Franz Roth war in der Tat ein Fotograf und Bildberichterstatter. Sein Leben und seine Karriere führten ihn von frühen fotografischen Versuchen in der Schulzeit über eine Anstellung bei einer international renommierten Nachrichtenagentur bis hin zu einer Tätigkeit als Kriegsberichterstatter während des Zweiten Weltkriegs, eingebettet in die Strukturen des nationalsozialistischen Regimes.

Frühe Jahre und erste Schritte in der Fotografie
Geboren in Wien als ältester Sohn eines Arztes, verbrachte Franz Roth seine Kindheit und Jugend in Salzburg und Linz, wo er von 1918 bis 1929 das Gymnasium besuchte. Schon während dieser Zeit entwickelte er ein Interesse an der Fotografie. Erste Aufnahmen entstanden bei Schulausflügen. Er fotografierte seine Mitschüler und verkaufte ihnen die selbstgemachten Abzüge. Diese frühen Erfahrungen waren wohl die ersten Berührungspunkte mit der Praxis der Fotografie und vielleicht auch mit dem kommerziellen Aspekt, auch wenn es sich hierbei um kleine Anfänge handelte.
Nach dem Abitur begann Roth 1929 ein Studium der Rechtswissenschaften in Wien. Er studierte vier Semester, doch der Versuch, das erste juristische Staatsexamen zu bestehen, scheiterte. Dies führte dazu, dass er 1932 sein Studium abbrach und sich beruflich neu orientieren musste.
Der Weg zum professionellen Bildberichterstatter
Die berufliche Neuorientierung führte Franz Roth direkt in die Welt der Fotografie und des Journalismus. Im Jahr 1934 machte er sich als Bildberichterstatter selbstständig und begann für die international renommierte Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in Wien zu arbeiten. Dies war ein entscheidender Schritt in seiner Karriere als professioneller Fotograf. Die Arbeit für AP ermöglichte ihm, über wichtige internationale Ereignisse zu berichten und seine fotografischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
Bei Associated Press und im Auslandseinsatz
Für Associated Press reiste Franz Roth in den folgenden Jahren zu verschiedenen Brennpunkten und Großveranstaltungen. Er dokumentierte den Abessinischen Krieg, ein Konflikt von internationaler Bedeutung, der ihm sicherlich harte Arbeitsbedingungen und gefährliche Situationen abverlangte. Seine Bilder von diesem Krieg trugen dazu bei, die Öffentlichkeit über die Geschehnisse zu informieren.
Ein weiteres wichtiges Ereignis, das Roth für AP fotografisch begleitete, waren die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Sportveranstaltungen dieser Größenordnung erfordern schnelle Reaktionen und ein gutes Auge für den entscheidenden Moment, um dynamische und aussagekräftige Bilder zu liefern. Die Spiele von 1936 waren zudem politisch aufgeladen, was die Arbeit eines Berichterstatters zusätzlich komplex machte.
Ein weiterer bedeutender Einsatzort für Roth war der Spanische Bürgerkrieg. Dieser Konflikt zwischen der republikanischen Regierung und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Franco zog viele internationale Berichterstatter an. Franz Roth dokumentierte den Krieg auf Seite der rechtsgerichteten Putschisten. Diese Wahl der Perspektive ist bemerkenswert und deutet auf seine politische Haltung hin, die sich auch in späteren Jahren manifestieren sollte. Die Arbeit in einem Bürgerkrieg bedeutete ständige Gefahr und die Notwendigkeit, unter extremen Bedingungen zu arbeiten.
Im Dienst der Propaganda
Mit der politischen Entwicklung in Deutschland und Österreich veränderte sich auch Roths berufliches Umfeld und seine Auftraggeber. 1937 wurde er Mitglied der Reichspressekammer, einer Organisation, die im nationalsozialistischen Deutschland die Presse kontrollierte und reglementierte. 1938 folgte sein Umzug nach Berlin.
In Berlin arbeitete er zunächst weiterhin für Associated Press. Parallel dazu begann er jedoch, Aufträge für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zu übernehmen. Diese Tätigkeit stellte einen gravierenden Wandel dar. Statt unabhängiger Nachrichtenagenturen diente seine Arbeit nun direkt den Zwecken der nationalsozialistischen Propaganda. Im Auftrag des Ministeriums war er in den folgenden Jahren in zahlreichen Ländern unterwegs, darunter Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich, Finnland, das Sudetenland und auf dem Balkan. Seine Aufgabe war es hier, Bilder zu schaffen, die den politischen und militärischen Zielen des Regimes dienten.
Diese Phase markiert eine klare Eingliederung von Franz Roth in die Propagandamaschinerie des Dritten Reiches. Seine fotografischen Fähigkeiten wurden nun genutzt, um ein bestimmtes Bild der Ereignisse und der deutschen Präsenz in Europa zu vermitteln. Es ist anzunehmen, dass die Auswahl der Motive und die Art der Darstellung stark von den Vorgaben des Ministeriums beeinflusst wurden.
Kriegsberichterstatter der Waffen-SS
Die tiefgreifende Verbindung von Franz Roth mit dem nationalsozialistischen System zeigte sich auch in seinen Mitgliedschaften. Am 27. Juni 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP, die rückwirkend zum 1. Mai gewährt wurde. Er trat der Reichsfilmkammer bei, einer weiteren nationalsozialistischen Organisation zur Kontrolle des Filmschaffens, zu dem auch die Bildberichterstattung zählte.
Der wohl bedeutendste und umstrittenste Schritt in seiner Karriere war jedoch der Beitritt zur SS am 25. Juli 1940 (SS-Nummer 454.761). Er schloss sich dem Kriegsberichterstatter-Zug der Leibstandarte SS Adolf Hitler an, einer Eliteeinheit der Waffen-SS. Als Kriegsberichter der Waffen-SS war er fortan direkt an den Fronten des Zweiten Weltkriegs im Einsatz. Seine Aufgabe war es, die Kämpfe und das Leben der Soldaten zu dokumentieren, wiederum im Sinne der Propaganda.
Als Kriegsberichterstatter der Waffen-SS nahm er unter anderem am Balkanfeldzug teil, der im Frühjahr 1941 stattfand. Später war er am Angriff auf die Sowjetunion beteiligt, der am 22. Juni 1941 begann und einen neuen, brutalen Abschnitt des Krieges einleitete. Er dokumentierte auch die schweren Kämpfe während der Schlacht um Charkow, einer Stadt in der Ukraine, die mehrfach umkämpft war.
Die Arbeit als Kriegsberichterstatter an der Front war extrem gefährlich. Die Fotografen waren den gleichen Risiken ausgesetzt wie die kämpfenden Soldaten. Ihre Bilder sollten den Heldenmut der deutschen Soldaten zeigen und die Bevölkerung im Reich sowie die Soldaten an anderen Fronten motivieren. Sie waren ein wichtiges Werkzeug der nationalsozialistischen Kriegspropaganda.
Während seiner Einsätze wurde Roth verwundet. Nach einer Verwundung in Griechenland im Jahr 1941 wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen, eine Auszeichnung für Tapferkeit im Angesicht des Feindes. Dies unterstreicht die gefährliche Natur seiner Tätigkeit an der Front.
Verwundung und Tod
Das Ende von Franz Roths Leben war direkt mit seiner Tätigkeit als Kriegsberichterstatter verbunden. Während der Schlacht um Charkow, einer der blutigsten Schlachten an der Ostfront, wurde er am 21. Februar 1943 schwer verwundet. Er erlitt einen doppelseitigen Lungendurchschuss in der Nähe von Krasnohrad.
Trotz medizinischer Versorgung erlag Franz Roth am 17. März 1943, fast einen Monat nach seiner Verwundung, seinen Verletzungen im Lazarett in Kiew. Er wurde auf dem „Heldenfriedhof Askolds Grab“ bestattet. Sein Tod während des Einsatzes unterstreicht die extremen Bedingungen, unter denen die Kriegsberichterstatter der Waffen-SS arbeiteten.
Posthum wurde Franz Roth am 25. März 1943 das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Diese posthume Ehrung würdigte seinen Einsatz und seinen Tod im Dienst der Wehrmacht bzw. der Waffen-SS.
Häufig gestellte Fragen zu Franz Roth
War Franz Roth Fotograf?
Ja, Franz Roth war Fotograf und Bildberichterstatter. Er begann schon in der Schulzeit mit dem Fotografieren und machte dies später zu seinem Beruf, zunächst als selbstständiger Fotograf und dann für verschiedene Organisationen.
Wann begann er mit der Fotografie?
Erste Fotografien machte Franz Roth bereits während seiner Schulzeit in den 1920er Jahren. Professionell als Bildberichterstatter tätig wurde er ab 1934.
Für wen arbeitete Franz Roth als Fotograf?
Franz Roth arbeitete zunächst als selbstständiger Bildberichterstatter für die Nachrichtenagentur Associated Press. Später war er auch im Auftrag des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda tätig und wurde schließlich Kriegsberichter der Waffen-SS.
Welche Ereignisse dokumentierte er?
Er dokumentierte unter anderem den Abessinischen Krieg, die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, den Spanischen Bürgerkrieg, verschiedene Reisen für das Propagandaministerium in Europa sowie militärische Kampagnen der Waffen-SS wie den Balkanfeldzug, den Angriff auf die Sowjetunion und die Schlacht um Charkow.
Wie und wann starb Franz Roth?
Franz Roth starb am 17. März 1943 im Lazarett in Kiew an den Folgen einer schweren Verwundung (doppelseitiger Lungendurchschuss), die er am 21. Februar 1943 während der Schlacht um Charkow erlitten hatte.
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