Die Welt der professionellen Video- und Filmproduktion hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, nicht zuletzt dank innovativer Technologien im Bereich der Kamerastabilisierung. Ein Name, der in diesem Kontext immer wieder fällt, ist DJI Ronin. Was einst als einfache Gimbal-Systeme begann, hat sich zu hochintegrierten und leistungsfähigen Werkzeugen für Filmemacher:innen jeder Ebene entwickelt. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Namen Ronin, und welche Besonderheiten zeichnen Modelle wie die Ronin 4D oder die beliebten RS 3 Stabilisatoren aus?

Was ist eine Ronin Kamera? Die Evolution der Stabilisierung
Im Kern bezieht sich der Name Ronin auf eine Produktlinie von DJI, die sich auf die digitale Stabilisierung von Kameras konzentriert. Diese Systeme, bekannt als Gimbals oder Stabilisatoren, nutzen hochentwickelte Motoren und Sensoren, um unerwünschte Kamerabewegungen auszugleichen und so verwacklungsfreie Aufnahmen zu ermöglichen. Die Entwicklung der Ronin-Serie zeigt eine stetige Weiterentwicklung von einfachen Handheld-Gimbals hin zu komplexen Systemen für schwerste Kinokameras.
Die Reise begann 2014 mit dem ursprünglichen Ronin (oft als „Ronin 1“ bezeichnet), einem der ersten digital stabilisierten Gimbals von DJI, der für größere DSLR- und Prosumer-Kameras konzipiert war. Darauf folgten Modelle wie der Ronin M und der Ronin MX, die leichter und kompakter waren oder speziell für den Einsatz unter hohen G-Kräften oder an Drohnen entwickelt wurden. Der Ronin 2 markierte einen Sprung nach vorne für professionelle Filmproduktionen mit seiner beeindruckenden Traglast von bis zu 30 Pfund und einem neuen Design.

Mit dem Ronin S führte DJI 2018 den populären Einhand-Formfaktor ein, der die Ergonomie für Solo-Operator revolutionierte. Der Ronin SC folgte als kompaktere Version für spiegellose Kameras. Die Modelle RS 2 und RSC 2 brachten integrierte Touchscreens und verbesserte Tracking-Funktionen mit sich. Die jüngste Generation der Handheld-Stabilisatoren umfasst den RS 3, RS 3 Pro und RS 3 Mini, die auf den Stärken ihrer Vorgänger aufbauen und neue Features wie automatische Achsensperren und optionale LiDAR-Unterstützung integrieren.
Den bisherigen Höhepunkt der Ronin-Entwicklung stellt jedoch die DJI Ronin 4D dar – ein System, das die Grenzen zwischen Kamera und Stabilisator verschwimmen lässt.
DJI Ronin 4D: Das revolutionäre Kinokamerasystem
Die DJI Ronin 4D ist weit mehr als nur ein Gimbal; sie ist ein hochintegriertes Kinokamerasystem, das speziell für professionelle Filmemacher:innen entwickelt wurde. Sie vereint eine leistungsstarke Kinokamera, einen innovativen 4-Achsen-Gimbal, ein präzises LiDAR-Fokussystem und drahtlose Übertragungstechnologie in einem einzigen, modularen Gehäuse.
Integriertes und modulares Design
Das Design der Ronin 4D ist revolutionär. Das robuste Gehäuse, gefertigt aus Carbon und einer Aluminium-Magnesium-Legierung, beherbergt alle Kernkomponenten. Diese Integration ermöglicht einen unglaublich schnellen Start der Aufnahme, da keine separaten Kameras, Gimbals oder Fokus-Systeme montiert und verkabelt werden müssen. Gleichzeitig bleibt das System dank seines modularen Aufbaus erweiterbar und anpassbar, um unterschiedlichsten kreativen Anforderungen gerecht zu werden.
Die Vollformat X9 Gimbal-Kamera
Das Herzstück der Ronin 4D ist die Vollformat X9 Gimbal-Kamera. Sie ist in der Lage, intern in hochwertigen Formaten wie ProRes 422 HQ aufzunehmen, was professionelle Postproduktion ermöglicht. Die Kamera liefert beeindruckende 14+ Blendenstufen Dynamikbereich, was Detailreichtum sowohl in Lichtern als auch Schatten garantiert. Dank des Dual Native ISO (800/4000 bei der 8K-Version) liefert die X9 auch bei schwierigen Lichtverhältnissen saubere Bilder mit geringem Rauschen. Integrierte 9-stufige ND-Filter erlauben die schnelle Anpassung der Belichtung an wechselnde Lichtbedingungen, ohne dass externe Filter gewechselt werden müssen. Austauschbare Objektivhalterungen (DL-Mount standardmäßig, Unterstützung für M-Mount, E-Mount und andere über Adapter) bieten immense Flexibilität bei der Wahl der Objektive, von DJI DL-Objektiven bis hin zu klassischen Kinooptiken.
Die 8K-Version der X9 Kamera kann interne Aufnahmen in beeindruckenden 8K mit bis zu 75 Bildern pro Sekunde in ProRes aufzeichnen, was selbst für anspruchsvollste Kinoproduktionen ausreicht.

Präziser LiDAR-Fokus
Ein weiteres Highlight der Ronin 4D ist das integrierte LiDAR-Fokussystem. Dieses nutzt einen Laser-Entfernungsmesser, um die Entfernung zum Motiv präzise zu messen. Das Ergebnis ist ein Autofokus, der selbst bei schwachem Licht schnell, genau und zuverlässig funktioniert. Das System unterstützt nicht nur Autofokus mit kompatiblen Objektiven, sondern ermöglicht auch präzisen Fokus mit manuellen Objektiven, oft in Verbindung mit einem Fokusmotor. Die LiDAR Waveform visualisiert die Entfernung auf dem Monitor und macht den manuellen Fokus intuitiver. Der Automatische Manuelle Fokus (AMF) bietet zudem ein einzigartiges hybrides Fokusserlebnis.
4-Achsen Aktivstabilisierung
Neben der klassischen 3-Achsen-Stabilisierung, die Schwenk-, Neige- und Rollbewegungen ausgleicht, verfügt die Ronin 4D über eine zusätzliche Z-Achse. Diese vierte Achse ist eine aktive Stabilisierung, die vertikale Kamerabewegungen effektiv eliminiert. Dies resultiert in Aufnahmen, die der Bewegung eines Kamerawagens (Dolly) ähneln – unglaublich sanft und stabil, selbst bei Gehen oder Laufen. Unterstützt wird die Stabilisierung durch Sichtsensoren und die ActiveTrack Pro Funktion, die das automatische Verfolgen von Motiven ermöglicht.
Funkübertragung und -steuerung
Die integrierte O3 Pro Videoübertragungstechnologie ermöglicht die drahtlose Übertragung von hochauflösendem Videomaterial (bis zu 1080p/60fps) über beeindruckende Distanzen von bis zu 6 km (unter FCC-konformen Bedingungen ohne Hindernisse und Interferenzen). Durch die Nutzung zusätzlicher DFS-Frequenzbänder wird die Übertragung noch zuverlässiger. Das System unterstützt einen Sender mit mehreren Empfängern und erlaubt die Fernsteuerung von Gimbal, Fokus und Kameraeinstellungen.
Bildkontrolle, Speicher und Audio
Die Ronin 4D bietet umfassende Tools zur Bildkontrolle über den sehr hellen 5,5-Zoll Hauptmonitor mit 1000 Nit. Dieser einstellbare Touchscreen kann flexibel am Gehäuse montiert werden und bietet zahlreiche Assistenten wie Belichtungs-Waveform, Falschfarben, Zebra, LiDAR-Waveform, Peaking und Fokusvergrößerung. Anpassbare Überlagerungen und die Unterstützung anpassbarer LUTs, die sogar unabhängig für verschiedene Ausgänge geladen werden können, runden die professionellen Monitoring-Funktionen ab.
Bei den Speicherlösungen ist die Ronin 4D ebenfalls flexibel. Sie verfügt über einen integrierten CFexpress Typ-B Steckplatz sowie einen USB 3.1 Typ-C Anschluss für die direkte Aufnahme auf externe SSDs. Für höchste Spezifikationen und Leistung wird die DJI PROSSD 1 TB empfohlen, die direkt per USB-C an einen Computer angeschlossen werden kann, was den Workflow beschleunigt und ein separates SSD-Lesegerät überflüssig macht. Diese Optionen sind laut Hersteller kosteneffizient und bieten hohe Leistung und Stabilität.
Für die Tonaufnahme sind integrierte Mikrofone vorhanden, die Zweikanal 24-Bit Audio unterstützen. Für professionelle Anforderungen stehen zudem 3,5-mm Klinkenbuchsen und XLR-Mikrofonanschlüsse zur Verfügung, inklusive 48 V Phantomspeisung für Kondensatormikrofone.

Anschlüsse: Vielfalt für professionelle Workflows
Die Ronin 4D ist mit einer Vielzahl von Anschlüssen ausgestattet, um sie in professionelle Setups zu integrieren:
Gehäuseanschlüsse
- 3,5 mm TRS Stereo-Eingangsbuchse (Mic/Line-In)
- 3,5 mm Stereo-Ausgangsbuchse (Audio-Kontrolle)
- USB 3.1 Typ-C Datenanschluss
- 6-polig 1B DC-IN (12-30 V)
- Stromanschluss für Akkuhalterung
- Datenanschluss für Erweiterungsplatte
- Sehr heller Hauptmonitoranschluss
- Anschlüsse für Handgriffe (links/rechts)
- Anschluss für Oberen Griff
- HDMI Typ-A Videoausgang (1080p/60fps)
- Zeitcode-Anschluss (Ein/Ausgabe)
- SDI-Anschluss (3G-SDI Signalausgabe)
- XLR-Anschluss (Mic/Line-In, 48 V Phantomspeisung)
X9 Gimbal Anschlüsse
- Anschlüsse für LiDAR-Entfernungsmesser/Fokusmotor (2x)
TB50 Akkuhalterung Anschlüsse
- Stromanschluss für Akkuhalterung (Stecker/Buchse)
- TB50 Akkuanschluss
4D Videosender Anschlüsse
- Datenanschluss für Erweiterungsplatte (Stecker)
- SMA-Antennenanschlüsse (4x)
- USB 3.1 Typ-C Datenanschluss
- Stromanschluss für Akkuhalterung (Stecker/Buchse)
Funkmonitor Anschlüsse
- 3,5-mm Stereobuchse (Audio-Kontrolle)
- microSD-Kartensteckplatz (für interne Aufzeichnung)
- HDMI Typ-A Videoeingang (1080p/60fps)
- Type-C Anschluss (UVC-Livestreaming, Firmware-Updates)
- Stromanschluss (6,8-17,6 V, auch für DJI Master Wheels/Force Pro)
- HDMI Typ-A Videoausgang (1080p/60fps)
- SDI-Anschluss (3G-SDI Signalausgang)
Die Akkulaufzeit der Ronin 4D beträgt mit einer TB50 Intelligent Battery ca. 2,5 Stunden, wobei der Akku in nur 1,5 Stunden vollständig aufgeladen werden kann. Die Akkus unterstützen zudem ein automatisches Vorwärmen für den Einsatz bei Kälte.
Ronin RS 3 vs. Ronin RS 3 Pro: Welcher Stabilisator ist der Richtige?
Während die Ronin 4D ein integriertes System ist, sind die Modelle der RS 3 Serie klassische 3-Achsen-Stabilisatoren, die für die Nutzung mit separaten Kameras, meist spiegellosen oder kleineren Kinokameras, konzipiert sind. Die RS 3 Serie umfasst den RS 3, den RS 3 Pro und den RS 3 Mini. Der Vergleich zwischen dem RS 3 und dem RS 3 Pro ist besonders relevant für Filmemacher:innen, die einen leistungsfähigen Handheld-Gimbal suchen.
Beide Modelle, der RS 3 und der RS 3 Pro, teilen viele grundlegende Merkmale und Funktionen. Sie nutzen bürstenlose Motoren für eine sanfte und leise Stabilisierung über drei Achsen (Schwenken, Neigen, Rollen) und ermöglichen so Steadicam-ähnliche Aufnahmen aus der Hand. Beide verfügen über einen 1,8-Zoll Farb-Touchscreen zur Steuerung und Konfiguration sowie über automatische Achsensperren, die das System beim Ein- und Ausschalten verriegeln bzw. entriegeln und so den Aufbau beschleunigen. Beide nutzen austauschbare Akkus, die eine Laufzeit von etwa 12 Stunden bieten und per USB-C PD geladen werden können.
Die Unterschiede liegen primär in der Traglast, der Größe, den Materialien und der Kompatibilität mit bestimmten Zubehörteilen:
| Merkmal | DJI RS 3 | DJI RS 3 Pro |
|---|---|---|
| Maximale Traglast | Ca. 3 kg (6.6 lbs) | Ca. 4.5 kg (10 lbs) |
| Größe und Gewicht | Kleiner, leichter (ca. 1 kg / 2.2 lbs) | Größer, schwerer (ca. 1.5 kg / 3.3 lbs) |
| Materialien | Standard | Carbonfaser-Arme (leichter & robuster) |
| LiDAR-Unterstützung | Nein | Ja (LiDAR-Entfernungsmesser separat erhältlich) |
| Kompatibilität mit Ronin 4D Handgriffen | Nein | Ja (über NATO-Ports mit Datenkontakten) |
| Bildschirmgröße | 1.8 Zoll Touchscreen | 1.8 Zoll Touchscreen (oft mit erweiterten Funktionen über Zubehör) |
| Akku | Austauschbar | Austauschbar |
| Automatische Achsensperren | Ja | Ja |
Der RS 3 Pro ist also für schwerere und größere Kamera-Setups konzipiert. Seine Carbonfaser-Arme sind robuster und leichter im Vergleich zur Größe. Der entscheidende Unterschied für professionelle Anwender:innen ist jedoch die Unterstützung für den optionalen LiDAR-Entfernungsmesser. Dieses Zubehörteil, das separat erworben werden muss, ermöglicht ähnliche Autofokus-Funktionen wie bei der Ronin 4D, insbesondere die Unterstützung von Autofokus mit manuellen Objektiven in Kombination mit einem Fokusmotor. Es erfordert eine Kalibrierung für jedes manuelle Objektiv, kann aber das Fokussieren, besonders bei Solo-Drehs mit manuellen Optiken, erheblich erleichtern und präzise automatische Fokusfahrten ermöglichen, insbesondere in Verbindung mit ActiveTrack.
Ein weiterer „Pro“-Vorteil sind die zusätzlichen Datenkontakte an den NATO-Erweiterungsports des RS 3 Pro, die die Kompatibilität mit spezifischem Zubehör wie den Ronin 4D Handgriffen ermöglichen.
Für die meisten Kreativen, die mit spiegellosen Kameras oder kleineren DSLRs arbeiten, bietet der standardmäßige RS 3 mehr als ausreichende Leistung und Traglast und wird oft als die beste Wahl empfohlen. Er bietet alle Kernfunktionen eines modernen Gimbals zu einem attraktiveren Preis. Der RS 3 Mini ist eine noch leichtere und einfachere Option für sehr leichte Kamera-Setups, verzichtet aber auf einige Features und die Zubehörkompatibilität der größeren Modelle. Der RS 3 Pro richtet sich klar an professionelle Anwender:innen, die schwerere Kamerasysteme nutzen oder von den erweiterten Funktionen wie der LiDAR-Unterstützung für manuelle Objektive oder der Kompatibilität mit speziellem Pro-Zubehör profitieren möchten. Er ist die Wahl für Indie-Filmproduktionen, Werbespots oder andere Setups, bei denen maximale Flexibilität und Traglast gefragt sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet "Ronin" im Zusammenhang mit Kameras?
Ronin ist der Markenname von DJI für seine Produktlinie von Kamerastabilisatoren und integrierten Kinokamerasystemen, die digitale Technologie nutzen, um verwacklungsfreie Videoaufnahmen zu ermöglichen.
Was macht die DJI Ronin 4D so besonders?
Die Ronin 4D ist besonders, weil sie als erstes System Kamera, 4-Achsen-Gimbal, LiDAR-Fokus und Funkübertragung in einem einzigen, modularen Gehäuse integriert. Sie bietet eine revolutionäre 4-Achsen-Stabilisierung (inklusive Z-Achse) und hochwertige interne Aufnahmeformate wie 8K ProRes.
Kann ich manuelle Objektive mit der Ronin 4D oder dem RS 3 Pro verwenden?
Ja, sowohl die Ronin 4D als auch der RS 3 Pro (in Verbindung mit dem optionalen LiDAR-Entfernungsmesser und einem Fokusmotor) unterstützen die Nutzung manueller Objektive. Der LiDAR kann dabei helfen, Autofokus-Funktionen auch mit manuellen Optiken zu realisieren.
Brauche ich die DJI App, um einen Ronin Stabilisator zu benutzen?
Für die Erstaktivierung und Firmware-Updates ist die DJI Ronin App auf einem Smartphone erforderlich. Viele Funktionen können danach jedoch direkt über den integrierten Bildschirm des Gimbals gesteuert werden.
Wie lange hält der Akku der Ronin 4D?
Die DJI Ronin 4D verwendet TB50 Intelligent Batteries, die eine Laufzeit von etwa 2,5 Stunden pro Akku ermöglichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die DJI Ronin-Serie von einfachen Stabilisatoren zu hochentwickelten Werkzeugen für die Filmproduktion herangereift ist. Die Ronin 4D stellt einen bedeutenden Schritt dar, indem sie die Kernkomponenten integriert, während die RS 3 Serie weiterhin exzellente modulare Stabilisierungslösungen für eine breite Palette von Kameras und Anwendungsfällen bietet. Die Wahl des richtigen Ronin-Systems hängt stark von den spezifischen Anforderungen des Projekts, der verwendeten Kameraausrüstung und dem Budget ab.
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