Das Samsung Galaxy S8 wurde ursprünglich im März 2017 als damaliges Flaggschiff des koreanischen Herstellers vorgestellt. In einer Zeit, in der die Smartphone-Fotografie immer wichtiger wurde, spielte die Kamera eine zentrale Rolle. Besonders die Frontkamera, oft für Selfies genutzt, stand im Fokus. Mit einem 8-Megapixel-Sensor, einer Blende von f/1.7 und einem besonderen Merkmal für 2017 – einem Autofokus – versprach das S8 hier einiges. Doch wie schlägt sich diese Kamera heute, Jahre nach ihrer Einführung? Wir werfen einen Blick auf ihre Leistung, basierend auf detaillierten Tests.

Die technischen Spezifikationen der Frontkamera
Die Frontkamera des Samsung Galaxy S8 verfügt über einen 8-Megapixel-Sensor im Format 1/3,6 Zoll. Das Objektiv hat eine Brennweite von 25 mm und eine lichtstarke Blende von f/1.7. Ein herausragendes Merkmal zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der integrierte Autofokus. Während bei vielen Frontkameras aus dieser Zeit ein fixer Fokusbereich üblich war, ermöglichte der Autofokus des S8 eine schärfere Abbildung von Motiven, die sich nicht im typischen Selfie-Abstand befanden, beispielsweise bei der Verwendung eines Selfie-Sticks. Abgesehen vom Autofokus entsprachen die übrigen Spezifikationen weitgehend denen anderer Flaggschiffe der gleichen Generation.

Leistung im DxOMark Selfie-Test
Im DxOMark Selfie-Test erreichte das Samsung Galaxy S8 einen Gesamtwert von 73 Punkten, wobei der Foto-Score bei 71 Punkten lag. Dies ist ein sehr respektables Ergebnis, insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich um ein älteres Gerät handelt. Die Tests umfassten die Aufnahme und Bewertung von über 1500 Testbildern und mehr als 2 Stunden Video in kontrollierten Laborumgebungen sowie in natürlichen Innen- und Außenszenen.
Foto-Qualität: Stärken und Schwächen
Belichtung und Kontrast
Das S8 lieferte in den meisten Testsituationen eine gute Belichtung. Selbst bei schwächerem Licht gelang es der Kamera, Gesichter gut zu belichten. Allerdings zeigten sich in Szenen mit hohem Kontrast, wie etwa bei Gegenlichtaufnahmen, deutliche Schwächen. Da der Frontkamera ein Auto-HDR-Modus fehlt, kam es häufig zu überstrahlten Bereichen (Highlight Clipping) im Hintergrund, während das Gesicht korrekt belichtet war. Gesichter konnten in manchen Situationen auch etwas zu hell erscheinen.
Farben und Weißabgleich
Bei guten Lichtverhältnissen waren die Farben meist ordentlich. Allerdings zeigten sich bei dunkleren Bedingungen Probleme mit der Farbgenauigkeit und Farbschattierungen. Bei schwachem Umgebungslicht wurde oft ein gelb-oranger Farbstich beobachtet, und die Farbwiedergabe wirkte insgesamt etwas gedämpfter.
Rauschen und Detail
Hinsichtlich des Rauschens zeigte die S8-Frontkamera eine sehr gute Leistung in allen Lichtbedingungen. Die Ingenieure von Samsung fanden einen guten Kompromiss zwischen Rauschunterdrückung und Detailerhaltung. Die Texturmessungen nahmen zwar bei wenig Licht und bei Bewegung des Motivs ab, aber nicht mehr als bei den meisten Konkurrenzkameras dieser Zeit. Dieser Ausgleich zwischen Rauschen und Detail ist eine klare Stärke der Kamera.
Autofokus-Leistung
Der Autofokus kann sehr nützlich sein, insbesondere wenn man Selfies mit einem Selfie-Stick macht, da er die Kamera in die Lage versetzt, auf Motive zu fokussieren, die weiter als eine Armlänge entfernt sind. Allerdings war das Autofokussystem bei diesen längeren Fokusdistanzen nicht immer stabil, was zu einer gewissen Varianz bei der Schärfe über eine Bilderserie hinweg führen konnte.
Artefakte und Bildverarbeitung
Ein Hauptkritikpunkt bei der Bildverarbeitung war die etwas unnatürliche Darstellung von Gesichtern. Hauttöne konnten zu hell wirken und Texturen unnatürlich glattgezeichnet sein. Dies deutet auf eine aggressive Glättung hin, die zwar Rauschen reduziert, aber auch feine Details und natürliche Hautmerkmale eliminieren kann. Positiv ist hingegen, dass andere häufige Artefakte wie Ringing (helle Säume an Kontrastkanten), Anamorphose (Verzerrung von Gesichtern) und Ghosting (Geisterbilder) gut unter Kontrolle waren.
Blitz und Bokeh-Modus
Wenn die Lichtverhältnisse zu dunkel sind, um ohne zusätzliche Lichtquellen zu fotografieren, kann der Display-Blitz des S8 eine nützliche Hilfe sein, um in den meisten Situationen eine anständige Belichtung zu erzielen. Allerdings neigt der Blitz dazu, bei Mischlicht (Umgebungslicht plus Blitzlicht) Farbstiche zu erzeugen. Das Samsung S8 bietet auch einen Bokeh-Simulationsmodus, der versucht, den Hintergrund unscharf zu machen. Dieser Modus erzeugt jedoch oft deutliche Artefakte bei der Tiefenschätzung um das Hauptmotiv herum, was ihn zu einem Aufnahmemodus macht, der besser vermieden wird, wenn man saubere Ergebnisse wünscht.
Video-Qualität der Frontkamera
Die Frontkamera des S8 liefert auch bei bewegten Bildern eine effektive Leistung. Dies ist zu einem großen Teil auf die gute Belichtung in allen Bedingungen sowie den gelungenen Kompromiss zwischen Rauschunterdrückung und Detailerhaltung zurückzuführen. Ein Kritikpunkt ist jedoch das Stabilisierungssystem. Es kann bei bewegtem Motiv einen seltsamen Effekt erzeugen und bei Videoaufnahmen aus der Hand (Handheld) sind Verformungen sichtbar. Die Videostabilisierung des S8 war daher nicht so effektiv wie bei einigen Konkurrenzgeräten.
Zusammenfassung der Leistung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frontkamera des Samsung Galaxy S8 trotz ihres Alters (aus der Perspektive von Anfang 2019, als der Test durchgeführt wurde) immer noch sehr solide Ergebnisse liefert. Sie glänzt mit meist guter Belichtung und einem hervorragenden Gleichgewicht zwischen Rauschunterdrückung und Detailerhaltung bei Fotos. Auch Selfie-Videos sind ordentlich, auch wenn das Stabilisierungssystem Verbesserungspotenzial aufweist und zu leichten Verformungen führen kann.
Vorteile der Frontkamera
- Gute Zielbelichtung in den meisten Szenarien
- Sehr guter Kompromiss zwischen Rauschunterdrückung und Detailerhaltung bei Fotos
- Anständige Blitzleistung (Display-Blitz)
- Nützlicher Autofokus
Nachteile der Frontkamera
- Neigung zu überstrahlten Lichtern (Highlight Clipping) bei hohem Kontrast (fehlendes Auto-HDR)
- Gesichter können manchmal zu hell sein
- Farbverschiebungen und Farbstiche bei schwachem Licht
- Autofokus kann bei größeren Distanzen instabil sein
- Unnatürliche Gesichtsglättung
- Bokeh-Modus mit deutlichen Artefakten
- Videostabilisierung könnte effektiver sein (führt zu Verformungen)
Häufig gestellte Fragen zur Samsung S8 Frontkamera
Ist die Kamera des S8 gut für Selfies bei wenig Licht?
Ja, die Kamera liefert eine gute Belichtung auch bei schwächerem Licht und kontrolliert das Rauschen gut. Allerdings können Farben bei sehr wenig Licht einen Stich bekommen.
Funktioniert der Autofokus gut?
Der Autofokus ist nützlich, besonders für Selfies mit etwas Abstand. Bei längeren Distanzen kann er jedoch leicht instabil sein, was die Schärfe beeinflussen kann.
Kann die Kamera mit starkem Gegenlicht umgehen?
Nein, das ist eine Schwäche. Ohne Auto-HDR kommt es bei starkem Gegenlicht häufig zu überstrahlten Hintergründen.
Wie ist die Videoqualität der Frontkamera?
Die Videoqualität ist ordentlich, mit guter Belichtung und gutem Detail. Allerdings ist die Stabilisierung nicht die beste und kann zu Verformungen führen.
Sollte ich den Bokeh-Modus verwenden?
Basierend auf den Tests wird empfohlen, den Bokeh-Modus zu vermeiden, da er oft deutliche Artefakte bei der Trennung von Vorder- und Hintergrund erzeugt.
Fazit
Obwohl das Samsung Galaxy S8 aus heutiger Sicht ein älteres Smartphone ist, zeigt seine Frontkamera, dass sie ihrer Zeit voraus war, insbesondere durch die Integration des Autofokus. Sie liefert immer noch zuverlässige Ergebnisse für die meisten alltäglichen Selfie-Situationen. Die Stärken liegen klar in der soliden Belichtung und dem guten Umgang mit Rauschen und Detail bei Fotos. Herausforderungen ergeben sich bei schwierigen Lichtverhältnissen, hohem Kontrast und der Videostabilisierung. Für Nutzer, die ein älteres Gerät besitzen oder ein gebrauchtes S8 in Betracht ziehen, bietet die Frontkamera immer noch eine durchaus brauchbare Leistung für Fotos und ordentliche Videos, auch wenn sie nicht mit den neuesten High-End-Smartphones mithalten kann.
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