Die Augen sind unbestreitbar das Herzstück eines jeden Porträts. Sie werden oft als die „Fenster zur Seele“ bezeichnet und bilden den natürlichen Blickfang für den Betrachter. Selbst die perfekteste Pose und die schönste Szenerie können ein Porträt nicht retten, wenn die Augen nicht richtig beleuchtet und vor allem nicht richtig positioniert sind. Die Art und Weise, wie die Augen blicken, kann die gesamte Stimmung und Aussage eines Bildes verändern. Ein gelungenes Porträt steht und fällt oft mit der Inszenierung des Blicks.

Die Beherrschung der Augen-Posing-Techniken ist daher eine der wichtigsten Fähigkeiten für jeden Porträtfotografen. Es geht nicht nur darum, wohin das Model schaut, sondern auch darum, wie die Augen im Verhältnis zum Gesicht und zur Lichtquelle positioniert sind. Diese Details entscheiden darüber, ob ein Porträt einfach nur ein Bild einer Person ist oder ob es eine fesselnde Geschichte erzählt und eine emotionale Verbindung zum Betrachter aufbaut.
Warum die Augen im Porträt so entscheidend sind
In der Porträtfotografie konzentrieren wir uns oft auf das Gesicht, und innerhalb des Gesichts ziehen die Augen die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Sie vermitteln Emotionen, Gedanken und Persönlichkeit auf eine Weise, die kein anderes Element des Bildes kann. Ein ausdrucksstarker Blick kann Freude, Trauer, Nachdenklichkeit, Neugier oder Selbstbewusstsein ausdrücken und das Porträt zum Leben erwecken. Ein lebloser oder falsch gerichteter Blick hingegen kann das gesamte Bild flach und uninteressant erscheinen lassen.
Für Porträtkäufer, insbesondere im privaten Bereich, sind Bilder, die einen direkten Blickkontakt mit dem Betrachter herstellen, oft die beliebtesten. Sie erzeugen ein Gefühl von Intimität und persönlicher Verbindung. Aber auch Porträts, bei denen der Blick abgewandt ist, können sehr wirkungsvoll sein und tiefere Bedeutungen transportieren. Es ist die Fähigkeit, den Blick bewusst zu steuern und ihn passend zur gewünschten Stimmung und Botschaft des Porträts einzusetzen, die einen guten Porträtfotografen auszeichnet.
Die Kontrolle über die Augenposition
Es gibt zwei Hauptmethoden, um die Position der Augen in einem Porträt zu steuern. Beide Methoden können einzeln oder in Kombination angewendet werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen:
- Drehung des Gesichts: Indem Sie das gesamte Gesicht des Models drehen, ändern Sie automatisch die relative Position der Augen im Bild. Eine leichte Drehung kann bereits ausreichen, um die Augen vorteilhafter erscheinen zu lassen oder das Licht anders einzufangen.
- Richtung des Blicks: Sie können das Model bitten, nur die Augen zu bewegen, um nach oben, unten, zur Seite oder direkt in die Kamera zu schauen. Diese Methode erfordert Präzision und gute Kommunikation, um genau die gewünschte Blickrichtung zu erhalten.
Die Kombination dieser beiden Techniken ermöglicht eine feine Abstimmung der Augenposition, die für den Erfolg des Porträts entscheidend sein kann.
Optimale Positionierung für mehr Ausdruck
Eine häufig angewandte und sehr effektive Technik ist, das Model das Gesicht leicht von der Kamera wegdrehen zu lassen, während die Augen zur Kamera zurückkehren. Idealerweise wird das Gesicht dabei leicht zur Hauptlichtquelle hin gedreht. Durch diese Positionierung wird das Zentrum des Auges optisch zum äußeren Augenwinkel hin verschoben.
Was bewirkt dieser scheinbar kleine Kniff? Er lässt die Augen größer und präsenter erscheinen. Das Auge erhält dadurch mehr Ausdruck und wirkt fesselnder. Diese Technik funktioniert gut bei den meisten Augenformen. Eine wichtige Ausnahme bilden Personen mit sehr hervorstehenden Augen. Bei ihnen könnte diese Positionierung dazu führen, dass zu viel Weiß im Auge sichtbar wird, was unruhig wirken und vom eigentlichen Ausdruck ablenken kann. In solchen Fällen kann ein direkterer Blick in die Kamera oder eine andere Gesichts- und Augenpositionierung vorteilhafter sein.
Wenn der Mund lächelt, müssen die Augen mitlächeln
Ein glaubwürdiges und natürliches Lächeln entsteht nicht nur durch die Bewegung des Mundes. Die Augen spielen eine ebenso wichtige Rolle. Ein echtes Lächeln erreicht die Augen und lässt die kleinen Fältchen (Krähenfüße) an den äußeren Augenwinkeln erscheinen. Wenn der Mund lacht, die Augen aber leer oder ernst bleiben, wirkt der Ausdruck unnatürlich und aufgesetzt. Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Model ermutigen, mit den Augen zu lächeln. Dies kann durch positive Interaktion, Humor und das Schaffen einer entspannten Atmosphäre erreicht werden. Ein echtes Lächeln, das auch die Augen erreicht, verleiht dem Porträt Authentizität und Wärme.
Die Macht des Augenkontakts
Der Punkt, auf den sich das Model konzentriert, hat einen enormen Einfluss auf die Wirkung des Blicks. Das Model sollte immer jemanden anschauen, nicht nur einen leeren Punkt an der Wand oder das Kameraobjektiv selbst. Warum? Weil der Blickkontakt zwischen zwei Menschen eine besondere Energie und einen „Funken“ hat, der fehlt, wenn jemand nur auf ein Objekt starrt.
Eine bewährte Methode ist, dass der Fotograf seine eigene Position so wählt, dass das Model ihn anschauen kann. Idealerweise platziert sich der Fotograf direkt hinter oder leicht über der Kamera. Wenn das Model dann den Fotografen anschaut, blickt es leicht nach oben. Diese leicht erhöhte Blickrichtung kann die Sichtbarkeit der Catchlights (Lichtreflexe in den Augen) verbessern, die den Augen Glanz und Leben verleihen.

Positionierung des Fotografen für optimale Catchlights
Catchlights sind die kleinen Lichtpunkte, die sich auf der Oberfläche der Augen spiegeln. Sie sind extrem wichtig, da sie die Augen lebendig und glänzend aussehen lassen. Ihre Form und Position werden maßgeblich von der Lichtquelle und der Blickrichtung des Models sowie der Position des Fotografen beeinflusst. Um gute Catchlights zu erzielen, sollte sich der Fotograf (wohin das Model schaut) idealerweise oberhalb der Kamera positionieren, wenn die Kameraposition dies zulässt.
Wenn die Kameraposition zu hoch ist, um sich direkt darüber zu stellen, sollte sich der Fotograf immer auf der Seite der Hauptlichtquelle positionieren. Niemals sollte sich der Fotograf unterhalb der Kamera oder auf der Schattenseite der Hauptlichtquelle befinden. Beide Positionen würden die Catchlights verringern oder ungünstig platzieren, was den Augen ihren Glanz nehmen kann.
Direkter Blick in die Kamera vs. Blick zum Fotografen
Wenn das Model direkt in das Kameraobjektiv (oder sehr nahe daran vorbei) blickt, entsteht für den Betrachter des Fotos der Eindruck, direkten Augenkontakt zu haben. Dies erzeugt ein Gefühl von Intimität und direkter Kommunikation. Viele Kunden, insbesondere bei bestimmten Porträtarten wie Business-Porträts oder Senior-Porträts, bevorzugen dieses Gefühl der direkten Verbindung.
Der Blick zum Fotografen (der sich nahe der Kamera befindet) erzielt einen ähnlichen Effekt des Augenkontakts, kann aber etwas natürlicher wirken, da das Model tatsächlich eine Person anschaut und nicht nur ein unbelebtes Objekt. Beide Varianten haben ihren Platz und ihre Wirkung. Es ist ratsam, beide Stile anzubieten und mit dem Kunden zu besprechen, welcher Blick am besten zu seiner Persönlichkeit und dem gewünschten Zweck des Porträts passt.
Reflektierende Posen: Geschichten erzählen ohne direkten Blick
Nicht jedes Porträt erfordert direkten Augenkontakt mit dem Betrachter. Sogenannte „reflektierende Posen“, bei denen das Model absichtlich weg von der Kamera schaut, eignen sich hervorragend, um eine Geschichte zu erzählen oder eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Beispiele hierfür sind eine Braut, die aus dem Fenster blickt, als würde sie auf ihren Bräutigam warten, oder ein nachdenklicher Blick über ein Buch hinweg, der Zukunftsträume widerspiegelt.
Diese Posen erzeugen eine Atmosphäre der Nachdenklichkeit, des Träumens oder des Beobachtens und laden den Betrachter ein, sich zu fragen, was in diesem Moment im Model vorgeht. Sie sind weniger direkt, können aber emotional sehr tiefgründig sein.
Wichtige Regeln für den abgewandten Blick
Wenn das Model weg von der Kamera blicken soll, gibt es ein paar Regeln, die beachtet werden müssen, um ein natürliches und ästhetisches Ergebnis zu erzielen:
- Die Augen folgen der Nasenlinie: Dies ist die wichtigste Regel. Die Augen sollten immer in die gleiche allgemeine Richtung blicken, in die die Nase zeigt. Es wirkt unnatürlich und unharmonisch, wenn die Augen in eine völlig andere Richtung schauen als die Kopf- und Nasenrichtung. Dies gilt sowohl für Blicke, die nur leicht an der Kamera vorbeigehen, als auch für vollständige Profilaufnahmen.
- Vermeiden Sie die teilweise Verdeckung eines Auges: Wenn Sie das Gesicht vom Betrachter wegdrehen, kommt irgendwann der Punkt, an dem der Nasenrücken beginnt, das weiter entfernte Auge zu verdecken. Dies ist ein kritischer Punkt. Wenn dies geschieht, sind Sie in der Regel zu weit gedreht. Entweder drehen Sie das Gesicht weiter, um ein vollständiges Profil zu erhalten, bei dem nur ein Auge sichtbar ist, oder Sie drehen das Gesicht wieder etwas zurück, sodass beide Augen wieder klar und vollständig sichtbar sind. Eine teilweise verdecktes Auge wirkt oft störend.
Die Beachtung dieser einfachen Regeln stellt sicher, dass auch abgewandte Blicke natürlich und ansprechend aussehen.
Zusammenfassung der Blickrichtungen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl der Blickrichtung eine der mächtigsten Gestaltungsmöglichkeiten in der Porträtfotografie ist. Wir können zwischen direktem Augenkontakt, der Nähe und Verbindung schafft, und reflektierenden Blicken, die Raum für Interpretation und Geschichte lassen, wählen. Innerhalb dieser Kategorien gibt es Feinheiten in der Positionierung von Augen und Gesicht, die den Ausdruck und die Wirkung des Bildes maßgeblich beeinflussen.
Vergleich: Direkter vs. Reflektierender Blick
| Merkmal | Direkter Blick (in/nahe Kamera) | Reflektierender Blick (weg von Kamera) |
|---|---|---|
| Wirkung auf Betrachter | Intimität, Verbindung, direkter Kontakt, starkes Gefühl angesprochen zu werden | Nachdenklichkeit, Geheimnis, Geschichte, lädt zur Interpretation ein, distanzierter |
| Häufiger Einsatzbereich | Klassische Porträts, Business-Porträts, Senior-Porträts, Familienporträts (wenn alle anschauen) | Künstlerische Porträts, Storytelling-Porträts, Aufnahmen in Umgebungen, die Teil der Geschichte sind (z.B. Fenster, Landschaft) |
| Wichtige Posing-Hinweise | Sicherstellen, dass das Model jemanden anschaut (Fotograf), Positionierung des Fotografen für gute Catchlights, Augen lächeln mit dem Mund | Augen folgen der Nasenlinie, vermeiden der teilweisen Verdeckung eines Auges durch die Nase, Körpersprache unterstützt die nachdenkliche/abgewandte Stimmung |
| Vorteile | Starke emotionale Verbindung, oft beliebter bei Kunden, Gefühl von Präsenz | Erzählt eine Geschichte, kann tiefgründiger wirken, weniger Druck für das Model, Blick kann Teil der Komposition sein |
| Nachteile | Kann bei schüchternen Modellen schwierig sein, weniger Raum für Umgebung als Teil der Geschichte | Kann als uninteressiert missverstanden werden, erfordert sorgfältige Ausrichtung von Augen und Nase |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Warum sind die Augen in einem Porträt so wichtig?
Die Augen sind der zentrale Fokuspunkt und vermitteln die wichtigsten Emotionen und die Persönlichkeit des Models. Sie sind oft das Erste, worauf der Betrachter schaut, und entscheiden maßgeblich über die Wirkung und den Erfolg eines Porträts. Sie werden als „Fenster zur Seele“ betrachtet und stellen die Verbindung zum Betrachter her.

Wie positioniere ich die Augen für maximale Wirkung?
Eine effektive Methode ist, das Gesicht leicht von der Kamera wegzudrehen (ideal zur Hauptlichtquelle hin), während die Augen zur Kamera zurückblicken. Dies lässt die Augen größer und ausdrucksstärker erscheinen, da das Zentrum des Auges optisch zum äußeren Winkel verschoben wird.
Wo sollte das Model hinschauen, wenn es nicht direkt in die Kamera blickt?
Das Model sollte immer jemanden anschauen, idealerweise den Fotografen, der sich in der Nähe der Kamera befindet. Der Blickkontakt mit einer Person erzeugt mehr Funken und Leben im Auge als das Anstarren eines leeren Punktes oder Objekts. Für reflektierende Posen blickt das Model absichtlich weg, aber die Augen sollten der Richtung der Nase folgen.
Was ist eine „reflektierende Pose“?
Eine reflektierende Pose ist ein Porträt, bei dem das Model absichtlich weg von der Kamera schaut. Diese Posen eignen sich gut, um eine Geschichte zu erzählen, Nachdenklichkeit auszudrücken oder die Umgebung als Teil der Komposition und Erzählung zu nutzen.
Wie vermeide ich unnatürliche Blicke bei reflektierenden Posen?
Die wichtigste Regel ist, dass die Augen immer der Richtung folgen sollten, in die die Nase zeigt. Achten Sie auch darauf, dass der Nasenrücken nicht das weiter entfernte Auge teilweise verdeckt; wählen Sie entweder ein vollständiges Profil oder stellen Sie sicher, dass beide Augen klar sichtbar sind.
Soll das Model direkt in das Kameraobjektiv schauen?
Der direkte Blick ins Objektiv erzeugt starken Augenkontakt mit dem späteren Betrachter, was Intimität und direkte Verbindung schafft. Es ist eine beliebte Option, insbesondere für klassische Porträts. Alternativ kann das Model den Fotografen direkt neben oder über der Kamera anschauen, was einen ähnlichen Effekt erzielt, aber natürlicher wirken kann.
Was bedeutet es, wenn die Augen „mitlächeln“ müssen?
Ein natürliches und glaubwürdiges Lächeln kommt nicht nur vom Mund, sondern auch von den Augen. Wenn der Mund lächelt, sollten die Augen ebenfalls einen freudigen Ausdruck zeigen (z. B. leichte Fältchen an den äußeren Winkeln). Ein Lächeln nur mit dem Mund wirkt oft unauthentisch.
Was sind Catchlights und wie bekomme ich sie?
Catchlights sind die Lichtreflexe in den Augen, die ihnen Glanz und Leben verleihen. Sie entstehen durch die Lichtquelle(n). Um gute Catchlights zu erhalten, sollte das Model idealerweise in Richtung der Hauptlichtquelle blicken, und der Fotograf (wohin das Model schaut) sollte sich auf der Seite der Hauptlichtquelle oder direkt über der Kamera positionieren.
Die Kunst der Augen-Posing ist eine Nuance, aber eine, die über Erfolg oder Misserfolg eines Porträts entscheiden kann. Indem Sie die Positionierung des Gesichts und der Augen bewusst steuern, das Model ermutigen, mit den Augen zu lächeln, und die Regeln für direkten und abgewandten Blick verstehen, können Sie Porträts schaffen, die nicht nur eine Person zeigen, sondern auch deren Seele berühren.
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