Die Frage, ob die Kamera eines Smartphones gut oder schlecht ist, beschäftigt viele potenzielle Käufer. Insbesondere bei Modellen, die schon etwas länger auf dem Markt sind, wie dem iPhone 11, das im September 2019 vorgestellt wurde, stellt sich die Frage nach der aktuellen Relevanz und Leistungsfähigkeit. Wir haben uns basierend auf detaillierten Tests angesehen, wie das iPhone 11 in verschiedenen Szenarien abschneidet und welche Stärken und Schwächen seine Kamera heute noch aufweist.

Das iPhone 11 war bei seiner Veröffentlichung das 'Einsteiger'-Flaggschiff von Apple, positioniert unter den teureren Pro-Modellen. Es verfügt über ein Dual-Kamerasystem auf der Rückseite: eine Standard-Weitwinkelkamera mit 26 mm Äquivalent und eine Ultra-Weitwinkelkamera mit 13 mm Äquivalent. Beide Kameras nutzen 12 MP Sensoren. Die Hauptkamera ist mit einem größeren 1/2,55-Zoll-Sensor mit 1,4 µm Pixeln, Dual-Pixel-PDAF-Autofokus und optischer Bildstabilisierung (OIS) ausgestattet. Für Videoaufnahmen bietet das iPhone 11 ähnliche Spezifikationen wie die Pro-Modelle, einschließlich stabilisierter 4K-Aufnahme bei 24/30/60 fps, HD-Aufnahme bis zu 240 fps, HDR-Verarbeitung und Stereo-Tonaufnahme.

Umfassende Testmethodik
Die hier zugrunde liegenden Testergebnisse basieren auf einem aktualisierten und umfassenden Testprotokoll, das im Oktober 2020 eingeführt wurde. Dieses Protokoll, Version 4, beinhaltet neue Testszenarien und eine erweiterte Bewertung der Zuverlässigkeit der Kamera über verschiedene Aufnahmesituationen hinweg. Auch die Bildvorschau wird nun bewertet, um festzustellen, wie gut die Vorschau das Endergebnis widerspiegelt. Das iPhone 11 wurde nach diesem neuen Protokoll erneut getestet, was zu einer aktualisierten Gesamtbewertung führte.
Gesamtleistung und Vergleich
Nach der erneuten Bewertung im Rahmen des neuen Testprotokolls erreichte das iPhone 11 einen Gesamtscore von 116 Punkten. Dieser Score platziert es zwar nicht an der absoluten Spitze der aktuellen Smartphone-Kameras, zeigt aber, dass es weiterhin beachtliche Fotografie-Fähigkeiten bietet. Im Vergleich zum iPhone 11 Pro Max, das 117 Punkte erreichte, liegt das iPhone 11 nur geringfügig dahinter. Der Hauptunterschied im Gesamtscore resultiert aus der Foto-Performance, wo das iPhone 11 112 Punkte erreichte, während das 11 Pro Max mit 124 Punkten deutlich besser abschnitt. Die Video-Scores sind mit 109 für das iPhone 11 und 109 für das 11 Pro Max nahezu identisch.
Fotoqualität im Detail
Die Fotoqualität des iPhone 11 weist viele Stärken auf, die es auch heute noch zu einer soliden Wahl machen:
Belichtung und Dynamikumfang
Fotos, die mit der Hauptkamera aufgenommen wurden, zeigen in den meisten getesteten Bedingungen eine genaue Belichtung mit einem breiten Dynamikumfang. Dies führt zu Ergebnissen, die in Bezug auf die Belichtung sehr ähnlich denen des größeren iPhone 11 Pro Max sind. Selbst in schwierigen Szenen mit hohem Kontrast gelingt es dem iPhone 11, Details in den Schatten gut zu erhalten, obwohl sehr helle Bereiche manchmal überbelichtet sein können. Innenaufnahmen sind ebenfalls gut belichtet.
Farben und Weißabgleich
Die Farben sind eine klare Stärke des iPhone 11. Sie werden in fast allen Bildern lebendig und angenehm dargestellt. Die Farbwiedergabe ist oft sogar etwas gesättigter als beim iPhone 11 Pro Max. Der Weißabgleich ist meist genau, obwohl bei Außenaufnahmen manchmal ein leichter Gelb-/Grünstich auftreten kann. Bei geringem Kunstlicht kann ein warmer Stich sichtbar sein, der aber nicht störend wirkt.
Detail und Textur
Die Detailwiedergabe ist in den meisten Bedingungen gut. Feine Details und Kanten werden gut erfasst. Die Detailerhaltung ist bei statischen Motiven unter hellen bis mittleren Lichtbedingungen (bis zu 20 Lux) sehr hoch. Erst bei extrem wenig Licht (1 Lux) oder bei bewegten Motiven unter geringem Licht nimmt die Detailwiedergabe ab. Im Vergleich zum iPhone 11 Pro Max ist die Detailwiedergabe sehr ähnlich.
Rauschen
Als Kompromiss für die gute Detailwiedergabe ist bei der iPhone 11 Kamera in flachen Bereichen von Außenaufnahmen sichtbares Rauschen vorhanden. Grobes und chromatisches Rauschen kann insbesondere bei Innenaufnahmen und schlechten Lichtverhältnissen problematisch sein. Dies ist ein Bereich, in dem andere Geräte, wie das Samsung Galaxy S10+, in einigen Szenarien weniger Rauschen zeigen.
Autofokus
Das Autofokussystem des iPhone 11 ist ausgezeichnet. Es liefert schnelle, genaue und zuverlässige Ergebnisse in verschiedenen Lichtbedingungen und bei sowohl statischen als auch bewegten Motiven. Die Reaktionszeiten sind sehr kurz, was schnelle Aufnahmen ermöglicht. Eine leichte Überschärfung kann bei genauer Betrachtung festgestellt werden, was aber dazu führt, dass Bilder auf dem Bildschirm sehr scharf aussehen.
Ultra-Weitwinkel
Die Ultra-Weitwinkelkamera des iPhone 11 ist effektiv und bietet ein sehr weites Sichtfeld. Die Ergebnisse sind denen der teureren Pro-Modelle sehr ähnlich. Belichtung, Dynamikumfang und Farbwiedergabe sind gut. Geometrische Verzerrungen werden gut korrigiert. Auch hier ist Detail gut, aber auf Kosten von etwas Rauschen und Farbquantisierung, besonders bei Innenaufnahmen.
Zoom und Bokeh: Die Hauptunterschiede zum Pro
Die größten Unterschiede zwischen dem iPhone 11 und den Pro-Modellen zeigen sich im Zoom und bei Bokeh-Aufnahmen. Das iPhone 11 verfügt nicht über ein dediziertes Teleobjektiv, was seine Zoomfähigkeiten stark einschränkt.
Zoomleistung
Während Nahbereichs-Zoomaufnahmen (ca. 2x Vergrößerung) noch akzeptabel sind und Details sowie Rauschen einigermaßen gut kontrolliert werden, fällt die Bildqualität bei mittleren und langen Zoomstufen (ca. 4x und 8x Vergrößerung) deutlich ab. Bei stärkerer Vergrößerung ist deutliches Rauschen und ein starker Detailverlust sichtbar. Artefakte wie Ringing und Aliasing treten ebenfalls auf. Geräte mit einem Teleobjektiv erzielen hier signifikant bessere Ergebnisse.
Bokeh-Simulation (Porträtmodus)
Der Porträtmodus des iPhone 11 verwendet die Standard-Weitwinkelkamera mit einer Äquivalenz von 26 mm. Dies ist im Vergleich zu den 52 mm des Teleobjektivs der Pro-Modelle weniger ideal für Porträts, da eine kürzere Brennweite für schmeichelhaftere Porträts oft bevorzugt wird. Abgesehen von der Brennweite leistet das iPhone 11 eine passable Simulation des Bokeh-Effekts. Die Tiefenschätzung ist meist akzeptabel, obwohl Kantenartefakte um komplexe Bereiche sichtbar sein können. Details auf Gesichtern werden gut erhalten, aber auf Kosten von etwas Rauschen. Der Hintergrundeffekt ist nicht extrem stark, wirkt aber relativ natürlich.
Nachtfotografie und Blitz
Bei der Nachtfotografie liefert das iPhone 11 gemischte Ergebnisse. Stadtansichten bei wenig Licht sind recht gut, mit genauer Belichtung und gutem Dynamikumfang, der Details in Lichtern und Schatten erhält. Farben sind angenehm und der Weißabgleich ist genau. Details bleiben angemessen, aber Rauschen und Farbquantisierung sind sichtbar. Der Blitz ist eine kleine Schwäche: Bei Nachtporträts mit Blitz sind Gesichter oft überbelichtet mit abgeschnittenen Lichtern, während der Hintergrund sehr dunkel bleibt, was zu einem unvorteilhaften Ergebnis führt.
Artefakte
Das iPhone 11 zeigt einige Artefakte. Ringing-Artefakte sind häufig sichtbar, ebenso wie Verzerrungen und Aliasing/Moiré-Effekte. Bei starkem Gegenlicht kann Flare auftreten, und eine leichte Schärfeabnahme am Bildrand ist möglich. Manchmal kommt es zu einer Übersättigung des Himmels mit einem Cyan-Stich.
Videoqualität
Die Videoqualität ist eine der größten Stärken des iPhone 11 und fast identisch mit der des iPhone 11 Pro Max. Es zählt weiterhin zu den besten Geräten für bewegte Bilder.
Video-Belichtung und Dynamikumfang
Die Belichtung in Videos ist in den meisten Bedingungen genau. Die HDR-Videoverarbeitung sorgt für einen weiten Dynamikumfang, der Details in Lichtern und Schatten gut wiedergibt, insbesondere in hellen oder kontrastreichen Szenen. Die Belichtung bleibt stabil und genau in einem weiten Lichtbereich, von hellem Licht bis zu geringem Licht (20 Lux).
Video-Farben und Detail
Farben in Videos sind lebendig und angenehm. Die Detailwiedergabe ist sowohl bei Außen- als auch bei Innenaufnahmen sehr gut. Das iPhone 11 zeigt eine exzellente Texterhaltung, die viele Konkurrenzmodelle übertrifft, insbesondere bei mittleren bis hellen Lichtbedingungen.
Video-Rauschen
Das iPhone 11 kontrolliert das Rauschen in Videos besser als bei Fotos. Temporales Rauschen ist gut kontrolliert, selbst bei sehr wenig Licht, und liegt auf dem Niveau oder übertrifft das von Konkurrenzmodellen wie dem Samsung Galaxy S10+.
Video-Stabilisierung
Die Videostabilisierung ist effektiv und kontrolliert die meisten unerwünschten Bewegungen bei statischen Handheld-Videos gut. Ein leichter Jelly-Effekt (wackelnder Hintergrund) kann beim Gehen sichtbar sein. Ein stärkerer Judder-Effekt (ruckelnde Bewegung) kann bei Videos in hellem Licht auftreten.
Video-Autofokus
Der Autofokus ist auch bei Videos schnell und zuverlässig. Gelegentlich können beim Nachführen des Fokus leichte Schritte (Autofocus Stepping) sichtbar sein.
Vorschauqualität
Die Vorschauqualität ist eine gute Stärke des iPhone 11. In kontrastreichen Bedingungen zeigt die Vorschau dank guter Live-HDR-Fähigkeiten einen Dynamikumfang, der dem finalen Bild sehr ähnlich ist. Belichtung, Detail und Rauschen werden in der Vorschau zuverlässig dargestellt, sowohl bei Außen- als auch bei Innenaufnahmen. Auch die Bokeh-Darstellung in der Porträtmodus-Vorschau ist vertrauenswürdig.
Fazit
Das iPhone 11 bietet auch heute noch eine sehr fähige Kamera, insbesondere für den Preis, zu dem es mittlerweile erhältlich ist. Es teilt viele Stärken mit dem teureren iPhone 11 Pro Max, darunter eine hervorragende Belichtung, angenehme Farben, gutes Detail, eine sehr gute Ultra-Weitwinkelkamera und eine exzellente Videoqualität. Die Hauptschwäche ist das Fehlen eines Teleobjektivs, was die Zoom-Leistung bei mittleren und langen Reichweiten stark beeinträchtigt. Auch die Bokeh-Simulation im Porträtmodus ist aufgrund der kürzeren Brennweite nicht ganz so überzeugend wie bei Modellen mit Teleobjektiv. Wenn Zoom und Porträts mit starkem Bokeh für Sie nicht die allerhöchste Priorität haben, bietet das iPhone 11 eine rundum solide Kameraerfahrung, insbesondere im Bereich Video.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Bereich | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Foto | Genaue und konsistente Belichtung Lebendige und angenehme Farben Gutes Detail (Innen/Außen) Exzellente Ultra-Weitwinkel-Leistung | Geringe Zoomqualität (mittel/lang) Häufig sichtbare Ringing-Artefakte Überbelichtete Blitz-Porträts bei Nacht Kurze Brennweite für Porträts |
| Video | Genaue Belichtung & breiter Dynamikumfang Gutes Detail Effektive Stabilisierung Lebendige und angenehme Farben | Jelly-Effekt bei Gehbewegung Weißabgleich-Instabilitäten (Innen) Gelegentliche Belichtungsinstabilitäten Autofokus-Schritte beim Nachführen Judder bei hellem Licht |
Häufig gestellte Fragen
Ist die Kamera des iPhone 11 besser als die des iPhone XS Max?
Ja, laut den hier zugrunde liegenden Tests bietet das iPhone 11 eine leichte Verbesserung gegenüber dem iPhone XS Max.
Was sind die Hauptunterschiede zur Kamera des iPhone 11 Pro Max?
Der Hauptunterschied ist das Fehlen eines Teleobjektivs beim iPhone 11. Dies führt zu deutlich schlechteren Ergebnissen bei Zoomaufnahmen (mittel/lang) und beeinflusst auch die Qualität der Bokeh-Simulation im Porträtmodus. Bei Belichtung, Farben, Detail, Autofokus, Ultra-Weitwinkel und Video sind die Kameras sehr vergleichbar.
Eignet sich das iPhone 11 für Porträts?
Es kann Porträts aufnehmen und simuliert einen Bokeh-Effekt. Allerdings ist die verwendete Brennweite (26 mm) weniger ideal für Porträts als die längere Brennweite eines Teleobjektivs (wie beim 11 Pro Max mit 52 mm). Die Tiefenschätzung ist akzeptabel, aber es können Kantenartefakte auftreten.
Wie gut ist die Videoqualität des iPhone 11?
Die Videoqualität ist eine große Stärke. Sie ist nahezu identisch mit der des iPhone 11 Pro Max und zählt zu den besten ihrer Zeit. Belichtung, Dynamikumfang, Farben, Detail und Stabilisierung sind sehr gut.
Ist die Kamera des iPhone 11 noch konkurrenzfähig?
Während neuere Flaggschiffe in bestimmten Bereichen wie Zoom, Nachtmodus und Rechenfotografie überlegen sein können, bietet das iPhone 11 in Kernbereichen wie Belichtung, Farbe, Ultra-Weitwinkel und Video weiterhin eine sehr solide Leistung, die für viele Nutzer absolut ausreichend ist.
Hat dich der Artikel iPhone 11 Kamera: Gut oder Schlecht im Test? interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
