Wann gab es die ersten Navis?

Die Evolution der Auto-Navigation

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Sich in unbekannter Umgebung zurechtzufinden, war für Autofahrer seit jeher eine Herausforderung. Lange vor der Ära der Smartphones und integrierten Bordsysteme waren Karten und ein guter Orientierungssinn die einzigen Werkzeuge, um ans Ziel zu gelangen. Doch die Technik hat sich rasant entwickelt und das Navigieren im Auto revolutioniert. Begeben wir uns auf eine Zeitreise, um zu erkunden, wann die ersten Navis auftauchten und wie sie unser Fahrerlebnis verändert haben.

Wann begann die Navigation in Autos?
Obwohl das GPS-Projekt in den 70er Jahren vom US-Militär initiiert wurde und die zivile Nutzung ab den 80er Jahren erlaubt war , kam das erste Serienauto mit eingebautem GPS-Navigationssystem erst 1990 auf die Straße. Die vierte Generation des Mazda Eunos Cosmo war zu dieser Zeit ein technologisches Wunderwerk.

Die Idee, dem Fahrer aktiv bei der Orientierung zu helfen, ist älter als man denkt. Während die Navigation auf See oder in der Luft schon lange auf Instrumente wie Kompass, Sextant oder Astrolabium setzte, blieben Autofahrer lange auf gedruckte Karten angewiesen. Diese waren oft veraltet, unübersichtlich und ihre Nutzung während der Fahrt war – und ist – alles andere als sicher. Die Notwendigkeit einer besseren Lösung war offensichtlich.

Die Vorläufer: Mechanische und kartengestützte Systeme

Man könnte argumentieren, dass die allerersten Versuche zur Auto-Navigation eher mechanischer Natur waren. In den 1930er Jahren gab es Geräte wie das Iter Avto. Dieses System, das am Armaturenbrett befestigt wurde, nutzte aufgerollte Papierkarten. Der Fahrer musste die Karte für seine Route einlegen und seine Startposition manuell einstellen. Das Gerät war über ein Kabel mit dem Tachometer verbunden. Während der Fahrt bewegte sich ein Marker auf der Papierkarte entsprechend der zurückgelegten Strecke. Das Problem? Das System zeigte lediglich die aktuelle Position auf einer Karte an. Die eigentliche Routenplanung und die Entscheidung, wo man abbiegen musste, verblieben vollständig beim Fahrer. Es war eher ein automatisierter Kartenleser als ein echtes Navigationssystem im heutigen Sinne.

Diese frühen Systeme waren rudimentär und boten keine dynamische Führung. Sie konnten nicht auf falsche Abbiegungen reagieren oder Alternativrouten vorschlagen. Jede Routenänderung erforderte den manuellen Austausch der Papierrolle – eine umständliche Angelegenheit.

Die Elektronik hält Einzug: Das Zeitalter der Gyroskope und frühen Computer

Die ersten wirklich elektronischen Navigationssysteme für Autos tauchten in den 1980er Jahren auf. Eines der bekanntesten Beispiele war das von Honda entwickelte Electro Gyrocator, das 1981 vorgestellt wurde. Dieses System war revolutionär, weil es erstmals eine elektronische Karte auf einem Bildschirm darstellte. Statt GPS, das sich zu dieser Zeit noch in der Entwicklung befand und militärischen Zwecken diente, nutzte der Gyrocator ein Gyroskop, um die Fahrtrichtung und die zurückgelegte Distanz zu bestimmen. Heliumströme und zwei Drähte halfen bei der Positionsbestimmung.

Die Karten wurden nicht digital gespeichert, sondern als transparente Overlays verwendet, die über einen Kathodenstrahlröhren-Bildschirm (CRT) gelegt wurden. Ein Punkt auf dem Bildschirm zeigte die aktuelle Position des Fahrzeugs. Ein 16-Bit-Computer führte die notwendigen Berechnungen durch. Obwohl fortschrittlich, war der Electro Gyrocator extrem teuer. Mit einem Preis von rund 2.746 US-Dollar, was heute weit über 7.000 US-Dollar entsprechen würde, war es nur einer kleinen Elite zugänglich. Zudem basierte die Positionsbestimmung rein auf der Schätzung der Bewegung ausgehend von einem Startpunkt (Koppelnavigation). Fehler summierten sich über die Zeit, und das System musste regelmäßig manuell neu kalibriert oder auf der Karte angepasst werden.

Parallel dazu gab es in Deutschland Entwicklungen wie den von Bosch in den späten 1980er Jahren entwickelten EVA (Elektronischer Verkehrslotse für Autofahrer). Dieses System arbeitete mit digitalisierten Stadtplänen, die über eine Bedienstation eingegeben wurden. Die Routenführung erfolgte per Sprachausgabe. Die berühmte „blecherne Stimme“ war damals noch eine technische Notwendigkeit, da männliche Stimmen mit weniger Speicherplatz digitalisiert werden konnten als weibliche. EVA war ein wichtiger Schritt hin zur automatisierten Routenführung, auch wenn es noch keine dynamische Anpassung an die aktuelle Verkehrslage oder Positionsbestimmung per Satellit bot.

Der Wendepunkt: GPS im Auto

Das Global Positioning System (GPS) wurde ursprünglich vom US-Militär in den 1970er Jahren initiiert. Die zivile Nutzung wurde ab den 1980er Jahren erlaubt, doch es dauerte noch einige Zeit, bis die Technologie klein, erschwinglich und präzise genug für den Einsatz in Autos war. Der entscheidende Durchbruch für die integrierte Auto-Navigation kam im Jahr 1990.

Was ist das älteste Navigationsinstrument?
Das Astrolabium Der Begriff Astrolabium bedeutet „einen Stern nehmen“ oder „Sternennehmer“. Obwohl nicht genau bekannt ist, woher dieses Werkzeug stammt, erfreute es sich im Römischen Reich zunehmender Beliebtheit und wurde viele Jahre lang verwendet.

Der japanische Hersteller Mazda brachte in diesem Jahr die vierte Generation des Mazda Eunos Cosmo auf den Markt. Dieses Fahrzeug war seiner Zeit technologisch weit voraus und gilt als das erste Serienauto mit einem eingebauten GPS-Navigationssystem. Das System verfügte über einen Farb-CRT-Touchscreen, der nicht nur Karten anzeigen konnte, sondern auch zur Steuerung von Klimaanlage, Mobiltelefon, Radio, Fernseher und CD-Player diente. Dies war ein enormer Schritt nach vorn. Erstmals konnte das Auto seine Position relativ genau bestimmen und auf Basis dieser Daten eine Route berechnen und anzeigen.

Obwohl GPS nun im Auto verfügbar war, waren diese frühen Systeme noch weit vom heutigen Komfort entfernt. Die Karten waren oft auf CD-ROMs gespeichert und mussten regelmäßig teuer aktualisiert werden. Die Rechenleistung war begrenzt, was zu langsamen Neuberechnungen bei Abweichungen führte. Die Benutzeroberflächen waren nicht immer intuitiv.

Der Aufstieg der Nachrüstsysteme und die Smartphone-Revolution

In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren wurden Nachrüst-Navigationssysteme populär. Diese Geräte, oft von Herstellern wie Garmin oder TomTom, waren erschwinglicher als die fest eingebauten Systeme in Luxusautos. Sie nutzten ebenfalls GPS und boten Sprachführung sowie eine grafische Darstellung der Route. Diese tragbaren Navis, oft mit Saugnäpfen an der Windschutzscheibe befestigt, machten die satellitengestützte Navigation einem breiteren Publikum zugänglich.

Die nächste große Revolution kam mit dem Aufstieg der Smartphones. Im Jahr 2009 wurde Sygic die erste Turn-by-Turn-Navigations-App für das iPhone. Plötzlich trugen Millionen von Menschen ein leistungsfähiges Navigationsgerät in ihrer Tasche. Smartphone-Apps boten von Anfang an Vorteile wie einfachere Updates der Karten über das Internet und die Integration mit anderen Diensten.

Die Entwicklung ging schnell weiter. Die Apps wurden leistungsfähiger, boten Echtzeit-Verkehrsinformationen, alternative Routen, Hinweise auf Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrspurassistenten und Millionen von Sonderzielen (Points of Interest). Die Benutzeroberflächen wurden immer intuitiver und die Karten detailreicher, teilweise sogar mit 3D-Gebäudedarstellungen.

Integration ins Auto: Das vernetzte Fahrzeug

Der Erfolg der Smartphone-Navigation führte zu einer neuen Entwicklung: der Integration des Smartphones ins Fahrzeug. Hersteller wie Sygic begannen Partnerschaften mit Automobilherstellern (z.B. Jaguar Land-Rover, Skoda, Honda) und Infotainmentsystem-Anbietern (z.B. Pioneer), um ihre Navigationssoftware auf den eingebauten Bildschirmen der Autos verfügbar zu machen. Apple und Google zogen nach und entwickelten ihre eigenen Plattformen, CarPlay und Android Auto, die es erlauben, kompatible Smartphone-Apps, einschließlich Navigations-Apps, sicher über das Fahrzeugdisplay zu bedienen.

Diese Integration bietet das Beste aus beiden Welten: die leistungsfähige und stets aktuelle Software des Smartphones auf dem ergonomisch platzierten und oft größeren Bildschirm des Autos. Funktionen wie Offline-Karten, prädiktive Routenführung basierend auf Fahrgewohnheiten und Live-Verkehrsdaten sind heute Standard.

Wann gab es die ersten Navis?
Die Erfindung des Navigationssystems Die Vorstellung des Prototyps eines Fahrzeugnavigationssystems am 21. Juni 1983 in Hildesheim erwies sich als wegweisend: EVA war das erste experimentelle System zur autonomen Navigation.

Vergleich: Frühe Systeme vs. Moderne Navigation

Um die Entwicklung zu verdeutlichen, werfen wir einen Blick auf die Unterschiede zwischen den frühen Navigationsansätzen und den modernen Systemen:

MerkmalFrühe Systeme (z.B. Iter Avto, Gyrocator, frühes GPS)Moderne Systeme (Smartphone-Apps, integrierte Systeme)
Technologie zur PositionsbestimmungMechanisch (Tachometer), Gyroskop, frühes GPSGPS, GLONASS, Galileo, WLAN, Mobilfunkmasten
KartenformatPapierrollen, Folien-Overlays, CD-ROMsDigitale Karten (oft cloudbasiert)
Karten-UpdatesManuell, teuer, seltenAutomatisch (oft kostenlos), Over-the-Air, häufig
RoutenberechnungManuell (Fahrer), sehr einfach, statischAutomatisch, komplex, dynamisch (Verkehr, Vorlieben)
BenutzerführungKeine oder einfache SprachansagenSprachführung (Turn-by-Turn), visuelle Darstellung (2D/3D), Fahrspurassistent
Echtzeit-VerkehrsinformationenNicht verfügbarStandardmäßig integriert (Online-Verbindung benötigt)
Kosten (Historisch)Sehr hoch (Gyrocator, frühes GPS)Relativ gering (App-Kauf) oder im Fahrzeugpreis enthalten
Flexibilität/PortabilitätGering (fest eingebaut oder klobig)Hoch (Smartphone-Apps, tragbare Geräte)
ZusatzfunktionenSehr begrenztMillionen von Sonderzielen, Wetterinformationen, Integration mit Kalender/Kontakten, Head-up-Displays, etc.

Häufig gestellte Fragen zur Auto-Navigation

Die Geschichte und Entwicklung der Auto-Navigation wirft oft einige Fragen auf:

Wann gab es das allererste Navigationssystem im Auto?
Das hängt davon ab, wie man 'Navigationssystem' definiert. Wenn man ein System meint, das dem Fahrer hilft, seine Position auf einer Karte zu verfolgen, dann gab es frühe mechanische Ansätze wie das Iter Avto in den 1930er Jahren. Wenn man ein elektronisches System mit Bildschirmkarte meint, dann war der Honda Electro Gyrocator von 1981 ein früher Vorreiter. Das erste Serienauto mit integriertem GPS-Navigationssystem war der Mazda Eunos Cosmo im Jahr 1990.

Wie funktionierten frühe Systeme ohne GPS?
Systeme wie der Honda Electro Gyrocator nutzten die sogenannte Koppelnavigation. Sie schätzten die aktuelle Position basierend auf der letzten bekannten Position, der zurückgelegten Strecke (gemessen über den Tacho) und der Fahrtrichtung (gemessen über ein Gyroskop). Diese Methode war anfällig für Fehler, die sich im Laufe der Fahrt aufsummierten.

Wann wurden GPS-Navis für normale Autofahrer erschwinglich?
Nachrüstsysteme von Firmen wie Garmin und TomTom in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren machten die GPS-Navigation einem breiteren Publikum zugänglich. Die Smartphone-Revolution ab 2009, die leistungsfähige Navigations-Apps hervorbrachte, senkte die Einstiegshürde noch weiter.

Sind integrierte Navigationssysteme im Auto besser als Smartphone-Apps?
Beide haben Vor- und Nachteile. Integrierte Systeme sind oft ergonomischer platziert und nutzen die Fahrzeugelektronik (z.B. GPS-Antenne auf dem Dach, Geschwindigkeitssignale), was potenziell zu einer stabileren und präziseren Positionsbestimmung führen kann, besonders in Tunnels oder Häuserschluchten. Sie sind auch tiefer ins Fahrzeug integriert (z.B. Anzeige im Head-up-Display oder Kombiinstrument). Smartphone-Apps sind dafür meist günstiger, einfacher zu aktualisieren, bieten oft mehr Funktionen (z.B. Integration mit anderen Apps) und profitieren von der schnellen Innovationsrate der Smartphone-Branche. Die Integration von Smartphone-Apps über Systeme wie CarPlay oder Android Auto kombiniert viele dieser Vorteile.

Was bringt die Zukunft der Auto-Navigation?
Die Zukunft der Navigation liegt in der weiteren Vernetzung und Integration. Systeme werden noch intelligenter, berücksichtigen noch mehr Daten in Echtzeit (nicht nur Verkehr, sondern auch Wetter, Parkplatzverfügbarkeit, Ladestationen für E-Autos etc.). Augmented Reality (AR), bei der Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld des Fahrers oder auf die Straße projiziert werden, wird eine größere Rolle spielen. Auch die Kommunikation zwischen Fahrzeugen (Car-to-Car) und zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (Car-to-Infrastructure) wird die Navigation beeinflussen, um Staus zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen. Navigation wird zunehmend Teil eines umfassenden Mobilitätserlebnisses.

Fazit

Die Reise der Auto-Navigation von einfachen mechanischen Hilfen über teure elektronische Insellösungen bis hin zu den allgegenwärtigen, vernetzten Systemen von heute ist faszinierend. Sie zeigt, wie technologische Fortschritte – von Gyroskopen über GPS bis hin zu leistungsfähigen Smartphones – unser Leben und unsere Art zu reisen fundamental verändert haben. Was einst ein Luxus für wenige war, ist heute ein unverzichtbarer Begleiter für Millionen von Autofahrern weltweit. Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, und wir dürfen gespannt sein, welche Innovationen uns in Zukunft sicher und effizient ans Ziel bringen werden.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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