Die Frage, welches Land die größten Schulden hat, beschäftigt viele Menschen. Staatsschulden sind ein zentrales Thema in der globalen Wirtschaft und beeinflussen Finanzen, Politik und das tägliche Leben der Bürger. Doch die bloße absolute Zahl der Schulden erzählt nur einen Teil der Geschichte. Viel aussagekräftiger sind oft Kennzahlen, die die Verschuldung ins Verhältnis zur Wirtschaftskraft oder zur Bevölkerungszahl setzen. Dieser Artikel beleuchtet die globale Landschaft der Staatsschulden, von den Spitzenreitern bei der absoluten Verschuldung bis hin zu Ländern mit minimalen Schuldenlasten, und wirft einen genaueren Blick auf die Situation in den USA und Deutschland.

Die Staatsschulden eines Landes umfassen im Wesentlichen alle Verbindlichkeiten, die der Staat gegenüber Dritten hat. Dies können inländische oder ausländische Gläubiger sein, wie Banken, Versicherungen, Investmentfonds, Privatpersonen oder andere Staaten. Die häufigste Form, wie Staaten Schulden aufnehmen, ist die Ausgabe von Staatsanleihen.

Absolute vs. Relative Verschuldung: Was zählt wirklich?
Wenn es um die Höhe der Staatsschulden geht, ist es wichtig, zwischen der absoluten Schuldenhöhe und relativen Kennzahlen zu unterscheiden. Die absolute Schuldenhöhe nennt den Gesamtbetrag der Schulden in einer bestimmten Währung. Ende 2016 betrug die weltweite Auslandsverschuldung beispielsweise 75,15 Billionen US-Dollar. Die Auslandsverschuldung der USA lag zu diesem Zeitpunkt bei 17,91 Billionen US-Dollar.
Für die Beurteilung der Tragfähigkeit von Schulden sind jedoch relative Kennzahlen aussagekräftiger. Die wichtigste davon ist die Schuldenquote. Sie setzt die Staatsschulden ins Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung eines Landes, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Eine hohe absolute Schuldenhöhe kann für eine große, wirtschaftlich starke Nation weniger problematisch sein als für ein kleines Land mit geringerem BIP. Weitere relative Indikatoren setzen die Schulden ins Verhältnis zu Exporterlösen oder zur Gesamtbevölkerung (Pro-Kopf-Verschuldung).
Wer hat die höchsten absoluten Staatsschulden?
Absolut gesehen führen die Vereinigten Staaten von Amerika die Liste der am höchsten verschuldeten Länder der Welt an. Die US-Staatsschulden erreichen regelmäßig neue Rekordhöhen.
Die Staatsschulden der USA im Detail
Die US-Staatsschulden beliefen sich zum Jahresende 2023 auf über 34,0 Billionen US-Dollar. Zum Stichtag 29. Dezember 2023 waren es exakt 34.001.493.655.565 US-Dollar und 48 Cent. Diese Zahl stieg im März 2024 weiter an und erreichte am 15. März 2024 bereits 34.542.838.497.262 US-Dollar und 94 Cent. Dies entspricht einem Wachstum von über 540 Milliarden US-Dollar in nur zweieinhalb Monaten.
Mit diesem enormen Schuldenstand liegen die USA weltweit auf Platz 1, gefolgt von China und Japan. Die Entwicklung der US-Verschuldung zeigt eine klare Tendenz: Sie steigt kontinuierlich an, zuletzt mit zunehmender Dynamik.

Teilt man die Schulden von 34 Billionen US-Dollar durch die geschätzte Einwohnerzahl von 340 Millionen Ende 2023, ergibt sich eine Pro-Kopf-Verschuldung auf Bundesebene von etwa 100.000 US-Dollar. Das bedeutet, rein rechnerisch müsste jeder US-Bürger diesen Betrag tragen, um die Staatsschulden zu begleichen. Hierbei sind private Schulden der Haushalte noch nicht einmal berücksichtigt. Die Gesamtverschuldung (Staat und Private) betrug laut US-Notenbank am 15. März 2024 sogar atemberaubende 97,9 Billionen US-Dollar.
Treiber der US-Verschuldung
Die Gründe für den rasanten Anstieg der US-Schulden sind vielfältig. Dazu gehören gigantische Konjunkturprogramme (wie das unter der Biden-Regierung), hohe Rüstungsausgaben und nicht zuletzt die Zinszahlungen für die bestehenden Schulden. Die USA müssen mittlerweile über 1 Billion US-Dollar allein für Zinsen auf ihre Staatsschulden aufwenden.
Wer sind die Gläubiger der USA?
Jeder, der eine US-Staatsanleihe besitzt, ist ein Gläubiger der USA. Das können Privatpersonen, in- und ausländische institutionelle Investoren (Banken, Versicherer, Rententräger) oder andere Staaten sein. Auch die US-Zentralbank (Federal Reserve System - FED) gehört zu den Gläubigern.
Die größten ausländischen Gläubiger der USA waren Anfang 2024:
| Rang | Gläubigerland | Schulden in Mrd. US-Dollar (Jan. 2024) |
|---|---|---|
| 1 | Japan | 1.153,1 |
| 2 | China | 797,7 |
| 3 | Vereinigtes Königreich | 753,5 |
| 4 | Luxemburg | 376,5 |
| 5 | Kanada | 339,8 |
| ... | ... | ... |
| 19 | Deutschland | 106,5 |
Auffällig ist die Präsenz kleinerer Staaten wie Luxemburg, Irland oder die Cayman Islands unter den Top-Gläubigern, die als wichtige Finanzzentren gelten.
Schulden der US-Bundesstaaten
Neben den Schulden des Bundes gibt es auch Schulden auf Ebene der US-Bundesstaaten und Kommunen. Diese beliefen sich am 15. März 2024 auf insgesamt 3,7 Billionen US-Dollar. Spitzenreiter bei den Schulden der Bundesstaaten waren Kalifornien (594,1 Mrd. USD), New York (411,1 Mrd. USD) und Texas (395,9 Mrd. USD).

Historische Entwicklung der US-Schulden
Die US-Staatsschulden stiegen historisch betrachtet vor allem in Kriegsphasen stark an (z.B. Bürgerkrieg, Erster und Zweiter Weltkrieg). Nach Kriegen gab es oft Phasen des Schuldenabbaus. Eine entscheidende Wende trat mit dem Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems im Jahr 1973 ein. Die Aufgabe der Goldbindung des Dollars öffnete „Tür und Tor“ für eine fortlaufende Verschuldung. Seitdem, insbesondere beschleunigt durch die Finanzkrise 2007 und jüngste Ereignisse, eilen die Schulden von Rekord zu Rekord, unabhängig davon, welche Partei im Weißen Haus regiert.
Wer hat die höchste relative Verschuldung (Schuldenquote)?
Obwohl die USA die höchsten absoluten Schulden haben, sind sie bei der Schuldenquote (Schulden im Verhältnis zum BIP) nicht weltweit an der Spitze. Die Staatsschuldenquote der USA auf Bundesebene lag Anfang 2024 bei 126,9 %. Zieht man auch die Schulden der Bundesstaaten und Kommunen hinzu, betrug die Quote am 15. März 2024 137,02 %. Im internationalen Vergleich liegt die USA damit eher im Mittelfeld.
Das Land mit der höchsten Staatsschuldenquote ist Japan. Mit einer Quote von rund 237 % des BIP übertrifft Japan alle anderen großen Volkswirtschaften bei weitem.
Welches Land hat die niedrigsten Staatsschulden?
Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es auch Länder mit sehr geringen oder sogar gar keinen Staatsschulden. Diese sind oft weniger im Fokus, aber ihre Situation ist bemerkenswert.
Das Land mit der weltweit niedrigsten Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP ist Brunei. Mit einer Verschuldungsquote von nur 2,8 % gilt Brunei als Land mit der geringsten Verschuldung. Weitere Länder mit bemerkenswert niedriger Schuldenquote sind:
- Afghanistan: ca. 7 %
- Estland: ca. 9 %
- Botswana: ca. 14 %
- Russland: ca. 15,5 %
Diese niedrigen Quoten stehen im starken Kontrast zu den Werten vieler entwickelter Industrienationen.

Hat Deutschland hohe Staatsschulden?
Deutschland gehört zu den großen Volkswirtschaften in Europa und der Welt. Wie steht es um die deutschen Staatsschulden?
Die deutschen Staatsschulden beliefen sich im Jahr 2024 auf 2,69 Billionen Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Anstieg betraf den Bund, die Bundesländer und die Gemeinden.
Die deutsche Schuldenquote (Schulden im Verhältnis zum BIP) lag im Jahr 2024 bei 62,5 %. Dieser Wert sank im Vergleich zum Vorjahr (62,9 %) leicht, hauptsächlich bedingt durch das Wachstum des nominalen BIP, das den Schuldenanstieg übertraf.
Ein Teil der deutschen Schulden entsteht auch auf europäischer Ebene. Deutschland wird ein Finanzierungsanteil von schätzungsweise 70 Milliarden Euro (1,6 % des deutschen BIP) an den konsolidierten Schulden der EU-Institutionen zugerechnet, die im Jahr 2024 auf insgesamt 282 Milliarden Euro stiegen. Diese Schulden werden letztlich über den EU-Haushalt bedient, an dem Deutschland mit etwa einem Viertel beteiligt ist.
| Jahr | Schuldenstand Deutschland (Mrd. €) | Schuldenquote (% des BIP) |
|---|---|---|
| 2017 | 2.133 | 64,0 |
| 2018 | 2.086 | 60,8 |
| 2019 | 2.076 | 58,7 |
| 2020 | 2.348 | 68,1 |
| 2021 | 2.504 | 68,1 |
| 2022 | 2.571 | 65,0 |
| 2023 | 2.632 | 62,9 |
| 2024 | 2.689 | 62,5 |
Im Vergleich zu Ländern wie Japan oder den USA ist die deutsche Schuldenquote deutlich niedriger und liegt näher an der im Maastricht-Vertrag ursprünglich angestrebten Obergrenze von 60 %.
Welche Folgen hat eine hohe Staatsschuld?
Eine dauerhaft hohe oder schnell wachsende Staatsschuld kann verschiedene Risiken bergen:
- Vertrauensverlust: Inländische und ausländische Investoren könnten das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Staates verlieren.
- Steigende Zinsen: Wenn Gläubiger ein höheres Risiko sehen, verlangen sie höhere Zinsen für Kredite an den Staat. Dies verteuert die Neuverschuldung und die Bedienung bestehender Schulden. Steigende Zinsen für den Staat können auch zu höheren Zinsen für private Kredite führen.
- Schuldenspirale: Wenn die Zinslast so hoch wird, dass der Staat neue Schulden aufnehmen muss, nur um die Zinsen zu bezahlen, kann eine gefährliche Schuldenspirale entstehen.
- Sparmaßnahmen: Um die Schuldenlast zu reduzieren, könnte der Staat gezwungenermaßen Ausgaben kürzen, was zu Sparmaßnahmen zulasten der Bevölkerung führen kann.
- Inflation: Eine Notenbank könnte versuchen, Schulden durch Inflation „wegzuinflationieren“, indem sie die Geldmenie erhöht und Staatsanleihen kauft. Geldentwertung begünstigt tendenziell den Schuldner (Staat), birgt aber erhebliche Risiken für die Wirtschaft und die Ersparnisse der Bürger.
- Schuldenschnitt oder Währungsreform: Im schlimmsten Fall kann eine unkontrollierbare Schuldenlast zu einem Schuldenschnitt (Enteignung der Gläubiger) oder einer Währungsreform führen.
- Government Shutdown: Im US-System kann eine ausufernde Verschuldung oder das Erreichen einer Schuldenobergrenze zu einem „Government Shutdown“ führen, bei dem Teile der Regierung mangels Budget schließen müssen.
Ob eine hohe Schuldenquote gefährlich ist, hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Stärke der Wirtschaft, die Zinslast, die Struktur der Schulden und das Vertrauen der Gläubiger. Für die USA ist die Situation besonders brisant, da der US-Dollar die Weltleitwährung ist. Ein Vertrauensverlust in den Dollar hätte globale Auswirkungen.

Wichtige Begriffe rund um Schulden
Bei internationalen Vergleichen von Schulden kann es zu Verwirrung kommen, insbesondere bei den Begriffen „Billion“ und „Milliarde“.
Im (US-)Englischen bedeutet „billion“ Milliarde. Das, was im Deutschen als „Billion“ bezeichnet wird (eine Million Millionen), heißt im Englischen „trillion“. Wenn also in englischsprachigen Quellen von „billions“ die Rede ist, sind im Deutschen Milliarden gemeint. „Trillions“ entsprechen deutschen Billionen.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat mehr Schulden, USA oder Deutschland?
Absolut gesehen haben die USA mit über 34 Billionen US-Dollar (Stand März 2024) deutlich höhere Staatsschulden als Deutschland mit rund 2,69 Billionen Euro (Stand 2024). Auch die Pro-Kopf-Verschuldung auf Bundesebene ist in den USA mit rund 100.000 US-Dollar pro Bürger (Stand Ende 2023) höher als in Deutschland.
Welches Land hat die höchste Privatverschuldung?
Laut den vorliegenden Informationen sind die US-Amerikaner auch bei der privaten Verschuldung weltweit führend. Die Gesamtverschuldung (öffentlich und privat) in den USA betrug am 15. März 2024 fast 98 Billionen US-Dollar.
Welches Land hat die höchste Schuldenquote?
Das Land mit der höchsten Staatsschuldenquote im Verhältnis zum BIP ist Japan mit rund 237 %.

Welches Land hat die niedrigsten Staatsschulden?
Das Land mit der niedrigsten Staatsschuldenquote ist Brunei mit nur 2,8 %.
Sind die hohen US-Schulden gefährlich?
Experten sind sich uneins, aber eine dauerhaft wachsende US-Verschuldung birgt Risiken. Dazu gehören steigende Zinskosten, die Gefahr einer Schuldenspirale, möglicher Vertrauensverlust der Gläubiger in den Dollar als Weltleitwährung und langfristig die Möglichkeit eines Schuldenschnitts oder einer Währungsreform, insbesondere wenn das Wirtschaftswachstum nicht mithält.
Bei wem haben die USA Schulden?
Die USA haben Schulden bei einer Vielzahl von Gläubigern im In- und Ausland. Dazu gehören Banken, Versicherer, Rentenfonds, Privatpersonen, die US-Zentralbank (FED) und andere Staaten wie Japan, China, das Vereinigte Königreich, Luxemburg und viele weitere.
Fazit
Die Staatsschulden sind ein komplexes Thema, das weit über die absolute Höhe hinausgeht. Während die USA die unangefochtenen Spitzenreiter bei der absoluten Verschuldung sind, zeigen Länder wie Japan, dass die Schuldenquote eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Stabilität spielt. Deutschland steht im internationalen Vergleich mit einer moderateren Schuldenquote da, muss aber ebenfalls die Entwicklung im Auge behalten, insbesondere im Kontext der europäischen Verschuldung. Die Risiken hoher Staatsschulden sind real und können von steigenden Zinsen über Sparmaßnahmen bis hin zu Inflation oder sogar Staatsbankrotten reichen. Die globale Schuldenlandschaft ist in ständiger Bewegung, und ihre Entwicklung wird weiterhin eine zentrale Herausforderung für Regierungen weltweit bleiben.
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