Wann ist das Wallis der Schweiz beigetreten?

Wallis: Der Weg zum Schweizer Kanton 1815

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Das Wallis, ein Land der hohen Gipfel, tiefen Täler und einer einzigartigen Kultur, ist heute unbestreitbar ein integraler Bestandteil der Schweiz. Doch seine Eingliederung in die Eidgenossenschaft war ein Prozess, der von dramatischen politischen Umwälzungen geprägt war und erst relativ spät in der Schweizer Geschichte erfolgte. Viele fragen sich, wann genau dieses landschaftlich beeindruckende Gebiet offiziell ein Schweizer Kanton wurde. Die Antwort führt uns zurück in eine Zeit des Umbruchs in Europa nach den Napoleonischen Kriegen.

Die Geschichte des Wallis vor seinem Beitritt zur Schweiz ist komplex und spiegelt die politischen Kräfteverhältnisse der damaligen Zeit wider. Es war keine einfache und geradlinige Entwicklung, sondern eine Abfolge von verschiedenen Herrschaftsformen und Statusänderungen.

Wann ist das Wallis der Schweiz beigetreten?
Das Wallis zählt 126 Gemeinden im 2019. Aufgrund der Fusionen der Einwohnergemeinden wird diese Zahl jedoch in den kommenden Jahren weiter sinken. Das Wallis ist 1815 der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Schweiz) beigetreten.

Die turbulente Zeit vor dem Beitritt

Bevor das Wallis seinen Platz in der Schweizer Eidgenossenschaft fand, durchlief die Region eine Phase erheblicher Instabilität. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts und den Auswirkungen der Französischen Revolution geriet auch die alte Eidgenossenschaft ins Wanken. Im Jahr 1798 brach die Helvetische Revolution aus, die zur Gründung der Helvetischen Republik führte. Diese Republik stand unter starkem französischem Einfluss und ersetzte die alte, lose Konföderation der Kantone.

Für das Wallis bedeutete dies eine tiefgreifende Veränderung. Von 1798 bis 1802 wurde das Wallis in die zentralistische Helvetische Republik eingegliedert. Diese Periode der französischen Vorherrschaft war eine Abkehr von früheren Strukturen und Traditionen der Region. Nach dieser ersten Phase der Eingliederung folgte eine kurze Zeit, in der das Wallis angeblich eine unabhängige Republik bildete (1802–1810). Diese Unabhängigkeit war jedoch eher nominell, da die Region de facto weiterhin unter französischer Kontrolle stand.

Die wohl einschneidendste Phase der französischen Herrschaft begann im Jahr 1810, als kein Geringerer als Napoleon Bonaparte das Wallis annektierte. Er erkannte die strategische Bedeutung des Rhonetals und insbesondere des Simplonpasses für die Verbindungen zwischen Frankreich und Italien. Napoleon machte das Wallis zu einem französischen Departement und nannte es nach dem wichtigen Alpenübergang: das Departement Simplon. Diese direkte Eingliederung in das französische Kaiserreich dauerte bis zum Abzug der französischen Besatzer im Jahr 1813, nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug und den beginnenden Befreiungskriegen.

Nachdem die napoleonische Armee das Wallis verlassen hatte, wurde die Region im Namen der verbündeten Mächte – Österreich, Grossbritannien und Russland – von österreichischen Truppen besetzt. Diese Zeit der Besatzung markierte das Ende der französischen Ära und ebnete den Weg für eine Neugestaltung der politischen Landkarte Europas, die auf dem Wiener Kongress verhandelt wurde.

Wo kommen die Walliser her?
Als Walser werden die alemannischstämmigen Kolonisten bezeichnet, die im 12. und 13. Jahrhundert ihre Heimat im obersten Rhonetal (Wallis) verliessen und sich weit zerstreut im damals romanischsprachigen Grossraum der Alpen ansiedelten.

Der Weg zur Eidgenossenschaft

Nach dem Ende der napoleonischen Ära und der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress hatten die alliierten Mächte ein grosses Interesse daran, Frankreich einzudämmen und eine stabile politische Ordnung zu schaffen. Ein wichtiger Teil dieser Strategie war die Stärkung der Schweiz und ihre Umwandlung in einen militärisch neutralen Pufferstaat zwischen den Grossmächten. In diesem Kontext erschien die Integration strategisch wichtiger Gebiete wie des Wallis in die Eidgenossenschaft als ideale Lösung.

Die Alliierten unterstützten die Bestrebungen der Walliser Zenden – der historischen Verwaltungseinheiten des Wallis –, ihren Beitritt zur Schweiz zu beantragen. Obwohl es insbesondere im Oberwallis, das eher eine Rückkehr zur alten Ordnung wünschte, erhebliche Zurückhaltung und interne Diskussionen gab, wurde der Beitrittsantrag im Juni 1814 der eidgenössischen Tagsatzung übergeben.

Die eidgenössische Tagsatzung, die Versammlung der Vertreter der Kantone, befasste sich mit dem Antrag des Wallis sowie mit den Gesuchen weiterer Gebiete, die ebenfalls der Eidgenossenschaft beitreten wollten – namentlich Genf und Neuenburg. Am 12. September 1814 nahm die Tagsatzung die Anträge des Wallis, Genfs und Neuenburgs an. Die endgültige Aufnahme des Wallis in die Eidgenossenschaft wurde jedoch an eine Bedingung geknüpft: Das Wallis musste sich eine kantonale Verfassung geben.

Die entscheidenden Daten des Beitritts

Die Bedingung einer eigenen Verfassung führte zu heftigen Diskussionen innerhalb des Wallis. Die verschiedenen Regionen und politischen Lager mussten sich auf eine gemeinsame Grundlage einigen. Nach intensiven Debatten, die mehr von politischer Notwendigkeit als von allgemeiner Begeisterung getragen waren, einigten sich die Walliser Abgeordneten. Am 12. Mai 1815 verabschiedete das Wallis seine kantonale Verfassung.

Mit der Annahme der Verfassung war die letzte Hürde für den offiziellen Beitritt genommen. Nur wenige Wochen später, im Juni 1815, bestätigte die eidgenössische Tagsatzung die Aufnahme des Wallis als 20. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Dies war der entscheidende politische Schritt, der das Wallis formell zu einem gleichberechtigten Mitglied der Schweiz machte.

Wann kam welcher Kanton zur Schweiz?
Liste der Schweizer Kantone mit EckdatenAbk.KantonBeitrittAGAargau1803TGThurgau1803TITessin1803VDWaadt1803

Die offizielle Urkunde über den Beitritt wurde schliesslich am 4. August 1815 in Zürich unterzeichnet. Zusammen mit Genf und Neuenburg wurde das Wallis in den erneuerten Bundesvertrag aufgenommen, der am 7. August 1815 verabschiedet wurde. Dieses Datum, der 4. August 1815, gilt oft als das Datum, an dem das Wallis formell der Schweiz beitrat.

Das Wallis als 20. Kanton

Die Aufnahme des Wallis als 20. Kanton im Jahr 1815 war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der modernen Schweiz. Sie vergrösserte das Territorium der Eidgenossenschaft und stärkte ihre Position in den Alpen. Das Wallis brachte nicht nur seine strategisch wichtige Lage mit, sondern auch seine einzigartige Kultur, seine Zweisprachigkeit (Deutsch und Französisch) und seine beeindruckende Landschaft, die es heute zu einem der bekanntesten Kantone der Schweiz macht.

Die Eingliederung war Teil einer grösseren Transformation der Schweiz nach dem Ende der napoleonischen Ära, die schliesslich 1848 zur Gründung des modernen Bundesstaates führte. Das Wallis war nun ein gleichberechtigter Partner in diesem neuen Gebilde, mit Vertretung in den eidgenössischen Räten und der Möglichkeit, seine eigenen Angelegenheiten im Rahmen der Bundesverfassung zu regeln.

Die Vielfalt der Kantone – Ein kurzer Überblick

Die Schweiz besteht heute aus 26 Kantonen. Die Reihenfolge, in der die Kantone oft aufgezählt werden, folgt historisch der Zeit vor 1848 und beginnt mit den ehemaligen Vororten (Zürich, Bern, Luzern), gefolgt von den Kantonen in der Reihenfolge ihres Beitritts. Das Wallis gehört mit seinem Beitritt im Jahr 1815 zu den jüngeren Mitgliedern, zusammen mit Genf und Neuenburg.

Wann kam Wallis zur Schweiz?
Nach heftigen Diskussionen einigten sich die Walliser Abgeordneten mehr aus Notwendigkeit als aus Begeisterung und nahmen am 12. Mai 1815 eine Verfassung an. Im Juni bestätigte die eidgenössische Tagsatzung die Aufnahme des Wallis als 20. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Es gibt auch die historische Unterscheidung zwischen vollen Kantonen und sogenannten Halbkantonen (Obwalden, Nidwalden, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Basel-Stadt und Basel-Landschaft). Seit der Bundesverfassung von 1999 werden diese als Kantone mit halber Standesstimme bezeichnet. Dies hat nur Relevanz für die Zusammensetzung des Ständerates und das Ständemehr bei Abstimmungen, nicht aber für ihre innere Autonomie.

Ein Blick auf die Walliser Identität: Die Walser

Das Wallis ist auch bekannt als Ursprungsregion der Walser, jener alemannischstämmigen Kolonisten, die ab dem 12. und 13. Jahrhundert aus dem Oberwallis in weite Teile des Alpenraums auswanderten und dort Siedlungen gründeten. Diese Migration trug zur Verbreitung der alemannischen Sprache und Kultur in Regionen bei, die zuvor romanischsprachig waren, von Frankreich bis nach Österreich und Liechtenstein.

Die Walser-Sprache, eine höchstalemannische Mundart, ist ein bemerkenswertes kulturelles Erbe, das in einigen Walser-Siedlungen bis heute gepflegt wird und eine direkte Verbindung zur ursprünglichen Heimat im Wallis hat. Obwohl die Walser-Migration lange vor dem Beitritt des Wallis zur Schweiz stattfand, ist die Geschichte der Walser untrennbar mit der Geschichte des Wallis verbunden und unterstreicht die reiche kulturelle Vielfalt der Region, die sie in die Eidgenossenschaft einbrachte.

Häufig gestellte Fragen zum Beitritt des Wallis

FrageAntwort
Wann genau wurde das Wallis ein Schweizer Kanton?Das Wallis wurde im Jahr 1815 offiziell als 20. Kanton in die Schweizerische Eidgenossenschaft aufgenommen. Die Beitrittsurkunde wurde am 4. August 1815 unterzeichnet und das Wallis in den Bundesvertrag vom 7. August 1815 aufgenommen.
Warum trat das Wallis erst 1815 der Schweiz bei?Die Eingliederung wurde durch die politischen Umwälzungen der Napoleonischen Kriege und die anschliessende Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress ermöglicht. Zuvor stand das Wallis unter starkem französischem Einfluss oder war sogar direkt von Frankreich annektiert (Departement Simplon). Nach Napoleons Sturz sahen die Alliierten und ein Teil der Walliser Bevölkerung eine Integration in die gestärkte und neu ausgerichtete Eidgenossenschaft als vorteilhaft an.
War das Wallis vor 1815 unabhängig?Der Status des Wallis vor 1815 war wechselhaft. Es war Teil der Helvetischen Republik (1798–1802), danach kurzzeitig eine nominell unabhängige Republik unter französischer Kontrolle (1802–1810) und schliesslich ein französisches Departement (1810–1813). Eine echte, dauerhafte Unabhängigkeit wie die der alten Kantone gab es in dieser Periode nicht.
Welche anderen Gebiete traten zur gleichen Zeit der Schweiz bei?Neben dem Wallis traten auch die Gebiete, die heute die Kantone Genf und Neuenburg bilden, im Jahr 1815 der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Die Anträge wurden alle im September 1814 von der Tagsatzung angenommen und die Aufnahme erfolgte nach Erfüllung der Bedingungen im Jahr 1815.
Was ist ein Halbkanton und wie unterscheidet er sich?Der Begriff Halbkanton bezieht sich historisch auf sechs Kantone (OW, NW, AI, AR, BS, BL), die früher nur eine halbe Stimme in der Tagsatzung hatten. Seit 1999 heissen sie Kantone mit halber Standesstimme. Der Unterschied besteht heute ausschliesslich in der Gewichtung ihrer Stimme im Ständerat und beim Ständemehr bei Volksabstimmungen. Ihre innere Autonomie ist gleich wie bei anderen Kantonen.

Fazit

Der Beitritt des Wallis zur Schweiz im Jahr 1815 war das Ergebnis komplexer historischer Entwicklungen, die von den Umwälzungen der Napoleonischen Zeit geprägt waren. Nach Jahren unter französischem Einfluss fand das Wallis seinen Platz als 20. gleichberechtigter Kanton in der neu organisierten Schweizer Eidgenossenschaft. Dieses Ereignis festigte die moderne Schweiz und integrierte eine Region von grosser strategischer Bedeutung und reichem kulturellem Erbe in den Bundesstaat. Die Geschichte des Walliser Beitritts ist ein faszinierendes Kapitel der Schweizer Geschichte, das die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Region in turbulenten Zeiten zeigt.

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Andenmatten Soltermann

Hallo! Ich bin Andenmatten Soltermann, ein Schweizer Fotograf, der leidenschaftlich die Essenz der Welt durch seine Linse einfängt. Geboren und aufgewachsen in den majestätischen Schweizer Alpen, haben die deutsche Sprache und atemberaubende Landschaften meine kreative Vision geprägt. Meine Liebe zur Fotografie begann mit einer alten analogen Kamera, und seitdem widme ich mein Leben der Kunst, visuelle Geschichten zu erzählen, die berühren und verbinden.In meinem Blog teile ich praktische Tipps, Techniken und Erfahrungen, um dir zu helfen, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern – egal, ob du ein neugieriger Anfänger oder ein erfahrener Profi bist. Von der Beherrschung des natürlichen Lichts bis hin zu Ratschlägen für wirkungsvolle Bildkompositionen ist es mein Ziel, dich zu inspirieren, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Mein Ansatz verbindet Technik mit Leidenschaft, immer auf der Suche nach dem Funken, der ein Foto unvergesslich macht.Wenn ich nicht hinter der Kamera stehe, findest du mich auf Bergpfaden, auf Reisen nach neuen Perspektiven oder beim Genießen der Schweizer Traditionen, die mir so am Herzen liegen. Begleite mich auf dieser visuellen Reise und entdecke, wie Fotografie die Art und Weise, wie du die Welt siehst, verändern kann.

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