noch sehr selten und unter Umständen, die erhebliche Sicherheitsbedenken aufwerfen. Für die meisten Nutzer ist und bleibt Windows XP jedoch ein geschätztes, aber abgeschlossenes Kapitel der Computergeschichte.
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