Otto von Bismarck ist eine der prägendsten Figuren der deutschen Geschichte. Sein Weg an die Spitze Preußens und später des Deutschen Reiches war gepflastert mit kühnen politischen Manövern und militärischen Konflikten. Er war nicht nur ein brillanter Diplomat, sondern auch ein rücksichtsloser Realpolitiker, der das Schicksal Deutschlands mit eiserner Hand formte.

Bismarcks politische Karriere begann im Revolutionsjahr 1848. Als wohlhabender Landjunker stellte er sich auf die Seite König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen gegen die Aufständischen. Diese Loyalität wurde belohnt: Bismarck wurde zum Vertreter Preußens beim Deutschen Bund ernannt. Dies war der Beginn eines stetigen Aufstiegs, der ihn immer mächtiger machte.

Der Weg nach oben: Ministerpräsident und die "Blut und Eisen"-Politik
Im Jahr 1862 übernahm Bismarck das Amt des Ministerpräsidenten und Außenministers in Preußen. Er trat dieses Amt in einer Zeit an, in der Preußen innenpolitisch zerrissen war, insbesondere durch Konflikte zwischen dem König und dem liberalen Parlament über die Heeresreform. Bismarck stellte sich unmissverständlich auf die Seite des Königs und verfolgte eine Politik, die auf die Stärkung Preußens und die deutsche Einigung unter preußischer Führung abzielte. Seine berühmten Worte – oft zusammengefasst als „
Blut und Eisen
“ – machten seine kompromisslose Haltung deutlich: Die großen Fragen der Zeit würden nicht durch parlamentarische Debatten, sondern durch Gewalt entschieden.
Um sein Ziel der deutschen Einigung zu erreichen, scheute Bismarck nicht vor Kriegen zurück. Diese Kriege dienten nicht nur der territorialen Erweiterung Preußens, sondern auch der Schaffung eines gemeinsamen deutschen Nationalgefühls, das letztlich zur Reichsgründung führen sollte.
Die Einigungskriege: Schritte zur preußischen Vormacht
Drei Kriege markierten Bismarcks Weg zur Einigung:
Der Deutsch-Dänische Krieg (1864)
Gemeinsam mit Österreich zog Preußen in den Krieg gegen Dänemark um die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Der Sieg brachte Preußen die Kontrolle über Schleswig und Lauenburg, während Österreich Holstein erhielt. Dieser Krieg war ein erster Schritt zur territorialen Stärkung Preußens und zeigte die militärische Effizienz des preußischen Heeres.
Der Deutsch-Österreichische Krieg (1866)
Nur zwei Jahre später kam es zum Krieg zwischen den ehemaligen Verbündeten. Bismarck provozierte Österreich geschickt, um die Frage der Vorherrschaft in Deutschland zu klären. Der schnelle preußische Sieg in der Schlacht bei Königgrätz war entscheidend. Österreich musste der Auflösung des Deutschen Bundes zustimmen und sich aus den deutschen Angelegenheiten zurückziehen. Preußen annektierte daraufhin mehrere norddeutsche Staaten und gründete den Norddeutschen Bund unter seiner Führung. Die süddeutschen Staaten blieben formal unabhängig, schlossen aber Schutz- und Trutzbündnisse mit Preußen ab, die sie im Falle eines Angriffs an Preußens Seite zwangen.

Der Deutsch-Französische Krieg und die Reichsgründung
Der entscheidende Schritt zur vollständigen deutschen Einigung war der Krieg gegen Frankreich. Bismarck nutzte politische Unruhen in Europa und die spanische Thronfolgefrage, um Frankreich zu provozieren. Als ein Prinz aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen, dem gleichen Königshaus wie der preußische König, als Kandidat für den spanischen Thron ins Spiel kam, löste dies große Besorgnis in Frankreich aus, das eine Einkreisung befürchtete.
Obwohl der Prinz seine Kandidatur zurückzog, forderte Frankreich von König Wilhelm I. von Preußen eine Garantie, dass niemals wieder ein Hohenzoller den spanischen Thron besteigen würde. Die Antwort des Königs auf diese Forderung wurde in einem Telegramm, der sogenannten
Emser Depesche
, zusammengefasst. Bismarck redigierte dieses Telegramm geschickt, kürzte es und verschärfte den Ton so, dass es in Frankreich als Brüskierung und Kriegserklärung empfunden werden musste. Dies war eine Meisterleistung strategischer Kommunikation.
Napoleon III., der Kaiser der Franzosen, fiel auf Bismarcks List herein und erklärte Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg. Dies löste den Bündnisfall aus, und die süddeutschen Staaten kämpften an der Seite Preußens. Der Krieg wurde für die deutschen Staaten zu einem nationalen Einigungserlebnis. Die militärische Überlegenheit der deutschen Truppen – nicht zuletzt dank moderner Logistik per Eisenbahn und besserer Waffen – führte zu einem schnellen Sieg. Die französische Armee wurde entscheidend geschlagen, und Napoleon III. geriet in Kriegsgefangenschaft. Die Monarchie in Frankreich wurde gestürzt.
Die Kaiserproklamation in Versailles
Der Sieg über Frankreich ebnete den Weg zur Gründung des Deutschen Reiches. Noch während des Krieges verhandelte Bismarck geschickt mit den süddeutschen Staaten, um sie zum Beitritt zum Norddeutschen Bund zu bewegen. Durch diplomatische Zugeständnisse, wie die Bewahrung gewisser Sonderrechte für Bayern und Württemberg, gelang es ihm, die Zustimmung der Einzelstaaten zu erhalten.
Am 18. Januar 1871, mitten im Krieg und als ultimative Demütigung Frankreichs, wurde im Spiegelsaal von
Versailles
König Wilhelm I. von Preußen zum Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reiches ausgerufen. Dieser Akt markierte die Vollendung der deutschen Einigung unter preußischer Führung, maßgeblich orchestriert von Otto von Bismarck.

Bismarck als Reichskanzler
Mit der Gründung des Deutschen Reiches erreichte Bismarck den Höhepunkt seiner Macht. Am 21. März 1871 wurde er von Kaiser Wilhelm I. zum ersten
Reichskanzler
ernannt. Er übte dieses Amt fast zwei Jahrzehnte lang aus und prägte die Innen- und Außenpolitik des neuen Reiches maßgeblich. Seine Ernennung erfolgte nicht durch eine Wahl, sondern durch den Kaiser, dessen Vertrauen er genoss und dessen Interessen er über viele Jahre hinweg vertreten hatte.
Als Reichskanzler verfolgte Bismarck eine Politik, die darauf abzielte, das neu gegründete Reich innenpolitisch zu konsolidieren und außenpolitisch abzusichern. Er betrachtete das Deutsche Reich nach 1871 als „saturiert“, d.h., seine territorialen Ziele waren erreicht. Seine Außenpolitik konzentrierte sich nun darauf, Frankreich zu isolieren und ein komplexes Bündnissystem aufzubauen, das den Frieden in Europa sichern sollte, aber Deutschland gleichzeitig eine dominante Rolle verschaffte. Er agierte als „ehrlicher Makler“ auf internationalen Kongressen, wie dem Berliner Kongress 1878.
Bismarcks Persönlichkeit und Privatleben
Bismarck war bekannt für seine harte und unnachgiebige Art. Doch er hatte auch eine private Seite. Seine Ehefrau Johanna von Puttkamer war ihm eine wichtige Stütze. Die Korrespondenz zwischen ihnen zeigt eine innige Beziehung. Über 1.000 Briefe tauschten sie in 47 Ehejahren aus. Obwohl er als erzkonservativer Monarchist galt, zeigte er auch ungewohnte Seiten, wie seine Sorge um seinen Sohn Herbert als Baby.
Bismarcks anstrengendes Leben und die ständigen politischen Kämpfe forderten einen hohen Tribut von seiner Gesundheit. Er litt unter verschiedenen Beschwerden, darunter Gesichtsneuralgie, Gicht, Gallensteine und Gastritis. Es wird berichtet, dass er in seinen letzten 15 Lebensjahren ohne Morphium nicht schlafen konnte. Gerade nachts, wenn andere ruhten, feilte Bismarck oft an seinen politischen Strategien und Schachzügen.
Das Ende einer Ära
Bismarcks politische Karriere endete abrupt, als 1888 Kaiser Wilhelm II. den Thron bestieg. Der junge Kaiser hatte eigene Vorstellungen von der Politik und strebte nach einer expansiveren Außenpolitik mit Kolonien in Afrika und Asien, was Bismarcks vorsichtiger Gleichgewichtspolitik widersprach. Die Spannungen zwischen dem erfahrenen Kanzler und dem jungen, ehrgeizigen Kaiser führten schließlich zu Bismarcks Entlassung im März 1890. Bismarck fühlte sich vom Kaiser „wie einen Bediensteten“ davongejagt.

Er zog sich auf sein Gut Friedrichsruh bei Hamburg zurück. Dort verbrachte er seine letzten Jahre, gezeichnet von Krankheit und Einsamkeit nach dem Tod seiner Frau. Otto von Bismarck starb am 30. Juli 1898. Seine letzten bekannten Worte sollen seiner verstorbenen Frau gegolten haben: „Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe.“
Häufig gestellte Fragen
Hier beantworten wir einige häufige Fragen zu Otto von Bismarck und seinem Aufstieg:
Wie ist Bismarck an die Macht gekommen?
Bismarck kam schrittweise an die Macht. Zunächst diente er Preußen als Diplomat. 1862 wurde er vom preußischen König zum Ministerpräsidenten ernannt, um innenpolitische Konflikte zu lösen. Durch eine aggressive Außenpolitik und drei erfolgreiche Kriege (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich) stärkte er Preußens Position und ebnete den Weg zur deutschen Einigung. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde er vom Kaiser zum ersten Reichskanzler ernannt.
Wurde Bismarck zum Reichskanzler gewählt?
Nein, Bismarck wurde nicht gewählt. Er wurde von Kaiser Wilhelm I. am 21. März 1871 zum Reichskanzler ernannt. Das Amt des Reichskanzlers war im neu gegründeten Deutschen Reich eine Ernennungsposition durch den Kaiser, nicht das Ergebnis einer Volkswahl.
Wer ernannte Bismarck zum Kanzler?
Otto von Bismarck wurde von Kaiser Wilhelm I. zum Reichskanzler des Deutschen Reiches ernannt. Wilhelm I. war zuvor König von Preußen und wurde nach dem Sieg über Frankreich im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert.
Was waren Bismarcks letzte Worte?
Bismarcks letzte überlieferte Worte sollen an seine verstorbene Frau Johanna gerichtet gewesen sein: „Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe.“ Seine berühmten politischen Worte, die oft zitiert werden, stammen aus einer Rede von 1862 und lauten: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch
Blut und Eisen
.“
Otto von Bismarck war eine komplexe und umstrittene Figur, deren Handeln Deutschland und Europa nachhaltig veränderte. Sein Aufstieg zur Macht und seine Zeit als Reichskanzler sind zentrale Kapitel in der deutschen Geschichte.
Hat dich der Artikel Bismarck: Aufstieg zum Eisernen Kanzler interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
