Die Geschichte der deutschen Währungen nach dem Zweiten Weltkrieg ist eng mit der Teilung des Landes verbunden. Während sich im Westen die Deutsche Mark (DM) etablierte und zu einem Symbol des Wirtschaftswunders wurde, hatte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) ihre eigene Währung, die Mark der DDR. Doch mit dem Fall der Mauer und dem Streben nach deutscher Einheit rückte ein historischer Moment näher: die Einführung der D-Mark auch im Osten.

Dieser bedeutende Schritt, der als Währungsunion in die Geschichte einging, markierte das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Realität für Millionen von Menschen in der DDR. Es war ein Tag voller Hoffnung, aber auch Ungewissheit.

Die Mark der DDR: Eine Binnenwährung mit vielen Namen
Bevor die D-Mark in der DDR Einzug hielt, gab es die Mark der DDR, umgangssprachlich oft als Ostmark bezeichnet. Ihre Geschichte begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen im Juni 1948, die die Reichsmark durch die Deutsche Mark (DM) ersetzte, wurden wertlos gewordene Reichsmarkbestände in großen Mengen in die Sowjetische Besatzungszone gebracht. Dies führte dort zu einer plötzlichen Inflation.
Als Notmaßnahme erfolgte vom 24. bis 28. Juni 1948 ein Bargeldumtausch. Zunächst wurden Reichsmarknoten mit Kupons beklebt – die sogenannte Kuponmark oder Tapetenmark. Später, vom 25. bis 28. Juli 1948, wurden diese gegen neue Banknoten der Deutschen Notenbank im Verhältnis 1:1 getauscht. Die Währungsbezeichnung war nun „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank“ (DM).
Im Laufe der Jahre gab es weitere Währungsreformen in der DDR:
- 1957: Die „Aktion Blitz“ führte einen schlagartigen Umtausch der Banknoten von 1948 durch, um illegale Bestände im Ausland zu entwerten. Neue Banknoten mit dem Jahresaufdruck „1955“ wurden ausgegeben.
- 1964: Erneuerung der Banknoten. Neue Banknoten mit der Bezeichnung „Mark der Deutschen Notenbank“ (MDN) wurden schrittweise eingeführt.
- 1968/1974: Umbenennung in Mark der DDR. Mit der Schaffung der Staatsbank der DDR und der weiteren Abgrenzung zur Bundesrepublik wurde die Währungsbezeichnung offiziell in „Mark der Deutschen Demokratischen Republik“ oder kurz „Mark der DDR“ (M) geändert. Umlaufende MDN-Noten blieben noch bis Ende 1982 gültig, und Münzen mit der Bezeichnung „Deutsche Mark“ (von 1956/57) wurden schrittweise ab 1978 durch Münzen mit der Bezeichnung „Mark“ ersetzt.
Die Mark der DDR war eine Binnenwährung, nicht international konvertierbar. Ein- und Ausfuhr waren verboten. Im internationalen Zahlungsverkehr wurden Valuta-Mark oder Valuta-Verrechnungseinheiten genutzt. Ausländer mussten ab 1964 einen Mindestbetrag – den sogenannten „Zwangsumtausch“ – in Mark der DDR wechseln. Einkaufen mit Westgeld war nur in den speziellen Intershops möglich, oder mit den dafür eingeführten Forumschecks.
Neben Bargeld gab es in der DDR auch Schecks und ab 1984 Geldautomaten, die mit einer Geldkarte genutzt werden konnten. Auch Ersatzgeld wie Gutscheine oder die Abschnitte des Kreditkaufbriefs für den Ehekredit waren verbreitet.

Der historische 1. Juli 1990: Die D-Mark kommt
Nach dem Mauerfall und den politischen Veränderungen Ende 1989 wurde schnell klar, dass eine gemeinsame Währung für die beiden deutschen Staaten unumgänglich war. Die Wahl fiel auf die D-Mark der Bundesrepublik Deutschland, die als stabile und international anerkannte Währung galt.
Der Stichtag für die Einführung der D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in der DDR war der 1. Juli 1990. Dieser Tag war für viele Menschen in der DDR ein Symbol für die lang ersehnte wirtschaftliche Annäherung an den Westen.
An diesem Sonntag öffneten die meisten Sparkassen und Banken in der DDR um 8 oder 9 Uhr ihre Türen. Der Andrang war riesig. Menschen hatten oft stundenlang gewartet, um ihre Ostmark in die begehrte D-Mark umzutauschen.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Bank am Alexanderplatz in Berlin. Sie hatte sich entschieden, bereits um Mitternacht zu öffnen – ein „Werbegag“, der jedoch zu einem Chaos führte. Der Ansturm war so groß, dass die wenigen anfangs anwesenden Volkspolizisten völlig überfordert waren. Das Gedränge wurde immer schlimmer, es gab erste Verletzte, und die Polizeikräfte mussten verstärkt werden. In den späten Nachtstunden mischten sich auch Betrunkene und Taschendiebe unter die wartende Menge.
Die ersten D-Mark-Empfänger
Punkt Mitternacht am Alexanderplatz wurden die Glastüren geöffnet. Der erste Bürger der DDR, der seine Ostmark in D-Mark tauschen durfte, war Joachim Corsalli, ein 41-jähriger Kohlefahrer. Er hatte sich bereits um 17 Uhr des Vortages mit Thermosflasche und Pass vor der Bank postiert. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen wurden ihm 3.000 D-Mark ausgezahlt, die er für sich und seine Frau abhob. Der Rummel um seine Person war ihm sichtlich unangenehm.

Die Bank überreichte ihm einen großen Präsentkorb mit westlichen Produkten, inklusive Champagner, sowie ein Sparbuch im Wert von 100 D-Mark als Willkommensgeschenk.
Die Umtauschkurse der Währungsunion
Die Umstellung von Mark der DDR auf D-Mark erfolgte nicht eins zu eins für alle Beträge. Es gab gestaffelte Umtauschkurse, um soziale Härten abzufedern und gleichzeitig der realen Wirtschaftskraft Rechnung zu tragen. Die Regelungen sahen wie folgt aus:
| Personengruppe / Betrag | Umtauschkurs (Ostmark: D-Mark) |
|---|---|
| Kinder bis 14 Jahre (Freibetrag) | 2.000 M: 2.000 DM (1:1) |
| Personen 15-59 Jahre (Freibetrag) | 4.000 M: 4.000 DM (1:1) |
| Personen ab 60 Jahre (Freibetrag) | 6.000 M: 6.000 DM (1:1) |
| Beträge über den Freibeträgen (Bürger der DDR) | 2 M: 1 DM (2:1) |
| Beträge (Nicht-Bürger der DDR) | 3 M: 1 DM (3:1) |
| Löhne, Gehälter, Renten, Mieten, laufende Kosten | 1 M: 1 DM (1:1) |
Diese Regelungen ermöglichten es jedem Bürger der DDR, zumindest einen Grundbetrag seiner Ersparnisse im günstigen Verhältnis 1:1 umzutauschen. Höhere Beträge wurden zum Kurs 2:1 gewechselt. Für Personen, die keine Bürger der DDR waren, galt generell ein Kurs von 3:1.
Besonders wichtig war die Umstellung von Löhnen, Renten und laufenden Kosten wie Miete und Strom. Diese wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt. Das bedeutete, dass jemand, der vorher 800 Mark der DDR Rente bekam, nun 800 D-Mark Rente erhielt. Allerdings fielen mit der Währungsunion auch viele staatliche Subventionen weg, was zu deutlichen Preiserhöhungen bei vielen Gütern führte.
Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 wurde die Mark der DDR offiziell von der D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel auf dem Gebiet der DDR abgelöst. Interessanterweise behielten die DDR-Münzen bis 50 Pfennig in einer Übergangszeit bis zum 30. Juni 1991 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ihre Gültigkeit. Dies geschah, da anfangs nicht genug Münzgeld der D-Mark zur Verfügung stand.
Das Ende der D-Mark Ära: Der Euro kommt
Die Geschichte der D-Mark in Deutschland – und damit auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR seit 1990 – endete einige Jahre später mit der Einführung des Euro.

Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion trat am 1. Januar 1999 in ihre dritte Stufe ein, und der Euro wurde die einheitliche Währung vieler Mitgliedsstaaten, zunächst jedoch nur als Buchgeld. Die D-Mark blieb weiterhin das gesetzliche Zahlungsmittel für Bargeldtransaktionen.
Die vollständige Umstellung auf den Euro erfolgte am 1. Januar 2002. An diesem Tag wurde der Euro auch als Bargeld eingeführt, und die D-Mark verlor ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. DM-Bargeld konnte noch bis zum 28. Februar 2002 weiterverwendet werden, danach nur noch bei der Deutschen Bundesbank umgetauscht werden (was bis heute möglich ist).
Somit war die D-Mark nur etwas über 11 Jahre die Währung in der ehemaligen DDR, von ihrer Einführung am 1. Juli 1990 bis zur Ablösung durch den Euro im Januar 2002.
Die Reichsmark als Vorläufer
Es ist interessant, auch die Währung zu betrachten, die sowohl der D-Mark im Westen als auch der Mark der DDR im Osten vorausging: die Reichsmark.

Die Reichsmark wurde durch das Münzgesetz vom 30. August 1924 nach der Hyperinflation von 1923 eingeführt und ersetzte die Papiermark. Sie war im täglichen Leben wertgleich mit der Rentenmark, die bereits ab November 1923 zur Stabilisierung diente. Der Umrechnungskurs von alter Papiermark zur Reichsmark betrug eine Billion zu eins.
Die Reichsmark war formal eine Goldkernwährung, praktisch aber eine Papierwährung. Während der Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere während des Zweiten Weltkriegs kam es durch die Finanzierung der Rüstungsproduktion zu einer massiven Ausweitung des Geldvolumens. Ende 1933 gab es 4,2 Milliarden RM im Umlauf, Anfang 1945 waren es bereits 73 Milliarden RM.
Nach dem Krieg hatte die Reichsmark aufgrund der Kriegszerstörungen und des aufgeblähten Geldvolumens nur noch geringe Kaufkraft. Sie wurde schließlich mit den Währungsreformen im Juni 1948 in den Westzonen durch die D-Mark und in der sowjetischen Zone durch die Deutsche Mark der Deutschen Notenbank abgelöst.
Häufig gestellte Fragen zur Währungsumstellung in der DDR
Wann genau wurde die D-Mark in der DDR eingeführt?
Die D-Mark wurde am 1. Juli 1990 als gesetzliches Zahlungsmittel in der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt.
Zu welchem Kurs konnte man Ostmark in D-Mark tauschen?
Der Umtausch erfolgte zu unterschiedlichen Kursen: Für Freibeträge (2.000 M für Kinder bis 14, 4.000 M für Personen 15-59, 6.000 M für Personen ab 60) galt ein Kurs von 1:1. Beträge über diesen Freibeträgen wurden für Bürger der DDR im Verhältnis 2:1 getauscht. Für Nicht-Bürger der DDR galt generell ein Kurs von 3:1. Löhne, Gehälter, Renten und laufende Kosten wie Miete wurden 1:1 umgestellt.

Wie lange waren DDR-Münzen nach der Währungsunion noch gültig?
DDR-Münzen bis zum Nennwert von 50 Pfennig blieben in einer Übergangszeit bis zum 30. Juni 1991 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR weiterhin gültiges Zahlungsmittel.
Was war die Währung der DDR vor der D-Mark?
Vor der Einführung der D-Mark war die Währung der DDR die Mark der DDR. Sie hatte zuvor auch andere Bezeichnungen wie „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank“ (DM der DN) und „Mark der Deutschen Notenbank“ (MDN).
Wann wurde die D-Mark in ganz Deutschland durch den Euro ersetzt?
Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als Buchgeld eingeführt. Die D-Mark wurde am 1. Januar 2002 durch die Einführung des Euro-Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel abgelöst. DM-Bargeld konnte noch bis Ende Februar 2002 verwendet werden.
Fazit
Die Einführung der D-Mark in der DDR am 1. Juli 1990 war ein zentrales Ereignis auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung. Sie beendete die Ära der Mark der DDR und integrierte die Wirtschaft des Ostens in das westdeutsche System. Dieser historische Tag, der von langen Schlangen und großer Aufregung geprägt war, steht symbolisch für den Wandel und die Hoffnungen, die mit der Einheit verbunden waren. Die D-Mark diente dann bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002 als gemeinsame Währung für ganz Deutschland.
Hat dich der Artikel Die D-Mark in der DDR: Ein historischer Tag interessiert? Schau auch in die Kategorie Ogólny rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
