Was ist eine Vignette in der Bildbearbeitung?

Vignettierung: Was es ist & wie sie entsteht

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Vignettierung ist ein Begriff, der in der Fotografie oft fällt, manchmal als unerwünschter Effekt, manchmal als stilistisches Mittel. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Phänomen, das sich als Verdunkelung zum Bildrand hin äußert? Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Licht, Optik und Design, das bei nahezu jeder Art von optischer Abbildung auftreten kann.

Was bedeutet Vignettierung?

Der Begriff Vignettierung leitet sich vom französischen Wort „vignette“ ab, was so viel wie „Randverzierung“ bedeutet. In der Fototechnik und auch in der allgemeinen Optik beschreibt Vignettierung eine Abschattung oder einen Lichtabfall, der sich zum Rand des Bildes hin verstärkt. Das Zentrum des Bildes bleibt hell, während die Ecken und Ränder dunkler erscheinen. Dieses Phänomen ist nicht auf Linsen beschränkt, sondern kann auch bei Spiegeloptiken wie Spiegelteleskopen auftreten.

Wie füge ich in Photoshop eine Vignettierung hinzu?
Die Bedienung ist ganz einfach. Klicken Sie zunächst oben in Photoshop auf die Option „Filter“ und wählen Sie dann „Objektivkorrektur“. Klicken Sie im Popup-Fenster „Objektivkorrektur“ rechts auf den Arbeitsbereich „Benutzerdefiniert“. Suchen Sie dort die Vignetteneinstellungen.13. Okt. 2023

Man spricht auch von optischer oder technischer Vignettierung, um die Ursache zu betonen. Sie ist ein natürliches Ergebnis des Weges, den Lichtstrahlen durch ein komplexes optisches System nehmen müssen.

Wie entsteht Vignettierung optisch?

Die Entstehung von Vignettierung ist auf die begrenzte Größe der Öffnungen innerhalb eines optischen Systems zurückzuführen. Stellen Sie sich vor, Lichtstrahlen von einem Objektpunkt müssen mehrere hintereinander liegende Öffnungen – das können Linsenränder oder Blenden sein – passieren, bevor sie auf den Sensor oder Film (die Bildebene) treffen.

Für einen Objektpunkt, der genau auf der optischen Achse liegt (also in der Bildmitte), verläuft das Strahlenbündel symmetrisch zur Achse. Dieses Bündel wird in der Regel von einer bestimmten Öffnung im System begrenzt, der sogenannten Aperturblende (oft die Irisblende im Objektiv). Bei offener Blende füllt dieses achsenzentrierte Bündel die Aperturblende vollständig aus, und es gelangt die maximale Lichtmenge auf die Bildebene.

Anders verhält es sich jedoch bei Objektpunkten, die sich außerhalb der optischen Achse befinden – also weiter zum Bildrand hin. Die Strahlenbündel von diesen Punkten fallen in einem Winkel zur Achse ein. Auf ihrem Weg durch das Objektiv können diese schräg einfallenden Bündel zusätzlich von anderen Öffnungen beschnitten werden, wie zum Beispiel den Rändern anderer Linsen oder zusätzlichen Blenden im Strahlengang. Dadurch gelangt nicht mehr das gesamte Bündel zur Aperturblende; Teile davon werden blockiert. Das Bündel füllt die Aperturblende nicht mehr vollständig aus. Infolgedessen erreicht weniger Licht aus den Randbereichen des Motivs die Bildebene, was zu einer Verdunkelung führt. Diesen Effekt nennt man Vignettierung.

Die Vignettierung entsteht also, weil die effektive Öffnung des Objektivs für Licht, das schräg einfällt, kleiner ist als für Licht, das parallel zur optischen Achse einfällt.

Aperturblende und weitere Begrenzungen

Innerhalb eines Objektivs gibt es in der Regel eine Aperturblende, die die Lichtmenge für achsenparallele Strahlen begrenzt. Vor und nach dieser Aperturblende gibt es jedoch oft weitere physische Begrenzungen – die Ränder von Linsen, Fassungen oder zusätzliche Blenden. Bei einem Strahlenbündel, das exakt auf der Achse verläuft und die Aperturblende vollständig ausfüllt (bei offener Blende), werden diese weiteren Begrenzungen ebenfalls vollständig ausgefüllt oder tangiert.

Sobald das Strahlenbündel jedoch unter einem Winkel zur Achse einfällt, kann es passieren, dass diese weiteren Begrenzungen einen Teil des Bündels abschneiden, bevor es die Aperturblende erreicht. Das Bündel wird dadurch beschnitten (vignettiert), und die Lichtmenge reduziert sich. Je größer der Winkel des einfallenden Lichts – also je weiter der Motivpunkt vom Zentrum entfernt ist – desto stärker kann dieser Beschneidungseffekt ausfallen, und desto ausgeprägter ist die Vignettierung.

Warum wird Vignettierung bei Objektiven oft bewusst in Kauf genommen?

Es mag paradox erscheinen, dass ein Effekt, der die Lichtmenge zum Rand hin reduziert, bei der Konstruktion von Objektiven oft bewusst zugelassen wird. Der Grund liegt in einem Kompromiss. Die Entwicklung eines perfekten Objektivs, das über das gesamte Bildfeld hinweg eine gleichmäßige Ausleuchtung, maximale Lichtstärke und minimale Abbildungsfehler bietet, wäre extrem komplex und teuer. Oft müssten solche Objektive auch sehr groß und schwer sein.

Durch die Inkaufnahme einer gewissen Vignettierung, insbesondere bei Offenblende, können Objektivdesigner einen besseren Kompromiss zwischen verschiedenen wünschenswerten Eigenschaften erreichen:

  • Lichtstärke: Ein Objektiv mit sehr hoher Lichtstärke (kleine Blendenzahl) neigt systembedingt stärker zur Vignettierung. Um die Vignettierung vollständig zu eliminieren, müsste das Objektiv größere Linsenelemente und eine andere Konstruktion aufweisen, was die Herstellung komplexer und teurer machen würde.
  • Korrektion von Abbildungsfehlern: Die Korrektion von Abbildungsfehlern (wie Verzeichnung, chromatische Aberration, Koma) über das gesamte Bildfeld ist eine große Herausforderung. Manchmal ermöglicht es die Zulassung einer gewissen Vignettierung, die Korrektion anderer, störenderer Fehler zu verbessern.
  • Kosten und Größe: Objektive ohne Vignettierung müssten oft komplexer aufgebaut sein, größere Linsenelemente verwenden und wären dadurch teurer und größer. Die Zulassung einer moderaten Vignettierung ermöglicht kompaktere und kostengünstigere Designs.

Viele Fotoobjektive sind so konstruiert, dass die Vignettierung bei vollständig geöffneter Blende am stärksten ist. Dies ist der Zustand, bei dem die maximale Lichtmenge durchgelassen wird, aber auch die Kompromisse bezüglich Vignettierung am offensichtlichsten sind.

Der Einfluss der Blende auf die Vignettierung

Eine der wichtigsten Möglichkeiten, die Vignettierung optisch zu reduzieren, ist das Abblenden des Objektivs. Abblenden bedeutet, die Aperturblende zu schließen, also ihre Öffnung zu verkleinern (eine höhere Blendenzahl wählen, z. B. von f/2.8 auf f/5.6). Auf den ersten Blick mag es verwirrend erscheinen: Wie kann eine weitere „Abschattung“ durch eine kleinere Blendenöffnung die Verdunkelung am Bildrand reduzieren?

Der Effekt des Abblendens ist, dass das gesamte Strahlenbündel – sowohl das achsenparallele als auch die schräg einfallenden Bündel von den Randbereichen – nun durch eine kleinere Aperturblende müssen. Die relative Beschneidung der schräg einfallenden Bündel durch andere Öffnungen im System wird dadurch weniger signifikant im Verhältnis zur Größe der Aperturblende selbst.

Konkret verkleinert das Abblenden die Aperturblende so weit, dass nun auch die schräg einfallenden Strahlenbündel, die vorher vignettiert wurden, die verkleinerte Aperturblende vollständig ausfüllen können, ohne vorher von anderen Begrenzungen beschnitten zu werden. Oder anders ausgedrückt: Der Bereich im Objektiv, der für Licht von außerhalb der Achse zugänglich ist, wird im Verhältnis zur nun kleineren Aperturblende größer.

Dadurch vergrößert sich der vignettierungsfreie Bereich um die Bildmitte. Bei offener Blende ist dieser Bereich oft klein. Durch Abblenden dehnt sich dieser Bereich aus, bis er bei ausreichender Abblendung (typischerweise zwei bis vier Blendenstufen) die Ecken des Bildes erreicht. In diesem Fall verschwindet die optische Vignettierung praktisch vollständig.

Welche Fotobearbeitungs-App hat den Vignetteneffekt?
Mit dem Vignetten-Fotoeditor von Fotor können Sie die Ränder Ihrer Fotos abschwächen, wodurch Ihre Bilder wie alte Fotos wirken. Bewegen Sie einfach den Schieberegler für den Vignetteneffekt von links nach rechts, und Sie erhalten in Sekundenschnelle einen Vintage-Look mit Fotovignetten.

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Abblenden zwar die *relative* Vignettierung reduziert und den vignettierungsfreien Bereich vergrößert, aber natürlich die *absolute* Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, für das gesamte Bild reduziert. Man tauscht also Lichtstärke gegen gleichmäßigere Ausleuchtung.

Beispiel: Teleobjektiv

Das Prinzip des Abblendens und der Vignettierung lässt sich gut am Beispiel eines Teleobjektivs veranschaulichen. Teleobjektive sind so konstruiert, dass sie eine lange Brennweite in einem vergleichsweise kurzen Gehäuse ermöglichen. Dabei spielt die Position der Austrittspupille (der scheinbaren Position der Blende, von hinten betrachtet) eine wichtige Rolle. Die Austrittslinse oder eine interne Blende kann hier wie eine begrenzende Öffnung wirken. Schräg einfallende Strahlenbündel können durch den Rand dieser Öffnung beschnitten werden, bevor sie die Aperturblende im Inneren erreichen oder verlassen. Dies führt zur Vignettierung.

Auch hier gilt: Durch das Verkleinern der Aperturblende (Abblenden) wird das für die Abbildung relevante Strahlenbündel schmaler. Bei ausreichender Abblendung ist dieses schmalere Bündel klein genug, dass es auch bei schrägem Einfall nicht mehr vom Rand der Austrittslinse oder einer anderen Begrenzung beschnitten wird. Der vignettierungsfreie Bereich vergrößert sich.

Bedeutung in der Großformatfotografie

In der Großformatfotografie ist der Einfluss der Blende auf den Bildkreis von besonderer Bedeutung. Viele Objektive für Großformatkameras sind für einen bestimmten maximalen Bildkreis bei offener Blende spezifiziert. Dieser Bildkreis ist oft durch die Vignettierung begrenzt. Durch Abblenden vergrößert sich der nutzbare, vignettierungsfreie Bildkreis, was dem Fotografen mehr Spielraum für die Verwendung von Shift- oder Tilt-Funktionen (Verlagerung oder Schwenkung der Objektivebene relativ zur Sensorebene) gibt, ohne in den stark vignettierten Randbereich zu geraten. Dies liegt nicht nur an der Reduzierung der Vignettierung, sondern auch daran, dass durch Abblenden die Abbildungsfehler generell reduziert werden und somit ein größerer Bereich des Bildkreises scharf abgebildet wird.

Auch bei Kleinbild- oder Kompaktkamera-Objektiven ist die Vignettierung bei Offenblende oft sichtbar und kann durch Abblenden deutlich reduziert werden.

Häufig gestellte Fragen zur Vignettierung

Was genau ist Vignettierung in der Fotografie?

Vignettierung ist ein optischer Effekt, bei dem die Helligkeit eines Bildes vom Zentrum zum Rand hin abnimmt, was zu einer Verdunkelung der Ecken führt.

Warum haben Objektive Vignettierung?

Vignettierung tritt oft als notwendiger Kompromiss im Objektivdesign auf, um eine gute Balance zwischen Lichtstärke, Korrektur von Abbildungsfehlern, Größe und Kosten des Objektivs zu erreichen.

Verursacht die Blende die Vignettierung?

Die Blende (Aperturblende) selbst begrenzt das Strahlenbündel für achsenparalleles Licht. Vignettierung entsteht jedoch durch das Zusammenspiel der Aperturblende mit *anderen* Begrenzungen (Linsenränder, Fassungen) im Objektiv, die schräg einfallende Strahlenbündel beschneiden.

Hilft Abblenden gegen Vignettierung?

Ja, das Abblenden (Verkleinern der Blendenöffnung) reduziert in der Regel die optische Vignettierung und vergrößert den Bereich des Bildes, der vignettierungsfrei ist.

Tritt Vignettierung nur bei Linsenobjektiven auf?

Nein, Vignettierung kann bei jeder Art von optischer Abbildung auftreten, einschließlich Systemen mit Spiegeln wie Spiegelteleskopen.

Zusammenfassung

Vignettierung ist ein grundlegendes optisches Phänomen in der Fotografie, das durch die physikalischen Grenzen der Öffnungen innerhalb eines Objektivs oder optischen Systems verursacht wird. Sie führt zu einem Randlichtabfall, der bei offener Blende oft am ausgeprägtesten ist und als Kompromiss im Objektivdesign akzeptiert wird. Das Verständnis der Entstehung – der Beschneidung schräg einfallender Strahlenbündel durch Linsenränder und Blenden – hilft zu erklären, warum das Abblenden des Objektivs die Vignettierung reduziert und den vignettierungsfreien Bereich vergrößert. Dieses Wissen ist nicht nur für das Verständnis von Objektiveigenschaften wichtig, sondern auch für die bewusste Nutzung oder Korrektur dieses Effekts in der Bildbearbeitung.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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