Wie kann man Turmfalken anlocken?

Der Turmfalke: Jäger der Lüfte

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Der Turmfalke (Falco tinnunculus), in der Schweiz zum Vogel des Jahres 2008 gekürt, ist zweifellos einer der weltweit verbreitetsten Falken. Man begegnet ihm in offenen Landschaften, an Waldrändern und selbst inmitten städtischer Gebiete. Doch trotz seiner Anpassungsfähigkeit und weiten Verbreitung ist seine Population in bestimmten Regionen, wie der Schweiz, seit den 1960er-Jahren deutlich zurückgegangen und er wird als potenziell gefährdet eingestuft. Dieses Schicksal teilt er mit vielen Arten, deren Lebensräume durch die Intensivierung der Landwirtschaft schwinden. Die Ursachen liegen in der Verringerung von Beutetieren und dem Verlust von Brutplätzen. Organisationen wie BirdLife Schweiz setzen sich daher für eine extensivere Landwirtschaft und den Erhalt ökologischer Ausgleichsflächen ein, um diesen kleinen Greifvogel zu schützen.

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Ein Meister des Rüttelflugs: Jagd und Geschwindigkeit

Der Turmfalke ist vor allem für seine einzigartige Jagdstrategie bekannt: den Rüttelflug. Dabei steht der Vogel, oft in einer Höhe von 10 bis 20 Metern, mit schnellen Flügelschlägen und gefächertem Schwanz fast regungslos in der Luft. Aus dieser Position späht er konzentriert auf den Boden, um potenzielle Beute zu erspähen. Hat er ein kleines Säugetier, Reptil oder Insekt entdeckt, folgt ein schneller Sturzflug. Im Gegensatz zu seinem größeren Verwandten, dem Wanderfalken, der im Sturzflug Geschwindigkeiten von über 200 km/h erreichen kann, ist der Turmfalke bei seinem Stoß auf die Beute deutlich langsamer. Seine Geschwindigkeit im Sturzflug beträgt typischerweise zwischen 50 und 60 km/h. Dieser Sturz wird kurz über dem Boden abgefangen, um die Beute mit den kräftigen Fängen zu greifen und mit einem Nackenbiss zu töten. Die Jagd kann aber auch von einer erhöhten Warte aus erfolgen, wie einem Ast oder einem Pfahl.

Wann rufen Turmfalken?
Am Brutplatz gibt er nur leise Rufe von sich. Während der Balz imitiert das Weibchen den Bettelruf der Jungvögel, aber auch, wenn sie das Männchen während der Brutzeit um Futter anbettelt. Der Erregungslaut „titititi“ ertönt vor allem, wenn die Vögel am Nest gestört werden.

Die Nahrung des Turmfalken besteht hauptsächlich aus kleinen Nagetieren, insbesondere Feld- und Wühlmäusen. Aber auch Spitzmäuse, Maulwürfe, Eidechsen, Frösche, größere Insekten wie Käfer und Heuschrecken sowie gelegentlich Kleinvögel stehen auf seinem Speiseplan. In städtischen Gebieten oder wenn Mäuse knapp sind, kann der Turmfalke seine Jagdmethode anpassen und vermehrt Vögel im schnellen Verfolgungsflug jagen, anstatt nur am Boden laufende Tiere zu stoßen.

Um die Geschwindigkeiten besser einordnen zu können, hier ein Vergleich:

VogelartJagdstrategieGeschwindigkeit im Sturzflug
Turmfalke (Falco tinnunculus)Rüttelflug, Stoß auf Bodenbeute50-60 km/h
Wanderfalke (Falco peregrinus)Jagd auf Vögel im Flugüber 200 km/h (Spitze)

Erscheinungsbild und Merkmale

Der Turmfalke ist ein vergleichsweise kleiner Falke mit einer Körpergröße von etwa 35 Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund 75 Zentimetern. Im Flug erkennt man ihn gut an seinen langen, spitzen Flügeln und dem oft eingesetzten Rüttelflug. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem Gefieder:

  • Männchen: Haben einen hellgrauen Kopf, einen rotbraunen Rücken mit kleinen dunklen Flecken und einen hellblaugrauen Schwanz mit einer schwarzen Endbinde. Die Unterseite ist gelblich mit Längsstreifen und kleinen dunklen Tropfenflecken.
  • Weibchen: Sind insgesamt rostbrauner gefärbt. Kopf, Rücken und Schwanz zeigen eine dichtere dunkle Fleckung und Querbänderung. Die Körperunterseite ist stärker gefleckt als beim Männchen. Jungvögel ähneln in ihrem Gefieder eher den Weibchen, haben aber rundere und kürzere Flügel.

Ihre Beine sind kräftig gelb mit schwarzen Krallen, und die Augenringe sind ebenfalls gelb (bei Jungvögeln hellblau bis hellgelb). Der Stoß (Schwanz) zeigt beim erwachsenen Vogel mehrere Querstreifen und eine abgesetzte Querbinde.

Lebensraum und Verbreitung

Der Turmfalke ist ein sehr anpassungsfähiger Vogel. Ursprünglich ein Felsbewohner, hat er sich die Urbanisierung zunutze gemacht und besiedelt heute auch Türme, hohe Gebäude, Scheunen und andere menschliche Strukturen. Er kommt in weiten Teilen Europas, Asiens und Afrikas vor und ist dort in fast allen Klimazonen anzutreffen. In der Schweiz ist er von den Niederungen bis in hohe alpine Lagen verbreitet, mit Brutplätzen sogar über 2000 m Höhe. Zum Brüten nutzt er gern alte Nester anderer Vogelarten (z.B. Krähen, Mäusebussarde, Elstern), Felsnischen, Gebäudevorsprünge, Masten oder auch speziell angebrachte Nistkästen. Für die Jagd benötigt er jedoch offene Flächen mit niedriger Vegetation und einem ausreichenden Nahrungsangebot. Hier liegt auch die Hauptschwierigkeit in intensiv genutzten Agrarlandschaften.

Fortpflanzung und Brutbiologie

Turmfalkenpaare finden sich oft schon im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr am Brutplatz ein. Sie führen akrobatische Balzflüge durch und das Männchen bietet dem Weibchen Beutetiere am zukünftigen Nistplatz an. Ein Paar bleibt in der Regel lebenslang zusammen. Pro Jahr gibt es nur ein Gelege.

Für das Nest selbst bringt der Turmfalke kein Material mit. Die Eier werden direkt auf den nackten Untergrund gelegt, sei es Fels, Erde im alten Nest oder der Boden eines Nistkastens. Beliebte Brutplätze sind alte Krähennester in Feldgehölzen oder am Waldrand, Höhlen in Bäumen, Nischen in Felsen oder an Gebäuden wie Kirchtürmen und hohen Kaminen. Auch Nistkästen werden gerne angenommen.

Die Paarung beginnt ein bis zwei Monate vor der Eiablage und findet mehrmals täglich statt. Die Eiablage erfolgt meist ab Mitte April. Ein Gelege besteht normalerweise aus 4-6 Eiern, selten auch 7. Die Anzahl der Eier hängt stark vom Nahrungsangebot im Jagdgebiet und vom Alter der Vögel ab. Die Eier sind schön ziegelrot gefleckt, wobei das letzte Ei oft heller ist. Das Brutgeschäft beginnt meist erst kurz vor Ende der Eiablage, oft nach dem vierten oder fünften Ei. Dies führt dazu, dass die Küken zeitversetzt schlüpfen.

Wie hoch ist die Höchstgeschwindigkeit eines Turmfalken?
Im Gegensatz zum Wanderfalken, der vor allem Vögel im Flug schlägt, erreicht der Turmfalke viel weniger hohe Geschwindigkeiten bei seinem Sturzflug: während der Wanderfalke Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h und mehr erreicht, sind es beim Turmfalken lediglich 50-60 km/h.

Die Brutdauer beträgt 27-32 Tage. Während dieser Zeit brütet fast ausschließlich das Weibchen, wird aber vom Männchen mit Nahrung versorgt und kurzzeitig abgelöst. Nach dem Schlüpfen, das sich über 3-5 Tage erstreckt, werden die Nestlinge vom Weibchen gehudert und gefüttert, während das Männchen die Beute bringt. Mit zunehmendem Alter der Jungen beteiligt sich auch das Männchen an der Fütterung. Die Nestlinge tragen zunächst ein Dunenkleid, öffnen ihre Augen nach wenigen Stunden und können nach einer Woche stehen. Nach etwa vier Wochen im Nest beginnen die Jungen, selbstständig Nahrung aufzunehmen, zunächst hauptsächlich Insekten. Die Eltern legen Beutetiere im Nest ab, die die Jungen dann zerteilen. Beide Elternteile sind für das Überleben des Nachwuchses entscheidend.

Das Flüggewerden erfolgt nach etwa 30 Tagen im Nest. Die Eltern locken die Jungen mit Futter aus dem Nest. Auch nach dem ersten Ausflug bleiben die jungen Falken noch mindestens einen Monat bei den Eltern, um jagen zu lernen. Erst wenn sie völlig selbstständig sind, verteilen sie sich. Die Überlebensrate junger Turmfalken ist gering; Schätzungen gehen davon aus, dass nur etwa 40% den zweiten Winter überleben. Männchen erreichen ihre Geschlechtsreife und das endgültige Gefieder meist mit zwei bis drei Jahren.

Bedrohungen und Schutzmaßnahmen

Die Hauptursache für den Rückgang des Turmfalken in vielen Regionen ist die Intensivierung der Landwirtschaft. Dies führt zu einem erheblichen Rückgang seiner Hauptbeute, den Feldmäusen, durch großflächige Ackersteppen, Bodenverdichtung und starken Pestizideinsatz. In der Vergangenheit waren direkte und indirekte Auswirkungen von Bioziden und quecksilberhaltigen Saatgut-Beizmitteln, die teilweise noch in den Überwinterungsgebieten in Afrika verwendet werden, problematisch. Zusätzlich verliert der Turmfalke Brutplätze durch das Entfernen von Landschaftselementen wie Feldgehölzen, Hecken und alten Bäumen sowie durch die zunehmende Zersiedelung der Landschaft, die seinen Lebensraum fragmentiert.

Der Schutz des Turmfalken erfordert daher Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen. Entscheidend ist die Förderung einer extensiveren Landwirtschaft und die Schaffung von Kleinstrukturen wie Hecken, Feldgehölzen und Einzelbäumen, die Nistmöglichkeiten bieten. Ökologische Ausgleichsflächen wie Buntbrachen und extensiv genutzte Wiesen erhöhen die Dichte an Kleinsäugern und Insekten und verbessern so das Nahrungsangebot. Das Anbringen von Nistkästen an geeigneten Gebäuden oder Scheunen kann ebenfalls helfen, dem Turmfalken zusätzliche Brutplätze zu bieten.

Hervorragende Sinnesleistungen: Das Sehvermögen

Wie bei vielen Greifvögeln ist auch beim Turmfalken das Sehvermögen außergewöhnlich gut und dem des Menschen weit überlegen. Vögel verfügen in der Regel über vier Zapfenarten in der Netzhaut, während wir Menschen nur drei haben. Dies ermöglicht es dem Turmfalken nicht nur, Farben in einem breiteren Spektrum als wir zu sehen, sondern auch Ultraviolettlicht (UV-Licht) wahrzunehmen. Dies ist besonders nützlich, da die Urinspuren von Mäusen UV-Licht reflektieren, was dem Falken hilft, Jagdreviere zu identifizieren. Zusätzlich können Turmfalken polarisiertes Sonnenlicht erkennen. Dieses bildet auch bei bedecktem Himmel ein Muster am Himmel, anhand dessen sich die Vögel orientieren und navigieren können.

Viele Vögel, einschließlich des Turmfalken, besitzen zudem nicht nur eine, sondern oft zwei sogenannte Sehgruben (Fovea) in der Netzhaut. Diese Bereiche sind extrem dicht mit Sehzellen besetzt und ermöglichen gestochen scharfes Sehen und Detailerkennung. Während wir Menschen unsere eine Sehgrube auf das Objekt ausrichten müssen, um es scharf zu sehen, können Vögel potenziell in zwei verschiedene Richtungen gleichzeitig scharf sehen oder ein noch breiteres Feld mit hoher Schärfe abdecken. Dieses überlegene Sehvermögen ist für einen Jäger, der aus der Luft Beute am Boden erspähen muss, von unschätzbarem Wert.

Wie gut kann ein Turmfalke sehen?
Ein hungriger Turmfalke, der über einer Wiese kreist sieht ganz genau wo die Mäuse unterwegs sind. Rund um die Mauselöcher, aber auch entlang ihrer Pfade sehen sie den Mäuse-Urin.

Rufe und Kommunikation

Der Turmfalke kommuniziert über verschiedene Rufe. Am bekanntesten sind seine hellen, schnellen "kikikikiki"-Rufreihen, die er oft im Flug ausstößt, besonders beim Rütteln oder bei Revierabgrenzungen. Die Lautstärke, Tonhöhe und Frequenz dieser Rufe können je nach Situation variieren. Am Brutplatz ist er in der Regel leiser. Während der Balz oder wenn das Weibchen das Männchen um Futter bittet, kann das Weibchen den Bettelruf der Jungvögel imitieren. Bei Störungen am Nest oder in Erregung ist oft ein scharfes "titititi" zu hören.

Häufig gestellte Fragen zum Turmfalken

Wie schnell ist ein Turmfalke im Sturzflug?

Ein Turmfalke erreicht im Sturzflug auf seine Beute Geschwindigkeiten von etwa 50 bis 60 km/h.

Was fressen Turmfalken hauptsächlich?

Ihre Hauptnahrung sind kleine Nagetiere wie Feld- und Wühlmäuse. Sie jagen aber auch Spitzmäuse, Maulwürfe, Reptilien, Amphibien, größere Insekten und gelegentlich Kleinvögel.

Wo brüten Turmfalken?

Turmfalken sind sehr anpassungsfähig bei der Wahl ihres Brutplatzes. Sie nutzen alte Nester anderer Vögel (z.B. Krähen, Mäusebussarde) in Bäumen, Felsnischen, Mauerspalten an Gebäuden, Kirchtürmen, Masten oder auch Nistkästen.

Bleiben Turmfalkenpaare zusammen?

Ja, Turmfalkenpaare bleiben in der Regel ein Leben lang zusammen.

Sehen Turmfalken besser als Menschen?

Ja, Turmfalken haben ein deutlich besseres Sehvermögen als Menschen. Sie können UV-Licht und polarisiertes Licht sehen und haben oft zwei Sehgruben für scharfes Sehen.

Warum schreien Turmfalken?
Paarungszeit und Aufzucht der Jungen: Bereits im zeitigen Frühjahr beginnt die Balz der Turmfalken. Dabei vollführen Männchen und Weibchen atemberaubende Flüge um ihren Nistplatz herum und schreien laut und oft.

Warum ist der Turmfalke in manchen Regionen gefährdet?

In Regionen wie der Schweiz ist der Turmfalke aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet. Dies führt zu einem Rückgang der Beutetiere und dem Verlust von Lebensraumstrukturen wie Hecken und Feldgehölzen sowie durch den Einsatz von Pestiziden.

Kann man Turmfalken anlocken?

Ja, man kann Turmfalken anlocken, indem man geeignete Nistkästen an hohen Gebäuden, Scheunen oder Einzelbäumen anbringt, idealerweise schon im Spätwinter vor Beginn der Brutzeit.

Wie alt können Turmfalken werden?

Das höchste nachgewiesene Alter eines beringten Turmfalken betrug 18 Jahre.

Wann rufen Turmfalken?

Turmfalken rufen das ganze Jahr über, besonders aber während der Balz und Brutzeit. Ihre lauten "kikikikiki"-Rufe sind oft im Flug zu hören. Am Nest sind sie meist leiser.

Der Turmfalke ist ein faszinierender und widerstandsfähiger Vogel, dessen Überleben jedoch stark vom Zustand seines Lebensraums abhängt. Sein charakteristischer Rüttelflug und sein scharfes Auge machen ihn zu einem beeindruckenden Jäger, der es verdient, geschützt zu werden.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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