Woher kommt Praktica?

Praktica Kameras: Hersteller und Geschichte

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Praktica ist ein Name, der in der Welt der Fotografie, insbesondere im Zusammenhang mit der ehemaligen DDR, einen besonderen Klang hat. Viele Fotografen verbinden damit robuste Spiegelreflexkameras mit dem weit verbreiteten M42-Objektivgewinde, die für ihre Zuverlässigkeit und Zugänglichkeit bekannt waren. Doch wer stand hinter der Produktion dieser Kameras, die über Jahrzehnte hinweg unzählige Bilder auf Film bannten, und welche Geschichte verbirgt sich dahinter? Die Antwort auf diese Frage führt uns in eine Stadt mit einer tief verwurzelten Tradition im Kamerabau: Dresden.

Wer stellt Praktica-Kameras her?
Praktica begann als Name eines 35-mm-Spiegelreflexkameramodells von KW, das 1949 als Nachfolger der Praktiflex eingeführt wurde. Diese Kameras gehörten zu den ersten mit M42x1-Anschluss. Daraus entwickelte sich eine langlebige Serie von Spiegelreflexkameras, die zunächst von KW und später von Pentacon produziert wurden. Die letzte produzierte Praktica war die BX20s, deren Produktion 2001 eingestellt wurde.21. Jan. 2025

Die Wurzeln: Von KW zur ersten Praktica

Die Geschichte der Praktica beginnt nicht direkt unter diesem Namen als eigenständiges Unternehmen, sondern innerhalb der Kamerafabrik KW (Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch) in Dresden. KW war bereits ein etablierter Hersteller von Fotoapparaten. Als Nachfolgerin der Praktiflex, einer früheren 35mm-Spiegelreflexkamera von KW, wurde im Jahr 1949 ein neues Modell vorgestellt, das den Namen Praktica trug. Diese erste Praktica war in mehrfacher Hinsicht wegweisend. Sie war eine der ersten 35mm-Spiegelreflexkameras, die das metrische Schraubgewinde M42x1 für den Objektivanschluss nutzte. Dieses Gewinde sollte sich als äußerst langlebig und weit verbreitet erweisen und wurde zu einem Markenzeichen vieler Kameras, nicht nur der Praktica. Es wurde oft als "Pentax-Praktica-Mount" bezeichnet, was seine spätere universelle Bedeutung unterstreicht.

Im Vergleich zur zeitgenössischen Kine Exakta von Ihagee, ebenfalls aus Dresden, die ein Bajonett nutzte und als luxuriöser galt, setzte die Praktica auf Zugänglichkeit und ein einfaches, aber effektives Design. Die frühen Praktica-Modelle teilten zwar einige Merkmale mit der Exakta, wie den Lichtschachtsucher und den Auslöser an der Gehäusevorderseite, antizipierten aber bereits die spätere Standardanordnung von Kleinbildkameras mit Filmkassette links und Bedienelementen rechts. Sie verzichteten auf einige der komplexeren Features der Exakta, wie wechselbare Sucherscheiben oder extrem lange Belichtungszeiten, was jedoch zu ihrer Erschwinglichkeit beitrug.

Die Ära Pentacon: Praktica in der DDR

Im Zuge der Umstrukturierung der ostdeutschen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kamera-Werkstätten KW und andere bedeutende Dresdner Kamerahersteller (wie Zeiss Ikon, Ica, Ernemann und später auch Teile von Ihagee) schrittweise in das VEB Kombinat Pentacon Dresden überführt. Pentacon wurde damit zum zentralen und über Jahrzehnte wichtigsten Produzenten der Praktica-Kameras. Die Praktica entwickelte sich von einem einzelnen Modell zu einer langen und äußerst erfolgreichen Serie von Kleinbild-Spiegelreflexkameras, die nicht nur in der DDR, sondern auch international, insbesondere im westlichen Block, vertrieben wurden.

Die Produktion der Praktica-Reihe erstreckte sich über einen sehr langen Zeitraum, von 1949 bis ins Jahr 2001, als die letzte analoge SLR, die Praktica BX20s, eingestellt wurde. Diese lange Produktionszeit zeugt von der Beliebtheit und der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Marke. Dresden war über lange Zeit ein globales Zentrum des Kamerabaus und Pentacon vereinte viele der dort ansässigen Traditionsunternehmen und deren Know-how unter einem Dach. Namen wie Praktica, Exa, Pentacon, Zeiss Ikon (teilweise), Contax (historisch), Exakta (später Modelle mit Praktica-Anschluss) sind eng mit dieser Geschichte verbunden.

Charakteristische Merkmale und Modellentwicklung

Die frühen Praktica Modelle aus den 1950er Jahren nutzten einen Schlitzverschluss, der dem Leica-Verschluss nachempfunden war. Das Zeitenrad drehte sich beim Spannen mit und musste zum Ändern der Einstellung angehoben und gedreht werden – ein Merkmal vieler Kameras dieser Zeit. Ein charakteristisches und langlebiges Merkmal vieler Praktica Kameras war jedoch der Auslöser an der Gehäusevorderseite, knapp über dem Objektiv. Diese Positionierung war ursprünglich für die Verwendung mit Lichtschachtsuchern optimiert, die ein Halten der Kamera in Taillen- oder Brusthöhe begünstigten. Obwohl später Prismensucher Standard wurden, behielt die Praktica diese Auslöserposition bei. Einige Fotografen sahen darin einen Vorteil für eine ruhigere Kamerahaltung bei Freihandaufnahmen.

Welche Firma hat in der ehemaligen DDR die berühmteste Kamera hergestellt?
Ihagee-West und Exakta GmbH Deshalb trugen Kameras für den Export aus der DDR beispielsweise den Namen »Elbaflex«. Im Westen wurde 1963 die »Ihagee Kamerawerk AG« (Frankfurt) zur »Ihagee-Exakta Photo AG« (München). Aus dem West-Berliner Verkaufsbüro war die Ihagee AG (West) hervorgegangen.

Im Laufe der Zeit durchliefen die Praktica Kameras zahlreiche Weiterentwicklungen und Modellreihen. Die ersten Modelle (Praktica / MX / FX) unterschieden sich oft nur in Details wie der Art und Anzahl der Blitzsynchronisationsanschlüsse. Die Praktica IV und V Serien führten unter anderem einen Schnellaufzug an der Bodenplatte ein, der zusätzlich zum Winder-Knopf existierte und auch als Bildzählwerk diente.

Die Praktica Nova: Revolution am Fließband

Ein besonders wichtiger Schritt in der Geschichte der Praktica war die Einführung der Praktica nova Serie in den Jahren 1964 bis 1967. Diese Modellreihe gilt als ein Meilenstein, da die Praktica nova die erste Kamera in Europa war, die in Großserienfertigung am Fließband gefertigt wurde. Sie basierte auf der Praktica IV/V Reihe, wurde aber für eine effizientere Massenproduktion komplett neu konstruiert. Das Gehäuse behielt die charakteristische Größe, aber der Verschlussmechanismus wurde überarbeitet.

Die Praktica PL nova I, die 1967 auf den Markt kam, brachte weitere wichtige Neuerungen. Sie war die erste Praktica mit einem feststehenden Zeitenrad – eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängern, bei denen das Rad beim Spannen mitdrehte. Das "PL" in der Modellbezeichnung stand für "Pentacon Loading", eine innovative Automatik zum einfacheren Einlegen des Films, die ebenfalls zur Benutzerfreundlichkeit beitrug. Die Nova-Reihe war ein enormer Erfolg. Allein von der zweiten Serie wurden über alle Varianten hinweg 822.000 Stück gefertigt, wovon 136.000 auf das Einsteigermodell entfielen. Die Praktica nova trug maßgeblich zur Popularität und Verbreitung der Praktica Kameras bei, bevor sie von der Praktica L-Reihe abgelöst wurde.

Fortschritte bei Belichtungsmessung und Moderne Features

Die Entwicklung der Praktica Kameras spiegelte den technologischen Fortschritt in der Fotografie wider. Die Praktica IV B führte einen eingebauten Belichtungsmesser ein. Die Praktica Mat war ein wichtiger Schritt mit der Einführung der TTL-Belichtungsmessung (Through The Lens), bei der das Licht durch das Objektiv gemessen wurde. Spätere Modellreihen, wie die L-Serie und die B-Serie, integrierten immer modernere Funktionen, darunter auch die elektrische Blendenübertragung zwischen Objektiv und Gehäuse, wie sie erstmals bei der Praktica LLC im Jahr 1969 realisiert wurde. Auch wenn die Praktica Kameras stets bemüht waren, technologisch aufzuschließen (z.B. durch die Einführung metallisierter Kunststoffgehäuse, die später bei japanischen SLRs Standard wurden), konnten sie ihren früheren Status als High-End-Kameras gegen die aufstrebende und innovationsfreudige japanische Konkurrenz im Westen nicht vollständig halten. Dennoch blieben sie bis zum Ende der analogen Produktion zuverlässige und beliebte Werkzeuge für Fotografen.

Einblick in die Modellvielfalt (Auswahl)

Die Praktica-Reihe umfasste eine beeindruckende Anzahl von Modellen und Varianten. Hier eine Auswahl der Hauptserien:

  • Praktiflex (Vorgänger der ersten Praktica)
  • Praktica / MX / FX (Die ersten M42-Modelle)
  • Praktica IV / V (Einführung Schnellaufzug am Boden, verschiedene Sucher- und Messvarianten wie IV B, IV M, V F etc.)
  • Praktica nova / PL nova (Fließbandfertigung, PL-System, feststehendes Zeitenrad)
  • 1. bis 4. Generation der L-Serie (Weiterentwicklung mit Metallschlitzverschluss etc.)
  • B-Serie (Einführung des Praktica-Bajonetts, modernere Belichtungsautomatiken)
  • BX-Serie (Die letzten analogen SLRs mit erweitertem Funktionsumfang)

Es gab auch Modelle, die unter dem Namen Exakta vertrieben wurden, aber technisch auf Praktica-Kameras basierten (z.B. Exakta RTL 1000), insbesondere nachdem Ihagee in das Pentacon-Kombinat integriert worden war und Namensrechte im Westen verloren gingen.

Was war die Praktica nova?
Die erste Serie der Praktica nova (1964 - 1967) war ein Meilenstein der Kamerageschichte, es war die erste am Fließband gefertigte Kamera in Europa. Es war der Nachfolger der Praktica IV/V Reihe aus der sie auch entwickelt wurde.

Herausforderungen und die Produktion in der DDR

Die Geschichte der Praktica ist auch mit den wirtschaftlichen und politischen Bedingungen der DDR verbunden. Ein weniger bekanntes und dunkles Kapitel betrifft die Verwendung von Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt Cottbus für Teile der Fertigung von Praktica Kameras. Als diese Tatsache öffentlich bekannt wurde, führte dies zu Kontroversen und hatte Auswirkungen auf den Vertrieb der Kameras im Westen. Viele deutsche Händler stellten den Verkauf von Praktica Kameras ein, obwohl einige große Versandhäuser wie Otto und Foto-Quelle den Vertrieb fortsetzten.

Die Planwirtschaft der DDR und der Druck der staatlichen Behörden beeinflussten auch die Produktentwicklung. Während die westliche Kameraindustrie rasant innovierte, fiel es den ostdeutschen Herstellern, einschließlich Pentacon, schwer, konsequent Schritt zu halten. Die Konzentration auf die Praktica-Reihe führte beispielsweise dazu, dass die Produktion der komplexeren Exakta-Kameras in Dresden zugunsten der Praktica eingestellt wurde.

Das Ende der analogen Ära und Praktica heute

Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie und dem Rückgang der Nachfrage nach analogen Spiegelreflexkameras wurde die Produktion der klassischen Praktica SLRs im Jahr 2001 eingestellt. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das VEB Kombinat Pentacon aufgelöst und Teile davon verkauft, unter anderem an Schneider Kreuznach. Die heutige PENTACON GmbH Foto- und Feinwerktechnik mit Sitz in Dresden ist Teil der Schneider Gruppe und produziert weiterhin optische und feinmechanische Erzeugnisse, darunter auch Komponenten für internationale Marken und sogar für Raumfahrtprogramme.

Die Marke Praktica selbst konzentrierte sich nach 2001 auf digitale Kompaktkameras, Camcorder, Ferngläser, Spektive und anderes optisches Zubehör. Seit September 2015 gehört die Marke Praktica der britischen Firma Praktica Ltd., die das Portfolio weiterführt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer hat Praktica Kameras hergestellt?

Praktica Kameras wurden ursprünglich von den Kamera-Werkstätten (KW) in Dresden entwickelt und hergestellt. Später, in der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), übernahm das VEB Kombinat Pentacon in Dresden die Hauptproduktion und Weiterentwicklung der Praktica-Reihe. Nach der Wiedervereinigung wurde Pentacon restrukturiert. Heute gehört die Marke Praktica einer britischen Firma namens Praktica Ltd.

Wer stellt Praktica-Kameras her?
Praktica begann als Name eines 35-mm-Spiegelreflexkameramodells von KW, das 1949 als Nachfolger der Praktiflex eingeführt wurde. Diese Kameras gehörten zu den ersten mit M42x1-Anschluss. Daraus entwickelte sich eine langlebige Serie von Spiegelreflexkameras, die zunächst von KW und später von Pentacon produziert wurden. Die letzte produzierte Praktica war die BX20s, deren Produktion 2001 eingestellt wurde.21. Jan. 2025

Woher stammt die Marke Praktica?

Die Marke Praktica stammt aus Dresden in Deutschland. Dresden war historisch ein weltweit führendes Zentrum des Kamerabaus, insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und während der DDR-Zeit.

Was war die Praktica nova?

Die Praktica nova war eine wichtige Modellreihe der Praktica Kameras aus den 1960er Jahren. Sie ist bekannt dafür, die erste Kamera in Europa gewesen zu sein, die am Fließband gefertigt wurde, was eine sehr hohe Produktionszahl ermöglichte. Sie führte auch technische Neuerungen wie das feststehende Zeitenrad und die "Pentacon Loading" Filmeinlegeautomatik ein.

Welches Objektivgewinde ist typisch für Praktica Kameras?

Viele Praktica Spiegelreflexkameras, insbesondere die Modelle bis zur L-Serie, sind berühmt und weit verbreitet wegen der Verwendung des M42x1 Schraubgewindes für den Objektivanschluss. Dieses Gewinde ermöglichte eine große Kompatibilität mit Objektiven verschiedener Hersteller.

Fazit

Praktica Kameras sind mehr als nur Werkzeuge zur Bildaufnahme; sie sind ein bedeutendes Stück Industriegeschichte, insbesondere der ehemaligen DDR. Ihre Entwicklung vom einfachen Modell mit M42-Mount zu immer fortschrittlicheren Systemen, die Einführung von Innovationen wie der Fließbandfertigung bei der Nova-Reihe und ihre weite Verbreitung haben sie zu einem festen Bestandteil der Fotogeschichte gemacht. Sie repräsentieren eine Ära des Kamerabaus in Dresden, die trotz politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen beeindruckende Produkte hervorbrachte. Auch wenn die analoge Ära der Praktica SLRs vorbei ist, lebt der Name in der Welt der Optik weiter und die klassischen Modelle erfreuen sich bei Sammlern und Liebhabern nach wie vor großer Beliebtheit.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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